Verteidiger sieht „Skyrim“ als Auslöser

(focus/merkur-online/wochenblatt/idowa) Das Landgerichts Landshut musste sich mit der Tat von Christoph W. beschäftigen, der die Eltern seiner Ex-Freundin unter Verwendung von Messern, Äxten und diversen anderen Gegenständen getötet hat. Dabei wurde von einem Sachverständigen die volle Schuldfähigkeit des Täters angenommen, während der Verteidiger versuchte diese wegen der Wirkung von Videospielen in Frage zu stellen.

Der Verteidiger hatte bereits im Februar vorgetragen, dass der Täter Videospiele genutzt habe, welche die Tat beinflusst haben könnten. Insbesondere habe der Täter Spiele wie „Skyrim“, „Call of Duty“ und „Brothers in Arms“ nicht nur intensiv über Jahre, sondern auch am Vorabend der Tat gespielt. Es sei somit vorstellbar, dass diese der Auslöser der Tat sind: Dass, um es mit den Worten der Presse zu sagen, dem Täter möglicherweise ein „blutrünstiges Killerspiel […] den letzten Kick“ gegeben habe.

Das Gericht erklärte sich bereit den Anträgen des Verteidigers nachzugehen und nahm die jeweiligen Spiele des Täters in Augenschein. Konsole und Spiel wurden durch dessen Mutter gestellt. Bereits während der Beweisaufnahme ließ das Gericht aber durchscheinen, dass es anderer Meinung als der Verteidiger sei. Die Kammer äußerte sich nach der Demonstration am PC dahingehend, dass das „ab 16“ freigegebene Videospiel „noch relativ harmlos“ erscheine. Der für die Auswertung verantwortliche Polizeibeamte gab dagegen allgemein an, dass der Täter offenbar Videospiele bevorzugte, die „relativ brutal“ seien, wobei dies daran festgemacht wurde, dass ein „echter Nahkampf“ stattfinde.

Während der Verteidiger noch im Plädoyer Parallelen zwischen der Tat und den Videospielen betonte – für seinen Mandaten sei die Tat wie ein „Killerspiel“ gewesen: „Abwehr oder Angriff, entweder geht der andere zu Boden oder ich“ – sah das Gericht dies offenbar anders. Es hat Christoph W. gestern zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und ihn dabei als voll schuldfähig angesehen.

5 Gedanken zu “Verteidiger sieht „Skyrim“ als Auslöser

  1. Völlig außen vor bleibt dabei wieder mal jeglicher Kontext, egal ob in Videospielen oder dieser anderen Lebenswirklichkeit. Und weshalb Games dahingehend überhaupt „harmlos“ sein sollten. Alles wird immer nur auf Gewalthandlungen reduziert, doch eine Exekutive handelt so oder so ebenfalls genau damit: schließlich gibt es auch in „Skyrim“ Polizei mit Wachen in jeder Stadt/Siedlung. Und auch in „Skyrim“ können Verbrechen begangen werden, die dann aber ebenfalls als solche zu betrachten sind. Die diesen zugrunde liegende Strafverfolgung mag in dem Spiel eine andere sein, eine mitunter (hoffentlich!) monetär-korruptere als in Deutschland der Fall, sowie in der Fiktion mit einer anderen Ethik verbunden.
    Dennoch ist auch dessen Realität keine in der Verbrechen irgendwie umgedreht werden würden, plötzlich keine mehr darstellen würden. Nur weil sich bewusst aktiv-positiv damit beschäftigt oder auseinandergesetzt werden möchte, und in der deutschen Realität dann stets affirmativ interpretierend und moralisierend von Neuem auf Games negativ geschielt wird.

  2. Ob Spielvergleiche vielleicht in Fällen, in denen die Schuldfrage ziemlich eindeutig ist, auch damit zusammenhängen, dass den Verteidigern schlicht nix anderes einfällt und sie nach jedem Strohhalm greifen…?

  3. Ist mit dieser Verteidigung eigentlich jemals irgendjemand durchgekommen ?
    Und wenn ja, könnte man daraus eine schöne populistische Kampagne stricken…

    „Bekannter Kriminologe verschafft mit Killerspielexpertise Mörder mildernde Umstände“, das hätte was.
    :Bitteres Lachen: angesichts des Verbrechens.

  4. Na wenigstens sind nicht alle Richter verbledete Vollidioten (sorry aber nachdem ich neulich gelesen habe dass ein 21jähriger der wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Raub, Bedrohung und Unfallflucht angeklagt war 2 Jahre auf Bewährung bekommen hat gibt es solche Richter mehr als eindeutig)…dem Verteidiger würde ich angesichts seiner unsauberen Arbeitsmethoden die Lizenz entziehen^^

  5. Ich vermute, dass der Verteidiger die Fährte auf dünnem Eis nicht nur aus Überzeugung, sondern auch entgegen dem Risiko gegenüber, dass er verlieren würde, ein ziemlich gefragter Mann wäre, wenn er den durchgekommen wäre.
    „Menschen die nach Macht streben, suchen stehts den Zweifel um an ihr Ziel zu kommen“.

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