zdf „log in“: Desorientiert? (Update)

(zdf) Die letzte Ausgabe des ZDF-Format „log in“ zeigte ein Streitgespräch darüber, ob mit Videospielen verbrachte Zeit „verspielte“ Zeit sei. Als Vertreter der Gamerfraktion hat sich „LeFloid“ wacker geschlagen, dennoch ist die Sendung definitiv nicht für Gamer geeignet und sollte wirklich nur von denen gesehen werden, die auf Schmerzen stehen. Die rechtliche Komponente wurde nur am Rande thematisiert, aber das auf eine fragwürdige Art und Weise.

1. „No Russian“ ist „ab 18“?

In einem Einspieler wird den Zuschauern die „No Russian“-Mission aus dem Videospiel „Call of Duty (6): Modern Warfare 2“ präsentiert und kommentiert:

    Sprecher:

    „Filme „ab 18“ dürfen Kids nicht gucken – das ist absolute Mehrheitsmeinung. Und Games „ab 18“? Kauft Papis Kreditkarte! Ist doch nur ein Spiel… Zivilisten erschießen bei „Call of Duty“ […].“

Hiermit liegt „log in“ aber falsch: In der unzensierten Version von „Modern Warfare 2“ kann der Spieler tatsächlich auf Zivilisten schießen. Weil das in Deutschland nicht gut ankommt, wurde das Spiel jedoch gerade nicht „ab 18“ freigegeben, sondern von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert (BAnz. Nr. 16 v. 29.01.2010.).

Die Deutsche Version ist zwar „ab 18“ freigegeben, doch dort ist es dem Spieler nicht gestattet auf Zivilisten zu schießen. Wenn er es dennoch tut wird das Bild unscharf, der Spieler durch eine Einblendung darauf hingewiesen, dass er einen Zivilisten getroffen hat und die Mission schließlich abgebrochen, so dass er erneut beginnen muss (Bild rechts).

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2. Verbot von Videospielen

Nach „No Russian“ präsentiert „log in“ einen Interviewausschnitt von Joachim Herrmann:

    Joachim Herrmann:

    „Wir müssen solche Spiele eindeutig verbieten. Das kann kein Freizeitvergnügen sein, andere Menschen zu ermorden.“

Auch wenn die Verbotsforderungen im Anschluss ins Lächerliche gezogen wird, ist der durch die Wiedergabe des Zitats erweckte Eindruck falsch. Es ist nicht nur so, dass bestimmte Videospiele nach der Meinung mancher Politiker verboten werde sollten, nach der bisherigen Gesetzeslage SIND gewaltdarstellende Videospiele nach [update] im Sinne von [/update] § 131 StGB bereits verboten. Und das gezeigte gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den verbotenen Videospielen. Die BPjM hat „Modern Warfare 2“ nämlich nicht nur indiziert, sondern auch in den Listenteil B eingetragen. Dass bedeutet, dass das Spiel nicht bloß als jugendgefährdend, sondern als verboten bewertet wird. Sich über die Vorstellung, dass Videospiele verboten sein könnten, lustig zu machen aber den Zuschauern (ausversehen) ein wohl verbotenes Videospiel zu präsentierend wirkt nicht sehr überzeugend.

3. Kritik an „GTA V“-Werbung

In dem Einspieler geht „log in“ weiter auf die – auch in Deutschland nicht zu übersehende – Werbekampagne zur Veröffentlichung von „GTA: V“ ein. Dem Vorwurf, die USK-Freigabe würde sich auf der Werbung nicht finden, fehlt es irgendwie an Durchschlagskraft. Dies liegt nicht zuletzt an den drei Bildern, mit denen dies belegt wird. Anders, als angegeben, ist bei den ersten beiden Aufnahmen doch die USK-Kennzeichnung abgebildet, [update] wobei eines Werbung zu „GTA IV“ und nicht zu „GTA V“ zeigt [/update]. Beim letzten fehlt sie tatsächlich. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, da es sich um eine Werbung in New York City (USA) handeln düfte.

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Update:

Das „Trevor“-Motiv wurde nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Deutschland genutzt. Hierzulande aber offenbar mit USK-Kennzeichnung. So ist beispielsweise bei dieser Werbefläche in Berlin der rote Kasten zu erkennen:

login03.

Bei Twitter hat sich unteressen ZDFinfo zu der Kritik geäußert. Doch anstatt Fehler einzugestehen, stört man sich an unserer Darstellung, die ebenfalls nichts ganz richtig sei:

Die Formulierung, dass „gewaltdarstellende Videospiele nach § 131 StGB bereits verboten“ seien, ist offenbar etwas missverständlich. Es war nicht (nur) gemeint, dass gewaltdarstellende Videospiele „durch“ § 131 StGB verboten sind, sondern dass solche „im Sinne von“ § 131 StGB verboten sind. Den § 131 StGB auszuformulieren ist leider etwas sperrig. Dieser erfasst neben eine Verherrlichung oder Verharmlosung ausdrückenden Schilderungen grausamer oder sonst unmenschlicher Gewalttätigenkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen auch die Schilderung in einer Art, die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer Weise darstellt, welche die Menschenwürde verletzt. Die dritte Variante ist im Tweet von ZDFinfo vergessen worden, doch wir wollen mal nicht so sein: 140 Zeichen sind für für die Wiedergabe des § 131 StGB recht knapp bemessen.

    Sendung in der ZDF-Mediathek (ca. ab 44:44)
    Aufnahme in New York

16 Gedanken zu “zdf „log in“: Desorientiert? (Update)

  1. „ausversehen“ sicher doch … man sollte mal wieder eine Richtigstellung fordern oder gleich etwas Screentime um zu den ganzen Thema „stigma-videospiele“ einen Spin in eine andere Richtung zu geben.

    Happy Coding.

  2. Schon die ersten paar Minuten der Sendungen waren absolut unerträglich.
    Was ist das bitte für ein Niveau dort? Komische und völlig deplatzierte Floskeln, bei denen jeder, der sich auskennt nur denkt: „soll das nun cool klingen? Sorry, ihr redet Schwachsinn!“.
    An wen richtet sich die Sendung?
    An Oma und Opa die eh alles neue verdammen?!
    Nein, dazu ist es zu „hipp“ aufgemacht.
    An junge Menschen?
    Die durchschauen sofort, dass man da nur einen auf cool macht und ahnungslos ist.

    Grausig!

  3. wtf … „Killeraction“ … die Moderatoren sind echt schrecklich. Teils wird da so überzeichnet, so absurd betont, das wirkt künstlich. Dass dort Szenen aus einem indizierten Spiel gezeigt werden, das zeigt schon wie grandios man sich redaktionell mit dem Thema beschäftigt hat.

  4. @TRB
    Danke, da war mein juristendeutsch wohl etwas missverständlich. Ich habe das „nach“ in das gemeinte „im Sinne von“ geändert, sollte weniger missverständlich sein.

  5. „Da stimmt auch nicht alles.“ <- Äh was bitte? "Aber Klaus Dieter hat angefangen!!!!"?!
    .
    Wenn hier bei stigma _AUCH NICHT ALLES_ stimmen sollte, dann bedeutet das ja einfach mal, dass die Redaktion eigentlich eingesteht, dass man Fehler gemacht habe.
    .
    Aber ich muss dem alten Herrn aus der Sendung recht geben: Hätte ich *irgendein Buch* gelesen, statt diese Sendung zu schauen und seinen wirren Thesen zu lauschen, dann hätte ich die zeit sinnvoller genutzt. Muss mal gucken ob meine Oma für solche Fälle nicht noch ein paar "Landarzt-'Romane'" besitzt, die sollten genau das richtige sein, um weit über das Niveau von ZDFLogin hinauszukommen.

  6. Das strafrechtliche Vergehen ist immer noch die „Gewaltdarstellung“. Und demzufolge gibt es auch für mich als Nicht-Juristen ein „Gewaltdarstellungsverbot“ in Deutschland. Zumal ich weder bei „Verherrlichung“ noch „Verharmlosung“ und „Menschenwürde“ wüsste wer da der „Herr“, oder wieso die „Gefahr“ etwas Negatives, wäre, noch weshalb eine Menschen wie mich offensichtlich verachtende Gewalt wie jene des ZDF mich in meiner subjektiven Würde als Rezipient fremdbestimmt davon objektiv ausnehmen sollte –

  7. Ich versteh schon alleine die Fragestellung der Sendung nicht. Wenn die Frage ob Videospiele spielen Zeitverschwendung ist mit „JA“ beantwortet wird, kann man das auf viele andere Bereiche ausweiten – Im Internet surfen, ein Buch lesen, Filme/Serien anschaun (Liste beliebig erweitern).

    Dazu versteh ich auch nicht warum man so eine Sendung jetzt bringt. Winnenden ist nun auch schon ein paar her (gibts das Aktionsbündnis eigentlich noch?), Schoolshootings in anderen Ländern werden zwar berichtet lösen aber keine Debatte aus da nicht Deutschland. Warum bringt man also jetzt eine hetzerische Sendung mit falschen Fakten?

  8. Das ZDF versucht mit solchen Formaten anscheinend ein (neues) Publikum aus seiner IT-Nähe in den traditionellen Rundfunk (zurück) zu gewinnen. Und das geschieht in dem sich dabei etwa auch dessen Sprache probiert wird zu bedienen – ebenso wie jener einer (vermeintlichen) Jugend. Das ist bei anderen Lifestyle-Konzepten in Informationssendungen als Unterhaltung ja nicht anders: auch ein „Kaffee oder Tee“ arbeitet mit präzisen (Wert-)Vorstellungen zu Wellness und Gesundheit. Dennoch will man mit diesen Fragestellungen dabei offenbar „kritisch“ bleiben –

  9. @ Pyri

    Mir ist schon klar was das ZDF hier versucht. Nur eine Sendung für IT-interessierte sagen wir 15-30 jährige sind i.d.R. selbst Gamer, haben Gamer im Freundeskreis oder sind zumindest darüber informiert dass die „achso pösen pösen Spiele“ gar nich so böse sind wie sie dargestellt werden.

    Oder ums kurz zu machen, mit Sendungen wie dieser fuckt man die Leute ab, die eigentlich einschalten sollen. Genauso sollten die Sender endlich mal lernen, dass es Jugendliche/junge Erwachsene ebenfalls abfucked, wenn sie versuchen mit Jugendsprache „hipp“ zu sein.

  10. https://twitter.com/ZDFinfo/status/389166079991631872
    Die schreiben noch mehr, zumindest einen muss das tatsächlich wichtig sein.

    Ich:

    @ZDFinfo @ZDFlogin http://stigma-videospiele.de/wordpress/2013/10/12/zdf-log-in-desorientiert … hoffe der #Artikel ist nun genügend klar gestellt Wann werdet ihr eueren

    ZDF:
    @TheRealBlackNet @ZDFlogin Verbessern geht nachträglich leider nicht. Aber ein Kollege ist mal auf den Artikel ausführlicher eingegangen.

    Hat Stigma einen Twitter Account?
    Happy Coding.

  11. @TRB
    Habe per Mail um eine Stellungnahme geboten und eine erhalten. Werde aber vor Freitag/Samstag leider nicht dazu kommen, einen Beitrag daraus zu machen. Wir haben keinen Twitter-Account, bei manchen wird es aber ausversehen geglaubt (z.B. „killerspiele“).

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