Sichtwechsel e. V. fordert Verschärfung der Indizierung

(sichtwechsel.de) Der Sichtwechsel e.V. für gewaltfreie Medien führte am 3. November 2014 gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Veranstaltung zu audiovisuellen Medien durch, deren Vorträge nun veröffentlicht worden sind. Referent war Dr. Rudolph H. Weiß (Mediengewalt e. V.), der unter dem Titel „Was tun?“ über die „größten medienpädagogischen-wissenschaftlichen-politischen Irrtümer“ aufklärte. Einer dieser Irrtümer sei die Annahme, dass für „schädliche Wirkungen auf die psychische Entwicklung und auf einen Verlust an ‚emotionaler und sozialer Intelligenz‘ bei Kindern und Jugendlichen […] ein schlüssiger Beweis […] noch nicht erbracht“ worden sei. Weiter forderte er u. a. den „Zugang zu extremen Gewaltmedien im Strafvollzug [zu] verhindern“ – eine Forderung, die von der Vereinigung gegen mediale Gewalt in der Schweiz bereits umgesetzt wurde.

Die Vorrede hielt Dipl. Psych. Thomas Haudel, der vor den negativen Spuren gewaltdarstellender Medien für Kinder warnte. So führten diese zum „Verlust des Glaubens an die Fähigkeit der Erwachsenen Konflikte friedlich lösen und eine vernünftige Weltordnung herstellen zu können“.

Mit Unterstützung des Bundesfamilienministeriums hatte sich der Sichtwechsel e. V. bereits am 20. Oktober 2009 mit virtuellen Gewaltdarstellungen auseinandergesetzt, an deren Ende eine Resolution verfasst wurde. Mit dieser forderten unter anderem die Wissenschaftler Dr. Rudolf Hänsel (Vereinigung gegen mediale Gewalt), Dr. Sabine Schiffer (Institut für Medienverantwortung) und Dr. Rudolf H. Weiß den Bundestag auf zum „Wohle der Allgemeinheit […] toxische Inhalte der Gewalt […] aus unseren Medien herauszuhalten und […] [den] Zugang zu ihnen drastisch zu erschweren“.

Nach dieser Veranstaltung richtet sich der Sichtwechsel e. V. erneut mit mehreren Empfehlungen an diverse Institutionen. Vom Deutschen Bundestags wird beispielsweise eingefordert, „strengere Kriterien bei der Indizierung von Filmen und gewalthaltigen PC-Spielen“ einzuführen.

13 Gedanken zu “Sichtwechsel e. V. fordert Verschärfung der Indizierung

  1. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, und auf das Buch „Die Spendenmafia“ von Stefan Loipfinger hinweisen. Da Sichtwechsel eV und KAS sind hauptsächlich von Steuergeldern finanziert werden, und damit scheinheilige pseudowissenschaftliche Polemik subventioniert wird, wärend das Geld an vielen Stellen in Deutschland wesentlich dringender gebraucht wird.

  2. “ So führten diese zum “Verlust des Glaubens an die Fähigkeit der Erwachsenen Konflikte friedlich lösen und eine vernünftige Weltordnung herstellen zu können”. “

    Herzlichen Glückwunsch, ihr Kind ist ein Realist! Ist das ernsthaft seine Kritik an den „Gewaltmedien“? Dann kann er auch gleich alle namenhaften Tageszeitungen und Fernsehnachrichten auf den Index setzen. Die hatten bei mir und den meisten meiner Freunde damals früher oder später den gleichen Effekt. Gott bewahre, dass Jugendliche sich ein Bild von der Welt machen. Ich kann ja wirklich verstehen, dass man denkt mediale Gewalt habe schädliche Auswirkungen. Aber das ist einer der absurdesten Vorwürfe die bislang ich gehört habe.

  3. @skully
    Hast du fuer den Sichtwechsel e. V. konkrete Zahlen? Ich habe um ehrlich zu sein da bisher so gut wie nichts gefunden. Bekannt ist mir nur der Zeitpunkt der Eintragung ins Vereinsregister 1996 une der Name der Vorsitzenden, die fuer mich aber ein unbeschriebenes Blatt ist.

  4. Da engagiert sich jemand sehr vehement für eine Sache, die er zu seinem persönlichen Ressort erklärt zu haben scheint. Ich zitiere einige Passagen, die mir sofort ins Auge gefallen sind:

    – eine neue Feldstudie von Rudolf Weiß…
    – stelle ich einige glasklare Forderungen auf…
    – siehe meine Nutzungsstudien…
    – hatte ich Ratschläge für die Recherchen der Polizei…
    – umfangreiches empirisches Material aus eigenen…
    – mit meinen Nutzungstudien…
    Und dazu:
    – hoch geschätzte amerikanische Medienforscher…
    sowie:
    – als wissenschaftler getarnte „Nebelwerfer“…
    – des wenig sachkundigen uns einseitig argumentierenden…

    Und das wird dann interdisziplinäre Diskussion genannt. Mir kommt es eher wie eine Rechtfertigung des eigenen Handelns vor, Schutz vor Angriffen, Selbstzweck.
    Wie abstrus das werden kann sieht man an der Schilderung des Sexismus, den die Kollegin Sarkeesian anführt „… und fielen beim Sterben möglichst so zu Boden, dass man ihnen unter den Rock gucken kann…“. Das kann doch nicht ernst gemeint sein.

    Ich stimme zu, dass es in unserer globalen Gesellschaft Verwerfungen gibt. Drohnenangriffe, die aus tausenden Kilometern Entfernung ausgeführt werden haben ihren Ursprung nicht in den Videospielen, Videospiele spiegeln diese Realität nur wider. Sie sitzen falschrum auf dem Pferd, Herr Weiß! Wenn der Krieg in der Piolitik als alternativlos bezeichnet wird, wenn der Bundespräsident mehr Auslandseinsätze der Bundeswehr fordert und wenn wir als BRD zum drittgrößten Waffenexporteur geworden sind, dann findet sich das auch in den Spielen und Filmen wieder. Unsere Soldaten bauen keine Brunnen, sie schießen!

    Ich stimme bei einigen Punkten uneingeschränkt zu. Das Unabhängigmachen von Quoten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk trifft sofort auf meine Gegenliebe. Schaffen wir die GEZ ab (denn wenn ich sowieso für etwas bezahlen muss, dann nutze ich es natürlich auch) und finanzieren den Bildungsauftrag durch eine 20%ige Steuer auf Barvermögen über 1 Million € – davon können wir dann auch solide bezahlt Lehrer entlohnen, neue Lehrer einstellen, Ganztagsschulen schaffen, das ganze Bildungswesen neu organisieren. Und wenn wir schon mal dabei sind, das Geld reicht sicherlich auch dafür, schaffen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen, damit unsere Eltern nicht mehr gezwungen sind einen Zweitjob anzunehmen, sondern wieder Zeit für ihre Kinder finden.
    Es gibt einiges zu tun. Ich bin dafür die humanistischen Grundlagen unserer Gesellschaft wieder zu stabilisieren, aber an Verbote glaube ich nicht. 80% Rückfallquote bei den Insassen unserer Vollzugsanstalten werden wir nicht reduzieren, wenn wir den Gebrauch von TV und Konsolen im Strafvollzug verhindern. Ich glaube solche Rückfallquoten gab es schon immer und die haben demnach auch andere Ursachen.
    Diese einseitige Ausrichtung auf nur ein Ziel, diese beschränkte Sichtweise, ist der große Mangel hinter einer eventuell sogar ernstgemeinten Absicht des Sichtwechsel e.V..

  5. Ich dachte Konrad Adenauer sei ein Demokrat gewesen. Oder weshalb wird dort trotzdem soviel Zeit aufgewendet mit der Erhaltung und neuen Erstellung von Tabus, wie dieser „Sichtwechsel“, programmatorischen Verhinderungen von Bildern und ästhetisierender Reduktion von Aufklärung auf Gutem und Schönem?
    Weshalb soll „Gefährlichkeit“ von Inhalten überhaupt negativ sein? Welches ureigentliche und jedes differente Sein ausgrenzende Denken einer normierten Gesellschaft steckt da dahinter?
    Wenn ich an Filme wie „Nymph()maniac“ denke, in dem etwa explizit und ausführlich eine Eigenabtreibung geschildert wird, schließlich auch eine (zumindest potentielle) Straftat in Deutschland, sogar Förderungen erhalten haben und auch nicht als „jugendgefährdend“, sondern eben höchstens nur „jugendbeeinträchtigend“, gelten, kann ich mich schon schwer wundern, wenn da ständig – vermeintlich weil sie, anders als ältere Medien, immer noch von Vornherein als für Kinder gedacht, gemacht usw. diskriminiert werden sollen – auf Games rumgetrampelt werden soll.
    Und welche Gewalt soll dieses Gehacke so dennoch wieder nicht darstellen? Gefärbt mit welcher „Pädagogik“?

  6. Adenauer war nie ein lupenreiner Demokrat, da haben wir Hans Globke im Bundeskanzleramt, der Typ hat die Nürnberger Rassegesetze mitverfasst und ist laut CIA Unterlagen von damals für den Deportation 20000 Griechen in KZs mitverantwortlich.
    Das ist besonders lustig wenn man bemerkt das Adenauer kein Problem damit hatte mit der KPD zu verhandeln, sich von einen KPDler im NS-Knast retten zulassen und dann die KPD nach dem Krieg zu verbieten.

    Ein politischer Bilderbuchopportunist ohne Prinzipien.

  7. Uih, die üblichen Verdächtigen lassen mal wieder von sich hören. Glücklicherweise nur innerhalb ihrer kleinen Verschwörerzirkeln, denn die große Medienaufmerksamkeit, die wir vor ein paar Jahren noch zu diesem Thema noch hatten (Stichworte Winnenden, Frontal 21 usw.) gibt es nicht mehr.
    Meine Prognose: Nur noch ein klein wenig Geduld und diese Gruppe der Pseudoexperten wird endgültig in der Versenkung verschwunden sein.

  8. Eure Meinung über gewaltfreie Medien interessiert keinen Menschen! Selbst wenn ihr es schafft mit ein bisschen Schmiergeld, kaufen wir uns die spiele halt im Ausland. Also ist es komplett sinnlos hier so einen Aufstand zumachen ihr minderwertigen Opfer!
    Jeder kann selbst entscheiden was er für spiele spielt. Hier kommt man sich vor wie in der kinder grippe!

    • Fragt sich wer hier die „minderwertigen Opfer“ sind. Wie unten schon beschrieben ist es bei digitalen Sachen manchmal gar nicht mehr so einfach: und wer sollte haben wollen, dass jemand womöglich vortäuschen muss keinE DeutscheEr zu sein, um legal an Spiele zu gelangen? Sowie beim Retail-(Versand-)Handel: wie soll dieses „wir“ über den Zoll bestimmen, welcher bei der Feststellung strafrechtlicher Relevanz – zumindest aus dem Nicht-EU-Ausland – offenbar befugt ist, sich zumindest dazu in der Lage sieht, Bestellungen einzubehalten?

    • @pyri
      Mir erscheint es fast so, das hans den vdvc fuer pro-sichtwechsel haelt bzw. In seinem kommentar die leute von sichtwechsel angehen moechte. Dass kommt davon, wenn ein gamerverband news zu neutral formuliert^^.

  9. @Hans
    Leider ist das heutzutage nicht mehr so einfach: Doom 3 hatte ich mir seinerzeit fuer 120,- DM aus den USA importiert: Zu dumm, dass es dann nicht indiziert wurde. Wenn man heute ein Spiel oder Key aus dem Ausland kauft kann es sein, dass eine Aktivierung erforderlich ist, die Nutzern von Deutschland aus verweigert wird. Sicher, es gibt Proxyies, aber valve hat sich beispielsweise in seinen AGB ausbedungen deinen kompletten Steam-Account zu loeschen, wenn du das tust. Und dad moechte nicht jeder riskieren.

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