Kommentar: Der Computerspielpreis ist ein Nebenschauplatz eines Generationenkonflikts

Spiegel-Journalist Ole Reißmann hat zutreffend interpretiert, dass es sich bei der Jahrzehnten alten Killerspieldebatte vor allem um einen Generationenkonflikt handelt. Zu Beginn engagierte sich eine vergleichsweise kleine Gruppe ähnlich eines bekannten gallischen Dorfes gegen die Ressentiments von Politik, Journalismus und Gesellschaft, doch inzwischen sind Videospiele ein Massenmedium und Videospieler auch in diesen Bereichen vertreten, was den Generationenkonflikt erst als solchen deutlich zutage treten lässt.

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Danke!

Lieber Matthias,

Ich wollte mich schon immer einmal wie Frau Merkel fühlen, und eine emotionale Rede von großer Bedeutung halten! Jetzt habe ich auch einen Grund dazu. Wie du uns mitgeteilt hast, wird deine berufliche Laufbahn es dir nicht mehr ermöglichen, Stigma-Videospiele.de in diesem großen Ausmaß weiterzuführen. Wir wollen uns für dein Vertrauen bedanken, die technische Verantwortung deines Blogs in unsere Hände zu geben.

Ich denke, schief über den Daumen gepeilt, gab es bisher kein Projekt in der Videospielszene, das einen derart signifikanten Beitrag dazu geleistet hat, Videospiele als Kultur und nicht als Stigma wahrzunehmen. Dein berühmtes Youtube-Video, in dem du die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten auseinander nimmst, hat über 2 Millionen Zuschauer – dagegen sieht selbst Youtube-Star HerrTutorial alt aus!

Ich hoffe, du findest auch weiterhin die Zeit, deinen Blog mit Informationen zu füttern und in dem von uns assimilierten Forum deine Meinung kund zu tun. Wir wünschen dir viel Erfolg und können es kaum erwarten, wenn du als Anwalt dem Gesetzgeber vor dem Bundesverfassungsgericht zeigst, wo der Hammer hängt, wenn es um Videospielzensur geht!

Mit freundlichen Grüßen,

Gordon Creative

im Namen deiner treuen Leser.

Spielekritikdebatte spitzt sich zu

Bereits in der Vergangenheit wurde – auch unter dem Eindruck der sinkenden Verkaufszahlen – Kritik an der Arbeitsweise der klassischen Spielezeitschriften laut. Diese Woche veröffentlichte der Spiegel einen Artikel des ehemaligen Chefredakteurs der GameStar, Christian Schmidt, der eine große Debatte entfachte. Alle relevanten Links zum Thema:

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Gamer stinken

Dieser Beitrag aus der RTL-Sendung Explosiv wurde noch während der gamescom gesendet. Zusammenfassend erklärt er, dass sich Gamer in drei Gruppen aufteilen:

  1. Freaks, die sich verkleiden,
  2. unrasierte und verschwitzte Typen mit Schlabber-T-Shirt und
  3. solche, die so schüchtern sind und sich nie trauen Kontakt mit Frauen aufzunehmen und dementsprechend nie eine Freundin haben.

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Die erste Bundestagslan

Am 23.02.2011 fand im Bundestag die erste sogennante „Bundestagslan“ statt. Diese ungewöhnliche Veranstaltung wurde von den Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Jimmy Schulz (FDP) und Manuel Höferlin (ebenfalls FDP) organisiert und unter der Glaskuppel auf der Fraktionsebene ausgerichtet, eingeladen waren alle Politiker des Bundestages. Auch der VDVC war mit von der Partie, diesmal vertreten durch gordon-creAtive. Ziel der Veranstaltung war es, Politiker auf Tuchfühlung mit dem neuen Medium zu bringen, um ihnen die Berührungsängste zu nehmen.

Die Veranstaltung war schon länger geplant und sorgte auch für Kritik, in der jüngsten Zeit äußerte sich Hans-Peter Uhl von der CDU: „Wozu soll ich lernen, wie man ein Killerspiel wie Counter Strike (sic!) spielt?“.

In Räumlichkeiten im obersten Stockwerk des Bundestages warteten eine ganze Reihe von Konsolen, die mit verschiedenen Spielegenres bestückt waren. Neben den klassischen Familienspielen für Wii (Bowlen und Malen) und Kinect (Tanzen und Tennis), sowie Playstation Move (noch mehr Tennis), gab es mit Halo: Reach und einer Entwicklerversion von Homefront (beides auf der XBox) auch zwei Ego-Shooter, mit Siedler war ein klassisches Strategiespiel dabei. Im Vorraum hatte Turtle Entertainment eine Reihe Laptops aufgebaut, auf denen sich n!faculty und ESC ein Match lieferten. Neben der ESL war auch der Bundesverband Interaktive Unterhaltungsindustrie beteiligt, eine ganze Reihe weitere Institutionen waren zumindest anwesend, wie z.B. Gerald Jörns von computerspielberatung.de.

 

Die Veranstaltung wurde von Jimmy Schulz und seinem Team mit einer Ansprache eröffnet, in der man kurz das Konzept erklärte und die beteiligten Organisationen vorstellte. Anschließend hielt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (CDU) einen Vortrag, über ihre Ansichten zu suchtechnischen Gefahren. Nach einer sehr interessanten Übersicht und einer treffenden Definition von Computerspielsucht holte sie mit einem wenig repräsentativen Beispiel eines WoW-Süchtigen die emotionale Keule raus und beschrieb dessen Leben, welchen aus Pizza, einmal Duschen pro Woche und dem urinieren in eine Flasche bestand. Wissenschaftliche Erkenntnisse und quantitative Aussagen über das Problem, wie z.B. die aktuelle Studie des Bredow-Instituts, ließ sie außen vor.

Insgesamt nutzten die Politiker die Möglichkeit, die Spiele auszutesten nur recht spärlich, obwohl an jeder Station ein erfahrener Spieler Anleitung gab. Beliebt war die Konsole mit FIFA, Homefront und Halo:Reach wurden dagegen meistens gemieden. Brigitte Zypries schaute kurz vorbei und gab ein Interview, verschwand dann allerdings wieder, ohne zu spielen. Die wenigen Politiker, die vor Ort waren, wurden die meiste Zeit von der Presse belagert und gaben Interviews. Für die Presse waren vor allem die ein gefundenes Fressen, die sich an Counter-Strike versuchten. Eine Lanparty im klassischen Sinne fand nicht statt.

Erstaunlich war die Ansprache, die Dorothee Bär vor der Presse hielt. Sie plädierte dafür, Computerspiele in ihrer Behandlung Filmen gleichzusetzen. Als Beispiel nannte sie Inglourious Basterds und fragte, warum ein solcher Film einen Oscar verdient, ähnliche Computerspiele dagegen verboten und indiziert werden.

Insgesamt war ich mit der Veranstaltung nur mäßig zufrieden. Die Idee und die Umsetzung ist lobenswert, allerdings vermisste ich relevante Politiker und deren Interesse, Spiele selbst auszuprobieren. Die Anwesenheit der Presse war der Atmosphäre eher hinderlich, dem Ziel des Aktion wäre es dienlicher gewesen, wenn weniger Öffentlichkeit geherrscht hätte.

Jimmy Schulz kündigte noch an, dass man durchaus die Durchführung einer weiteren „Bundestagslan“ ins Auge gefasst hat.

Update: Diversen Medienberichten entnehme ich, dass Brigitte Zypries wohl doch für die Presse eine Runde Playstation Move (also Tennis) ausprobiert hat.

Außerdem habe ich die Liveschnipsel zu einer kleinen Videodokumentation zusammengeschnitten.

Update 2: Martin Lorber, Jugendschutzbeauftragter von EA, hat Tonmitschnitte der Reden gepostet.