Weiß beklagt „Einfluss durch die Lobby der Medienindustrie“

(Mediengewalt.eu) Der Verein „Mediengewalt e.V.“ hat sich ausweislich seiner Satzung der „Aufklärung über Medieneinflüsse“ verschrieben, wobei dies natürlich nicht zum Selbstzweck geschieht: Die Mitglieder, zu denen u.a. die Psychologen Prof. Dr. Helmut Lukesch, Prof. Dr. Günter L. Huber, Dr. Werner H. Hopf und Dr. Rudolf H. Weiß gehören, zeigen sich regelmäßig als Befürworter restriktiverer Gesetze, die den Zugang zu gewaltdarstellenden Videospielen erschweren sollen.

Aktuell weist der „Mediengewalt e.V“ auf eine von Dr. Rudolf H. Weiß im Jahr 2013 durchgeführte Studie hin, die sich mit der Mediennutzung von den Schülern der 8. Klasse einer Haupt-/Realschule beschäftigt. Hierbei ist man bezüglich des Videospiels „Call of Duty – Black OPs 2“ zu dem Ergebnis gekommen, dass 86 % der Jungen das Spiel nutzten. Dieser Prozentsatz ist 20 %-Punkte höher, als der Wert, der 2008/2009 für die Nutzung von „GTA: IV“ bzw. „Modern Warfare 2“ ermittelt wurde. Der Autor sieht hier Anzeichen für eine Tendenz:

Dies kann ein Indiz dafür sein, dass bei Kindern und Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren das Spielen von Kriegs-Shootern ohne Jugendfreigabe (18+) und die damit verbundene Suchtgefahr von Jahr zu Jahr größer wird.“

Der „Mediengewalt e.V.“ betont in Hinblick auf „Black Ops 2“, dass für „Adam Lanza […] dieser brutale Kriegs-Shooter Vorbild für seine schreckliche Tat mit 26 Opfern“ war, sowie dass „ähnliche medieninduzierte Prozesse […] für die Täter Tim K. […] und beim Massenmörder Anders Breivik […] festgestellt“ worden seien. Ein Umstand, der nach Weiß in der Berichterstattung nicht genügend herausgestellt wurde. Die Einflüsse der Medien sei nur von „Wenigen […] und ohne politischen Handlungsbedarf vorgebracht“ worden.

Dies beklagt Weiß, weil nach seiner Ansicht an den jeweiligen Taten „nachweislich diejeweiligen „Mainstream-Shooter“ mitbeteiligt“ gewesen seien, die „ein ständiger Wegbegleiter der Täter“ waren. Hierbei zeigt er sich hinsichtlich des bisher ausgebliebenen Erfolgs der Vereinsarbeit enttäuscht und frustriert – man käme gegen die Lobbyarbeit der Videospielbranche nicht an.

Auch der fehlenden Einsicht der „Gamer“ widmdet sich Weiß. Zwar sei die Nutzung von derartigen Spielen für erwachsene Männern genauso gewöhnlich wie das „täglich Brot essen„, doch auf das Fehlen eines Einflusses könne deswegen – anders, als es ihm „eingefleischte Gamer […] gelegentlich“ vorhalten wurden – nicht geschlossen werden. Die subjektiv und unlogisch argumentierenden Gamer würden den entscheidenen Unterschied übersehen:

Wenn man sich mit Brot überfrisst kann man sich allenfalls selbst gesundheitlich schädigen. Aber wenn man sich mit Gewaltmedien ‚überfrisst‘ kann dies nicht nur die eigene Person schädigen, sondern auch andere.“

Der obligatorische Hinweis, dass man keine Monokausalität behaupte, aber es ohne die Videospiele im Endeffekt dann aber doch nicht gegangen wäre, fehlt ebenfalls nicht:

Extremer Gewaltmedienkonsum ist keine zwingende Voraussetzung für einen ‚Amoklauf‘, in vielen Fällen jedoch eine hinlänglich notwendige Einflussgroße um den destruktiven Ablauf zu erklären.“

Weiß belegt diese Behauptung u.a. mit der Aussage, dass schon Breivik selbst „‚Call of Duty-Modern Warfare 2‘ als seine wichtigste Trainingshilfe bei der Vorbereitung seines Amoklaufes“ beschrieben habe, wobei dies wohl auf eine etwas missglückte Übersetzung zurückzuführen ist. Breivik schrieb über „Modern Warfare 2“:

I played MW1 as well but I didn’t really like it as I’m generally more the fantasy RPG kind of person – Dragon Age Origins etc. and not so much into first person shooters. I see MW2 more as a part of my training simulation than anything else.

Breivik sagt also, dass er eigentlich RPGs FPSs vorziehe. In diesem Kontext dürfte das „more as a part of my training simulation than anything else“ dahingehend zu verstehen sein, dass er die Nutzung des Spiels hauptsächlich als Teil seines Trainings betrachte (Da er eigentlich andere Genre bevorzugt) und nicht so gemeint sein, dass sein Training hauptsächlich aus der Nutzung des Titels bestünde. Ergebnis dieses Trainings sei u.a. gewesen, dass Breivik taktische Magazinwechsel durchführte, obwohl dafür keine Verlanlassung bestanden habe (Er habe Magazine ausgewechselt, auch wenn diese noch nicht vollständig leergeschossen waren.). Dabei habe das Spiel die Tat auch auf andere Weise gefördert:

Dieses Computerspiel war für Breivik nicht nur eine Trainingshilfe sondern der versteckte „virtuelle Faschismus“ verstärkte sein politisch und religiös motiviertes Sendungsbewusstsein sowie seine Allmachtsfantasien und sein Bedürfnis, ein Held zu werden […].“

Des Weiteren würde ein „Realitätsdurchbruch“ drohen, bei dem der Nutzer wie im Rausch teilweise die Kontrolle verliere und nur noch bedingt zurechnungsfähig sei. Als Medien, die hierzu führen könnten, seien neben Videospielen auch Filme, Musikstücke und literarische Werke zu nennen. Die größte Eignung würden jedoch die Videospiele aufweisen, weil „bei diesen die verhaltensprägende Wirkung am stärkste“ sei. Weil dies in Extremfällen ein Auslöser sein könne, fordert Weiß politische Konsequenzen. Die nicht genehmen Spiele sollten zukünftig ausnahmslos verboten oder indiziert werden:

Aus diesem Grunde sagen wir schon seit Jahren, dass solche menschenverachtenden Produkte wie ‚Black Ops 2‘ überhaupt nicht auf den Markt gehören, jedenfalls keine Freigabe ab 18 Jahren erhalten dürften.

Dass es hierzu noch nicht gekommen ist führt Weiß auf mehrere Umstände zurück.

– Die Medien und die in den Medien präsenten Personen würden die Thematik nicht angemessen behandeln: Der Einfluss von Gewaltmedien spiele „im Kontext möglicher Tatursachen im öffentlichen und politischen Diskurs bislang kaum eine Rolle„. Es sei „bedauerlich, dass dieser bei den bisherigen Erklärungsversuchen von Leuten, die eine sog. ‚Deutungshohheit‘ beanspruchen oder denen eine solche von bestimmten Presseorganen zugemessen wird, bis dato außen vor geblieben ist„.

– Die für die Bewertung maßgeblichen Institutionen würden dem Einfluss der Medienindustrie ausgesetzt sein, weshalb sie durch staatliche Stellen ersetzt werden müssten: „Der Zugang zu extremen Gewaltmedien […] für die jüngere Generation muss stärker eingeschränkt werden durch eine einschneidende Einflussbegrenzung der weitgehend von der Medienindustrie abhängigen Bewertungsinstanzen (USK-FSK-FSF) und ersetzt werden durch eine kompetente und objektivere rein staatliche Bewertungsinstitution (neuorganisierte BPJM)„.

– Die Politiker würden vor Verboten aus ethisch verwerflichen Gründen – der wirtschaftlichen Bedeutung der Branche und der Sorge um Stimmen – zurückschrecken: „Da ist soviel Geld im Spiel und die Lobbyarbeit dieses Wirtschaftszweiges ist so intensiv, dass unsere politischen Entscheidungsträger (zumindest bei uns in Deutschland) diesem gigantischen ‘Geschäft mit der Gewalt’ kaum mehr Widerstand entgegensetzen. Dazu kommt noch die Angst vieler Politiker, dass ihre Partei Stimmen vor allem von den Jungwählern an die Piratenpartei verlieren könnte, wenn sie sich für eine stärkere Begrenzung der Beschaffungsmöglichkeiten von solchen Produkten ausspricht„.

Mediengewalt.eu (Blog)
Schülerbefragung (pdf)
Appell (pdf)

2 Gedanken zu “Weiß beklagt „Einfluss durch die Lobby der Medienindustrie“

  1. Also der übliche pseudowissenschaftliche Blödsinn, die Studie veröffentlichen wir einmal schnell ohne das richtige Wissenschaftler Zeit bekommen überhaupt ersteinmal das Werk auf wissenschaftliche Methodik zu prüfen. 42 Schüler sind nicht representativ. Keine Kontrollgruppen, keine Fragen nach anderen Belangen wie welche Spiele sonst gespielt werden, wenn ja für wie lange, oder andere Aktivitäten, Lebenumstände. Dann die üblichen ignoranten Argumentationketten. Er stellt die Behauptung auf das CODBLOPS2 Massenmord verursache, bleibt aber jeweder wissenschaftlichen Beweis schuldig. Dieser Appell ist nicht weiter als Panikmache und Meinung. Dann haben wir noch andere Logikbrüche in seinen Aussagen, es gibt keine Monokauslen Zusammenhang, ja aber hindert es ihn nur ein bestimmes Spiel oder einen bestimme Mediengruppe heraus zusondern um es für Gewalttaten verantwortlich zu machen, nein! Dann haben wir auch Massenmorde wie beispielsweise den gerade in Serbien, aber da hier ein 62 Jahre alter Opa mit einer Waffe 13 Menschen umbringt, passt nicht in sein Weltbild, also wird es kurzerhand ingnoriert. Sind es ja nur die pösen pösen jungen Egoshooterspieler die Massenmord verursachen. Gerade zu pervers ist dann noch die Idee das die ohnehin schon sensationgeilen Boulevard Medien noch mehr verantwortungslose unseriöse Berichterstattung machen, vom Copycat Effekt hat er wohl noch nichts gehört. Gerade der mediale Hype um einen Massenmord kann als Ansporn für eine weitere Bluttat taugen, da die Mörder mehr Aufmerksamkeit bekommen als die Opfer.

  2. Da weiß man gar nicht wo man anfangen soll o_O
    Immerhin wurde der „Brot-Vergleich“ mal beleuchtet, allerdings meiner Meinung nach etwas ungenügend. So ein Brot kann man auch Schimmeln lassen und dann einem Unwissenden zum essen geben oder man lässt es alt und hart werden, wodurch es zur gefährlichen stumpfen Waffe wird. Wie man sieht kann selbst einfaches Brot gefährlich für Mitmenschen werden!

    Deshalb halte ich es für angebracht das Brot strenger reguliert werden sollte, der momentane Zustand ist untragbar! Brot mag ein alltäglicher Gegenstand sein, aber selbst alltägliche Gegenstände können im Zweifel zu unmenschlichen und grausamen Waffen werden. Das hat ja auch schon die DPolG mit ihren Namensschildern vor nicht allzu langer Zeit festgestellt.

    Ansonsten viele beeindruckende Worthülsen mit relativ weniger wirklicher Substanz…

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