Zensur-Jahresüberblick 2013

Auch für 2013 habe ich wieder einen Überblick darüber erstellt, wieviele in diesem Jahr veröffentlichte Videospiele „für Erwachsene“ (un-) zensiert veröffentlicht werden durften. Wegen der Einzelheiten der Zusammensetzung verweise ich auf den Eintrag zu 2012. Der Beitrag erfolgt mit etwas Verspätung, da ich wegen Umbauten in der Universitätsbibliothek verwirrt erst heute an die BPjM-Aktuell 4/2013 gekommen bin, um die Indizierungsmeldungen von Schnittberichte.com zu verifizieren.

Vorweg ein ausdrücklicher Disclaimer: Da es kein allgemeines Register über alle Videospiele gibt, ist die Erfassung mühsame Recherchearbeit, so dass die Statistik aller Voraussicht nach unvollständig ist. Weiter ist mit der von Schnittberichte.com (noch) nicht angebotenen Zusammenstellung zum „Zensurjahr Games: 2013“ eine wichtige Quelle weggefallen, mit der ich die Ergebnisse hätte abgleichen können.

Von daher sind diese Zahlen, die bereits für sich genommen unglaublich klingen, mit Vorsicht zu genießen: Von 46 Titeln, die 2013 veröffentlicht wurden und sich ausschließlich an Erwachsene richten, haben bis auf 4 alle unzensiert eine USK-Einstufung von den OLJB erhalten, so dass sich das folgende Bild ergibt:

stat_2013_1

Dabei waren ich auch besonders kritisch und habe „Sniper: Ghost Warrior“ als geschnitten gewertet, obwohl es wegen eines Tricks technisch gesehen unzensiert veröffentlicht wurde. Ein weiteres Spiel ist auch nur vorläufig indiziert, so dass von den 2013 veröffentlichten Videospielen „sicher“ nur zwei indiziert wurden. Damit hat sich ein schon in den letzten Jahren erkennbarer Trend fortgesetzt: Die Anzahl der jährlich indizierten Videospiele nimmt – trotz der 2007 vorgenommenen Verschärfung – stetig ab. Während von den 2005 veröffentlichten Videospielen noch 27 (43 % Anteil) indiziert wurden, waren es 2013 nur noch zwei (9 % Anteil).

Oder anders ausgedrückt:

    Der Anteil der unzensiert gekennzeichneten Videospiele „für Erwachsene“ ist innerhalb von 8 Jahren von 48 % auf 91 % gestiegen:

stat_2013_2

Über die Gründe hierfür – ob sich beispielsweise „bloß“ die Prüfer oder sogar die Inhalte geändert haben – kann man nur Vermutungen anstellen. Einige können im Forum nachgelesen werden. Dort würde ich mich auch über sachdienliche Hinweise zu Videospielen freuen, die ich übersehen haben könnte.

    Überblick 2012
    Thread im Forum

7 Gedanken zu “Zensur-Jahresüberblick 2013

  1. Diese 2007 vorgenommene „Verschärfung“ resultierte aber doch nur in vergrößerten (!) Kennzeichen. Der deutsche Jugendschutz wurde dadurch höchstens sichtbarer, aber dass etwa die Indizierungskriterien mit „verschärft“ wurden ist ja gerade nach dieser Statistik wohl eher nicht anzunehmen. Die damalige Presseerklärung mit Von der Leyen finde ich auch leicht populistisch-irreführend, weil die „gewaltbeherrschten“ Spiele gerade demnach ja nicht ausgesondert wurden, sondern eben gekennzeichnet – diesen Eindruck gewann ich jedenfalls aus diversen Stellungnahmen seitdem, während ein „Verbot“ dieser Spiele damals als beschlossene Sache mitgeteilt wurde. Ich denke da etwa nur an „Gears of War 3“ http://www.xboxdynasty.de/Gears-of-War-3/Interview-zur-deutschen-Version-des-Spiels,news,22801.html Das war 2011 auch keine Ausnahme, sonder „Judgment“ wurde letztes Jahr ebenfalls gekennzeichnet –

  2. @Pyri
    ich beziehe mich auf diesen Absatz:
    .
    „Die im Gesetz genannten Indizierungskriterien in Bezug auf mediale Gewaltdarstellungen werden erweitert und präzisiert: es wird durch den Gesetzgeber klargestellt, dass „Medien, in denen Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen selbstzweckhaft und detailliert dargestellt werden oder Selbstjustiz als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Gerechtigkeit nahe gelegt wird“ jugendgefährdend sind und von der Bundesprüfstelle in die Liste jugendgefährdender Medien aufgenommen werden sollen.“

  3. Ganz klar: Ein statistisch messbares Versagen des deutschen Jugendschutzes! Die vom militärisch-industriell-medialen Komplex gekaufte BPjM gehört abgeschafft und es müssen endlich Totalverbote her!11!!

  4. Mich würde interessieren, ob es sich um die normalen internationalen Versionen oder die lächerlichen deutschen Versionen handelt, die hier in die Wertung eingeflossen sind und bekanntermaßen ja schon von den Herstellern extra für das weichgespülte Deutschland von Haus aus entschärft wurden.
    Auf jeden Fall meinen Dank für diesen interessanten Überblick und die damit verbundene Arbeit.

  5. @Merkator
    Die Statistik unterscheidet diese gerade mit den Kategorien „geschnitten gekennzeichnet“ und „ungeschnitten gekennzeichnet“. Hat ein Spiel schonmal kein Kennzeichen erhalten, ist es für den Zweck dieser Statistik ja auch irrelevant ob es sonst geschnitten ist.
    Eine Schwäche ist vielleicht nur, dass nicht dazugesagt wird WOFÜR ein Titel zensiert worden ist und etwa nur dahingehend unterschieden wird, ob ein Spiel außerhalb Deutschlands gleich ist wie innerhalb. Nur ist das heutzutage nicht unbedingt mehr ein Indikator dafür, dass etwas in Resteuropa komplett ist – siehe die Praxis von Sony bei „Twisted Metal“ und „The Last of Us“ in ganz Europa.

  6. Pingback: stigma-videospiele.de | VDVC

  7. Pingback: Zensur-Jahresrückblick 2015 | VDVC

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.