Inhaltlich korrekte Panikmache zu Weihnachten

(welt) Die Welt überzeugt dieser Tage mit einem inhaltlich korrekten Artikel über „Killerspiele“ und -spielzeuge. Und schafft es ganz ohne Falschbehauptungen, so einiges Klischee zu bedienen. Brad Pitt habe „noch im Kindergarten […] eine Waffe zum Geburtstag geschenkt [bekommen]. Und es war keine Spielzeugwaffe.“ Das stimmt vermutlich, hat mit typischen Wunschzetteln aber wenig zu tun. Nach zwei Absätzen über die positiven Kindheitserfahrungen des Schauspielers gesteht auch die Welt, in Deutschland seien „wir weit davon entfernt, Kindern echte Waffen zu schenken“.

Implizite Botschaft: Nur weil viele Menschen ein Geschenk für unbedenklich halten, muss es das nicht sein.

Es folgt eine Abhandlung über Plastikwaffen und ihre hölzernen Vorgänger. Ähnliches Gerät sei schon nahezu immer beliebt gewesen, aber „Kriegsspielzeug sei gar nicht so schlimm“. Es werden sogar Psychologen zitiert, die dem spielerischen Umgang mit Gewalt eine entwicklungspsychologische Bedeutung beimessen. Darauf folgt die Gegenmeinung.

Zusammengefasst: Kriegsspielzeug sei „100 Prozent sinnlos“, aber immerhin nicht eindeutig gefährlich.

„Zumindest dann nicht, wenn man sieht, was auf den Bildschirmen geballert wird. Neben diesen virtuellen Killerspielen ist die Mini-Guillotine der Goethe-Zeit ein Witz.“ Inhaltlich ist hier eigentlich nichts einzuwenden, könnte man sagen, Spielzeugschwerter sind wenigstens noch Holzspielzeug. Und auch im weiteren Text schafft es die Redakteurin, Falschaussagen zu vermeiden. Sie hält fest, Eltern seien ängstlich und verunsichert. Einige Fragen werden zitiert. Man liest, warum Eltern verunsichert sind. Eine Klärung – gar eine beruhigende – wird nicht geliefert. Zwar hätte reale Gewalt mit steigenden Verkaufszahlen abgenommen, doch „Statistiker machen es sich da einfach“. Und auch wenn, Egoshooter „nicht jeden auf ein Attentat oder einen Amoklauf [vorbereiten]“, lernt man Empathie nicht vor dem Bildschirm. Wenn man dagegen „nichts anderes lernt, als am PC andere abzuballern, dann kann das sehr aggressiv machen“.

Übertragen: Brot macht zwar keinen Mörder aus dir, aber ohne Obst und Gemüse kannst du Vitaminmangel bekommem. Und beispielsweise Jack the Ripper soll vor seinen Taten Brot gegessen haben.

3 Gedanken zu “Inhaltlich korrekte Panikmache zu Weihnachten

  1. Über einen Sinn bestimmen für gewöhnlich ja Publikationen wie „Die Welt“, „taz“ usw. Sie sind meinungsbildend.
    Nur wäre halt doch schon interessant, weshalb etwas überhaupt „sinnlos“ sein sollte. Eine Begründung nett.
    Mir wurde als Kind auch kein „Kriegsspielzeug“ gegeben. Aus Prinzip nicht.
    Später dann erlangte ich über Umwegen doch welches – was heute so vermutlich nicht einmal verkauft werden wird. In der Erinnerung finde ich jene tapferen kleinen Plastik-GIs mitunter aber gerade deshalb immer noch ziemlich charmant.
    Woran erinnern sie mich auch? Dass es Menschen die sie darstellen sollen waren, welche für Menschen mit Behinderung wie mich hier in Österreich dereinst mein heutiges Leben gar erst ermöglicht haben.
    Darin besteht ebenfalls ihr ethischer Wert – jedenfalls für mich persönlich, jenseits von Statistiken oder diesem moralisierenden Normdenken. Und solche Artikel wie in der „Welt“ können mir deshalb über ihre verharmlosend oder verniedlichend nebulös „entwicklungspsychologisch“ klassifizierten Bedenken lediglich mitteilen, dass sie für Menschen wie mich demnach, durchaus ähnlich wie bei dieser materiellen Kultur oder den unerwünschten Videospielinhalten, keinen Platz, keine Berechtigung und letztlich wiederum keinen „Sinn“ vorsehen.

  2. Ich war ein liebes kleines Mädchen mit zehn Jahren. (Lach) So etwa 1974 fand ich auf unserem Dachboden eine tolle Spielzeugpistole. Man konnte die mit Steine laden. Dann wurde die Feder gespannt und Peng!
    Meine Eltern haben es dann mitbekommen, da Nachbarn sich über den Beschuss ihrer Dachfenster beschwert haben. Die Pistole war schnell weg.
    Also wurde mit Katapult und krummen Nägeln weiter geschossen.
    Ärger gab es da natürlich auch. In der Schule wurde erklärt, wie gefährlich so was ist.
    Selbst Luftballons wurden für „kriegerische“ Zwecke verwendet. Mit Wasser gefüllt, flogen die aus dem Dachfenster, der Hauseingang wurde „bombardiert“.
    Ich will nur mal damit sagen, früher waren wir auch nicht anders.
    Wir haben auf dem Hof Krieg gespielt.

  3. Natürlich ist Kriegsspielzeug 100% sinnlos, man kann es nicht an Autokraten, Israel oder Terroristen/Freiheitskämpfer verkaufen. Selbst die Franzosen hissen nicht die weisse Fahne wenn man mit einen Spielzeugpanzer die Champs-Élysées hinunter rollt. Ich kann soviel Wolfenstein spielen wie ich will, und bekomme doch keinen Waffenschein.
    Aber wir verscherbeln toll Panzer nach Saudi Arabien. Geben den Kurden leichte Waffen, und bilden Afganische und Irakische Soldaten aus. Und Isreal geben wir auch alle Waffen die sie haben wollen, inklusive Waffenträger für die (nicht) vorhandenen Atomwaffen. Damit sich der israelische Pilzzüchterverband (Kriegstreiber) freuen kann.
    Aber keine Sorge in dem rechtskonserv(n)ativen Käseblatt und Journalismusimitat mit garantiert 100% unkritischen Weichspühler aus dem Hause Springer werden wir das sicher kaum lesen können.
    Die typische Heuchelei der Waffenhändler.
    Die Welt in Brand setzen aber Kindern den Spaß verderben auf pseudowissenschaftlicher Ideologie.

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