Psychiater Besser warnt vor „Vergiftung“ durch Computerspiele

(spon) Für Spiegel Online hat Bianca Maley den Psychiater Lutz-Ulrich Besser zur Wirkung der Videoaufnahmen von ISIL-Gräueltaten befragt, der bei dieser Gelegenheit vornehmlich gewaltdarstellende Computerspiele kritisiert. Bereits 2009 warnte er, dass deren Auswirkungen „immer noch völlig unterschätzt“ würden, da man wegen dieser Spiele „inzwischen von einem Heer gut trainierter jugendlicher Scharfschützen umgeben“ sei.

Auch heute sieht er in der Nutzung von Videospielen offenbar ein reales Tötungstraining:

    „Ich denke da an die Amokläufer in Schulen. Diese waren ja keine Amokläufer im engeren Sinne: Sie haben das Töten in Computerspielen über Monate und Jahre konsumiert und vor allem real trainiert. Und dann haben sie, wie trainierte Scharfschützen, Menschen getötet. […] Das permanente Konsumieren von […] Gewaltspielen führt zu einer Abstumpfung. Es führt dazu, dass sich Muster im Gehirn bilden, die aller Menschlichkeit entbehren. […] Ähnlich wie ein Magen, kann es zur Vergiftung kommen, wenn das Gehirn permanent mit schwerverdaulicher Kost gefüttert wird. Man verliert die natürliche kritische Distanz zu Destruktivität und Gewalt.“

Hierbei sollte natürlich nicht vergessen werden, dass – entgegen dem von Besser erweckten Eindruck – nicht jeder Schulamokläufer gewaltdarstellende Videospiele genutzt hat (Mehr dazu unter „Tipps für die Presse„) und dass die Nutzung von Videospielen ein echtes Schießtrainung nur bedingt ersetzen kann: So kam eine Untersuchung zu dem Ergebnis, dass „sich in beliebten GCS […] reale Vorgänge zum einen stark in den Möglichkeiten eingeschränkt und zum anderen vereinfacht oder nahezu grotesk verzerrt dar[stellen]“. Es bestehe die Gefahr, dass sich „unangemessene mentale Modelle“ von Waffen bilden sowie dass Schützen „ungeeignete Haltungen einnehmen und ungeeignete Bewegungsabfolgen produzieren“ (Bösche/Geserich, Nutzen und Risiken von Gewaltcomputerspielen, Polizei & Wissenschaft 1/2007, S. 45 – 66).

    Zum Interview

    (Dank an AssMan.)

11 Gedanken zu “Psychiater Besser warnt vor „Vergiftung“ durch Computerspiele

  1. Ja aber Rey, es geht doch nicht um „richtiges“ Schießtraining. Es geht doch um das Abtrainieren von jeglicher menschlicher Gefühlregung, um das gezielte Abstumpfen. Das macht die US – Armee genauso mit ihren Videospielen, das wusste doch schon Grossman. Und der muss es schließlich wissen. Deshalb werden ja auch nur die stumpfesten Soldaten Scharfschützen, nicht wahr?
    .
    Und „64000 repetitions make one truth“, das wusste schon A. Huxley.

  2. Ich kann da nur mit purer Logik gegen halten. Da im Spiel keiner getötet wird, kann sich im Gehirn auch kein Muster des Tötens einbrennen.
    Wer das Töten und die Gewalt sehen will, sollte sich an die Nachrichten halten. In letzter Zeit ist genug los……

  3. Oh der Mann ist 63 Jahre alt, und kommt aus Niedersachsen? Pfeifferfanboy? „Junge Männer reisen aus, um sich der Terrorgruppe IS im Nordirak anzuschließen.“ Ah, ja nur junge Männer? Was ist mit den Leuten zwischen 35 und 60 Jahren die dort für die eine oder andere Miliz kämpfen, was ist mit Redelsführern wie dem Emir der IS anführt? Oder den Imanen die hier in Europa rekrutieren? Nein, Nein, das will er nicht hören weil das passt nicht sein Weltbild. Was ist mit den Soldaten aus Deutschland oder anderen NATO Ländern die von ihren Einsätzen von dort zurückkommen? Warum sind die traumatisiert? Zu wenig COD oder CS gespielt ums sich vorher stark genug abzuhärten? Oh Moment, was der Besser(wisser) da verzapft ist totaler Blödsinn, und der Spiegel der zu etwas unwidersprochen und kritiklos abdruckt hat wiedereinmal bewiesen das er als Zeitung/Onlinemagazin wertlos ist.

  4. Tja und heute hieß es in den Nachrichten das unsere Regierung überlegt ob man Bodeneinsätze der Bundeswehr einleiten sollte im Kampf gegen die IS, Waffenlieferungen sind ja bereits beschlossene Sache…

  5. 1. Gewalt gibt es nicht erst seit Videospielen ;-)
    2. Bin ich der Meinung das Psychiater das Gehirn vergiften.
    Ist meine persönliche Erfahrung mit denen, und auch Freunde und Bekannte
    haben mir schon davon berichtet.
    Ich bin mir nicht mal sicher ob das Schulmedizin ist was die da praktizieren,
    aber wenn mir bei ein und dem selben Problem 3 Psychiater völlig unterschiedliche
    Diagnosen stellen und Medikamente verschreiben dann wird man echt misstrauisch.

  6. Angesichts der Millionen Shooter-Spieler allein in Deutschland müssten jeden Tag (viele) Amokläufe gemeldet werden. Und von diesen Amokläufern müssten dann praktisch alle Shooter-Spieler sein. Ist der Psychiater ein Besser-Wisser, oder hat er gar wider besseres Wissen geurteilt?
    Richtig bleibt aber trotzdem:
    „Ähnlich wie ein Magen, kann es zur Vergiftung kommen, wenn das Gehirn permanent mit schwerverdaulicher Kost gefüttert wird.“
    Ja, es kann durchaus schädlich sein, das Gehirn mit destruktiven Inhalten zu füttern. Ja, das ist mentale Vergiftung. Man mache sich nichts vor: Wer sich bestimmten Inhalten freiwillig aussetzt (auch z.B. Pornographie), der vergiftet sich.
    Sind die Shooter-Spieler eine Horde von Amokläufern? Anscheinend in all den langen Jahren bereits vor und erst recht seit Doom etc. nicht! Aber (potenzielle) negative Beeinflussung lässt sich nicht wegleugnen – und wenn es nur ein Übermaß an Zeitverlust ist.

  7. @Fliegendes Spaghetti Monster
    Als bekennender Katholik weise ich naturgemäß auch diese Polemik auf das Schärfste zurück. So wüsste ich schonmal nicht, weshalb es „besser“ sein soll eine Religion dermaßen zu verunglimpfen, noch dazu wenn diese anerkannt ist.
    Und ich bin etwa bereit selbst eine Religionsparodie als gleichberechtigt anzuerkennen. Nur welche Bereitschaft anderes nebeneinander zu akzeptieren könnte angesichts solcher Äußerungen noch bestehen? Oder wo würde sich dieser Kommentar auch von diversen Äußerungen namhafter CSU-Politiker in Richtung Videospiele unterscheiden?
    @Pater Lingen
    Ich glaube den meisten pornografischen Inhalten werden die Menschen heutzutage unfreiwillig ausgesetzt. Etwa im Internet: wenn bestimmte Teile dessen schonmal so zugeordnet werden gibt es dort nur mehr solche Werbung. Und dann gibt es auch noch jene die nichts anderes kennen, es nicht besser wissen.
    Doch jenen möchte ich viel mehr und weit eher helfen, aber ästhetisch und nicht medizinisch – anstatt sie zu verurteilen: gerade das Christentum hat mich dabei gelehrt, dass Leben und Welt nicht beschönigt werden sollten und das Wesen eines Menschen, wie dessen Seele, in keiner Biologie auffindbar – nicht über Messungen von Hirnströmen. Und ein naturalistische Menschenbild ist es schließlich, wogegen ich mich wenden möchte – ein Bild das Menschen letztlich auf funktionierende Maschinen reduziert.
    Nur wenn viele Ausdrucksformen bereits von Vornherein als oder wie Gifte beschrieben werden, verhindert das zunächst jedes weitere Nachdenken darüber: wie das Beispiel Shooter, die etwa im Wettbewerb deshalb sichtbar machen was andere „Spiele“ und Sportarten längst abstrahiert haben, mit Eigenschaften die in etablierte(re)n Kulturformen lieber ausgeblendet und, ja, sogar ebenfalls geleugnet werden, konfrontieren.

  8. @Pater Lingen:
    Potenzielle negative Beeinflussung läßt sich nicht wegleugnen, da haben Sie völlig Recht. Zumal, wenn es „nur“ der Zeitverlust sein soll, der negativ zu Buche schlägt (welches Buch eigentlich? Das große Hauptbuch „Bruttoinlandsprodukt“?).
    .
    Nur, *potenzielle* negative Beeinflussung läßt sich nie ausschliessen. Das gilt übrigens auch für das Studium der Bibel, den Genuss von Leitungswasser oder das Ausüben jeder beliebigen Sportart.
    .
    Wollen Sie jetzt ein Verbot dieses Buches fordern, oder überlassen Sie die Verbotsforderungen lieber denen, die mit wissenschaftlichem Anspruch auftreten?

  9. Der Besser(-wisser) soll sich mal den ach so heiligen Koran anschauen. Dies ist eine Anleitung zum töten. Wenn Andersgläubige als wertlose Kuffar bezeichnet werden, denen man die Köpfe abschneiden möge hat das nichts mit Shootern zu tun.

    Zitat:
    „Wenn ihr auf die stoßt, die ungläubig sind, so haut (ihnen) auf den Nacken; und wenn ihr sie schließlich siegreich niedergekämpft habt, dann schnürt ihre Fesseln fest. (Fordert) dann hernach entweder Gnade oder Lösegeld, bis der Krieg seine Lasten (von euch) wegnimmt. Das ist so. Und hätte Allah es gewollt, hätte Er sie Selbst vertilgen können, aber Er wollte die einen von euch durch die anderen prüfen.“

    Der Islam ist Frieden?! Lächerlich!

  10. @Kasimir, tut mir leid aber was du da verzapfst ist Blödsinn. Die Moslems hier bei uns im Ort sind alle friedlich, die meisten Muslime auf der Welt sind das auch. Die Auseinandersetzungen die Mittleren Osten statt finden (War on Terror), haben geopolitsche Ursachen, Öl, politische Prozesse Wandlung von Gesellschaften und Herrschaftsystemen. Die meisten Moslems leben ja auch nicht im Mittleren Osten sondern in Südost Asien, und sind genau wie wir eine aufgeklärte Gesellschaft. (Großteils)
    ISIS wird schon von den Kaugummi Partisanen, Irakischen Armee und den Kurden schon dezimiert und besiegt werden. Von deren Gehabe und Greultaten auf alle Moslems zu schließen ist eine dumme Verallgemeinerung. Das wäre so als würde man alle Christen an der Bewaffneten IRA und dem KKK messen.

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