Spielegegner wird Justizminister

(spon) Nach Informationen von Spiegel Online wird Heiko Maas (SPD) voraussichtlich Justizminister in der GroKo. Gamern sowie Paintball-Spielern dürfte er nicht unbekannt sein: 2009 äußerte er sich in einem Chat zu Verboten von „Killerspielen“ und „Paintball“ und ist des Weiteren auch ein Befürworter von Internetsperren und der Vorratsdatenspeicherung. Bezeichnenderweise war er zugleich Leiter der „Zukunftswerkstatt ‚Demokratie und Freiheit'“.

In einem Chat nahm er 2009 zu Verboten von Killerspielen und „Paintball-Schwachsinn“ Stellung:

    Martin: Lieber Herr Maas, wie ist ihre Meinung zum Verbot von „Killerspielen“ und Aktivitäten wie Paintball?

    Heiko Maas: Ich glaube nicht, dass diese Welt Killerspiele oder Paintball-Schwachsinn braucht.

    Moderator: Also verbieten?

    Heiko Maas: Ich hätte damit kein Problem.

    […]

    Moderator: Zwei Nachfragen:

    AlexS: Haben Sie schon ein solches „Killerspiel“ gespielt bzw. sich angesehen?

    Jimbo: Ich glaube auch nicht, dass die Welt zuckerfreie Süßigkeiten braucht, aber deshalb verbieten?

    Heiko Maas: Ich habe noch keine Killerspiele gespielt und zuckerfreie Süßigkeiten sind deutlich weniger gewaltverherrlichend als Killerspiele.

    Moderator: Dieses Thema scheint viele unserer User zu bewegen. Eine ganze Fülle von Fragen, stellvertretend noch eine letzte:

    El_verdugo: Und was soll ein Verbot von sogenannten „Killerspielen“ oder „Paintball-Schwachsinn“ bringen? Wer soll das kontrollieren?

    Heiko Maas: Es kommt ja auch niemand auf die Idee, Diebstahl zu legalisieren, nur weil trotzdem geklaut wird. Wenn Killerspiele verboten sind, können sie nicht mehr legal vertrieben werden. Das wird ihre Verbreitung deutlich einschränken.

Im selben Interview verteidigte er auch die Internetsperren:

    Ramona: Sind Sie sich im Klaren, dass sich die SPD mit ihrer Haltung in Bezug auf die Internetsperren in hohem Maß selbst geschädigt hat?

    Heiko Maas: Das werden wir erst noch sehen, ob das der SPD geschadet hat oder nicht. Und das wird maßgeblich davon abhängen, ob mit den getroffenen Maßnahmen die Verbreitung von kinderpornographischem Material effektiv bekämpft werden kann oder nicht.

Auch stimmte er 2013 im saarländischen Landtag offenbar gegen einen Antrag die Vorratsdatenspeicherung zu stoppen (via reddit, Ergebnis (pdf)).

59 Gedanken zu “Spielegegner wird Justizminister

  1. Also, vielleicht doch nochmals langsam: Es geht nicht darum, dass Wissenschaft reine Glaubenssache sei. D.h. sie basiert auf Fakten, auf Experimenten (PS: Experimente, die immer zum selben Ergebnis führen, also bei jeder Wiederholung, sind unmöglich, da sich die Stichproben immer ändern. Masu, du hast doch Mathematisch was drauf, beschäftige dich mal mit Stichprobentheorie), auf Statistiken etc. Aber bei empirischen Wissenschaften gibt es keinen Beweis, sondern eine Ansammlung von Indizien, aus denen jeder selbst Schlüsse ziehen muss. Und damit ist es, auch wenn ihr es nicht wahrhaben wollt, in der Tat eine Sache des Einzelnen wann er das akzeptiert. Das ist das was mit „Glaubenssache“ gemeint ist. Etwas völlig anderes als das „Erde ist Scheibe“ Beispiel. Vielleicht erklärt das was.

    „Ach tatsächlich? Wie kommst du dann Morgens überhaupt aus dem Haus?“ Indem ich kritisch nachdenke und mir eine Meinung bilde. Das hast du dann wohl nicht nötig? xD

    „Mit der Vorgehensweise von Pfeiffer, Lukesch, Weiß, … können wir alles verbieten“
    Ihr solltet bitte aufhören Wissenschaft danach zu beurteilen ob euch die Folgerungen bzw. die politischen Folgerungen gefallen. Das sind 2 verschiedene Paar Stiefel, die man trennen sollte. Ich kann Pfeiffers Forderungen ablehnen ohne gleich die Studien diffamieren zu müssen.

    “Heute vergleichen wir Call of Duty: Modern Warfare 47 mit Tischtennis und stellen fest: COD macht aggressiv!!!”
    Dir ist sicher aufgefallen dass es zig Studien mit ganz verschiedenen Kontrollspielen gibt? Oder bist du doch 2005 stehen geblieben? Auch wenn man über das Vergleichsspiel immer diskutieren kann.

    „Auch finde ich es völlig richtig, dass der, der meint, Videospiele würden aggressiv machen als erstes mal einen BEWEIS bringen muss. Und nicht der, der daraufhin sagt, dass er anderer Meinung wäre.“
    Und hier habt ihr mich wohl einfach nie verstanden. Grundsätzlich ist es richtig, dass der, der eine Behauptung aufstellt diese auch beweisen muss. Deshalb ist das KFN in der Pflicht Studien zu liefern (was sie tun, wenn die auch kritikwürdig sind) bzw. ich habe von Skully gefordert dass er SEINE Behauptung, Wissenschaft sei immer eindeutig, beweisen soll (was er nicht getan hat). Den Beweis von Skully habe ich (und ich allein) gefordert, da er bisher noch nie etwas konstruktives eigenes gesagt hat, Skully hat nur das KFN kritisiert (und dann auch wegen Dinge, die die gar nicht leisten können). Das ist einfach ne billige Position. Wenn er was zu sagen hat kann er doch was Eigenes sagen? Klar, das ist doch viel schwieriger als immer nur zu meckern. Wenn er das nicht kann, kann er das natürlich auch einfach nur sagen. Ich gebe zu, das ist sehr provokant, aber einfach nur andere zu kritisieren obwohl man selbst im Feld nicht viel Ahnung hat (wie oben gut sichtbar wurde) ist einfach armselig in meinen Augen.

    Übrigens Skully, das KFN existiert nicht nur wegen der Spieleforschung, und es gibt auch viele Kritiker die nicht direkt für die Studien kriegen (Andersson z.B.).

  2. Ach, Mars hör auf zu lügen! Mein Argument ist KFN = Pseudowissenschaft. Belege dafür sind die nicht Einhaltung sämtlicher Wissenschaftlicher Grundlagen, in sämtlichen Studien die vom KFN veröffentlich/durchgeführt werden. Warum? Weil sie alle auf dem selben Trugschluss basieren, alle meine Bespiele und die MaSu basieren auch auf den gleichen Trugschluss. (Cornetto Beispiel, Annahme das Gewaltdarstellungen zur Gewalt führen, Koch der ein lebendes Huhn seriviert) Die Möglichkeit eines Trug oder Fehlschluss wird von dir ohne Angaben einfach ignoriert.

    Die Widerlegung Anderssons, Kontrollgruppen Argument, Peer Review Argument werden von dir einfach mit zu Hilfe des „Moving Goal Posts“ Trugschlusses, Ad Hominen Angriffen und Strohmann Argumenten ignoriert und zur Seite gewischt.

    Obendrein wird einfach abgenickt zur Wissenschaft gehöre der Glauben dazu. Pfeiffer (KFN) stellt Behauptung auf, und hat keine Beweise. Aber wir glauben ihm unwidersprochen. Und das mein Freund, ist Ignoranz pur.

    „Übrigens Skully, das KFN existiert nicht nur wegen der Spieleforschung, und es gibt auch viele Kritiker die nicht direkt für die Studien kriegen (Andersson z.B.).“
    Ja was macht KFN noch. Da wäre die unprofessionllen Untersuchungen. https://de.wikipedia.org/wiki/Kriminologische_Studie_zum_Missbrauch_in_der_katholischen_Kirche_Deutschlands

    Verschleppung der ganzen Thematik auf einen späteren Zeitpunkt.

    Der Fall Sebnitz
    http://www.spiegel.de/panorama/ermittler-zum-fall-joseph-kein-rechtsradikaler-hintergrund-a-105252.html
    Ein Kleinkind hat einen Herzfehler und ertrinkt im Schwimmbad. Pfeiffer folgert Rechtradikale haben es umgebracht. Weil Sebnitz in der ehemaligen DDR lag, und alle Leute die einen Kindergarten unter dem DDR Regime rechtradikal sind. Seiner Meinung nach!

    http://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/extremisten/rechtsextremismus.html

    Wenn jemanden wir dir Mars, nicht klar ist was der Pfeiffer für ein Mensch ist. Nach all diesen Beweisen für Pseudowissenschaft. Dann kann ich dir auch nicht mehr helfen.

  3. @ Mars:
    Mal etwas abseits vom Thema… hast du dich schon durch meine Diss. gewühlt? Darin übrigens eine recht umfangreiche Zusammenfassung (der Probleme) des aktuellen Forschungsstandes der Computerspielgewaltwirkungsforschung (ich arbeite gerade an einem zusammenfassenden Artikel für den englischsprachigen Raum); auch enthalten ist u.a. eine kl. Kritik des Forschungsberichtes Nr. 101 des KFN:
    http://stigma-videospiele.de/wordpress/2013/12/19/lesehinweis-40/

  4. @skully
    Bei Deinem Cornetto-Einwurf habe ich gar nicht daran gedacht wie da ein Eis wirken würde, sondern von der bloßen Wahrnehmung des Gegenstandes gesprochen. Und da ist in einem Kriegsspiel nunmal eher Gewalt vorhanden als in einem Tüteneis: merkst Du denn gar nicht wie sehr da die Position referiert wird welche Du eigentlich vorgibst zu bekämpfen? Denn Forschung würd demnach ja quasi immer danach suchen was etwas aus einem macht und wie gefährlich was wäre – alles andere wäre keine veritable Forschung.
    Und dass beim KFN gerade „Steuergelder“ besonders problematisch sind ist noch so ein amüsanter, populistischer Unsinn: als private Einrichtung gelang es dem Verein zwar teilweise in deutsche Regierungsnähe zu gelangen, aber „Steuergelder“ sind eher bei staatlichen Universitäten problematisch. Im Grunde genommen gibst Du damit nicht einmal nur das KFN wieder, sondern gleich den „Kölner Aufruf“.
    Das KFN finanziert sich vielmehr durch konservative Stiftungen wie von Volkswagen, aber das ist vermutlich ein Leistungsmotor den Du ansonsten im Land schätzt. Bezeichnender Weise…
    @Rey
    Das ist mir schon auch bewusst gewesen, kam von Kleimann aber eben erst nach zögern. Als Zugeständnis. Und genau da hätte man einhacken können. Denn auch das KFN käme nicht darum herum auf autoritäre Absolutheiten zu verzichten, würden sie auf ihre erkenntnisleitenden Interessen wenigstens einmal festgenagelt werden. Doch solange der Diskurs primär aus Headlines wie „Killzone romantisiert die Weltkriege“ oder „Videospiele machen dick und traurig“ reduziert wird, geschieht gerade das nicht.
    Im selben Chat kommt ja auch der Vergleich zwischen „Pacman“ und „Doom“ vor, den Mertens verwendet und Kleimann in Abrede stellt. Nur brach damit auch Mertens die Deutungshoheit über visualisierten Krieg und explizite Gewalt halt nicht, also die unliebsame Ästhetik von Videospielen, indem er sich auf die Funktionsweisen eines Spiels versteifte.
    Denn anders als beim bloß imaginären Tüteneis ist vielmehr die wirkliche Frage weshalb tatsächliche Vergleichsspiele wie „Die Sims“ positiv harmloser sein sollen als „Call of Duty“. Wobei „Stigma“ anhand von „Anno“ und Co. diese Frage ja auch schonmal aufwarf –

  5. @Pyri Mein Beispiel war dazu da die Unsinnigkeit des KFNs aufzuzeigen in dem ich den gleichen Trugschluss auf ein anderes Produkt in dem Fall Speise Eis und ein anderes Verbrechen nämlich Fahrraddiebstahl verwende. KFN wird über das Wissenschafts und Kulturministerium Niedersachsen finaniert. (Grundfinanzierung) Dadurch wird Steuergeld an eine Einrichtung verschwendet, die nicht rechfertigen kann was sie da macht. Da kein grundsätzlicher wissenschaftlicher Beweis dafür da ist. Ich kritisiere auch nicht das VW etwas im Land durch eine Stiftung verbessern möchte, nur hier finanziert diese Stiftung Pseudowissenschaft wie das KFN, und das Geld wäre bei anderen Einrichtungen (Jugendzentren beispielsweise) besser aufgehoben. Davon rede ich auch wenn ich KFN und Pfeiffer als finanziellen Parasiten bezeichne, oder als Betrüger.

  6. @skully
    1. Ich finde deine beleidigenden Tonfall unangemessen.
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    2. Sicher ist das KFN als privater Verein auf Drittmittel angewiesen. Eine (finanzielle) Motivation sich mit einem Thema auseinanderzusetzen muss nicht bedeuten, dass nachlässig gearbeitet wird. Ich höre immer wieder, dass z.B. die Anzahl der Befragten bei Erhebungen außerordentlich gut ist. Auch bewegt sich das KFN auf einem Niveau, bei dem ich als Laie nicht beurteilen kann, wie valide die Ergebnisse sind.
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    3. Ich selbst meine, dass dem KFN auch viel „Unrecht“ getan wird. Manche Studien erscheinen ganz ordentlich und wenn man sie selbst liest auch wenig extrem. Man muss zwischen Forschung des KFN, Äußerungen von Pfeiffer und die darstellungen der Medien von diesen Punkten unterscheiden. Die Zuspitzung der Thesen erfolgt oft erst durch die Wiedergabe in den Medien oder teilweise durch Herrn Pfeiffer in Talkshows, wobei der sich auch schon recht zurückhaltend gibt und bloß manchmal aus Kausalität und und nicht nur Korrelationen behauptet. Zumindest die Mitarbeiter des KFN geben zu, dass dies „erkenntnistheoretisch problematisch“ sei und haben sich (ist leider nicht mehr online) in dem FOB sogar nach telepolis von Pfeiffer distanziert. In manchen Interviews wird auch deutlich, dass man „bloß“ meint „plausible“ Modelle zur Wirkung entwickelt zu haben – stimmen müssen die noch lange nicht. Hierzu einige Artikel:
    http://www.heise.de/tp/artikel/25/25486/1.html
    http://www.heise.de/tp/artikel/25/25581/1.html
    http://www.heise.de/tp/artikel/25/25905/1.html
    Wobei Bücher mit solchen Titeln natürlich auch grenzwertig sind (war mir entgangen):
    http://www.amazon.de/dp/3832974997
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    4. Imho macht man es sich zu einfach, wenn man einfach alle Studien zum Thema Mediengewalt als unwissenschaftlich abkanzelt. Ich selbst habe zwar auch Probleme nachzuvollziehen, wie bestimmte Handlungen als Gewalt bzw. Darstellung von Gewalt interpretiert werden, doch ich habe das nicht studiert und versuche mich da zurückzuhalten. Ich halte es weiter auch nicht für fernliegend, dass es bestimmte Effekte gibt. Doch die Frage, welche Bedeutung man diesen beimisst, ist nach meinem Eindruck weniger eine wissenschaftliche als eine politische/gesellschaftliche. Pfeiffer selbst ist ja lange auch schon in einer anderen Sache unterwegs und bezeichnet „die Gewaltthematik [als] völlig über- und die Leistungskrise [als] völlig unterschätzt“. Er sieht schlechte Bildungschancen also als relevanter für Gewalt an als eine mögliche direkte enthemmende Wirkung. Darüber, welche Videopsiele in welchem Maß vom Lernen ablenken ist sicherlich auch zu diskutieren, doch es ist ein ganz anderes Niveau.
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    5. Nicht mehr folgen kann ich dir, wenn du Forschungen, die keine „Beweise“ liefern, als unwissenschaftlich abtust. Abseits der Naturwissenschaften wird es damit recht schwer und selbst bei der Teilchenphysik habe ich den Eindruck, dass die Frage, wie welche Messungen zu interpretieren sind, um bestimmte Modelle zu erklären, auch nicht unbedingt als „unumstößliche“ Beweise angesehen werden können. Afaik sind viele Relevanzschwellen bzw. Kriterien z.B. bei statistischen Untersuchungen im Endeffekt „willkürlich“ d.h. auf einen Konsens beruhend.

  7. @Vic: Ich habs noch nicht ganz geschafft, würde mich morgen äußern. Ist aber eine klasse Zusammenfassung!

    @Skully: Meine Argumente stehen da, ich will da auch nicht weiter streiten. Schön wäre es natürlich schon wenn du deine Vorwürfe an konkreten Beispielen belegen könntest, nicht nur die Fremdwörter reinwerfen. Nur zu einem Vorwurf, nämlich ich würde lügen. Wir waren uns beide einig, dass, wer eine Behauptung aufstellt, diese beweisen muss. Und ich zitiere SKULLY am 1. Januar 2014 um 17:59 „Forschung und Wissenschaft sind KEINE Glaubenfragen“. Die Behauptung meine ich.

    @Rey: „Imho macht man es sich zu einfach, wenn man einfach alle Studien zum Thema Mediengewalt als unwissenschaftlich abkanzelt.“ Für mich persönlich ist das große Problem schon das Wort „unwissenschaftlich“ an sich. Man kann hier manchmal den Eindruck gewinnen als sei jede Studie „unwissenschaftlich“ oder „schwachsinnig“, wenn irgendein Fehler oder Mangel entdeckt wird. Wenn das das Kriterium wäre, dann habe ich wohl noch überhaupt keine Studie auf einer Konferenz gehört oder gelesen die wissenschaftlich wäre. Wobei ich damit auch unbedingt nicht sagen will dass Kritik nicht erlaubt wäre oder gar nur von Fachleuten geäußert werden dürfte. Im Gegenteil, oft ist es sehr bereichernd wenn sich auch Fachfremde Leute (du bist meines Wissens nach Jurist (?)) zu Studien äußern, denn oft ist man doch in seiner eigenen Richtung betriebsblind, weil man gewisse Standardverfahren kaum noch hinterfragt (was für mich einer der ganz starken Punkte von Vics umfassender Kritik ist).

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