„ZDF heute journal“ macht Amokläufer süchtig (Update)

Zum fünften Jahrestag des Amoklaufs in Winnenden hat das „ZDF heute journal“ die Diskussion über die Ursachen fortgeführt. In der Sendung charakterisiert Gundula Gause den Täter als „Waffennarr“ und „süchtig nach Computerballerspielen“, woraufhin Claus Kleber den Zuschauern vergegenwärtigt, dass – neben anderen Aspekten – „vor allem“ diskutiert wurde, „ob solche Spiele aus labilen Jugendlichen Mörder machen können“.

Er leitet zu einem fast vierminütigen Beitrag von Rainer Fromm über Computerspielsucht über, in dem es dann jedoch bloß um soziale Isolation und den volkswirtschaftlichen Schaden geht, der entstehe, wenn „die Leistungsträger von morgen“ – vornehmlich depressive Studenten – mehr Zeit in der virtuellen als in der realen Welt verbringen.
Man mag darüber streiten können, ob Zuschauern die Unterscheidung zwischen den Gefahren exzessiven Computerspielens und denen gewaltdarstellender Videospiele zugemutet werden kann und welches Bild es ergibt, wenn auch die Redaktion hierzu nicht in der Lage ist – doch dies kann ruhig offenbleiben: Denn bereits im Ausgangspunkt erscheint es fragwürdig, „Computerspielsucht“ mit dem Amoklauf von Winnenden in Verbindung zu bringen.

Das vom „ZDF heute journal“ mit dem Beitrag von Rainer Fromm gezeichnete Bild eines Computerspielsüchtigen, kann der Täter kaum gerecht werden. Es geht um Menschen, die täglich 12 – 16 Stunden im verdunkelten Zimmer zocken, hierbei den Tagesrhythmus ebenso wie den Kontakt zu ihrem Umfeld verlieren und ihre schulischen Leistungen vernachlässigen.

Dies ist die ursprüngliche Aussage im „ZDF heute journal“. Meine Anfrage, auf welche Quelle die Redaktion diese Behauptung stützt, blieb leider bis heute unbeantwortet.

    „Der 17 Jährige soll […] süchtig nach Computerballerspielen gewesen sein.“

    („ZDF heute journal“-Beitrag v. 11.03.2014, ZDF-Mediathek.)

Ich habe also selbst recherchiert. Man muss dem „ZDF heute journal“ zumindest zugestehen, dass sie nicht die einzigen sind: In unzähligen Presseberichten – die offenbar auf eine Meldung der dpa zurückgehen – wird angegeben, dass der Täter „regelrecht“ bzw. „geradezu“ süchtig gewesen sein soll. Quellen hierfür werden jedoch nur bedingt genannt bzw. erschöpfen sich in der Feststellung, dass der Täter Ego-Shooter nutzte und mochte:

    „Der 17-Jährige war Zeugenaussagen zufolge geradezu süchtig nach Computer-Ballerspielen […]. Gewaltspiele wie „Counter Strike“ spielte Tim K. nach Aussagen seines besten Freundes für sein Leben gerne. „Tim ging in dem Spiel voll auf“, berichtete der ermittelnde Beamte der Polizeidirektion Waiblingen, Thomas Neumann, am Dienstag von der Vernehmung des Freundes.“

    (dpa, Amokläufer war süchtig nach Ballerspielen, focus.de v. 28.09.2010.)

Auf der Suche nach der Computerspielnutzung des Täters bin ich im Bericht des von der Landesregierung Baden-Württemberg eingesetzten „Expertenkreis Amok“ fündig geworden. Dort wird auf der Seite 12 angegeben:

    „Er verbrachte verhältnismäßig viel Zeit am Computer und spielte u. a. Ego-Shooter-Spiele, darunter Far Cry 2.“

    (Bericht „Expertenkreis Amok“, S. 12 )

Quelle hierfür ist wiederum die Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Polizeidirektionen Waiblingen und Esslingen zum vorläufigen Ermittlungsergebnis. Dort heißt es:

    „In der Freizeit betrieb der Täter aktiv Sport und errang als Tischtennisspieler in der Jugend beachtliche Erfolge. Am Vereinsleben nahm er aber kaum teil. Er war ausweislich der kriminalpolizeilichen Ermittlungen mehrmals mit seinem Vater im örtlichen Schützenverein aufhältlich. Dort schoss er auch mit der späteren Tatwaffe. Der Vater war aktives Mitglied, der Täter dagegen nur passives Mitglied des Vereins seit 2000.

    Darüber hinaus war der Täter aktives Mitglied in einem Verein aus dem Raum Pforzheim und übte dort den Sport „Armwrestling“ aus, bei dem er auch an Vergleichswettkämpfen teilnahm. Einen großen Teil seiner Freizeit verbrachte er mit Pokerspielen im Internet und im privaten Bereich, bei denen um geringe Geldbeträge gespielt wurde. Zu Hause verbrachte er viel Zeit am Computer. Dort spielte er unter anderem Ego-Shooter-Spiele, aber auch ein Wirtschaftssimulationsspiel. Aufgrund der Computerauswertung gehen die Kriminalisten davon aus, dass er zuletzt am 08.03.2009 ein Ego-Shooter-Spiel zu Hause gespielt hat.“

    (Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Polizeidirektionen Waiblingen und Esslingen zum vorläufigen Ermittlungsergebnis, zitiert nach: Rems-Murr-Rundschau v. 23.05.2009.)

Es wurde nach der Pressemitteilung also nicht einmal behauptet, dass der Täter „viel Zeit“ mit dem Spielen von Ego-Shootern verbracht hat, sondern allein, dass er allgemein „viel Zeit am Computer“ verbracht hat. Im Übrigen dürfte es nach meiner laienhaften Einschätzung auch zweifelhaft sein, dass eine Person, die in ihrer Freizeit mit Tischtennisspielen und Armwrestling aktiv Sport trieb und einen großen Teil ihrer Freizeit mit Pokerspielen im Freundeskreis oder Internet Poker verbrachte, noch Zeit für eine Sucht nach „Ego-Shootern“ hätte aufbringen können. Bezeichnend ist auch, dass der nach der Darstellung süchtige Täter zuletzt drei Tage vor der Tat einen Ego-Shooter genutzt haben soll.

Im Ergebnis erscheint es so, dass die (früheren) Medienberichte nicht das meinten, was sie geschrieben haben. Es handelt sich offenbar lediglich um eine Übertreibung. Die Aussage, dass der Täter „süchtig“ gewesen sein soll, ist nicht dahingehend misszuverstehen, dass er im pathologischen Sinne an einer Sucht gelitten habe, sondern bloß die übersteigerte Beschreibung des Umstandes, dass er in seiner Freizeit auch Videospiele genutzt hat und Freude daran hatte.

Dies wird auch von seinem Umfeld bestätigt. So zitiert der Spiegel einen Mitschüler, der eine Computerspielesucht relativiert:

    „So viel ich weiß, stimmt das mit den Waffen. Aber Tim hat nicht mehr am Computer gespielt oder vor dem Fernseher gesessen als ich und andere Freunde von mir.“

    (Julia Jüttner/Anne Seith, Amokläufer Tim K.: „Ein ganz normaler Teenager“, SPON v. 12.03.2009.)

In einem aktuellen Text versucht die dpa es (kreativer Ansatz) als rätselhaft darzustellen, dass der Täter – entgegen den von dem Medien bezeichneten Bild – von seinem Umfeld nicht als süchtig bzw. isoliert wahrgenommen wurde:

    „Zum sicherlich nie vollständigen Puzzle gehört auch, dass der Sohn eines Unternehmers geradezu süchtig nach Computer-Ballerspielen und ein Waffennarr war. Allerdings wurde er in seiner neuen Schule, einer kaufmännischen Privatschule, nicht als isoliert oder introvertiert wahrgenommen. „Er war ein Poker-Fan, hatte Beziehungen zu Mitschülern. Die Depression hat sich hier gar nicht gezeigt“, erzählte damals eine Lehrerin.“

    (dpa, Heribert Rech: „Das war unwirklich und grausam“, RP online v. 11.03.2014.

Allein das „ZDF heute journal“ hat den eher umgangssprachlichen Gebrauch des Wortes „geradezu süchtig“ nicht verstanden und irrtümlich geglaubt, dass mit den Aussagen über die „Sucht“ eine „echte“ Sucht gemeint ist und den Zuschauern damit einen Bericht über Computerspielsucht beschert, der mit der Computerspielnutzung des Täters nicht viel zu tun hat.

    „ZDF heute journal“-Beitrag v. 11.03.2014, ZDF-Mediathek.
    Abdruck der Pressemitteilung, Rems-Murr-Rundschau.

    (Dank an Dante.)

Update

Siehe hier.

31 Gedanken zu “„ZDF heute journal“ macht Amokläufer süchtig (Update)

  1. Ich mache die Erfahrung, dass die Verknüpfung von Interresse an Videospielen = Sucht immer tiefer in den Köpfen der Menschen verankert ist und weiterhin wird.

  2. Das ist halt Propaganda, bezahlt von den Gebührenzahlern. Wir zahlen schlicht für unsere eigene Verdummung bzw. die unserer Mitmenschen. Im Übrigen bezieht sich das leider nicht nur auf so ein Thema wie Computer- und Videospiele, sondern leider kann und muss man davon ausgehen, dass auch das restliche Programm der öffentlich-rechtlichen nichts weiter als Propaganda-Fernsehen ist, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen und damit alle Themen betroffen sind.

  3. @Anonymous
    .
    Ich glaube nicht, dass da eine Strategie hinter steht. Ich nehme einfach an, dass Themen „etwas“ zugespitzt werden, um die Zuschauer zu beeindrucken bzw. eine gute Quote zu erzielen.

  4. Gerade das ZDF betrachtet Nachrichten doch zu einem Großteil unter dem Aspekt des Boulevard. Vor ein paar Tagen ein 5 Minuten langer Lebenslauf zu Hoeneß, der allerdings in keinster Weise etwa zur Beantwortung der Frage beitrug, wieso Hoeneß 28 Mio Steuern hinterzieht. Verschwendung von Nachrichtenzeit, die wichtigen Themen oder inhaltserhellenden Beiträgen weggenommen wird.

    Dann ständig diese „Experten“ – kaum ein Interviewpartner wird bei Titel oder Funktion genannt, sondern ist zufällig Experte für das Gebiet, zu dem er gerade befragt wird (welch Überraschung).

    Das ZDF würde doch am liebsten noch aus adligen Schlafzimmern übertragen – Begründung: es könnte ein zukünftiges Staatsoberhaupt gezeugt werden.

  5. Warum sollte ein „Journalist“ gründlich recherchieren, wenn er Vorurteile bedienen und Zitate plagiieren kann? Kostet nur Zeit – und Zeit hat man heutzutage als Journo nicht. Man muß schnell und billig liefern.

    Sogar die AG-Waffenrecht bei den Piraten hat da wesentlich gründlicher gearbeitet und für ihre Infoseite sogar Lob von den Schul-Amok-Forscher bekommen:
    https://wiki.piratenpartei.de/AG_Waffenrecht/Amokläufe

    Fazit: Amokläufe (richtiger: Massenmorde oder School-Shootings) haben ausschließlich psychische Ursachen.

  6. Dieses Thema der PC-Spiele, die angeblich Auslöser für solche Taten sind, begleitet mich schon mein halbes Leben lang.
    Ich spiele auch seit 15 Jahren Videogames und muss sagen, dass mich die Gewaltdarstellungen in „Ballerspielen“ eher noch weiter von körperlicher Gewalt distanzieren. Noch weiter, als ich ihr ohnehin fern bin.

  7. Ähnlich wie im Fall Edathy, wo ein gut informierter Blogger berichtet, dass die Firma, die die FKK-Bilder vertrieb, eine Firma im normalen Sinne war. Es wurde aber immer wieder von einem Tauschring berichtet, und nicht von FKK-Bildern, sondern von Kinderpornographie.

    Soweit ich weiß hat die Firma gar keine Kinderpornos vertrieben, sondern solche wurden nur bei einem Kunden gefunden, der sie aber nicht von der Firma hatte und nicht über diese getauscht hätte.

    Dennoch wird ständig die dramatischste Version der Geschichte kolportiert.

  8. Interessant wäre es wenn jetzt einmal in diesen Tagen wieder zu einen Amoklauf kommt, dann können wir schön dem Heute Journal die Verantwortung dafür geben. Diese morbide Fazination seits des CDU Parteifernsehen ZDF für Amokläufe im Hinlick auf Quote ist nicht im Sinne des Rundfunkvertrages oder des gesunden Menschenverstandes.

  9. @Thomas
    Vorausgesetzt in adligen Schlafzimmern geht es züchtig und ordentlich zu… Die Berichterstattung geht in etwa so als würde über eine Automesse mit dem Hinweis auf Verkehrsunfälle berichtet werden, oder – in Bezug auf gesundheitsschädliche Substanzen – über das Oktoberfest bloß unter dem Vorbehalt des Alkoholismus, obwohl der sicher nicht nur hier in Österreich, sondern auch in Deutschland ein großes gesellschaftliches Problem darstellt. Beides ist regelrecht absurd zu nennen – das gibts ganz einfach nicht, da wird „Wirtschaft“ und „Gesundheit“ strikt getrennt. Entweder es geht ums Eine, oder ums Andere: reißt ein erweiterter Selbstmörder auf der Autobahn eine Familie mit in den Tod steht VW nicht auf dem Plan. Die Stiftung unterstützt vielleicht ja auch deren Anliegen. Nur bei den Games passiert das nicht.
    Und da ist schon System dahinter, wobei das keine Frage einer Verschwörungstheorie ist, sondern weit eher dahingehend was gesellschaftlich erwünscht ist oder sonst halt noch geduldet wird – wie Medien, und da vor allem die öffentlich-rechtlichen, manipulieren. Die Zuspitzung würde ich eher bei den Privaten vermuten, denn der Rundfunk hätte dazu eigentlich gar keinen Grund.
    Der Tonfall dort bildet sich ja noch ein, abwechselnd nüchtern, sachlich, vielleicht höchstens „hart aber fair“ zu sein. Und dazu gehören dann auch entsprechende Expertisen, die vielleicht noch mit Filterfirmen zusammenhängen. Da wird dann deren Arbeit belohnt, nicht unbedingt im Sinne von Korruption, sondern weil diese etwa im Sinne der Anstalten moralisch gefestigt ist – für „Familien“, „Schutz“ (Jugend und Daten), Sicherheit und ähnliche „Werte“ steht.

    @user unknown
    Tatsächlich. Ist das so… Bei dem Thema ist die Situation ja noch viel schlimmer. Die Öffentlichkeit komplett von einseitiger Desinformation geprägt.
    Da gäbe es etwa auch die Frage, welche Rolle die BPjM dereinst bei der Indizierung von solchen FKK-Bildern spielte, dann was Indizierung eigentlich bedeutet usw. usf. Also den „gut“ informierten Blogger kenne ich schonmal gar nicht – das dringt leider nicht einmal zu mir durch: Herr Trauss schrieb auf seinem Blog dazu nur, auch in Hinblick auf die Vorratsdatenspeicherung, über „politischen Missbrauch“, und sozialem „gehängt“ sein. Ein Kommentator namens „Ein Journalist“ drehte den Spieß dort jedoch gleich wieder um und zitierte wohl absichtlich falsch, warf seinerseits „Bagatellisierung“ vor etc. Ohne wie mir scheint dabei unter besonderem Zeitdruck zu stehen.
    In Deutschland geht es viel um festgelegte Begriffe, Abgrenzungen die auch für andere Bereiche gelten. Egal ob das jetzt „Sucht“ ist, oder wie dazu „Pornografie“ – siehe etwa den Streit zwischen Liesching und Müller bei Beck http://blog.beck.de/2014/02/19/kinderpornographie-posenverbote-kategorie-1-und-kategorie-2-reformpostulate-setzen-grundlagenkenntnisse-vorau .
    Bei Sucht würde ich etwa stets den Leidensdruck der Betroffenen in ein Zentrum stellen, im anderen Fall ist es für mich schon fraglich weshalb Gewalt oder „Pornografie“ überhaupt interessiert: relevant sollte das Leid sein, das verursacht wird sobald jemand zumindest sexuell mit Darstellungen Kinder ausbeutet. Bei den Gewaltdarstellungen in Videospielen, wieso diese für die Öffentlichkeit überhaupt problematisiert werden – weshalb sie sich Welten scheinbar ständig schön oder friedlich reden und denken lassen will. Mit welchem Impetus einer eigenen Position.

  10. Typisch ZDF, statt die Wahrheit zu berichten, soll den Zuschauern Angst vor Computerspielen gemacht werden. Als wären diese eine Droge, die man gar nicht erst probieren sollte.

    Wie krass das wäre, wenn es das Internet nicht gäbe und man rein auf die Berichterstattung der westlichen Massenmedien angewiesen wäre. Wir würden in Propaganda ertränkt. Und das im ach so demokratischen, freien Westen….

    Die ukrainische Bevölkerung täte auch gut daran, sich rechtzeitig zu erkundigen, wie das „bessere Leben“ der Griechen oder Spanier aussieht, seitdem die Troika sie unter der Knute hat. Und sich ausgerechnet mit der EU zu assoziieren, wenn diese das Bail-in-Gesetz verabschiedet, grenzt an Selbstmord. Die Ukrainer sollten besser ihre Notgroschen auf den Mond schießen, ehe auch sie das Zypern-Detroit-Modell ereilt.

    Die Ukraine ist wohl nicht als gleichberechtigter Partner, sondern hauptsächlich als Rohstofflieferant auf Dritte-Welt-Niveau erwünscht. Die Ukraine verfügt über große industrielle und landwirtschaftliche Kapazitäten, soll zum Nutzen der Großkonzerne den gleichen Freihandelsmethoden unterworfen werden, wie dies auch für die geplante Transatlantisches Freihandelsabkommen mit USA anvisiert ist, d.h. die weitgehende Ausschaltung jeglicher Rolle des Staates beim Schutz des Gemeinwohls seiner Bürger zugunsten des maximalen Profits der großen Konzerne.

    Diese Erfahrung dürfte in die Entscheidung dem EU-Assoziierungsabkommen nicht beizutreten, ebenso eingeflossen sein, wie das marode Bild, das die EU und vor allem die Opfer ihrer Politik in Griechenland, Zypern, Italien, Spanien und Portugal heute abgeben, in denen die Politik der Troika die Lebenserwartung der Menschen dramatisch „reduziert“.

    Fakt ist, dass die Ukraine pleite ist und mit dem Assoziierungsabkommen vermutlich ihre russischen Märkte verlieren wird. Das muss für das osteuropäische Land aber kein Problem sein, denn nach der üblichen Methode werden die Verluste mit den Steuern und Einkommensverlusten der berufstätigen EU-Bürger kompensiert.

    Die steigende Arbeitslosigkeit durch die schwindenden Marktzugänge ist noch besser, ist quasi ein Segen, denn eigentlich schielt insbesondere die deutsche Wirtschaft nach billigeren Nearshoring Alternativen zu Mittelosteuropa. Da sind die Lohnstückkosten schon zu hoch. In der Ukraine sind dann die Gehälter und Löhne schön ausgebombt, bei gleichzeitig gut qualifizierten Leuten. Diese müssen natürlich die EU-Strukturreformen über sich ergehen lassen.

    Und über was hätte Putin verhandeln können? Der Standpunkt der EU ist das die Ukraine nicht gleichzeitig in der EU-Freihandelszone und Mitglied der russischen Zollunion sein kann. Also hätte es nichts mehr zum verhandeln gegeben.

  11. @Chungus1981
    Wäre infowars.com oder PI News nicht die bessere Seite für dich? Ich meine wir diskutieren hier keine Geopolitik oder VTs.

  12. @ Rey Alp

    Ich erinnere an eine Wahlsendung, da Helmut Kohl erneut zum Kanzler gewählt wurde und die ARD-Reporterin vor Ort auf ein Interview hoffte. Enttäuscht meldete sie dann: „Aber er geht natürlich zuerst zu seinem Sender, zum ZDF.“
    Da ist viel politisches Kalkül am Werk. Natürlich steht niemand hinter den Journalisten und befiehlt ihnen, was sie zu sagen haben, das tun sie von sich aus, aus Überzeugung – sonst wären sie gar nicht beim ZDF.
    Ginge es nur um die Quote, dann sähe das ZDF wohl anders aus.

  13. hm, kommt hier echt keiner auf die Idee dass das (auch außerhalb von Games) das allgemeine journalistische Niveau in weiten Teilen ist? Keiner?

  14. @Mars: Natürlich und darum greift man den Feind bzw. seine Bastion immer schon aus der Ferne an, hier die Internetgeneration bzw. „Computerspiele“ und seine jungen Nutzer, die schon vor langer Zeit bemerkt haben, dass gerade der Titel Journalist in unseren Breitengraden kaum noch Bedeutung zu haben scheint und sich anderer Quellen für ihre Nachrichten bedienen.

    Die Leute, die solche Beiträge für bare Münze nehmen, sind in spätestens 20-30 Jahren ohnehin alle Geschichte und dann kann man das öffentlich-rechtliche Fernsehen, dass der Generation der in den 80/90ern Geborenen ohnehin nie etwas gebracht hat, auch endlich abschaffen. Von den Mandys und Kevins, die mittlerweile die Schulhöfe bevölkern mal ganz zu schweigen, an deren Niveau scheint sich allerdings auch der Bildungsauftrag des ZDF messen zu lassen.

    Alles in allem: Lasst sie ruhig weiter machen, bis sie wirklich nur noch RTL-Zuschauer ernst nehmen. Denn das Tolle ist: Die kucken auch nur RTL und bestimmt kein heute journal ;)

  15. @Platinum du bestätigst mich in der Ansicht das es nutzlos ist, in Deutschland das Fernsehen zu kritisieren, die Leute die es machen sowie die politisch Verantwortlichen und deren Funktionäre sind kulturell und gesellschaftlich inkompeten. Das Öffentlich Rechliche Fernsehen gehört zusammengestutz auf 3 Sender, einer für Nachrichten und Dokumentationen, Politik (Phönix nur ohne HitlerKnopp Machwerke) einer für Sport und Unterhaltung (Filme, Serien, Sportübertragungen, hochwertig) und einer für Weiterbildung und Wissenschaft (Richtige Wissenschaftsmagazine und keine Pseudowissenschaft getarnt als Werbebotschaft). Weg mit den Bürokraten, den Regionalsendern, und allen sonstigen Politikgünstlingen.

  16. Ich stimme purchaser zu und glaube sogar, dass dabei der Gedanke an Corporate Identity bestimmender ist als das letztendliche Produkt. Zum „Niveau“: da fiel mir zuletzt dieser Computerbild-Artikel positiv auf http://www.computerbild.de/artikel/cbs-News-PC-Zensur-in-Spielen-9888683.html . Der ist erstaunlich offen und für meine Begriffe kritisch. Das Problem ist eher, dass sonst oft einfache Antworten für komplexe Fragen oder auf Problemstellungen gesucht (und gefunden) werden, das heißt simple Erklärungsmodelle.
    In der „M! Games“ findet sich in der aktuellen Aprilausgabe (59) ein ähnlicher Artikel, der letztendlich in die gleiche Richtung wie Springer geht und zwischen den Zeilen auch kritisch ist. Etwa dann wenn von einem USK-Vertreter bei Computec behauptet wird, dass Videospiele deshalb ungleich zu Filmen behandelt werden sollen „weil der Spieler aktiv ins Geschehen eingreifen und eigene Interpretationen vornehmen“ könnte. Also prinzipiell kompletten, relativierenden Unsinn von sich gibt.
    Dennoch trägt „M! Games“ eine plakative Überschrift, sagt nur warum Sachen nicht sein „dürften“ und will dahingehend „juristisch auf Vordermann“ bringen. Dass es eher die Juristen in den Rechtsabteilungen sind, welche dazu gebracht werden könnten, wird nicht angedacht…

  17. @Platinum: Wenn wir das verstanden hätten, dann würden wir nicht bei solchen Artikeln den Journalisten spezielle Vorurteile gegenüber Spielen unterstellen…

  18. Die Medien arbeiten immer noch nach dem Motto: Wiederholt man eine Lüge nur oft genug, dann wird sie irgendwann wahr. Und je mehr Medien eine ähnliche Lüge verbreiten, desto mehr verbreiten diese Lüge ebenso.

    Und es interessiert doch eh keinen mehr, warum da Menschen gestorben sind – also zumindest beim ZDF nicht. Bestünde nämlich ernsthaftes Interesse an den Hintergründen der Tat, dann wäre es ein leichtes diese zu recherchieren oder zumindest besser zu recherchieren, als es hier geschehen ist.
    Nein, auch beim ZDF erfreut man sich über jedes tote Kind, weil man den Kadaver für Schlagzeilen ausschlachten kann – ungeachtet der Hintergründe usw. Traurig, aber leider wahr. Fehlt eigentlich nur noch, dass idiotische Forderungen gestellt werden mit der Begründung: „Denn sie sollen nicht umsonst gestorben sein“ – sie sind umsonst gestorben, wenn nichts weiter als diese Idiotie aus ihrem Tode resultieren konnte. Natürlich war der Tod völlig umsonst, wenn man sich auch Jahre später immer noch nicht für eine sachlich korrekte Auseinandersetzung interessiert. Denn dann war der Tod von vielen Kindern lediglich dafür gut, einigen Fanatikern als Waffe gegen die Vernunft zu dienen und um einigen armen Gestalten Schlagzeilen und Umsatz (oder Spenden – noch widerwärtiger!) zu bescheren!

  19. @Rey: naja, bei jedem Artikel kommt der Hinweis auf die alte Generation irgendwann, darauf dass Spiele ja etwas Besonderes wären… es schwingt schon immer wieder in den Kommentaren mit.

  20. @Mars
    Imho nicht immer.
    Bei Videospielen sehe ich das „besondere“ weniger in den Fehlern als in der Teilen der Berichterstattung zugrunde liegenden „Doppelmoral“. Doch Fehler erscheinen für mich unabhängig von der Intention eben immer passieren zu können.
    Das mit der alten Generation kommt oft, dürfte aber (nur) partiell was ändern. Wenn die Journalisten in einem höherem Maße mit Videopsielen aufgewachsen sind könnten „offensichtliche“ Fehler (Shooter mit Joystick gezockt etc.) weniger werden. Die eingeübten Reflexe (Schuldzuweisungen nach Gewalttaten) sowie etablierte Falschaussagen (Täter xy hat CS gezockt) dürften wegen ihrer Verbreitung aber erhalten bleiben.

  21. Mal so am Rande (und leicht verspätet): In der aktuellen Psychologie Heute (Ausgabe April 2014) gibt es einen kleinen Artikel (Seite 15) zu einer Umfrage von mediengewalt.eu/Rudolf Weiß mit dem Titel „Ballerorgie im Kinderzimmer.“

    Die Umfrage sei laut Artikel „zwar nicht repräsentativ,“ doch andere Umfragen des Vereins mediengewalt.eu kommen zu ähnlichen Ergebnissen (eine logische Nullaussage, wenn man mich fragt).

    Demnach „vergnügen“ sich 2/3 der befragten 14-jährigen Jungen (unter 195 befragten Schülern) mit der „Ballerorgie Call Of Duty: Black Ops 2,“ welches erst ab 18 Jahren freigegeben ist.

    Für Weiß belegt die ständig steigende Zahl der Jungen, die solche Spiele spielen, die Wirkungslosigkeit des Jugendmedienschutzes und er findet, dass diese Spiele indiziert werden müssen, damit sie nicht mehr beworben werden.

    Die Jungen sollen diese Spiele übrigens von Eltern, Großeltern, Geschwistern, etc. erhalten haben.

    MfG

  22. Gehört nicht zum Thema aber sollte allerdings auf die Website. http://www.escapistmagazine.com/news/view/133259-Senator-Leland-Yee-Arrested-On-Corruption-Charges

    Quelle: The Escapist

    Der demokratische Senator Leland Yee, bekannt durch Anti Videospiele Ansichten und den durch den SCOTUS (Oberstes US Bundesgericht) verhindertes und für verfassungswidriges erklärtes AB 1179 Gesetz, wurde wegen Korruption angeklagt und vom FBI verhaftet. Wiedereinmal ein Beweis dafür das gerade diese heuchlerischen Videospielegegner nichts weiter als korrupte Populisten sind. Ich hoffe inständig das man die Heuchler und falschen Moralapostel hierzulande auch für solche Dinge festnageln kann.

  23. Ich glaube man macht es sich zu einfach, es auf die Ballerspiele zu schieben. Die meisten Spieler sind ganz normale Menschen und bestimmt nicht Amok gefährdet. Das sind immer Einzelfälle, die aber auch Amok laufen würden, wenn es keine Ballerspiele geben würde. Dann ist es halt der Schützenverein. In diesem Sinne.

    VG
    Jörg

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