Demonstration am 25.2.: Erneuter Protestaufruf gegen ACTA

Kurzfassung:
Am Samstag den 11. Februar fand die erste Europaweite Demonstrantion gegen das ACTA-Abkommen statt. Unsere Justizministerin hat bereits einen Tag zuvor bekanntgegeben, dass sie den Vertrag vorerst nicht unterzeichnet. Wie Heise berichtet (heise-online 13.02.), hält die Regierung allerdings weiter an dem Abkommen fest, 22 Länder in der EU haben bereits unterzeichnet und am 1. März soll eine Anhörung im EU-Parlament stattfinden. ACTA wird zwangsläufig große Auswirkung auf unser zukünftiges Leben haben, da es eine Richtungsentscheidung ist, welche sich nicht mehr so leicht umkehren lässt. Deswegen sind für den kommenden Samstag, dem 25. Februar, weitere Proteste in Deutschland und Europa geplant. Eine Liste der Städte gibt es hier bei stopacta-protest.info.

Langfassung:
Zur letzten Anti-ACTA-Demonstration am 11. Februar sind deutschlandweit über 100.000 Menschen auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten nicht, wie einige Kommentatoren in den Medien behaupteten, für dass illegale kopieren von Information, sondern richtete sich vor allem gegen die durch ACTA vermeintlich eingeführten Maßnahmen wie Netzsperren und das sogenannte “Three-Strikes-Modell”. Sie sahen ihre Freiheit bedroht, welche sie auch im Netz selbstverständlich ausleben wollten. Von den Medienunternehmen wurden die Demonstrationen mit Ablehnung zur Kenntnis genommen. Sie bezeichneten sie sogar als “koordinierte Attacken auf demokratische Institutionen” (Netzpolitik.org 14.02.).
Zugegeben: in der endgültigen Fassung des Vertrages stehen solche Methoden nicht (mehr) drin, dennoch hat ACTA weitreichende Auswirkungen auf unseren Alltag. Denn mit ACTA wäre es möglich das Surfverhalten der Internetnutzer zu überwachen, die sich dagegen kaum wehren können, weil der Vertrag einzig aus der Sicht der Rechteinhaber verfasst wurde. Rechte der Nutzer bzw. ein Rechtsschutz gegen die durch ACTA ermöglichten Methoden sind im Vertrag nicht vorgesehen (Netzpolitik.org 16.02.)

In der Debatte um ACTA wird dabei immer wieder darauf verwiesen, dass es um den Schutz des Urheberrechtes und von “geistigem Eigentum” ginge. Da aber diejenigen, die sich am stärksten für ACTA einsetzen nicht die Urheber sondern die Rechteinhaber, also die Verwerter sind, kann man zurecht sagen, dass es bei ACTA weniger um Urheber- als um Verwerterrechte geht (Deutschlandradio 20.02.). Durch den schwammigen Vertragstext sind die Auswirkungen von ACTA nur schwer vorauszusagen. Mit Sicherheit lässt sich allerdings sagen, dass durch dieses Vertragswerk die “private Zusammenarbeit” zwischen Rechteinhabern und Internetanbietern gefördert werden soll. Zudem gehen viele Beobachter davon aus, dass es geheime Zusatzprotokolle geben muss, in denen genauere Angaben zu angepeilten Methoden stehen. Hiervon geht sogar der derzeitige Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz aus, der wie auch viele andere die generelle Intransparenz von ACTA kritisiert (Bericht aus Berlin 12.02.).
Die Gefahren von ACTA lauern also eher unter der Oberfläche. Es enthält per se keine drakonischen Strafen für Urheberrechtsverletzer, fördert allerdings einen rigiden Umgang. Auch ist nicht davon auszugehen, dass mit ACTA nicht doch zu Gesetzesverschärfungen kommen kann. Zum einen zementiert ACTA das bestehende Urheberrecht, so dass eine Reformirrung deutlich erschwert wird. Zum anderen befürchten einige, dass sich die schon erwähnten Netzsperren und andere Methoden zur Not durch ACTA begründen lassen würden, und sie so doch eingeführt werden könnten. Dies ist insofern plausibel, da diese Ideen durchaus derzeit Diskutiert werden, wie eine kürzlich vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie zeigt (Netzpolitik.org 3.02.).

Was für Auswirkungen ACTA für uns Video- und Computerspieler haben könnte haben wir schon bei unserem letzten Protestaufruf geschildert. Wir sind jedoch auch der Meinung, dass man aber nicht den Blick aufs große Ganze dabei verlieren sollte. ACTA ist ein einseitig verfasster, intransparenter und unausgewogener Vertrag, welcher, wenn er Ratifiziert werden würde, die Debatte um das Urheberrecht auf Jahrzehnte hinaus bestimmen würde. Deshalb Rufen wir auch dieses mal dazu auf, dass ihr euch am 25. Februar zu einer der deutschlandweiten Demonstrationen geht.

Weiterführende Links:

Open Origin:
Alternative oder Fake?

Open Origin

Nach und nach ändern sich Kleinigkeiten bei Origin. So behauptet der Lizenzvertrag seit gut einer Woche nicht mehr, englischem Recht zu unterliegen. Nun gibt es aber eine echte Überraschung: Bald schon könnte es ein Origin ohne DRM und Spywareverdacht geben.

Auf der Webseite Sourceforge, die freien Software-Projekten ein Zuhause bietet, ist schon Anfang des Monats Open Origin aufgetaucht. Der eigenen Beschreibung zufolge ist Open Origin ein „Tool, um Origin-basierte Spiele zu verwalten“. Was zunächst nach einem Fake aussieht, könnte in der Tat echt sein: Recherchen von Gamona zufolge, handelt es sich beim Autoren „dmax“ um einen Mitarbeiter in EAs Security Risk Management Team. Dafür spricht auch, dass eine Ankündigung mit einem EA-Forenaccount gemacht wurde.

Screenshot

Open-Source – also die Veröffentlichung des Programmcodes – bedeutet zunächst einmal, dass man genau nachlesen kann, was genau das Programm macht. Das ist zwar in der Spielebranche immer noch eine Seltenheit – viele Entwickler wollen nicht verraten, wie sie etwas programmiert haben – doch gibt es Positivbeispiele. So fährt auch der Steam- und Origin-Konkurrent „Desura“ eine Open-Source-Strategie, während unter den größeren Entwicklern vor allem id-Sofware einen guten Ruf genießt, da der Quellcode von älteren Spielen (wie Doom 3) freigegeben wird. Und etwas Erfahrung hat auch EA mit Open Source: Der Publisher benutzt freie Software zur Entwicklung der eigenen Produkte.

Wahrscheinlich handelt es sich bei Open Origin um ein Projekt, das auf einen einzelnen EA-Mitarbeiter zurück geht. Hoffen wir, dass er von seinem Arbeitgeber Unterstützung und keine Kündigung bekommt.

Origin: Setup analysiert

Kurz nach dem Release von Battlefield 3 wurde bekannt, dass sich EA im Lizenzvertrag (EULA) zur benötigten Zusatzsoftware Origin das Recht zugestehen wollte, den Computer des Benutzers zu durchsuchen. Schnell wurden Belege gefunden, dass schon das Setup dem Spieler ausspioniert und als EA in einer ersten EULA-Änderung den Rechtsweg verbieten wollte, schien die Sache klar zu sein. Mittlerweile wurde die EULA entschärft, was die Software wirklich macht, ließ der Publisher aber unklar. Zwar gab es Dementis – man wolle nicht spionieren, doch was auf den Rechnern der Nutzer wirklich abgeht, wurde nicht erklärt.

Für klare Faktenlage wollen der Landesdatenschutzbeauftragte und der VDVC sorgen. Während erster sich auf rechtliche Fragestellungen und die Kommunikation des Clients konzentriert, haben wir die Festplattenzugriffe des Setups analysiert. Weiterlesen

Spielekritikdebatte „live on stage“

Im vergangenen Monat war der Zustand der Game-Kritik das große Thema, was Spielkultur angeht. Auch wir haben das Thema mit Spannung verfolgt und die Diskussion auf der LANgen Nacht der Spielkultur 2011 mit Vertretern verschiedener Generationen von Redakteuren weitergeführt. Die Gäste unterhielten sich dabei in lockerer Atmosphäre miteinander aber auch mit den anwesenden Gamern. Eine echte Diskussion fand vor allem zwischen dem Publikum und den Experten statt – die eingeladenen (Ex-) Redakteure waren sich über weite Stecken einig, was den Beitrag aber nicht weniger interessant machte. Weiterlesen

LNS11 – Resümee

Planungsphase

Es gibt Chancen, die muss man einfach nutzen – auch, wenn das irrational wirkt. Das Angebot von der Hochschule für Gestaltung, „mal eben“ eine LAN-Party zu organisieren, fällt in genau diese Kategorie. Normalerweise sollte man bei größeren Veranstaltungen mindestens ein halbes Jahr vor dem Termin einen Mietvertrag in der Tasche heben, doch das „Hey, wir haben in ein paar Wochen unverhofft (und umsonst!) Platz für euch!“ ist einfach zu verlockend, um es auszuschlagen. Weiterlesen