Stellungnahme zum ZDF-„log in“ Beitrag

Wir konnten von Andreas Garbe, der ZDF-„log in“ bei der Sendung „Sind Games verspielte Lebenszeit?“ beraten hat, eine Stellungnahme zu unserer Kritik erhalten. Dieser dürfte auch dem einen oder anderen Gamer ein Begriff sein: Er war an einem erfrischend neutralen Beitrag von „neues“ und der ambitionierten Übertragung der Finalspiele der Pro Series – „FTW – For The Win“ – beteiligt.

Vorangestellt eine Klarstellung: Die Warnung zum Beitrag, dass man als Zuschauer mit Schmerzen rechnen müsse, galt nicht der Gestaltung der Sendung, sondern der Argumentation von Friedrich Denk. Auch wenn er noch so sympathisch wirkt, überzeugt die Warnung, durch in phantastischen Welten verspielte Zeit die wirkliche Welt zu verpassen, nicht, wenn er als Autor von „Wer liest, kommt weiter“ gleichzeitig fürs Lesen wirbt.

Nun aber zur Stellungnahme (zur besseren Übersicht den einzelnen Kritikpunkten zugeordnet):

1. Kennzeichnung „Modern Warfare 2“ und Nichterwähnung des Verbots nach § 131 StGB

Wir hatten die Aussage kritisiert, dass die unzensierte Fassung von „Modern Warfare 2“ als Videospiel „ab 18“ dargestellt wurde, obwohl es indiziert und wahrscheinlich sogar verboten ist. Weiter fanden wir es etwas unprofessionell, den Gedanken an ein Verbot von bestimmten Videospielen ins Lächerliche zu ziehen – auf die Forderung von Joachim Herrmann, „solche Spiele eindeutig [zu] verbieten“, kam vom Sprecher die Gegenfrage, wie es mal mit Freizeitverbot wäre – aber ausgerechnet ein Videospiel zu zeigen, das wahrscheinlich dem Verbot des § 131 StGB unterfällt. Bei der Sendung hat man sich schlicht auf einem anderen Level bewegt:

    „Wenn Alterseinstufungen diskutiert werden, muss auch erlaubt sein, das deutsche Modell kritisch zu hinterfragen. Und natürlich ist jede Version von Modern Warfare 2 grundsätzlich zu haben. Das hat die Sendung dargestellt. In der Kürze des Einspielers ist die geänderte deutsche Fassung nicht zu erklären. Genauso wenig, dass die Lektion der Mission – auch im US-Original – eine bittere ist. Es geht um die moralische Frage, welche Gräueltaten als Fassade für Undercover-Aktivitäten noch zu tolerieren sind, um nicht aufzufliegen. Diese Frage wird durch die Mission knallhart und provokativ gestellt und endet – ganz egal, wie sich der Spieler entscheidet – mit dem gewaltsamen Tod des Protagonisten. Dazu konnte man die Mission ohne irgendein spielerisches Manko abbrechen. Das wissen wir, war aber für die Diskussion, die hier angestoßen werden sollte – die Verfügbarkeit von Spielen ab 18 Jahren für Minderjährige – nicht wichtig.“

2. Werbung zu „GTA V“ ohne Hinweis auf die USK-Kennzeichnung

ZDF-„log in“ versuchte die Aussage, dass bei der Werbung zu „GTA V“ hierzulande der Hinweis auf die USK-Kennzeichnung fehle, mit einer unglücklichen Auswahl an Beispielen zu belegen. Eines zeigte – mit Kennzeichnung – Werbung zum Vorgänger „GTA IV“, ein weiteres die U-Bahnhaltestelle Alexanderplatz in Berlin, bei der eine Säule zumindest von drei Seiten mit der Kennzeichnung versehen war, und das letzte eine „GTA V“-Werbung in New York City, bei der man vernünftigerweise keinen Hinweis auf den deutschen Jugendschutz erwarten kann. Hier ist man ganz offen:

    „Deine Kritik an der Berichterstattung zur Spielewerbung ist dagegen berechtigt. Hier hat der kurze Einspieler den Eindruck vermittelt, dass großflächige Werbung für das Spiel GTA V nicht das USK-Kennzeichen trägt. Das ist schlichtweg falsch. Anliegen war, die Frage aufzuwerfen, wie groß die Alterskennzeichnung sein muss. Der Fehler tut uns natürlich leid und wir gestehen den uneingeschränkt ein.“

Ergänzend die Stellungnahme am Stück:

    Lieber Matthias.

    Ich möchte einfach mal persönlich antworten, weil ich mich so als Gamer outen kann und auch einfach nur für mich privat sprechen möchte. Wir hatten ja auch schon mehrfach direkten Kontakt, nachdem ich 2008 die 3sat Neues Sendung zum Thema Gewaltspiele produziert hatte. Da ich inzwischen bei ZDFinfo bin, habe ich die Kollegen, die log in produzieren, zu dieser Sendung tatkräftig beraten.

    Als Gamer kenne ich ja aus eigener Erfahrung unsere reflexartige Reaktion auf alles, was nicht einseitig und kompromisslos Games als Medium verteidigt. Dieses Verhalten ist in der Vergangenheit des Diskurses begründet. Noch vor wenigen Jahren war es ja eine reflexartige Reaktion, Games für alles Mögliche verantwortlich zu machen, vor allem Amokläufe junger Menschen. Eine US-Studie, die verlässlich nachweist, dass nur jeder achte Schul-Amokläufer in den USA überhaupt Gewaltspiele spielte, kennt auch heute noch kaum jemand. Die Diskussion ist zwar teilweise abgeebbt. Trotzdem reagieren viele Gamer weiterhin mit diesem Beißreflex. Ich zuweilen auch.

    Als Journalist blende ich diese Reaktion allerdings aus. Und log in ist nun einmal eine Sendung, in der zwei gegensätzliche Meinungen fair gegeneinander gestellt und von den Zuschauern kommentiert werden. Die Gegenseite muss also auch zu Wort kommen. Und in diesem Fall kann sich wirklich niemand beschweren, dass die Sicht der Gamer zu kurz gekommen sei. Nun aber konkret zu Deiner Kritik.

    Wenn Alterseinstufungen diskutiert werden, muss auch erlaubt sein, das deutsche Modell kritisch zu hinterfragen. Und natürlich ist jede Version von Modern Warfare 2 grundsätzlich zu haben. Das hat die Sendung dargestellt. In der Kürze des Einspielers ist die geänderte deutsche Fassung nicht zu erklären. Genausowenig, dass die Lektion der Mission – auch im US-Original – eine bittere ist. Es geht um die moralische Frage, welche Gräueltaten als Fassade für Undercover-Aktivitäten noch zu tolerieren sind, um nicht aufzufliegen. Diese Frage wird durch die Mission knallhart und provokativ gestellt und endet – ganz egal, wie sich der Spieler entscheidet – mit dem gewaltsamen Tod des Protagonisten. Dazu konnte man die Mission ohne irgendein spielerisches Manko abbrechen. Das wissen wir, war aber für die Diskussion, die hier angestoßen werden sollte – die Verfügbarkeit von Spielen ab 18 Jahren für Minderjährige – nicht wichtig.

    Deine Kritik an der Berichterstattung zur Spielewerbung ist dagegen berechtigt. Hier hat der kurze Einspieler den Eindruck vermittelt, dass großflächige Werbung für das Spiel GTA V nicht das USK-Kennzeichen trägt. Das ist schlichtweg falsch. Anliegen war, die Frage aufzuwerfen, wie groß die Alterskennzeichnung sein muss. Der Fehler tut uns natürlich leid und wir gestehen den uneingeschränkt ein.

    Anders beim Paragraphen 131 StGB. Der regelt, welche Art von Gewaltdarstellung erlaubt und welche nicht erlaubt ist. Und es ist einfach falsch, zu behaupten, dass Gewaltdarstellung in Spielen verboten sei. Genau das fordern ja prominente Kritiker seit Jahren, die ich hier nicht namentlich erwähnen muss. Auch Euer Update, gewaltdarstellende Spiele seien im Sinne des Paragraphen verboten, korrigiert den Fehler nicht. Verboten sind Gewaltverherrlichung, Gewaltverharmlosung und die Verletzung der Menschenwürde.

    Ich möchte Dir und Deinen Lesern nur vermitteln, dass wir uns sehr ausführlich mit den Hintergründen beschäftigen und, im Fall dieses Themas, sogar seit Jahren kontinuierlich recherchieren. Wenn dann Euer Artikel bei Twitter mit dem Hashtag #Lügen verlinkt wird, krieg ich schon einen kleinen Hals. Denn das ist wieder die reflexartige Reaktion, die überhaupt keine kritische Auseinandersetzung zulässt und am ehesten den prominenten Kritikern in die Hände spielt, weil sie auf die uneinsichtigen Gamer verweisen können. So verständlich diese Reaktionen auch sind, wenn man die Geschichte der Gewaltspiele-Debatte in Deutschland kennt, sie tragen einfach nicht zu einer Normalisierung der Diskussion bei. Genau letzteres aber hat die log in Sendung meiner Meinung nach getan.

    Zur Sendung (ZDF-Mediathek)

27 Gedanken zu “Stellungnahme zum ZDF-„log in“ Beitrag

  1. Verstehe ich das richtig zu Punkt 1? Bei der Diskussion um Alterseinstufungen wird vorgetragen, dass aber grundsätzlich jede Version eines Spiels zu haben sei, implizit also für jeden und in Missachtung gerade der Alterseinstufung?
    .
    Diese „Argumentations“figur kennen wir doch schon: Und zwar von der Fraktion der Totalverbieter. Seltsam nur, dass diese Argumentation nur auf Videospiele angewendet wird. Mir wäre jedenfalls nicht bekannt, dass auch nur einer der Totalitaristen die Konsequenz besessen hätte, denselben Maßstab auch auf andere Lebensbereiche auszudehnen: Alkohol? Gehört nicht in Kinderhände! Verbieten! Da hat schon mal ein 14jähriger mit dem geklauten LKW Leute totgefahren. Autos abschaffen! Wir alle wissen, was mit Waffen aus dem Schützenverein angerichtet wurde. Verbieten… aber halt, da lernt man doch Sozialkompetenz und Verantwortung.
    .
    Wie kömmt das bloss, dass die Verbote nur immer anderer Leute Umfeld betreffen sollen?
    ***
    Die nächste „Argumentation“ (besser: Ausrede) gab’s doch auch schon mal: „Nein, nein, das ist kein plakativer Unsinn, den ich hier verzapft habe wider besseres Wissen. Ich wollte nur eine Diskussion anstossen. Und ich unterstütze auch die Bundeswehr und lasse mich nicht in eine Ecke mit Verschwörungstheoretikern stellen.“ Ach soooo, Herr Herrmann, deshalb haben Sie also den „Kölner Aufruf“ unterschrieben. Alles klar.

  2. @Roland_09

    Es wird ja – zumindest gegenüber Filmen – von einer Sonderstellung von Videopsielen ausgegangen:
    .
    „Filme “ab 18? dürfen Kids nicht gucken – das ist absolute Mehrheitsmeinung. Und Games “ab 18?? Kauft Papis Kreditkarte! Ist doch nur ein Spiel… Zivilisten erschießen bei “Call of Duty” […].“

  3. Ich möchte anmerken dass Lesen, auch von längeren zusammenhängenden Texten, eine Kulturtechnik ist welche in sehr vielen Videospielen sogar dringend von Nöten ist. Und abgesehen von gesundheitsschädlichen Substanzen oder inhaltlich wertenden Kulturbegriffen ist sich diese Gesellschaft schließlich doch einig, dass Autofahren keine Tätigkeit für Kinder ist. Dennoch würde Werbung für die dort dazugehörige Industrie als ökonomischen Motor in Deutschland ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk wohl keineswegs in Erwägung ziehen dermaßen grundsätzlich zu „kritisieren“, das heißt trotz einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Toten im Straßenverkehr jedes Jahr. Wenn schon Amokläufe auf Videospiele zurückgeführt werden möchten. Und dort gibt es nicht einmal, wie im Übrigen bei Literatur, irgendwelche Kennzeichnungen. Selbst das Werbeverbot für Sportwetten hat sich im Fußball etwa nicht halten können, weshalb heuer ein „FIFA 14“ ebenfalls in Deutschland erstmals wieder unzensiert erschienen ist.
    Im Gegenteil würde ich eine Bringschuld weit eher bei den Öffentlich-Rechtlichen und deren Rhetorik sehen: sie haben schließlich auch (mitunter wesentlich) zum Klischee von videospielenden Menschen als (unreifen) Minderjährigen beigetragen
    http://kurier.at/chronik/oesterreich/strassenverkehr-fordert-ein-todesopfer-taeglich/31.384.988

  4. Hallo zusammen. Hier erstmal meine Antwort in voller Länge. Da wird vielleicht einiges klarer. Nur eins vorweg: Die Diskussion um den rechtlichen Status von Gewaltdarstellung war ein Missverständnis. Gewaltdarstellung ist zwar im Sinne des § 131 verboten, aber wenn man den Inhalt und die Differenzierungen des Paragraphen nicht kennt, liest daraus vielleicht jemand, dass Gewaltdarstellungen verboten ist.

    Lieber Matthias.

    Ich möchte einfach mal persönlich antworten, weil ich mich so als Gamer outen kann und auch einfach nur für mich privat sprechen möchte. Wir hatten ja auch schon mehrfach direkten Kontakt, nachdem ich 2008 die 3sat Neues Sendung zum Thema Gewaltspiele produziert hatte. Da ich inzwischen bei ZDFinfo bin, habe ich die Kollegen, die log in produzieren, zu dieser Sendung tatkräftig beraten.

    Als Gamer kenne ich ja aus eigener Erfahrung unsere reflexartige Reaktion auf alles, was nicht einseitig und kompromisslos Games als Medium verteidigt. Dieses Verhalten ist in der Vergangenheit des Diskurses begründet. Noch vor wenigen Jahren war es ja eine reflexartige Reaktion, Games für alles Mögliche verantwortlich zu machen, vor allem Amokläufe junger Menschen. Eine US-Studie, die verlässlich nachweist, dass nur jeder achte Schul-Amokläufer in den USA überhaupt Gewaltspiele spielte, kennt auch heute noch kaum jemand. Die Diskussion ist zwar teilweise abgeebbt. Trotzdem reagieren viele Gamer weiterhin mit diesem Beißreflex. Ich zuweilen auch.

    Als Journalist blende ich diese Reaktion allerdings aus. Und log in ist nun einmal eine Sendung, in der zwei gegensätzliche Meinungen fair gegeneinander gestellt und von den Zuschauern kommentiert werden. Die Gegenseite muss also auch zu Wort kommen. Und in diesem Fall kann sich wirklich niemand beschweren, dass die Sicht der Gamer zu kurz gekommen sei. Nun aber konkret zu Deiner Kritik.

    Wenn Alterseinstufungen diskutiert werden, muss auch erlaubt sein, das deutsche Modell kritisch zu hinterfragen. Und natürlich ist jede Version von Modern Warfare 2 grundsätzlich zu haben. Das hat die Sendung dargestellt. In der Kürze des Einspielers ist die geänderte deutsche Fassung nicht zu erklären. Genausowenig, dass die Lektion der Mission – auch im US-Original – eine bittere ist. Es geht um die moralische Frage, welche Gräueltaten als Fassade für Undercover-Aktivitäten noch zu tolerieren sind, um nicht aufzufliegen. Diese Frage wird durch die Mission knallhart und provokativ gestellt und endet – ganz egal, wie sich der Spieler entscheidet – mit dem gewaltsamen Tod des Protagonisten. Dazu konnte man die Mission ohne irgendein spielerisches Manko abbrechen. Das wissen wir, war aber für die Diskussion, die hier angestoßen werden sollte – die Verfügbarkeit von Spielen ab 18 Jahren für Minderjährige – nicht wichtig.

    Deine Kritik an der Berichterstattung zur Spielewerbung ist dagegen berechtigt. Hier hat der kurze Einspieler den Eindruck vermittelt, dass großflächige Werbung für das Spiel GTA V nicht das USK-Kennzeichen trägt. Das ist schlichtweg falsch. Anliegen war, die Frage aufzuwerfen, wie groß die Alterskennzeichnung sein muss. Der Fehler tut uns natürlich leid und wir gestehen den uneingeschränkt ein.

    Anders beim Paragraphen 131 StGB. Der regelt, welche Art von Gewaltdarstellung erlaubt und welche nicht erlaubt ist. Und es ist einfach falsch, zu behaupten, dass Gewaltdarstellung in Spielen verboten sei. Genau das fordern ja prominente Kritiker seit Jahren, die ich hier nicht namentlich erwähnen muss. Auch Euer Update, gewaltdarstellende Spiele seien im Sinne des Paragraphen verboten, korrigiert den Fehler nicht. Verboten sind Gewaltverherrlichung, Gewaltverharmlosung und die Verletzung der Menschenwürde.

    Ich möchte Dir und Deinen Lesern nur vermitteln, dass wir uns sehr ausführlich mit den Hintergründen beschäftigen und, im Fall dieses Themas, sogar seit Jahren kontinuierlich recherchieren. Wenn dann Euer Artikel bei Twitter mit dem Hashtag #Lügen verlinkt wird, krieg ich schon einen kleinen Hals. Denn das ist wieder die reflexartige Reaktion, die überhaupt keine kritische Auseinandersetzung zulässt und am ehesten den prominenten Kritikern in die Hände spielt, weil sie auf die uneinsichtigen Gamer verweisen können. So verständlich diese Reaktionen auch sind, wenn man die Geschichte der Gewaltspiele-Debatte in Deutschland kennt, sie tragen einfach nicht zu einer Normalisierung der Diskussion bei. Genau letzteres aber hat die log in Sendung meiner Meinung nach getan.

  5. @Andreas Garbe
    Ich stimme zu, dass es nicht in Ordnung ist dabei von „Lügen“ zu sprechen. Das stört mich auch immer. Es geht hier nicht um „richtig“ oder „falsch“. Vielmehr handelt es sich um unterschiedliche Interpretationen, Emotionen und politische Einstellungen. Der Nachrichtendienst neigt aber wohl grundsätzlich zu starken Verkürzungen und dort gibt es sehr viele Tags welche ich etwa für unverantwortlich halte –
    Ökonomisch unwahr wäre es jedoch schon zu behaupten, dass „Modern Warfare 2“ in Deutschland unzensiert offiziell veröffentlicht worden ist. Und die Frage dabei ist vielmehr WO es dann so „grundsätzlich zu haben“ wäre. Und das kann eigentlich eben nicht mehr Deutschland sein, sondern betrifft zum Beispiel das europäische Umland, dann denn EU-Binnenhandel usw. Also mit Importen etc. auch wieder ganz andere Freiheiten welche da indirekt zumindest angegangen werden. PC-SpielerInnen, und die Mehrheit hier sind (aus meiner Sicht leider) solche, haben dann auch noch Schwierigkeiten die Spiele im eigenen Land auf ihren Systemen freizuschalten – die müssten dafür oft schon Deutschland (extra) verlassen. Auch überrascht mich diese Interpretation von „No Russian“ nun doch sehr, denn in der Sendung wurde diese ja wohl von keiner Seite in der Form mitgeteilt. Dass die inkriminierten Inhalte über Verbrechen an einer Zivilbevölkerung hinaus auch noch anders gesehen werden können – warum also „der Reflex“ Videospielinhalte auf Verbrechen zu reduzieren. Oder anders gefragt: wo wird in der Sendung Gelegenheit gegeben Inhalte so interpretiert einer Öffentlichkeit auch verständlich werden zu lassen, dahingehend aufklärerisch gewirkt? Wo ist der rhetorische Geist wenn es um eine Befragung der eigenen Moralvorstellungen und einer dahingehend tendenziell doch überheblichen Ethik geht? Abgesehen von den üblichen Gamer-Rechtfertigungen à la „Spaß“, „Herausforderung“, „Taktik“ oder „Strategie“. Gerade etwa angesichts ernster zeithistorischer Debatten wie die „Freude“ der Bundeskanzlerin über das Ableben Osama bin Ladens, (andere) gezielte Tötungen wie sie in vielen Videospielen thematisiert werden – ein Selbstverständnis westlicher Sicherheitspolitik betreffend.
    Schließlich wird hier auch „nur“ von unliebsamen Fiktionen gesprochen und wie verhält es sich mit „Gewaltverherrlichung, Gewaltverharmlosung“ und der „Verletzung der Menschenwürde“ wenn diese Inszenierungen mit realer Gewalt in diesem „Gewaltdarstellungsverbot“ zumindest ansatzweise doch gleichgestellt werden. Wo ist da überall ein (journalistisches) Gewissen vorhanden? Auch angesichts dieser Rechtslage – sowie letzten Endes: was wird dabei eigentlich unter „Kritik“ verstanden, ganz abgesehen entsprechender oder unangebrachter „Reflexe“.

  6. @Pyri.

    Danke für Deinen konstruktiven Beitrag. Erst einmal zu der Verfügbarkeit, ausländischer Versionen von Modern Warfare 2. Vielen Menschen ist bewusst, dass solche Spiele in Deutschland geschnitten sind und bestellen sie deshalb aus dem Ausland. Es gibt englische oder österreichische Webshops, die versandkostenfrei nach Deutschland verschicken. Und das muss in dieser Diskussion mitgedacht werden. Wo die deutschen Regelungen meiner Erfahrung nach exzellent funktionieren ist bei Titeln, die nie in Deutschland erscheinen, in keiner Version. Die zwei brutalsten Videospiele der letzten Generation waren beides Wii-Spiele. Diese beiden Spiele (will jetzt keine Werbung für die machen) sind aber auf deutschen Schulhöfen komplett unbekannt. Grundsätzlich funktioniert also das Werbeverbot für indizierte Titel.

    Meine eher differenzierte Meinung zu „Kein Russisch“ / „No Russian“ war übrigens nur das: meine Meinung. Die Gewaltdiskussion spielte in der Sendung ja im Grunde genommen keine Rolle. Die Vorwürfe von Herrn Denk waren ja (erfrischenderweise, wie ich finde) nicht die, dass sie verrohen. Wie ich schon geschrieben habe gibt es hier ja auch seit vielen Jahren verlässliche Studien, die wenigstens eine wie auch immer geartete Beziehung zwischen Amokläufen und Computerspielen ausschließen. Witzig immer wieder, Befürworter von Games zu hören, die Aussagen machen, die so beginnen: „Natürlich hat die Mehrzahl der Amokläufer Gewaltspiele gespielt, aber…“ Vollkommener Unsinn, Studien aus den USA und Deutschland lassen auf das Gegenteil schließen.

    Und wo wurden in der Sendung Spiele auf Verbrechen reduziert? Nimm doch mal einen Schritt zurück und versuche, die Sendung nicht als Gamer zu sehen. Die Sendung hat LeFloid eine Plattform geboten, unser aller Hobby (in meinem Fall ist es auch mein Beruf) als einen sinnvollen, lehrreichen und unterhaltsamen Zeitvertreib zu präsentieren, der auf Augenhöhe mit anderen Medien wie Kinofilmen oder Romanen ist. Und die Abstimmung am Ende hat ja ein klares Bild davon gezeichnet, welche Position die Zuschauer für überzeugender gehalten haben. Das war das große Verdienst der Kollegen, die die Sendung geplant und durchgeführt haben: sie haben beiden Gästen eine Plattform gegeben, beiden Standpunkten argumentatives Futter geliefert und das ohne jedes Stereotyp zu bemühen oder die übertriebene (und falsche) Kritik von z.B. den Autoren des Kölner Aufrufs zu Wort kommen zu lassen. Das ist ein großes Verdienst, finde ich, ud ich würde mir wünschen, dass die Kollegen dafür auch die Anerkennung bekommen, die sie dafür verdienen.

  7. @Andreas Garbe
    Vielleicht habe ich etwas ungeschickt formuliert: ich meinte, dass die Verbrechen in den Spielen auch lediglich als solche wahrgenommen werden und eben keine anderen Interpretationen vorgenommen. Also keine „Differenzierung“. Es werden zwar viele (vermeintlich) positiven Dinge genannt, aber die negativen – wie etwa die Folterszene – bleiben auch nur als solche bestehen. Da gibt es wenn dann nur irgendwelche Rechtfertigungen. Und wenn schon keine Titel der angeblich „brutalsten“ Spiele genannt werden möchten, dann kann ich das hier so auch bloß verlängert sehen. Soll heißen: wieso die Spiele etwa „brutal“ gewesen wären wird nicht gefragt. Vordringlich ist wieder nur die Sorge um ein potentiell minderjähriges Publikum – Stichwort „Schulhof“.
    Um ein aktuelles Beispiel mit der Filmwelt zu nennen: sowohl in „Beyond – Two Souls“ als auch in „Antichrist“ wirkte der Schauspieler Willem Defoe mit. Würden im Videospiel jedoch ähnlich explizit seine Hoden zertrümmert werden wäre dies demnach wohl weit eher der Grund für eine (menschenrechtliche) Skandalisierung, wo zumindest nicht nur in Cannes in dem Fall von Film, sondern etwa auch im deutschen Feuilleton (noch dazu nach entsprechender Förderung) auch bestimmte Traditionen durchaus Berücksichtigungen fanden, und noch mehr ebenfalls zu bestimmten Einordnungen führten. Dass solche Handlungen im Film auch politisch-religiös als negative Antwort auf die Vorstellungen eines Tarkowskij zu deuten sind, Fragen von zwischenmenschlichen Körperbeziehungen betreffen etc. Weder Spiel noch Film muss dabei jemand (gut) leiden können, weshalb ich auch eindeutig für „Videospiele für niemand“ bin. Und nicht für „Videospiele für alle“, welche Minderheitenmeinungen von Vornherein ausgrenzen und das Diktat einer Gemeinschaft bilden möchten. Ich meine damit: in der beim ZDF hipp vorgetragenen Szene aus einem solchen Videospiel würde dahingehend lediglich der zertrümmerte Hoden als solcher erhalten bleiben, er wäre gewissermaßen bereits mehr der Tatbestand für ein Vergehen (eben schon in Richtung Strafrecht bei Gewaltdarstellungen). Alles andere würde schonmal überhaupt nicht zur Stimmung der Sendung passen, zum Vibe und Feeling welche sie verbreiten möchte, denn ein „Blick auf die Wunde“ (Stefan Höltgen) stört da nur. Wobei es mir persönlich nicht nur um affektorientierte Körperdarstellungen geht, sondern auch im übertragenen Sinn um die Wunden der Sicherheitspolitik einer Gesellschaft – wie eben etwa um die Folter.
    Thomas Willmann nannte diesen Blick auf Gewaltdarstellungen allein jedoch einmal „pornographisch“ – siehe auch den Link unten. Und nachzulesen etwa in meiner Dissertation (155f.). Im Übrigen wollte ich hier nicht als Gamer reden und von Videospielen dahingehend auch nicht als Hobby, sondern halt Ausdrucksform. Und vielleicht ist die Reduktion auf eine Freizeitbeschäftigung diesbezüglich ebenfalls ein Problem, denn ein Hobbyist welcher in seiner Freizeit Dampfloks baut wird sich über deren Umweltverschmutzung mitunter auch keine Gedanken machen.
    In der Medienwirkungsforschung wird darüber hinaus für gewöhnlich doch (auch) nur ein mehr oder weniger mechanistisches Wirkungskonzept verfolgt, dass etwa zwischen Kausalität und Korrelation bei seiner Wissenschaft am Menschen pendelt. Und wo genau in der Hinsicht von zum Beispiel Inspirationen überhaupt nicht gesprochen wird. Da interessieren auch nur Schulhöfe, „Kopfschüsse“ usw. Statistisch-empirische Informationen nach Befragungen. Und dies nicht allein bei den Leuten vom „Kölner Aufruf“: kaum jemand ist meiner langjährigen Erfahrung nach selbst im Journalismus gewillt viele Inhalte großer Videospiele anders als für „kommerziell“ und „dumm“ oder sonst was zu halten – da gibt es höchstens (auch) irgendwelche Rechtfertigungen, dass es halt doch irgendwo wen gibt der zum Beispiel „Kopfschüsse“ in Videospielen gerne hätte. Was auch immer mit dieser Feststellung gewonnen werden soll… Ausnahmen wie GTA bestätigen diese Regel, denn was bei GTA noch als „Kritik“ oder „Satire“ gelobt wird, wird im Umkehrschluss anderen wieder weggenommen. Konservative Familienbilder wie sie „The Walking Dead“ oder „The Last of Us“ verbreiten mögen etwa beim Spiegel noch „geliebt“ werden, dafür wird anderes als „Selbstzweck“ oder mit diversen Ismen bestraft. Es gibt im deutschen Sprachgebrauch bis hin zum Jugendschutz ja einen ganzen Katalog entsprechend unterscheidender Begriffe, von „gewaltbeherrscht“ bis zu diversen anderen „Verherrlichungen“. Weder Integration von, noch Freude an, (subjektiv gelungenen) Gewaltdarstellungen werden so (ästhetisch oder nicht) eruiert. Sie werden nur toleriert, akzeptiert oder halt nicht mehr (und dann verfolgt). Letztlich immer diskriminiert. Wobei zu behaupten, dass Videospiele nicht zu Amokläufen inspirieren könnten, ich mit Verlaub nur absurd nennen möchte. Alles Mögliche kann dazu führen oder (wesentlich) beitragen, jeder Mensch kann behaupten dass Videospiele ihn oder sie zu etwas verleitet, gebracht hätten und es kann deshalb schonmal nicht so „falsch“ sein dass Videospiele Verbrechen begünstigen können – dabei etwas (kategorisch) ausschließen liegt mir jedenfalls völlig fern und kann ich auch keineswegs nachvollziehen. Die Frage ist nur was die Gesellschaft daraus (einseitig) macht http://www.heise.de/tp/artikel/12/12679/1.html

  8. Ich habe die Sendung jetzt auch (endlich) vollständig gesehen und halte sie im Großen und Ganzen sogar für relativ gelungen. Die größte Schwäche sehe ich im Format selbst, welches die Komplexität des Themas nur schwer fassen kann. (Komplexe Themen haben im TV generell einen schweren Stand…) Dort gibt es nun zwei Redner, einer spricht für und einer gegen Computerspiele, wobei im Grunde beide möglichen Antworten in der Abstimmung zutreffen. Natürlich wird beim Spielen Zeit verjubelt, eben so – als Aktivität ohne äußeres Ziel – wird „Spiel“ sogar zuweilen definiert. Und natürlich wird beim Lesen das Denken trainiert. (Die Aussage, dass Computerspiele das nicht tun, bleibt zumindest im Poll implizit.) Das ändert aber natürlich nichts daran, dass Videospiele Kulturgut und Unterhaltungsmedium sind. Aber das ist nun mal das Design der Sendung und irgendwie muss man das Thema ja aufziehen. Gerade, wenn man für Zuschauer nachvollziehbar sein möchte, ist es auch OK, zu vereinfachen. In diesem Kontext aber noch ein Gedanke zu den Verboten: Laut Gesetz verboten ist die Verbreitung, etc. von „Schriften, die (…) Gewalttätigkeiten gegen Menschen (…) in einer Art schildern, die eine Verherrlichung (…) ausdrückt oder die das Grausame (…) darstellt“. Überschrieben ist das Ganze mit „Gewaltdarstellung“. Als Jurist kann man das ein „Verbot von Gewaltdarstellung nach §131 StGB“ nennen, denn es verbietet die Art von Gewaltdarstellung, die in eben jenem Artikel beschrieben wird. Als Journalist ist das Wort „Gewaltverherrlichung“ griffiger, und der Laie stellt sich darunter wahrscheinlich eher das richtige vor als unter der Beschreibung des Juristen. Andererseits sollte der Journalist sich dabei auch bewusst sein, dass er eine (durchaus legitime) Vereinfachung vorgenommen hat: Unterm Strich handelt es sich in jedem Fall um Gewaltdarstellung (weil „Schriften“ etwas darstellen), der Straftatbestand (also das wirklich verbotene) ist also (entsprechend der Überschrift des Gesetzes) die Gewaltdarstellung, die wiederum zum Beispiel eine Verherrlichung ausdrückt.

  9. Andreas Garbe: „Vielen Menschen ist bewusst, dass solche Spiele in Deutschland geschnitten sind“
    nein ein paar Gamern ist bewusst, dass solche Spiele in Deutschland geschnitten sind der Rest glaubt den Bildern im TV welche Zeigen, dass Spieler Unschuldige töten kann. Niemand hält es dann für nötig darauf hinzuweisen, dass es so NICHT IM DEUTSCHEN HANDEL erhältlich ist. Zum Rest kann man im Post von Roland_09 bereits lesen: „Diese “Argumentations”figur kennen wir doch schon“.

    Hier fehlen leider Daten: Wieviele Gamer wissen, dass Spiele geschnitten werden? Wie viele nicht Gamer? Wie sieht es im Vergleich zu anderen Medien aus? usw…

    Man könnte auch viele, viele andere Spiele in den Clip Einschneiden mit der Begrundung, dass man sie irgendwie in Deutschland erhalten KÖNNTE. Es ist und bleibt aber eine „Verzerrung“ damit der Zuschauer in eine gewisse Richtung geschickt wird. Der Ersteller des Clips hat ausversehen oder nicht (innere Überzeugung und Vorurteile) Bilder gezeigt welche der Spieler welcher die Deutsche Version im Laden gekauft hat (normal Fall bei Schülern (u.U. in Begleitung der Eltern)) nicht sehen wird. Wenn die Eltern für die Kinder das Spiel importieren müssen, dann haben sie die Aufpasspflichten verletzt usw.
    Wenn die Kinder selbst das Spiel aus dem Netz gezogen haben, dann ist dies ein Thema für illegale Downloads und nicht für „Alterseinstufungen in Deutschland“, denn hier ist das Spiel immer noch ab 18 aber geschnitten…

    Wie auch immer diese Verzerrung zustande kam, den nicht Hardcode Gamer welcher sich nicht über alle Details des Spiel informiert, wie auch Nichtgamer schockt man durch diese Bilder, ohne die weiteren Details zu nennen (Zeit für Detials im TV wurde oben bereits angesprochen). Aber genau diese Verzerrungen und das Weglassen von Informationen wird hat mich bewegt, dass ich Tags „#fehler #gelogen“ verwendete.

    Das Verhalten der Medien haben wir in der Zitatdatenbank bereits öfters festgehalten:
    Beispiele: Schrotflinten bringen Bonuspunkte, Oma mit Kinderwagen usw. solche Aussagen dürfen in einer neutralen ausgeglichenen Berichterstattung nicht unkommentiert bleiben.
    Mit dem Zeigen der Ungeschnittenen Version ohne weitere Erklärung ist der Beitrag nicht besser als diese:

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=9c5rwlKFsLE#t=13

    Happy Coding.

  10. Pyri:
    Mit so einer Detailkritik kann ich gut leben. Ich finde, dass das Medium es überstehen sollte (und überstehen wird), wenn man Kritikern erlaubt, ein gesamtes Spiel auf eine Szene zu verkürzen, um dann die Frage aufzuwerfen, ob das so gezeigt werden muss. Verbieten können wir das Kritikern sowieso nicht und wir müssen solche Argumente zulassen. Und wieso auch nicht? Ich persönlich halte Filme wie „Leaving Las Vegas“, „Sin City“ oder „Se7en“ für kaum ansehbar, aufgrund jeweils einer einzigen Szene. Wenigstens die letzten beiden Filme sind natürlich fantastische Kunstwerke, aber hier reduziere ich meine persönliche Beziehung zu ihnen auf kurze Ausschnitte, weil mir eben eine Szene von Gewaltdarstellung oder allein -schilderung einfach zu viel ist. Und genau hier kommt wieder der Beißreflex zum Tragen, den ich bereits beschwor. Ich kann mit einer zentralen Sorge „um ein potentiell minderjähriges Publikum“ sehr gut leben. Was ist denn damit falsch, zu fordern, dass USK-Labels auch eingehalten werden?

    Und nur kurz: Ich habe Games nicht auf ein Hobby reduziert. Und auch meine Kommentare zu der Wirkungsforschung solltest Du noch einmal lesen. Wobei ich Deine Frage, ob in der Diskussion um Amokläufe Videospiele „dazu führen“ oder gar „wesentlich beitragen“ können, beantworten kann. Das wird bereits heute tatsächlich ausgeschlossen. Hier empfehle ich das immer noch brandaktuelle Buch „Grand Theft Childhood“ aus dem Jahr 2008.

    Patrick:
    „Gerade, wenn man für Zuschauer nachvollziehbar sein möchte, ist es auch OK, zu vereinfachen.“ Sehr guter Kommentar. Ich stimme absolut zu. Umgekehrt hat die Sendung ja auch Argumente pro Spiele verkürzt dargestellt. Anders ist es in dem Format nicht möglich. Fair und differenziert war die Sendung dennoch.

    Zu dem Paragraphen: Es reicht mir nicht, dem Zuschauer / Leser einen Paragraphen §926 „Lebensgefahr durch Verzehr von Schwarzbrot“ zu zitieren, wenn der Inhalt aber lautet: Eine solche Lebensgefahr besteht nicht. Oder: Sie besteht nur, wenn man die Packung verzehrt. Ich habe mich mal bewusst von rechtlichen Inhalten entfernt, um meinen Punkt plakativer zu machen. Du verstehst? Egal wie der Parapgraph nun heißt, darf der Eindruck auf keinen Fall entstehen, dass Gewaltdarstellungen verboten seien, wenn nur sehr bestimmte Formen verboten sind. Das muss genannt werden, auch wenn Juristen gerne solche Inhalte voraussetzen.

    The_Real_Black
    Nein, nahezu allen Gamern ist bewusst, dass Videospiele in Deutschland eventuell geschnitten sind. Das ist bei Filmen ja genauso der Fall. Viele Actionfilme sind im Elektrohandel günstig zu erwerben und seltsamerweise mit FSK 16, obwohl sie eigentlich keine Jugendfreigabe haben. Da weiß jeder, dass da Szenen fehlen und bei Games ist das nicht anders. Viele Actionspiele werben ja auch konkret damit, dass sie in Deutschland ungeschnitten sind. Und über Sätze wie den folgenden solltest noch einmal nachdenken:

    „Wenn die Kinder selbst das Spiel aus dem Netz gezogen haben, dann ist dies ein Thema für illegale Downloads und nicht für “Alterseinstufungen in Deutschland”, denn hier ist das Spiel immer noch ab 18 aber geschnitten…“

    Wenn es Dir reicht, dass das Spiel in Deutschland so nicht im Handel steht, gut für Dich. Einer ernsthaften Diskussion reicht es nicht. Und Dein pauschaler Vergleich am Ende Deines Kommentars zeigt mir, dass Du zu einer ernsthaften Diskussion anscheinend leider nicht bereit bist. Der verdient die Tags #unverhältnismäßig und #beißreflex… und vermutlich Schlimmeres.

  11. @Andreas
    Da vieles schon hier angeschnitten ein paar Gedanken, die ich mir eigentlich für unser Gespräch gemacht habe.
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    Vorweg: Ich finde den Gebrauch von Verallgemeinerungen wie z.B. „die Deutschen“ meist wenig überzeugend, da ich schlicht Zweifel habe, dass man bei Kollektivbezeichnungen ernsthaft irgendwelche Attribute oder (Charakter-) Eigenschaften generalisieren kann. Nichtsdestotrotz besteht – wenn man denn seine „eigene“ Gruppe erkennt – die Gefahr, solche Bedenken zu vergessen. So sympathisch einem andere „Gamer“ zunächst auch sein mögen, ob einem mehr als der bloße Gebrauch desselben Mediums verbindet ist ungewiss. Vor dem Hintergrund, dass jeder 4. Deutsche Videospiele nutzt, dürfte die Bedenken auch berechtigt sein. Ich weiß nicht, wieviele von diesen sich heute mit ner Dosbox rumschlagen, „The cake is a lie“ zu ordnen und d135 l353n können und wissen, wofür aybabtu steht. Ich nehme vielmehr an, dass viele einfach nebenbei am Rechner Solitär, Minesweeper oder andere Spiele oder für zwischendurch irgendwelche Tetrisvariationen auf dem Handheld oder Smartphone spielen. Ich glaube dabei weder, dass das eine bessere oder schlechter als das andere ist, sondern allein, dass es ein vielfältiges Medium ist (Jede andere Erwartung wäre realitätsfern). „Gamer“ zu sein bedeutet dann ähnlich viel wie die Aussage, dass man Filme mag – nicht viel. Der eine kann Tatort und der andere Babylon 5 schauen, „näher“ ist man sich deswegen nicht unbedingt. So meine ich mich auch an Studien zu erinnern, wonach die Anhänger anderer Spielgenres mit Ego-Shooter genauso wenig anfangen können, wie die restlichen Bevölkerung. Ich glaube mittlerweile auch selbst von der aktuellen „Gamer-Szene“ abgehängt worden zu sein. Die aktuellen Entwicklungen des Genres, die durch Spielemagzine, Events wie die GamesCom und die Presse im allgemeinen begleitet werden, interessieren mich schlicht nicht. Ich weiß nicht, ob es etwas mit verklärender Nostalgie zu tun hat, aber ich ziehe oftmals frühere Versionen aktuellen Spielen vor. So z.B. auch „Anno 1602“. Da dürfte das auch nicht nur rein subjektiv sein: Das Fehlen von Multiplayer und vernünftigen militärischen Part in den Nachfolgern und schließlich die Always on Funktion im neusten Teil sind Dinge, die nun einmal vorhanden sind. Also lange Rede kurzer Sinn: Auch wenn ich glaube, dass den meisten „Gamern“ etwas an ihrem Genre liegt, dürften die Vorstellungen davon, wie sich dieses entwicklen sollte, höchst unterschiedlich sein. Das „Outen“ als Gamer ist für mich im ernsten Moment unbestritten sympathisch, doch ich versuche mir daraufhin nicht zuviel Gemeinsamkeiten einzubilden.
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    Zum Thema: Ich glaube, dass der Verweis auf den „Beißreflex“ hier nicht ganz funktioniert. Es mag – speziell bei manchen Videospielen viele „Fanboys“ geben, die auf ihr Lieblingsspiel nichts kommen lassen wollen. Doch bei mir liegt es etwas anders: Mich stören – was viele Journalisten zu irriteren scheint – bereits unwahre Darstellungen an sich. Von daher geht auch der Vorwurf des Beißreflexes in eine falsche Richtung. Dieser läuft ja darauf hinaus, dass man nicht übereilt urteilen, sondern erst „den Rest“ abwarten solle. „Der Rest“ ist aber regelmäßig keine Korrektur der misslungenen Darstellung, sondern schlicht ein Verweis auf die „Message“. Die ist für mich in diesem Zusammenhang aber zweitrangig. Mit stigma-videospiele wollte ich in erster Linie eine Versachlichung der Diskussion bewirken, wobei es vorrangig Kritiker von Videospielen getroffen hat. Ab und an nehme ich aber selbst diese in Schutz, auch wenn mir deren Überzeugungen und Haltungen überhaupt nicht passen. So habe ich z.B. einen Beitrag darüber verfasst, wie Manfred Spitzer in einer Talkshow zu unrecht als ahnungslos dargestellt wurde. Der Vorwurf, an dem seine Inkompetenz festgemacht werden sollte, war schon sehr grenzwertig. Von daher ist es so, wie es „The_Real_Black“ schreibt – auf dieser Seite geht es um unwahre Berichterstattung, auch wenn es einem natürlich nicht sonderlich angenehm ist, wenn einem symapthischen Personen mit gemeinsamen Ansichten bei einem Punkt daneben gelegen haben.
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    Auch bei der fraglichen Szene von „Modern Warfare 2“ finde ich bzgl. der konkreten Ausage, dass das Spiel „ab 18“ erhältlich sei, die Erklärung etwas schief. Wenn es jetzt heißt, dass es allein darum ging, dass solche Spiele für Minderjährige zugänglich seien, setzt sich das für mich in Widerspruch zu der Darstellung. Dort wird – mit dem Vergleich zu Filmen – nicht die Verfügbarkeit, sondern der soziale Unwert angesprochen. Es sei ein bestimmtes Gewaltniveau – nämlich das von „ab 18“-Titeln bei Videospielen – gesellschaftlich akzeptiert. Und in diesem Kontext passt die Präsentation von „Modern Warfare 2“ dann nicht mehr. Denn nach dem breiten Aufschrei in dem Medien sowie den Umstand, dass es verboten und damit eben kein „ab 18“ Spiel mit einem entsprechenden Inhalt ist, sollte eigentlich auch der letzte mitbekommen haben, dass solche Inhalte in Deutschland nicht als konsensfähig angesehen werden. Und dies betrifft im Ergebnis auch schon wieder die zweite Stufe – die der „Message“. Der Umstand, dass das gezeigte „Modern Warfare 2“ nicht „ab 18“ freigegeben ist, dürfte offenkundig sein. Gerade weil es soviele Interpretationsmöglichkeiten darüber gibt, was denn gemeint gewesen sein soll bzw. wie etwas verstanden werden muss, bin ich ein Fan davon gleich etwas so darzustellen, wie es sich wirklich verhält. Ich empfinde meine Kritik daher keinesfalls als unberechtigt. Dass die Darstellung so nicht stimmt ist klar und für mich schon an sich problematisch.
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    Unabhängig davon freut mich natürlich der Trend, dass Videospiele auch im öffentlich-rechtlichen Fensersehen mittlerweile besser wegkommen. Ich möchte dir und allen anderen, die daran tatkräftig mitwirken meinen vollen Respekt und meine Hochachtung aussprechen. Was ihr da leistet ist fantastisch. Teilweise macht mir das beinahe schon Angst, denn das Bild, dass man von Gamern gerne hätte und wie es sich aktuell darstellt, entspricht sich „leider“ nicht immer. Die eSport-Übertragung fand ich super und habe dennoch Blut und Wasser geschwitzt, dass „Take“ nicht irgend einen bescheuerten Kommentar ablässt. Das Vokabular bei Starcraft 2-Streams ist oft einfach auf mehreren Ebenen eine Zumutung. Ich habe dieses Wochenende bei einem anderen deutschen Caster weggeschaltet und mir das Match dann bei einem Polen weiter angesehen, weil ich die Sprüche einfach nicht mehr ertragen konnte. Mein „Liebster“ Caster, der einfach Stilsicher und mit Niveeau kommentiert, ist ohnehin Kaelaris (Englisch). Also der Punkt ist – in meinen Augen läuft man beinahe in Gefahr, manche Spiele und Geschäftsmodelle zu unkritisch darzustellen. Teilweise finde ich aber auch die Zukunft, die sich manche Gamer vorstellen, etwas fragwürdig. Wenn z.B. in der WASD kritisiert wird, dass Politiker in Videospielen zu negativ dargestellt werden, frage ich mich, wo denn der Unterschied manchen Spielegegnern ist. Für mich genügt es, dass Videospiele politisch sein können. Vorzuschreiben, welche Message sie rüberbringen sollen, finde ich schon allein wegen der Meinungs- und Kunstfreiheit der Entwickler bedenklich. Schließlich finde ich es auch seltsam, dass Videospiele – nachdem sie nicht mehr als Kinderspiele verstanden werden sollen – plötzlich dann doch wieder einen pädagogischen Charakter haben sollen.
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    Und bei einem Punkt möchte ich noch „The_Real_Black“ beipflichten. Nach meinen Erfahrungen ist der Glaube, dass ein nicht besonders an „unerwünschten“ Videospielen, Filmen oder Musik interessierter Mensch auch nur eine Idee von der allgegenwärtigen „Zensur“ hat, nicht ganz zutreffend. Sogar während meines Studiums (Rechtswissenschaften), gab es Kommilitonen die davon ausgingen, dass ein „ab 18“ Film ungeschnitten sein müsse, da ihnen sowohl Index als auch § 131 StGB unbekannt waren. Weiter erscheint es so, dass viele Menschen nicht wissen, dass im Fernsehen die meisten Spielfimne – insbesondere Actionfilme ab 20:15 – geschnitten sind. Ernüchternd fand ich auch Antwort auf meine Frage an einem Verkäufer in einem Kaufhaus, ob er mir sagen könne, ob es sich bei dem angebotenen DVD um eine ungeschnittene Version handele: Sie müsse ungeschnitten sein, da dort „Director’s Cut“ drauf stehe. Ich kann mir überhaupt den Umstand, dass es dutzende Angebote von verstümmelten Filmen in den jeweiligen Regalen gibt nur damit erklären, dass die Käufer diese für die Originale halten.

  12. @Andreas Garbe
    „Die zwei brutalsten Videospiele der letzten Generation waren beides Wii-Spiele. Diese beiden Spiele (will jetzt keine Werbung für die machen) sind aber auf deutschen Schulhöfen komplett unbekannt. Grundsätzlich funktioniert also das Werbeverbot für indizierte Titel.“

    Das ist aber eine sehr gewagt Aussage. Wer kennt komplett, alle, deutschen Schulhöfe? Davon abgesehen: Jedem der älter als 14 Jahre ist unterstelle ich jetzt einfach mal keinerlei Ahnung davon zu haben, davon was so auf deutschen Schulhöfen abgeht. Das ist ein Umstand der für so ziemlich jede Generation gleich gilt.

    Dann bleibt noch: Warum sollten sich Schüler dieser Generation für Uralte Wii-Spiele Interessieren? In dem Alter ist man nur am „Neusten“ interessiert, Last-Gen Schrott ist nur für Kinder die sich nichts besseres leisten können.

    Auch ich war mal Jung und das sogar zu „pre-Internet“-Zeiten. Und schon damals hat jegliches Verbot (Ob Verkauf, Werbung, durch Eltern oder Lehrer) nur einen gegenteiligen Effekt gehabt. Damals brauchten wir auch kein Internet um zu erfahren das „Faces of Death“ etwas ganz ganz böses ist, wir haben nicht einmal Internet gebraucht um uns dieses „böse Etwas“ überhaupt zu besorgen.

    Da finde ich es wirklich schwer zu glauben das, in Zeiten des allgegenwärtigen globalisierten Internets, lokale Werbeverbote plötzlich irgendeinen Effekt haben sollen.

  13. @Rey AlpThema „Gamer sein“:
    Ich habe vor ca 2 Wochen mit 5 anderen in meiner Firma in der Mittagspause zusammen gesessen und wir haben rausgefunden wir sind alle „Gamer“… bis auf 3-4 Klassiker welche 2 auch nur vom hörensagen gekannt haben haben wir kein Spiel gefunden welches mehr als 3 Leute gespielt haben.
    Am Ende stand die Meinung bei Filmen ist es einfacher einen Film zu finden den alle 5 gesehen haben…

    Thema „Gamer wissen es“:
    Wenn ich die „Casual Gamer“ ansehe denke ich nicht, dass sie auf die Suche gehen um herauszufinden ob ein Spiel oder mehere Spiele geschnitten sind. Ohne Schnittberichte wüsste ich vermutlich auch nicht wie viele Spiele wirklich geschnitten worden sind.
    Auch bei Filmen habe ich viele Leute gesehen die „kaufen einfach“ den Film im nächsten Laden um die Ecke ohne sich Informationen zu holen was darauf genau ist. Maximal BlueRay und DVD wird da unterschieden.
    „Käufer“ geben sich da oft nicht sehr informiert, da ein Spiel oder Film keine „längerfristige Anschaffung“ ist (Auto, Waschmaschiene usw.). Da werden dann nicht so viele Punkte abgewogen vor einen Kauf.

    „Wenn es Dir reicht, dass das Spiel in Deutschland so nicht im Handel steht, gut für Dich. Einer ernsthaften Diskussion reicht es nicht.“
    Dies ist genau das Problem es ist so nicht im Handel ohne darauf hinzuweisen. Da hättet ihr auch sonst ein Spiel zeigen können:
    Entweder einen Clip eines anderen Spiels was so verkauft wird
    oder
    in die andere Richtung ein Spiel was viel zu brutal für Deutschland war und hier nicht veröffentlich wurde.

    Das Erste: Wäre gut gewesen, da hätte ich nichts am ganzen Beitrag aussetzen können.
    Das Zweite: Wäre nicht so gut gewesen, ich hätte es als Schocker für die Zuschauer abgetan (was es „da draußen“ alles gibt) und ich hätte mich dann auf eine Diskussion gefreut was man alles erlauben/ertragen müsste für Meinungs- und Kunstfreiheit.

    Es wurde aber dieser dritte Weg gewählt man zeigt etwas was nicht stimmig ist und dann weist man darauf auch nicht hin. Sowas kommt zu regelmäßig im TV vor als, dass ich da von „ausversehen“ ausgehen kann. Auch wenn es keine böse Absicht ist ist es in einer Form Absicht. Auch wenn es nur um die Message gegangen ist (was ich auch für Schlimm erachte, da man nicht nur für eine Message Schocker verwenden sollte).

  14. @ Matthias / The_Real_Black
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    Nochmal zu MW2: Der inhaltliche Zusammenhang war der, dass Papis Kreditkarte grundsätzlich alles kaufen kann. Und hier sind wir bei einem europäischen Problem, nicht bei einem deutschen. Es ist aber auch ein deutsches.
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    Denn verboten ist auch die Originalversion beileibe nicht. Wer möchte, kann auch diese Version in Deutschland unter dem Ladentisch und gegen Ausweiskontrolle verkaufen. Diese Version ist indiziert und steht auf Liste B, die den Spielinhalt damit nicht nur als jugendgefährdend einstuft, sondern – nach der juristisch unverbindlichen Meinung der Bundesprüfstelle – auch als möglicherweise strafrechtlich relevant. Möglicherweise bedeutet, dass erst eine Gerichtsentscheidung diesen Verdacht entweder bestätigt (dann wird das Spiel beschlagnahmt und kann, wenn man will, als verboten bezeichnet werden) oder nicht bestätigt (dann wird das Spiel im Regelfall auf die Liste A verschoben). Im Fall von Modern Warfare 2 weiß ich, dass es kein Gericht als strafrechtlich bedenklich eingestuft hat, es aber weiterhin auf Liste B geführt wird. Das sollte man schon wissen, wenn man der Sendung hier Ungenauigkeit vorwirft.
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    Vor diesem Hintergrund sind gleich mehrere Statements verschiedener Kommentatoren oben falsch. Ich will die hier nicht anprangern, aber ich darf doch darauf hinweisen, dass wir sehr gründlich recherchieren und der Irrtum nicht bei uns liegt.
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    @Freeflight
    Du hast noch keine Kinder, richtig? Ich hab eins, habe auch eine Nichte in dem Alter und kenne darüber hinaus viele weitere junge Eltern. Ich weiß schon ganz gut, welche Themen auf dem Schulhof aktuell gefragt sind. GTA V gehört dazu, Spiele dagegen, die in Deutschland in keiner Version verfügbar sind, waren noch nie groß Thema. Und natürlich rede ich von der Zeit, in der die jeweiligen Spiele aktuell waren.

  15. Für diese Erkenntnis muss man keine Kinder haben, da reicht es schon selbst mal eines gewesen zu sein. Ich würde sogar behaupten das „selbst Kind sein“ ermöglicht hier wesentlich objektivere Einblicke, zumindest im Vergleich zu der naiven Annahme die Kleinen würden ihren Eltern/Bekannten ja immer nur reinen Wein einschenken.

    Von daher finde ich die Behauptung Spiele wie Manhunt oder Thrill Kill hätten niemals auch nur ansatzweise einen besonderen reiz auf die Kleinen ausgeübt, bzw. wären niemals ein „großes Thema gewesen“ sehr gewagt. In dem Alter sind die meisten sich über die Vielzahl an Qualitäten, welche so ein Spiel enthalten kann kaum bewusst, da sind die Auswahlkriterien meist wesentlich simpler.

    Das fängt damit an das man am besten hat was alle anderen auch haben (Die üblichen Mainstream Titel der Sorte CoD/GTA) und hört dort auf wenn man das hat was man nicht haben darf und dementsprechend ist man dann auch ein ganz großer Held unter den „nicht-Habern“.

    Aber du kannst gerne weiter diese These vertreten, dann muss ich allerdings zu der Feststellung kommen das die heutige Jugend offensichtlich akut verblödet ist, zumindest im Vergleich zu meinen Jugendzeiten. Wie gesagt: Schon zu pre-Internet Zeiten waren diese Spiele auf Schulhöfen beliebt und wurden verbreitet. Da wirkt es befremdlich das ausgerechnet heutzutage, wo jeder 12 Jährige mit Smartphone rumrennt, irgendein Werbeverbot in irgendeiner Form greifen würde. Der oben genannte 12 Jährige kann dieses System durch eine einfache Google-suche der Sorte „brutalste videospiele“ innerhalb von Sekunden umgehen.

    „Wer möchte, kann auch diese Version in Deutschland unter dem Ladentisch und gegen Ausweiskontrolle verkaufen.“

    Dann viel Spaß beim suchen eines Ladens der noch Importe verkauft. Bei Saturn und Media Markt wirst du so etwas nicht bekommen, die kleinen Einzelhändler (welche in der Mehrzahl sowieso am wegsterben sind) führen so etwas oft genug auch nicht mehr. Lohnt sich einfach nicht, da man ja nicht einmal darauf hinweisen darf das man solche Spiele führt. Die unaufgeklärtheit der meisten Käufer tut dabei ihr übriges, die fragen nicht nach weil ihnen diese Umstände nicht bewusst sind und all das ist „working as intended“, aber eine Zensur findet ja nicht statt. In der Hinsicht hilft es auch nicht darauf hinzuweisen das wir ja ganze verschiedene Stufen der Zensur haben, das macht es auch nicht wesentlich besser..

    Und was bleibt am Ende von all dem übrig? Die gearschten sind die Volljährigen, welche sich die Spiele teuer importieren müssen nur um am Ende durch 30. Reifen für irgendeine Aktivierung zu springen. In manchen Fällen über VPN um das ausländische Produkt überhaupt aktivieren zu können. Dieser Spaß beinhaltet dann auch noch das Risiko das einem der eigene Account gesperrt wird, denn so ziemlich jeder Anbieter hat ein Verbot von IP Verschleierung in seinen AGB’s. Ist man mit all dem durch, steht man dann vor dem Problem wie man sich DLC besorgt oder gar noch viel toller: Man kann nicht mit deutschen Kumpels spielen weil deren Schnippelversion inkompatibel ist.

    Die „Kleinen“ saugen sich den Mist einfach und bekommen von der Mehrzahl dieser Hürden absolut gar nichts mit, gearscht ist man nur wenn man es absolut „richtig“ machen will.

  16. @Andreas
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    Wenn der Schwerpunkt bei „MW2“ die Verfügbarkeit und nicht (auch) die gesellschaftliche Akzeptanz war, ging das für mich aus dem Beitrag nicht klar hervor. Der Sprecher sagt:
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    “Filme “ab 18? dürfen Kids nicht gucken – das ist absolute Mehrheitsmeinung. Und Games “ab 18?? Kauft Papis Kreditkarte! Ist doch nur ein Spiel… Zivilisten erschießen bei “Call of Duty” […].”
    .
    Auch wenn das mit der Kreditkarte nur im Satzteil mit den „Games“ steht, bezieht sich das mit „Meinung“ („Und Games „ab 18“?) und „Ist doch nur ein Spiel“ – nach meinem Verständnis – ebenfalls auf Spiele.
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    Das mit dem Verbot ist wieder eine komplizierte Angelegenheit. Ich denke wir sind uns einig, dass „MW2“ auf dem Listenteil B steht. Bereits deswegen besteht ein absolutes Verbreitungsverbot für Angebote über den Rundfunk (Internet). Nach § 4 Abs. 1 Nr. 11 JMStV ist das Angebot von in Listenteil B eingetragen Medien unzulässig. Auch in geschlossenen Benutzergruppen ist das Angebot – anders als bei bloß in Listenteil A eingetragenen Titeln – nicht gestattet.
    .
    Im Offlinebereich macht der Listeneintrag in Teil B ein Videospiel genausowenig verboten wie eine Beschlagnahme. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Videospiele erst nach einer Gerichtsentscheidung verboten seien. Genaugenommen begründet die Beschlagnahme nicht ein Verbot eines Videospiels – das macht ganz allein der § 131 StGB – sondern ist Folge eines Verbots. Wer ein Videospiel das nach § 131 StGB verboten ist verkauft, kann deswegen bestraft werden, auch wenn es noch keinen Beschlagnahmebeschluss gibt. Man kann soweit unterscheiden: Der Beschlagnahmebeschluss betrifft nur das Vorgehen gegen Sachen – die Datenträger des Spieles. Ohne ihn können die Spiele nicht unabhängig von einer konkreten Straftat vernichtet werden. Für das Vorgehen gegen Menschen, die wegen des Handelns etc. bestraft werden sollen, braucht man die Beschlagnahme dagegen nicht. Neben einem Inhalt nach § 131 StGB braucht es keine weiteren Voraussetzungen, die ein Spiel erfüllen muss, um verboten zu sein. Keine Behördenentscheidung, keine Gerichtsentscheidung. Daher ist es auch schwer rauszubekommen, ob ein Spiel nun verboten ist oder nicht. Dies kann man erst dann definitiv wissen, wenn ein Mensch wegen des Spiels nach § 131 StGB verurteilt wurde oder wenn nach § 131 StGB die Beschlagnahme des Spieles ausgesprochen wurden. Doch ähnlich wie bei einem HIV-Test ist es bei diesen Entscheidungen so, dass man die Krankheit schon vor Durchführung des Testes hatte bzw. das Spiel auch schon vorher verboten war, man aber erst Gewissheit durch den Nachweis der Antikörper bzw. den Auspruch der Beschlagnahme erlangt.
    .
    Wenn also „MW2“ verboten ist, ist es das jetzt schon, auch wenn man erst später darüber Gewissheit erlangt. Wenn es nicht verboten ist, ist es das nicht^^. Es spricht wegen der Bewertung der BPjM aber vieles dafür, das es verboten ist und damit es auch schon jetzt ist. Ohne Strafurteil oder einen Beschlagnahmebeschluss werden wir das aber nicht erfahren.

  17. Ergänzung zu @Freeflight: Es geht darum, dass man Importversionen von CoD:MW2 in Deutschland nicht ohne weiteres aktivieren kann. Sprich: Man kann es zwar (im Ausland) kaufen, aber nicht in Deutschland nutzen. (Zumindest nicht ohne VPN, Proxy oder ähnliches.) Zitat zur Begründung: »Strafbar wäre der Vertrieb aber nicht erst nach einer solchen Gerichtsentscheidung, sondern von Anfang an. Activision würde mit einem Onlinevertrieb also eine Strafbarkeit riskieren. Wäre ich der Anwalt von Activision, würde ich davon dringend abraten, daher kann ich die Entscheidung gut verstehen.« (http://www.gamestar.de/spiele/call-of-duty-modern-warfare-2/news/call_of_duty_modern_warfare_2,44634,2316787.html)

  18. @Andreas
    Ganz konkret: Nach § 131 StGB ist es verboten ein verbotenes Spiel öffentlich vorzuführen. Das hat ZDF-Login mit der Sendung (wahrscheinlich) gemacht. Ich könnte jetzt zur Staatsanwaltschaft laufen und die Verwantwortlichen der Sendung anzeigen. Sofern der Staatsanwaltschaft nicht zu dem Ergebnis kommt, dass die Vorführung ausnahmweise nach Abs. 3 nicht tatbestandsmäßig war, weil sie „der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dient“, würde er die Erhebung der öffentlichen Klage beantragen. Und die Verantwortlichen könnten sich nicht rausreden, dass sie nicht damit rechnen konnten, dass das Spiel verboten war (Vorsatz), weil es bereits im Listenteil B steht. Und das alles ohne Beschlagnahme.
    .
    Wenn du Lust darauf hättest könntest du auch selbst eine Anzeige erstellen und mit „Glück“ rausfinden, ob das Spiel verboten ist. Nach Einstellung des Verfahrens wegen fehlenden Tatverdacht (Weil ZDF = Berichterstattung), kriegt der Anzeigende einen Einstellungsbescheid, in dem die Nichtanklage begründet wird. Wenn der Staatsanwalt es „ordentlich“ macht, würde er erst ermittelt haben, ob das Spiel verboten ist und dann aber darauf hinweisen, dass es eine Ausnahmeregelung für die Berichterstattung gibt. Weil Staatsanwälte aber wenig Zeit haben, wird er leider nur schreiben, dass es dahinstehen kann, ob das Spiel verboten ist, da sich das ZDF – wegen der Ausnahme – in jeden Fall nicht strafbar gemacht hat.

  19. @Patrik Schönfeldt
    Bei Activision und solchen Sachen wo es in Richtung strafrechtlicher Verfolgung geht verstehe ich das ja auch noch. Richtig übel ist es dafür bei Sony, wo am deutschen PSN (der neuerdings auch wirklich so abgekürzt heißt) selbst USK-16-Sachen massiv eingeschränkt werden – die Rechtsabteilung etwa auf dem fragwürdigen Standpunkt zu stehen scheint nur gegen Entgeld Gratisspiele herzugeben. Mit Alibi-Preisen. So geschehen etwa bei „Dead or Alive 5 Ultimate – Core Fighters“. Da kriegt man nicht einmal, anders als etwa bei Nintendo über Großostheim früher, eine eindeutige Stellungnahme von denen. Da heißt es nur „wir dürfen nicht“, aber Geld „dürfen“ sie schon nehmen – wobei im JMStV afaik kein Wort darüber steht dass gegen Geld der Jugendschutz ausgehebelt werden „darf“. Kreditkarten, Bankeinzüge etc. gelten ja nach dem deutschen Jugendschutz-Recht nicht so viel. Da müssen ganz andere Maßnahmen getroffen werden, damit etwa die KJM mal einverstanden ist. Grundlage sind jedoch in jedem Fall die „Sendezeiten“ aus dem JMStV, weil dort eben drin steht dass auch Ab-16-Sachen erst nach 22:00 „gesendet“ werden dürften und Sony solche Zeiten niemals hatte.

  20. @Andreas Garbe
    Das ist wenn dann kein europäisches „Problem“, sondern ein weltweites. Deutsche können schließlich auch außerhalb Europas bezahlen und virtuelle Angebote von dort nutzen oder importieren (versuchen), Letzteres wenn sie bereit sind mit dem Zoll konfrontiert zu werden. Ich würde es jedoch weit eher als Problem bezeichnen Freiheit zu problematisieren und Haushalte mit Kindern zumindest indirekt zu einer Norm zu erklären, Kinderlose zu Menschen zweiter Klasse zu machen welche darüber den Schaden hätten und mit diesen Einschränkungen nicht so leben dürften wie sie (unter sich) lieber wollten. Vom internationalen Recht ganz zu schweigen –
    @Freeflight
    „Thrill Kill“ ist aber schonmal kein Titel der auf legalem Wege irgendwo spielbar wäre. Sony hat es eben nicht lizenziert, es ist damit zu keiner Veröffentlichung gekommen und anders als etwa „Custer’s Revenge“ bei Atari früher auf handelsüblichen Geräten auch nicht nutzbar – Sorry für den etwaigen Doppelpost.

  21. @Pyri
    Eben darum finde ich es ja so ein gutes Beispiel. Das Game hatte damals einen recht zweifelhaften Ruf der Sorte „So brutal, das will selbst Sony nicht!“. Aber selbst das hat „uns“ damals nicht davon abgehalten selbiges zu besorgen. Die PS1’s waren eh alle gechipt zum Importe/Raubkopie spielen.

    Das ist inzwischen gute 15 Jahre her, war also lange vor der „Internet-überall“Zeit.
    Heutzutage könnten sich die kleinen Thrill Kill, direkt in der Schule, auf ihr Smartphone saugen, die Hürden sind also noch einmal eine ganze Stufe niedriger geworden. Deswegen fällt es mir so schwer die Aussage „Werbeverbote wirken, das hat mir mein eigenes Kind erzählt!“ ernst zu nehmen.

  22. Noch einmal zu Modern Warfare 2: Die US-Version ist in Deutschland NICHT beschlagnahmt oder „verboten“. Die Staatsanwaltschaft München hat seinerzeit ein Ermittlungsverfahren im Falle des Spiels (US PC-Version) abgelehnt. Der Tatbestand des § 131 StGB sei nicht erfüllt. Konkret gebe es keine „zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte“. Der Vorgang hat die Geschäftsnummer 467 AR 6524/09. Es ist also „nur“ indiziert und es galt auch nie etwas anderes. Das Spiel darf also verkauft werden (unter dem Ladentisch), befindet sich noch auf Liste B, wird aber auf Liste A verschoben. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal dringend um gründliche Recherche bitten.

    Und leider gibt es auch Läden in Deutschland, die beschlagnahmte Spiele verkaufen, aber dieses Fass will ich nicht aufmachen.

    Rey Alp:
    „Nach § 131 StGB ist es verboten ein verbotenes Spiel öffentlich vorzuführen.“

    Das kann man so pauschal nicht sagen. Es gilt für indizierte Spiele ein Werbeverbot und das umfasst sowohl die Spiele im Laden in ein Regal zu stellen, wie auch die namentliche Nennung in Fachmagazinen. Nachrichtliche Berichterstattung ist davon aber ausgenommen. Ich habe in meinen vierzehn Jahren als Spieleredakteur beim Fernsehen regelmäßig Ausschnitte aus aus indizierten und sogar beschlagnahmten Titeln gezeigt. Es gibt bestimmte Vorgaben für die Szenen, die gezeigt werden dürfen, aber es ist grundsätzlich nicht verboten.

    Pyri
    „Ich würde es jedoch weit eher als Problem bezeichnen Freiheit zu problematisieren und Haushalte mit Kindern zumindest indirekt zu einer Norm zu erklären, Kinderlose zu Menschen zweiter Klasse zu machen welche darüber den Schaden hätten und mit diesen Einschränkungen nicht so leben dürften wie sie (unter sich) lieber wollten. Vom internationalen Recht ganz zu schweigen.“

    Wem wirfst Du genau was vor? Das war nicht an mich gerichtet, nehme ich an.

  23. @Andreas Garbe
    Doch ich meinte damit eigentlich genau auch Ihre Beiträge hier (oder das was sich mir eben im Fernsehen und anderen etablierten Breitenmedien so darbietet). Und diese weiteren Kommentare von Ihnen unterstreichen die Gründe für diese meine Vorwürfe auch noch. Denn einen „Spieleredakteur beim Fernsehen“ mag das alles nunmal nicht betreffen, da für diesen Job bereits eine „richtige“ Einstellung vorliegen wird. Eine Einstellung welche Sie mit kurzen Formulierungen wie „leider gibt es auch Läden in Deutschland, die beschlagnahmte Spiele verkaufen“ bestätigen – welche Fässer damit auch immer (nicht) aufgemacht werden möchten.
    Nur gibt es halt auch eine Publikumspresse im Land und die lebt seit mehr oder weniger Jahrzehnten da schon in Angst, wobei diese Angst wohl eine Mischung aus vorauseilendem Gehorsam, tatsächlich begründeter Sorge (da soll es zu diversen nur schwer greifbaren Vorgängen bis im Print zum Verlust ganzer Auflagen oder gar Zeitschriften wie der „PC Powerplay“ gekommen sein) und sublimer Zustimmung für die deutschen „Grenzen“ sowie Verfolgungen ist. Viel „Kritik“ gab es aus der Videospielpresse jedenfalls nie daran, weshalb die Zustimmung und ähnliche Einstellungen wie sie ein „Spieleredakteur beim Fernsehen“ demnach wohl schon haben beziehungsweise mitbringen wird müssen, auch dort überwiegen dürfte. Also ein mehr oder weniger eklatanter Mangel an Verantwortungsbewusstsein für Medienfreiheit.
    Deswegen kennen langjährige Beobachter dieser Presselandschaft kreative Wortschöpfungen wie alternative Titel für indizierte Spiele, um nicht einmal in die Verlegenheit kommen zu brauchen diese beim bloßen Namen zu nennen. Auch im Online-Bereich kann Berichterstattung mitunter abrupt enden – so etwa 2008 bei IDG, als ich selbst Zeuge wurde wie es dort zu „Gears of War 2“ plötzlich geheißen hat dass „hier unsere Berichterstattung“ enden würde und mit einem Schlag daraufhin sämtliche Artikel zu dem indizierten Spiel auch verschwunden waren. Nicht zuletzt hat etwa ein Rudolf Weiß, in einer „Studie“ auf die erst kürzlich hier verwiesen wurde, selbst Messeberichterstattung und damit das Vorfeld zu begrenzen gefordert. Also glatte Vorzensur, dass es etwa ein Titel wie „Dead Rising 3“ nicht einmal Monate vor Release in Kölner Hallen schaffen sollte. Manchmal geschah das von Industrieseite ja ebenfalls bereits freiwillig, aber das nur so nebenbei von meiner Seite.
    Ob das bei der Gaming-Presse nun angesichts dessen alles übertriebene Reaktionen meist kleiner oder internationaler Verlage gewesen sind, welche sich damit halt auch der Rechtslage in Deutschland anpassen, sei dahingestellt, also ob es im Jugendschutzgesetz eine tatsächliche Grundlage dafür gibt oder ob dies nicht vielmehr mit anderen Rechten wie der Pressefreiheit kollidiert. Ausjudiziert schien mir da jedenfalls nie etwas geworden zu sein, und – siehe mein Beispiel mit Sony und dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag beim „Senden“ von Telemedien – geht das in anderen Bereichen auch noch weiter. Die Praxis sah und sieht nunmal so aus. Und diese unterscheidet sich von der Berichterstattung im Fernsehen oder den fantasiegewaltphoben Ergüssen eines Christian Stöcker beim Spiegel, dessen Ansehen mit den Anerkennungen seines Organs praktisch einhergeht – und sich in Kooperationen wie früher mit der GEE oder heute der WASD noch verlängert. Die „Meinungen“ sind dabei, wenn schon nicht immer gleich, dann sich tendenziell sehr ähnlich – und gehen in wissenschaftlichen Vereinigungen wie der AG-Games erfahrungsgemäß noch weiter. Zum Beispiel allein bei einem fremdbestimmten Dispositivbegriff, das heißt wenn das eigene Sprechen ausgenommen wird: da gibt es weder eine Form der Selbstreflexion welche Distanz zur eigenen Vorstellung von „Kritik“ zulassen würde, noch eine das eigene System kritisierende Position. Und übrig bleibt etwa nur eine eingebildete Frontstellung zwischen angeblich notorischen „Spielekritikern“ wie vom „Kölner Aufruf“ auf der einen Seite, und einer vermeintlich aufgeschlossener „kritischen“ Games-Beobachtung auf der anderen Seite – jede mit ihren wissenschaftlichen „Beweisen“ für oder gegen problematische Auswirkungen, Nutzungsweisen, Risiken oder Chancen, autoritären Ideen über Bildung (Müller-Lietzkow) oder konstruierten Beziehungen zu Sport und/oder Glücksspiel ihren unterdrückend-ausgrenzenden Bestand feiernd, wobei es letztlich meistens sowieso nur um Geld, die Zuweisung von Förderungen, geht.
    Nur daneben bestehen bleibt die davon ohnehin als minderwertig unterschiedene Videospielpresse und die Berichterstattung dort wird nunmal eher als „Werbung“ angesehen und den demzufolge zumindest als eher „unkritisch“ imaginierten Spielemagazinen, welche noch dazu von Anzeigen aus der malevolent gedachten Industrie abhängig sind, irgendwie sehr wohl mit Hand und Fuß vorgehalten werden können – während das ZDF oder Christian Pfeiffer eher über Steuergelder oder VW gesponsert werden.
    Kurzum: Sie dürfen in Deutschland und darüber hinaus als „kritischer Journalist“ gelten. Seien Sie froh darüber – bei anderen ist das zumindest eindeutig weniger der Fall.

    Sowie zu „Modern Warfare 2“: wenn Ihre Angaben tatsächlich stimmen sollten, wobei ich nicht weiß woher Sie Ihre Informationen beziehen und ich diese dementsprechend auch nicht nachvollziehen kann, dann hätte die BPjM „Modern Warfare 2“ auch umlisten müssen, weil das strafrechtliche Vergehen der Gewaltdarstellung und selbiges Verbot im Falle dieses Titels somit nicht erfüllt gewesen wäre. Und wie Rey Alp doch schon schrieb geht es hier wirklich um die Handlung bei der Herstellung. Gewissermaßen sieht das Gesetz in Deutschland nämlich bereits diese symbolische Handlung als verbotene Gewalt(verherrlichung, Verletzung der Menschenwürde etc.) an, also etwa die Präparation von Prothesen im Filmbereich, Latex usw. Ein Gericht stellt daraufhin lediglich fest was rückwirkend schon immer verboten war – nur weiß man das im Vorhinein eben nie so genau, kann gar niemand wissen, deshalb wieder der Verweis auf mein Bonmot „Videospiele für niemand“.
    Eine solche Umlistung geschah jedoch etwa bei „Dead Island“. Nur Details kamen, wie ich in der anderen Newsmeldung zu dieser Sendung schon schrieb, dabei nicht ans Licht. Allerdings könnte das rechtlich auch andere Gründe haben, denn soweit ich als Nicht-Jurist mich wiederum im Recht auszukennen glaube reicht die (negative) Einschätzung einer Staatsanwaltschaft allein dafür schon nicht aus – da hätte zumindest versucht werden müssen Anklage zu erheben.

  24. @Andreas
    Danke für die Info mit der Staatsanwaltschaft – das ist mir in der Tat neu. Gibt es einen Link zu Verfügung bzw. EN oder EB? Trotzdem würde ich immer noch nicht ausschließen, dass „Modern Warfare 2“ verboten ist. Wie bereits gesagt gilt ein Spiel auch vor der Feststellung des Verbots als verboten – wenn es denn einen nach § 131 StGB unzulässigen Inhalt hat. Die Entscheidung der StA München ist da afaik auch bloß eine Meinung und nicht verbindlich. Jede andere Staatsanwaltschaft könnte anders entscheiden und versuchen ein Verfahren einzuleiten. Auch die „Umschreibung“ von den Listenteil B in den Listenteil A dürfte imho hier nicht erfolgen können, da nach § 24 Abs. 4 JuSchG hierfür ein „rechtskräftiges Urteil“ notwendig ist. Und die Verfahrenseinstellung durch die Staatsanwaltschaft ist kein Urteil.
    Und es galt (und gilt) – für den Onlinebereich – sehr wohl etwas anderes. Solange das Spiel im Listenteil B steht ist es verboten das Ding online anzubieten. Wegen der Berichterstattung hatte ich ja geschrieben, dass diese eine Ausnahme vom Vorführungsverbot darstellt. Das ich vom Verbot und nicht von der Indizierung gesprochen habe ist dabei unerheblich, da sich das Problem ja ähnlich ist.

  25. Pyri
    Hattest Du mich nicht danach gefragt, wo man denn in Deutschland überhaupt indizierte Spiele herbekommen solle? Und jetzt krieg ich für die Antwort auf die Mütze? Bei mir ums Eck gibt es einfach einen Spieleladen, der eben nicht nur indizierte Titel, sondern auch beschlagnahmte Spiele verkauft. Und alle stehen schön in Regal. Aber da gehen jetzt auch keine Kids hin sondern eben nur erwachsene Hardcore-Zocker wie wir (ich vereinnahme uns mal hier). Deshalb halte ich das jetzt nicht für das große Problem, für das man es augenscheinlich halten könnte. Deshalb ein Fass, das ich hier nicht aufmachen will. Klar, das ist illegal. Aber ich kann nichts dafür, dass es diesen Laden gibt und der Besitzer, auf die Tatsache angesprochen, dass er da beschlagnahmte Titel im Regal hat, mehr oder weniger mit den Achseln zuckt.
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    Und welche Einstellung muss ich denn schon gehabt haben, um beim Fernsehen für Spiele verantwortlich zu sein? Das klingt jetzt schon nach einer Unterstellung, die zeigt, dass Du keine Ahnung hast, was ich in den letzten 14 Jahren so gemacht habe. Musst Du auch nicht wissen – ich bin ja nicht berühmt – aber dann brauche ich auch keine Unterstellungen, ich wäre auf irgendeine Linie gebürstet, die Du such nur andeutest und gar nicht präzisierst. Wenn es Dich interessiert schreibe ich Dir gern meine Bio zusammen. Die solltest du kennen, wenn Du mir Vorwürfe machst.
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    Nur weil ich seit 14 Jahren beim Fernsehen arbeite kannst Du mich nicht in Sippenhaft nehmen. Ich darf hier vielleicht schon einmal auf eine Sendung hinweisen, die ich als Schlussredakteur geplant und verantwortet habe. 3sat Neues hat sich 2008 ausführlich mit der Debatte um Gewaltspiele befasst – und zwar sehr ausgewogen, wie ich finde. Zugeschaltet aus New York war uns Frau Dr. Cheryl K. Olsen von der Hardvard Medical School, die Co-Autorin von „Grand Theft Childhood“, einem fantastischen Buch über diese Thematik, das in Deutschland leider kaum bekannt ist. Meinen Beitrag über eSports in der SPORTreportage („Athleten der virtuellen Welt“) vor zwei Jahren könntest Du Dir auch einmal anschauen.
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    Das meiste, was Du sonst schreibst geht ja gar nicht in meine Richtung. Ich stimme Dir sogar in einigen Punkten zu. Ich bin nicht dafür verantwortlich, dass ich nun mal mit dem Aushängeschild des kritischen Journalismus Privilegien habe, die die Kollegen der Fachpresse (mit vielen bin ich sogar eng befreundet) nicht haben. Und ja, ich schätze mich glücklich darüber, diese Privilegien zu haben und ich setze sie mit viel Verantwortungsgefühl ein, meine ich.
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    Bester Beweis dafür ist natürlich, was ich zu Modern Warfare 2 schreibe. Woher ich das alles weiß? Ratet doch mal, was ein guter Journalist so macht. Ich habe mich natürlich einfach bei der Bundesprüfstelle gemeldet und mir dort bestätigen lassen, was ich im Kopf hatte. Hat ein paar Tage gedauert, aber die haben mir eben die Einschätzung der Staatsanwaltschaft München zitiert und dazu geschrieben, dass eine Umtragung von Liste B in Liste A sehr wohl auf staatsanwaltschaftliche Beschlüsse hin erfolgen kann. Das ist allerdings ein recht neuer Vorgang. Früher ging das nur nach einem Urteil. Die US-PC-Version von MW2 wird also nun umgeschrieben (zum Teil wohl auch erst auf meine Anfrage hin), was wir alle demnächst im Bundesanzeiger nachlesen können.
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    Grundsätzlich lese ich aus Deinen Beiträgen viel Frustrastion heraus und die hat ja auch ihre Berechtigung. Aber ich bin da wirklich nicht der richtige Addressat. Jedenfalls nicht, bevor Du Dich nicht ausführlich damit beschäftigt hast, was ich so gemacht habe. Allein die log in Sendung, über die wir hier ja eigentlich reden, zeigt doch, wie ausgewogen Sender wie das ZDF heutzutage über das Medium Computerspiele berichten.

  26. @Andreas
    Danke für die informative Antwort. Mich würde da natürlich interessieren, auf welcher Grundlage eine Umschreibung aufgrund einer Einstellung nach § 170 II StPO erfolgen kann. Der § 24 Abs. 4 JuSchG wird es wohl eher nicht sein. Beim Überfliegen des Gesetzestextes würde ich auf § 18 VIII S. 1 JuSchG tippen: „Medien sind aus der Liste zu streichen, wenn die Voraussetzungen für eine Aufnahme nicht mehr vorliegen“. Ggf. in Verbindung mit § 21 V Nr. 2 JuSchG: „Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wird auf Veranlassung der oder des Vorsitzenden von Amts wegen tätig, […] wenn bekannt wird, dass die Voraussetzungen für die Aufnahme eines Mediums in die Liste nach § 18 Abs. 7 Satz 1 nicht mehr vorliegen“. Habe von der Möglichkeit bisher noch nichts gehört, aber man lernt ja nicht aus. Mir ist der Inhalt der Einstellung jetzt nur nach deinen Zitaten bekannt, doch ich fände das rechtlich gesehen etwas fragwürdig. Sofern es eine Anzeige gab, die auf ein Strafverfahren gegen eine Person herauslaufen sollte, würde es an tatsächlichen Anhaltspunkten für eine Straftat nicht nur dann fehlen, wenn das Spiel keinen Inhalt nach § 131 StGB hat, sondern auch dann, wenn keine Tathandlung im Sinne der Vorschrift vorliegt. Wenn also beispielsweie das ZDF angezeigt wird, weil es einen Beitrag über Manhunt ausgestrahlt wird, kann ein Verfahren wegen des fehlens tatsächlicher Anhaltspunkte deswegen eingestellt werden, weil die Berichterstattung keine nach § 131 StGB verbotene Tathandlung ist. Darüber, ob das Spiel verboten ist oder nicht, sagt die Entscheidung dagegen nicht zwingend was aus. Also ist in der 170 IIer-Einstellung zu Modern Warfare II tatsächlich ausdrücklich gesagt worden, dass das Verfahren wegen des nicht tatbestandsmäßigen Inhalts des Spiels eingestellt wurde, oder wurde bloß keine Tathandlung festgestellt?
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    Wegen dem netten Spieleladen in deiner Umgebung. Das muss nicht zwingend illegal sein. Der BGH legt den Begriff der Verbreitung des § 131 StGB recht zurückhaltend aus. Demnach ist nur eine „Kettenweitergabe“ tatbestandsmäßig:
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    “Ein “Verbreiten” im strafrechtlichen Sinne setzt dann eine körperliche Weitergabe des Mediums voraus, die darauf gerichtet ist, das Medium seiner Substanz nach einem größeren Personenkreis zugänglich zu machen, der nach Zahl und Individualität so groß ist, dass er für den Täter nicht mehr kontrollierbar ist (BGH, Urt. v. 22.12.2004 – 2 StR 365/04, NJW 2005, 689, 690). Die Weitergabe an einzelne bestimmte Dritte allein erfüllt das Merkmal des Verbreitens nur dann, wenn feststeht, dass der Dritte seinerseits die Schrift weiteren Personen überlassen wird. Selbst bei einem gewerblichen Vertrieb volksverhetzender und gewaltverherrlichender Medien kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass ein Verbreiten in diesem Sinne vorliegt. Das Berufungsgericht hat dazu keine Feststellungen getroffen; auch sonst ist hierzu nichts ersichtlich. Damit sind die beanstandeten Angebote schon tatbestandsmäßig keine Straftaten nach § 130 oder § 131 StGB.” (BGH, Urt. v. 12.07.2007 – I ZR 18/04, erhältlich in juris.)
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    Solange keine Minderjährigen rein kommen und die Räumlichkeiten nicht als öffentlich zu werten sind (das könnte ein Problem sein, so dass die Spiele nicht in den Regalen liegen düften), wäre demnach möglicherweise ein Verkauf nicht strafbar, solange der Verkäufer damit rechnen durfte, dass keine Kettenweitergabe stattfindet.

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