Zensur-Jahresrückblick 2015

Der VDVC erfasst für einen Zeitraum von mittlerweile 13 Jahren, in welchem Umfang in Deutschland Videospiele, die sich an ein erwachsenes Publikum richten, aufgrund enthaltener Gewaltdarstellungen nicht oder nur nach Änderungen offen verkauft werden dürfen. Auch für das Jahr 2015 haben wir die durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) durchgeführten Indizierungen, die durch den ständigen Vertreter der obersten Landesjugendbehörden (OLJB) erfolgten USK-Kennzeichnungen sowie die uns anderweitig bekannt gewordenen Videospiele berücksichtigt. Da es kein allgemeines Register für veröffentlichte Videospiele gibt, sind wir hier auch auf eure Mithilfe angewiesen: Sofern ihr 2015 veröffentlichte Videospiele kennt, die – aufgrund von enthaltenen Gewaltdarstellungen – mindestens eine USK-Kennzeichnung „ab 18“ kassiert haben, würden wir euch bitten, uns auf diese hier in den Kommentaren oder im VDVC-Forum hinzuweisen.

Veröffentlichungen und Indizierungen rückläufig

Die Anzahl der jährlich erfassten Videospiele ist stark rückläufig. Bei der USK wird der Trend beobachtet, dass dies auch für die Anzahl der jährlich zur Prüfung vorgelegten Titel zutrifft. Wurden 2007 noch 2.807 Titel vorgelegt, waren es 2014 nur noch 2.014 – beinahe ein Drittel weniger. Bei den Titeln, die sich an ein erwachsenes Publikum richten, ist die Entwicklung noch extremer: Während die USK hier 2007 noch 46 Spiele prüfte, waren es 2015 nur noch 16. Hierbei besteht die Möglichkeit, dass Videospiele zunehmend ausschließlich online als Download vertrieben werden und daher der USK zur Legitimation eines offenen Verkaufs nicht mehr zur Prüfung vorgelegt und daher auch nicht mehr erfasst werden. Andererseits bietet Schnittberichte.com — eine unserer wichtigsten Quellen — leider schon seit 2010 der großartige „Gamesjahr“-Rückblick nicht mehr an. Dieser nahm uns bei der Recherche der betroffenen Titel früher viel Arbeit ab.

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Allein daran, dass wir mehr Spiele als früher übersehen, dürfte es jedoch nicht liegen: Auch die Anzahl der Indizierungen und gerichtlicher Beschlagnahmen nimmt ab: Die letzte Beschlagnahme nach § 131 StGB erfolgte 2011 und die Anzahl der Indizierungen nimmt seit 2009 ebenfalls stetig ab: Die Zahl der jährlich betroffenen Spiele sank von 2007 mit 19 Titeln bis zum Jahr 2014 auf 0. Dieses Jahr bleibt die Zahl mit einer einzigen Indizierung zwar auf niedrigem Niveau, diese war jedoch nicht unspektakulär: Um schnellstmöglich einen offenen Vertrieb zu verhindern, nahm die BPjM am 11. Februar 2015 eine „Eilindizierung“ vor und trug das Spiel vorläufig in den Listenteil A ein:

„Die Bundesprüfstelle hat mit Wirkung vom 11. Februar 2015 eine Eil-Indizierung zum Spiel „Dying Light“ (US-Version) für die Xbox One und die Playstation 4 verfügt. Die Spiele wurden mit vorläufiger Anordnung in Listenteil A eingetragen.

Aufgrund der (Eil-)Indizierung darf das Spiel Kindern und Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden. Auch darf es nicht mehr öffentlich beworben werden.“

Eine Entscheidung, die durch die endgültige Indizierung am 14. Oktober 2015 bestätigt wurde.

Insgesamt nur 4 nicht-öffentliche Indizierungen

Wenn Produktionen „bloß“ jugendgefährdend sind, werden diese nach der Indizierung üblicherweise in den Listenteil A eingetragen. Wenn darüber hinaus eine strafrechtliche Relevanz festgestellt wird, beispielsweise weil sie dem Verbot des § 131 StGB unterliegen könnten, dagegen in den Listenteil B. In beiden Fällen erfolgt eine Bekanntmachung im Bundesanzeiger, die bei Indizierungen von Internetangeboten jedoch nicht gewollt ist. In diesen Fällen soll nach dem Gesetz von einer Bekanntmachung abgesehen werden (§24 Abs. 3 S. 2 JuSchG):

„Von der Bekanntmachung ist abzusehen, wenn das Trägermedium lediglich durch Telemedien verbreitet wird […].“

Dies hat zur Folge, dass – wenn eine Bekanntmachung unterbleibt – nach § 18 JuSchG Eintragungen des Listenteils A in den Listenteil C und Eintragungen des Listenteils B in den Listenteil D vorzunehmen sind.

Nach der offiziellen Statistik sind in den Listenteilen C und D insgesamt – nicht nur für das jahr 2015 – 4.127 Einträge vorhanden. Wir haben dieses Jahr nachgefragt, wie viele Videospiele sich hierunter befinden, die aufgrund von Gewaltdarstellungen indiziert worden sind. Nach der Auskunft – für die wir uns auch an dieser Stelle noch einmal bedanken möchten – sind es lediglich 4 Titel. Indiziert wegen Gewaltdarstellungen und in den Listenteil C eingetragen wurde jeweils 1 Videospiel in den Jahren 2007, 2008, 2010 und 2011. Die in diesem Jahr erstmals erfolgte Berücksichtigung dieser Indizierungen ändert also nur geringfügig etwas am Gesamtbild.

Jahresüberblick 2015

Erwachsenenspiele 2015

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