„Stiftung Digitale Spielekultur“ – Beirat konstituiert

(via ea-blog, sds) Bereits 2007 beschloss der Bundestag neben den „Deutschen Computerspielpreis“ auch eine „Stiftung für interaktive Medien“ zu schaffen. Aufgaben sollte u.a. sein auf Chancen und Möglichkeiten, Jugendgefährdungen zu minimieren, hinzuweisen, die Vielfalt des Angebots hocherwertiger Spiele zu fördern, Maßnahmen zur Verbesserung des Jugendschutzes zu planen und durchzuführen, Medienkompetenz zu vermitteln, Konzepte für die Ausbildung von Fachkräften zu erarbeiten und Netzwerke zu bilden (Vgl: 16/7116 und 16/7081).

Am 06.07.2013 hat sich nun der Beirat der Stiftung konstituiert, wobei es offenbar einige Änderungen gegeben hat. Am augenscheinlichsten dürfte der Name „Stiftung Digitale Spielekultur“ sein, der weniger technisch als „Stiftung für interaktive Medien“ ausfällt und sogar das Bekenntnis zur „Kultur“ vor sich herträgt. Die Aufgaben sind kompakter in vier Säulen – Wirtschaft und Ausbildung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur sowie Forschung und Wissenschaft – unterteilt. Allgemein wird bei den Formulierungen der Jugendschutz weniger herausgestellt, auch wenn er selbstverständlich nach wie vor noch enthalten ist.

Unter den 14 Beiratsmitgliedern ist mit dem „Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware“ und dem „Bundesverband der Computerspieleindustrie“ auch die Branche selbst vertreten, wobei diesen eine weitaus größerer Anzahl von Mitgliedern mit (auch) pädagogischen Interessen gegenübersteht. U.a. das „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“, die „Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten“, dem „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“, der „Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur“, die „Obersten Landesjugendbehörden“ und die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“.

Augenscheinlich ist, dass sich im Beirat kein Vertreter der Spielergemeinde wiederfindet. Auch wenn sich die Interessen von Industrie und Gamern in vielen Bereichen überschneiden, ist dies bei Themen wie Datenschutz und Verbraucherschutz nur bedingt der Fall. Insbesondere beim Thema Jugendschutz kann auch nicht zwingend davon ausgegangen werden, dass sich die Branche für eine Liberalisierung einsetzt, da dies der Akzeptanz des Mediums schaden könnte. Dies zeigte sich bei Arcaden am Beispiel von „Lover Boy“. Nachdem es 1982 zu einer parlamentarischen Anfrage im Bundestag gekommen war, kaufte die Automatenselbstkontrolle „alle im Markt befindlichen Platinen auf und vernichtete sie„.

Etwas ambivalent ist vor allem die Beteilung des „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“ Bernd Neumann (CDU), der kategorisch ausschließt, dass Ego-Shooter kulturell wertvoll sein könnten und es bedauert, dass es nicht gelingen werde „solche negativen Nischen […] völlig ausmerzen„.

Zur Pressemeldung

5 Gedanken zu “„Stiftung Digitale Spielekultur“ – Beirat konstituiert

  1. Ich sehe in diesen ganzen Konstellationen praktisch reinen Lobbyismus am Werk. So wie etwa auch in der Jury vom Deutschen Computerspielpreis, da gibt es nur noch zusätzlich eine dem Medium gegenüber von Vornherein negativ eingestellte Staatsobrigkeit. Nur viel besser ist das hier auch nicht, und das liegt allein schon an der Verzahnung zwischen Videospielpresse, strukturell vor allem systematisch (wenn schon nicht pädagogisch) orientierter Medienwissenschaft und Industrieinteressen im Verhältnis zu etablierter (Partei-)Politik.
    Und Vielfalt ist dabei häufig nichts weiter als ein Vorwand: vielmehr zeichnen sich sämtliche Gamejams, Serious-Games-Bewegungen und Unabhängigkeitspraxen durch Distanz zur restlichen Industrie aus, welche dann in deren „Kritik“ für gewöhnlich schon ähnlich negativ gesehen wird wie von vermeintlichen Neue-Medien-Außenseitern à la Christian Pfeiffer oder Manfred Spitzer. Doch nur diese bekommen so auch eine Stimme: abweichende Meinungen haben da überhaupt keine Chance sich Gehör zu verschaffen, wobei als Gipfel der Hypokrisie derlei normierte Kulturbegriffe dann sogar noch für PR-Aktionen genutzt werden: so lud EA heuer naturgemäß zu „Sim City“, aber voriges Jahr NICHT zu „Syndicate“ in den Bundestag. Zusammen mit den üblichen Games-Verdächtigen von CSU und FDP.

    Soll heißen: es wird einerseits nicht dazu führen dass mehr Videospiele in Deutschland zugelassen werden, das sehe ich bei den Leuten dort überhaupt nicht – unliebsame Inhalte werden in Hinblick auf „Videospiele für alle“ über diese sicher nicht erwünschter -, sowie andererseits ebenfalls halt nicht, dass Interessen auf VerbraucherInnenseite gestärkt werden. Sämtlichen Bemühungen und -strebungen scheint es vorrangig darin gelegen, etablierte Begriffe wie „Medienkompetenz“ vorstellig zu machen – einer Öffentlichkeit gerade zu „nachhaltig“ (das heißt im Sinne von „gottgefällig“, Richard Kämmerlings) manipulativ einzubläuen.
    Das Ganze hat für mich etwas von Gordon Jackson, wenn er im Haus am Eaton Place als Butler Hudson das Schönschreiben übte…

  2. Nun, die Griefhahn unterstützt Greenpeace. Die sind schon lange korrupt, einmal weil sie ideologisch bedingt Genmais abgelehnt haben und damit mitunter Kindstot in den Republik Philippinen mitzuverantworten haben. Es gibt genügend Kritiker von Greenpeace, die sich abgespalten haben Robin Wood, Sea Shepherd usw…

    Wenn man dann auch noch den „Hirntod“ Zwischfall kennt, und dann auch noch diese Kombination, aus Griefhahn, Greenpeace, Electronic Arts und die tolle SPD wo Pfeiffer und Co auch Mitglieder sind, betrachtet dann kann da nichts Gutes dabei herauskommen. Das wird schlimmstenfalls eine „Griefferin“ und bestenfalls eine Lobbyistin für mehr DRM, Zensur und Einschränkungen im Sinne der großen Publisher. EAs gekaufte Handpuppe.

  3. Zählen wir mal durch:

    Regierung und Behörden: BKM, BMFSFJ, BPB, Landesmedienanstalten, OLJB
    5

    Industrie: BIU, G.A.M.E., USK
    3

    Kultur und Wissenschaft: CSM, GMK, Grimme-Institut, Uni Mainz, Monika Griefahn, Uni Duisburg-Essen
    6

    Wenn man (Fach-) Presse und Nutzer außen vor lässt, wurde der Proporz nominell recht gut eingehalten. (Die Industrie hat sich ja sicherlich freiwillig zurückgenommen…)

  4. @Patrick
    Monika Griefahn ist Politikerin und das Grimme-Institut ist teilweise staatlich getragen. Also 4. CSM halte ich für einen Hoffnungsschimmer, Uni Mainz und Uni Duisburg-Essen sagen mir nichts.

  5. Zählen wir nocheinmal durch:

    Schlecht: BKM, BMFSFJ, BPB, Landesmedienanstalten, OLJB (politisch beeinflussbare Beamtendrohnen, in den Aufsichtsräten sitzen keine unabhängige Leute sondern Politiker)
    BIU, G.A.M.E., USK (Kämpft nur um den Status Quo aufrecht zu halten. Erwartet nicht das sie Indies verteidigen oder gar Projekte wie sagen wir „Five Days to Fallujah“), Monika Griefahn (Kaufbar, unwissenschaftlich)
    9

    Nutzlos: Grimme-Institut (Seit 1964 schon am herumwerkeln?! Ja tolles Fernsehen haben wir heute, oh und seht einmal die Videospielebranche wird auch schon systematisch kaputtgemacht durch die Politik?! Ja danke ihr arbeitet wirklich effektiv! )
    1

    Sündenbock/Feigenblatt: CSM, GMK, Uni Mainz, Uni Duisburg-Essen (Um die Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Aber nicht genünd einfluss im Gremium um etwas wirklich Intelligentes durchzusetzen.)
    4

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