Steam gesäubert: „Takedown“ indizierter Spiele (Update)

(for UNCUT!) „for UNCUT!“ meldet heute, dass bei der Plattform Steam diverse Titel für deutsche Nutzer nicht mehr angeboten werden. Seit wenigen Stunden können die Produktseiten von mindestens 16 25 Titeln nicht mehr aufgerufen werden, die zuvor noch verfügbar waren. Es handelt sich hierbei überwiegend um von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indizierte Titel wie „Aliens versus Predator“ (1999), „Blood“ und „Postal“. Das Anbieten dieser Spiele ist nach dem deutschen Jugendschutzrecht (§ 4 Abs. 2 S. 2 JMStV) nur zulässig, wenn dies über sogenannte „geschlossene Benutzergruppen“ erfolgt, die bei Steam jedoch nicht implementiert sind. Mit der Sperrung der Titel wird demnach im Grunde ein jugendschutzkonformer Zustand hergestellt.

zensur

Verwunderlich ist die Aktion deshalb, weil bei Steam bisher keine stringente Linie bei der Einhaltung des deutschen Jugendschutzes verfolgt wurde. So waren auf Listenteil A eingetragene Titel wie „Gun“, “Dying Light“ und „Dead Rising 2“ schon bisher für Nutzer aus Deutschland nicht erreichbar, während die nunmehr gesperrten Videospiele in der Vergangenheit regulär angeboten wurden. Es lag daher die Vermutung nahe, dass Steam selbst nicht über das (Nicht-) Anbieten entschied, sondern diese Entscheidung den jeweiligen Publishern überließ.

Über den Anlass der jetzigen Aktion ist nichts bekannt, sodass zum jetzigen Zeitpunkt nur darüber spekuliert werden kann, ob die für den Jugendschutz im Internet zuständige „Kommission für Jugendmedienschutz“ (kjm) an Valve herangetreten ist und auf die Durchsetzung des deutschen Jugendschutzes gepocht hat, oder ob Valve sich hierzu aus eigenem Antrieb entschieden hat. Eine Sinneswandel der Publisher erscheint dagegen als fernliegend, da die betroffenen Spiele offenbar von unterschiedlichen Unternehmen vertrieben werden.

Praktisch relevant ist die Sperre für Spieler vor allem deshalb, weil sie für deren Umgehung ein gewisses Risko eingehen müssen. Wer einen Proxy-Server einsetzt, um seinen Aufenthaltsorts durch das Verwenden einer ausländischen IP-Adresse zu verschleiern, läuft in Gefahr seinen Steam-Account zu verlieren. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen für Steam stellt der Betreiber Valve dies unmissverständlich klar:

Sie verpflichten sich, weder ein IP-Proxying noch ein sonstiges Verfahren einzusetzen, um den Ort Ihres Wohnsitzes zu verschleiern, wobei dies sowohl im Hinblick auf eine Umgehung von geografischen Beschränkungen hinsichtlich der Inhalte von Spielen als auch für Käufe zu an Ihrem geografischen Standort nicht geltenden Preisen als auch für sonstige Zwecke einer entsprechenden Verschleierung gilt. Falls Sie gegen diese Pflicht verstoßen, ist Valve berechtigt, den Zugang zu Ihrem Benutzerkonto zu unterbinden. (SSA)

Im Mai hatte der VDVC in einem mehrteiligen „Zensur-Spezial“ die Steam-Gruppe „for UNCUT!“ und ihre Ziele vorgestellt sowie die Rechtslage in Deutschland und die legalen Bezugswege von indizierten und verbotenen Spielen dargestellt. Hierbei kam auch der österreichische Anbieter gameware.at – 2009 wurde von der kjm eine Indizierung der Webseite des Händlers angestrebt – sowie der deutsche Zoll zu Wort.

Eine Liste der aktuell neu gesperrten Titel wird bei „for UNCUT!“ geführt und fortlaufend ergänzt.

Welche Titel für deutsche Nutzer schon bisher gesperrt waren, kann im VDVC-Wiki nachgeschlagen werden.

Links:

    Meldung bei “for UNCUT!”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.