GroKo: Koalitionsvertrag zu Videospielen

(gruen-digital.de) SPD und Union haben die aktuelle Version des Koalitionsvertrages (24.11.2013) veröffentlicht, in dem einigen Zeilen auch für Videospiele von Relevanz sind. Neben Kulturförderung und Archivierung werden auch der Verbraucherschutz sowie das Urheberrecht angesprochen. Die Diskussion um gewaltdarstellende Videospiele wird dagegen nicht thematisiert: Allein der Begriff der Medienkompetenz taucht (auch) in diesem Kontext auf.

Spielkultur

Zumindest auf den Papier ist der vom Bundestag initiierte Deutsche Computerspielpreis (DCP) – entgegen der Bezeichnung – ein Preis für Kinder- und Jugendspiele, da für alle Preisträger ein pädagogischer Wert verlangt wird. Die Diskussion, ob auch Spiele für ein erwachsenes Publikum ausgezeichnet werden dürfen, wurde 2012 aktuell, als die Jury schlicht „Crysis 2“ prämierte. Möglicherweise werden solche Titel zukünftig auch nach den Regularien ausgezeichnet werden können – so möchte man nach dem Koalitionsvertrag den DCP „zeitgemäß weiterentwickeln“:

    „Digitale Spiele prägen den Alltag vieler, insbesondere jüngerer Menschen in unserem Land. Wir erkennen die Vielfalt hochwertiger Angebote, insbesondere pädagogisch wertvoller Computerspiele, sowie die große kreative Leistung und hohe technische Kompetenz der Spieleentwickler an. Dies wollen wir weiter fördern, beispielsweise mit dem Deutschen Computerspielpreis. Diesen wollen wir zeitgemäß weiterentwickeln.“

Sogar das Thema „digitales Erbe“ wurde nicht vergessen:

    „Wir wollen zudem das digitale Spiel für nachfolgende Generationen erhalten. Es gilt, geeignete Archivierungsmöglichkeiten zu prüfen.“

Verbraucherschutz

Weiter möchte man sich für die Möglichkeit einer langfristigen Nutzung legal erworbener Inhalte einsetzen:

    „Wir bekennen uns zur Vertragsfreiheit im Urheberrecht und sind uns bewusst, dass Inhalte oft unter (impliziten) Nutzungsbestimmungen angeboten werden. Gleichzeitig ist das Interesse der Verbraucher an einer langfristigen und geräteunabhängigen Nutzung ihrer legal erworbenen digitalen Inhalte zu berücksichtigen. Unser Ziel ist es daher, die Portabilität gekaufter Inhalte zu ermöglichen und zu fördern.“

Urheberrecht

Andererseits möchte man die Verhandlungen über die Höhe von Vergütungsansprüchen für Privatkopien vereinfachen:

    „Wir wollen Verhandlungen und Streitigkeiten über die Höhe der Privatkopievergütung schneller, effizienter und einfacher gestalten und werden eine Hinterlegungspflicht für gesetzliche Vergütungsansprüche einführen.“

Zur Erinnerung: Da es das Urhebergesetz erlaubt für den Freundeskreis Medien (außer Software) ohne Kopierschutz zu kopieren, werden die Rechteinhaber – finanziert über den Verkauf von Hardware, Speichermedien und Vervielfältigungsgeräten (PC, Festplatten, USB-Sticks, Brenner etc.) – über eine Pauschale entschädigt. Die Rechteinhaber streichen also Geld für die praktisch hypothetische Möglichkeit ein, dass Nutzer gekaufte Medien – wenn sie nicht mit einem Kopierschutz versehen wären – kopieren dürften.

Hierbei wird auch der Begriff der Medienkompetenz in einem interessanten Kontext verwendet:

    „Um Rechtsverletzungen vorzubeugen, werden wir die Medienkompetenz der Internetnutzer stärken und sie besser in die Lage versetzen, zwischen legalen und illegalen Angeboten im Netz zu unterscheiden.“

Angesichts der nach EU-Recht zumindest fragwürdigen Accountbindungen, zweifelhaften Datenschutzbestimmungen und ähnlicher Gemeinheiten, grenzt eine solche Formulierung an eine Zumutung. Wie wäre es den Publishern Medienkompetenz zu vermittelt, so dass diese ihre Angebote zur Abwechslung mal legal gestalten?

Jugendschutz

Interessant dürfte auch sein, mit welchen neuen Instrumenten sichergestellt werden soll, dass Kinder im Netz nur für sie geeignete Inhalte finden können:

    „Kinder und Jugendliche sollen die Chancen und Möglichkeiten, die ihnen das Internet bietet, optimal nutzen können, ohne mit für sie schädigenden Inhalten konfrontiert zu werden. Moderner Jugendmedienschutz muss Rahmenbedingungen für eine gemeinsam getragene Verantwortung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft schaffen. Im Dialog sind neue Instrumente für einen wirksamen Jugendmedienschutz zu entwickeln.“
    Zum Koalitionsvertrag, 1. Entwurf (Stand: 24.11.2013 – 20:00 Uhr)

12 Gedanken zu “GroKo: Koalitionsvertrag zu Videospielen

  1. Naja, das hört sich nun alles nicht sooo übel an.
    Hier und da ein kleiner Griff ins Klo, hier ist aber die realisierbarkeit ziemlich fragwürdig.

  2. Meine Güte immer wieder dieser „pädagogische Wert“! Welchen „pädagogischen Wert“ hat denn das TV Programm in diesem Land? Ob DSDS, Familien in Brennpunkt und die Dutzenden anderen „scripted reality tv shows“ welche hier auf einem halben Dutzend Sender den ganzen Tag rauf und runter rödeln. Und warum werden die selben Maßstäbe nicht auch an einen deutschen Fernsehpreis angelegt?

    Selbes Geschmarre wie der „Internet Jugendschutz“, Öffnungszeiten für das Internet haben sich ja schon teils durchgesetzt, ab hier kann es nur noch steiler bergab gehen.
    Wofür das ganze überhaupt? Ich bin seit meinem 12. Lebensjahr fast 20 Jahre täglich im Netz, ich habe schon jede Menge krankes Zeug in dieser Zeit gesehen. Deswegen habe ich aber noch niemanden ermordet, vergewaltigt oder bin sonst wie „gestört“.

    Wie kann das sein?! Wie konnte ich zu einem relativ gesunden und normalen Menschen werden ohne Stopp-Schilder, Vorzensur, Internet-Öffnungszeiten oder gar ein „Kindernet“?
    Ist die heutige junge Generation etwa so viel blöder und verrohter?
    Und wer schützt diese verblödete und verrohte Generation vor all den „schädigen Inhalten“ in der realen großen weiten Welt da draußen?

  3. Die Möglichkeit der Archivierung der Spiele interessiert mich auch sehr. Was passiert mit einem Preisträger, wenn man das Spiel fünf Jahre später wegen veränderter Hardware nicht mehr spielen kann? Ich bin echt gespannt, ob man da eine Lösung finden will.

  4. „Im Dialog sind neue Instrumente für einen wirksamen Jugendmedienschutz zu entwickeln.“ Webzensur nach dem gleichen Muster, oder schlimmer wie es derzeit in Großbritanien stadtfindet. Das steht uns in Haus. Wieder eine besonders schwammige, schlecht definierte Formulierung um im Namen der Kinder, Meinungs- und Kunstfreiheit einzuschränken, und den Leuten eine bestimmte Meinung einzutrichtern um auf der anderen Seite jede Art von Abweichender Meinung unter diesen heuchlerischen Vorwand verschwinden zu lassen. Dieses Land hat 89 eine Mauer eingerissen um die andere Landeshälfte vom Joch der kommunistischen Diktatur zu befreien und nun last man sich wieder im Netz und anderswo einmauern von Springerpresse, Berufsdämagogen wie den Pfeiffer Geschwistern und platten Sendern wie RTL. Die Folge davon sind wieder ein Mangel an progressiven Denken und dafür ein Überschuss an Blockwartmentalität. Die Weimarer Republik hat schon mit dieser blödsinningen Tradition angefangen und wurde Opfer der Nationalsozialisten, die Nazis haben den gleichen Blödsinn dann auch noch weiter verschärft (Entartete Kunst, Abkehr von der Aufklärung, pseudowissenschaftliche und religiöse Rechfertigung für Massenmord) und wurden mit ihrer underdrückerischen Scheuklappenmentalität zu Recht von den Allierten zerschmettert, und nun haben wir die Bananenrepublik Deutschland die sich offenbar einen Dreck um die Mitbestimmung des Volkes kümmert und sie dazu auch noch aktiv die Kritkfähigkeit durch Einschränkung der Meinungs- und Kunstfreiheit vorantreibt. Wo soll das noch enden? In einen bierseeligen von Intellekt befreiten Polizeistaat der von einer kriminellen Kaste von Politikern angeführt wird?

  5. @skully

    > Dieses Land hat 89 eine Mauer eingerissen um die andere Landeshälfte vom Joch der kommunistischen Diktatur zu befreien
    > und nun last man sich wieder im Netz und anderswo einmauern von Springerpresse, Berufsdämagogen wie den Pfeiffer
    > Geschwistern und platten Sendern wie RTL.

    Das verwechselst Du was. Nicht der Westen ist 89 massenhaft auf die Strasse gegangen um trotz Stasi zu demonstrieren, sondern die Ossis. Die haben die Mauer ganz alleine eingerissen und sich selbst befreit. Der Westen hat im Fernsehsessel gehockt und zugeschaut.

    Und an der heutigen Politik und den phlegmatischen Reaktionen der (vereinten) Bevölkerung merkst Du, dass den Leuten so ziemlich jeder Scheiß egal ist, solange sie selbst erst mal nicht betroffen sind. Vgl. Überwachung, VDS und Funkzellenabfrage bei Kleindelikten.

  6. Da ist schon wieder sehr viel Schönsprech dabei. Mit „Medienkompetenz“ als scheinbarem Alleskönner: einerseits wird der Begriff zur Erziehung verwendet, einer autoritären Form der (Aus-)Bildung, andererseits um die Leute über ihre Grenzen aufzuklären.
    Also Rechte und Pflichten wandeln da schon auf einem sehr schmalen Grad denke ich und bald weiß vielleicht niemand wer was er oder sie irgendwo überhaupt noch sagen darf. Nicht nur im deutschen Netz: heute wurde ich im Forum einer Wiener Zeitung auch wieder zensiert, nur weil ich mir erlaubt habe in den Raum zu werfen, dass Sarah Kerrigan ihre engen Hosen vielleicht doch weiterhin tragen dürfen sollte. Einfach so.
    Und wenn es die Verantwortlichen auch nur geschickt genug anstellen, wird ihnen auch immer applaudiert werden: dann sind alle die was dagegen sagen nur die Dummen die nichts kapiert hätten, die Unzeitgemäßen welche zurückgeblieben wären oder sowieso schon alles mögliche verloren hätten. Jene bei denen das moralische Wir sagt, dass sie keinen „Anstand“ hätten usw. Leben gegen vermeintliche Nichtleben ausspielend. Funktionierende Körper gegen kranke etc.
    Mit Figuren wie Peter Glaser gibt es hierzulande in Österreich auch genügend Leute, welche der Politik Entsprechendes zuflüstern könnten und Ausgrenzungen so immer weiter forcieren.
    Und am Ende wird das alles sowieso noch Europapolitik.
    Also wie dieser „Dialog“ am Ende aussehen kann wüsste ich auch gern – wer da gar sprechen soll, wenn ohnehin nur jene in entsprechende Positionen kommen die bei heiklen Fragen zumindest ähnlich denken, gleichgesinnt sind.

  7. @Manolo Mit diesem Land war vorallen die Osthälfte gemeint, ich sagte nicht die BRD. Der Westen hat die Wiedervereinigung von Anfang an politisch unterstützt.

  8. @Finger
    Das hat weniger mit „Ring-“ oder „Zeige“finger zu tun, als wieder mit „Männern“ und „Frauen“. Denn wer kein Testosteron in besonders konzentrierter Form vorweisen kann wird so schonmal den Vorteil haben weniger zu den „Computerspiel-Erkrankten“ zu zählen –

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.