Spielepetition erneut abgelehnt

Vergangenen November wurde die vom VDVC und Stigma-Videospiele verfasste Petition gegen ein Verbot gewaltdarstellender Videospiele sowie die indizierte Titel auf ein Level mit der “keine Jugendfreigabe”-Kennzeichnung gleichzusetzen, vom Petitionsausschuss blockiert. Die Begründung damals war, dass sie einer anderen Petition zu ähnlich sei, was aber schlicht und ergreifend nicht stimmte.

Nun wurde die Petition zwar erneut geprüft, aber auch erneut abgelehnt. Die Begründung: Es bestehe weder Handlungsbedarf noch Erfolgsaussichten:

«Nach Prüfung aller Gesichtspunkte ist der Ausschussdienst zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Umsetzung Ihres Anliegens angesichts der gegenwärtigen Handlungsprioritäten auf diesem Gebiet ausgeschlossen erscheint. Diese Auffassung stützt sich insbesondere auf folgende Erwägungen:Die Medien dienen der demokratischen Gesellschaft der freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung. Artikel 5 des Grundgesetzes gewährleistet sowohl das Recht auf freie Meinungsäußerung und -verbreitung als auch die Freiheit der Berichterstattung durch die Medien. (…) Dieses Grundrecht findet allerdings dort seine Schranken, wo dies durch Vorschriften der allgemeinen Gesetze (…) bedingt ist (Art. 5 Abs. 2 des Grundgesetzes).»

(Es folgt eine Aufstellung zur aktuellen Rechtslage.)

«Aus den dargestellten Gründen ist kein gesetzgeberischer Handlungsbedarf im Sinne Ihrer Petition erkennbar. Die Regelungen sind erforderlich, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor jugendgefährdenden Medieninhalten zu gewährleisten.»

«Weil Ihre Petition nicht den gewünschten Erfolg haben werden, sieht der Ausschuss von einer Veröffentlichung auf der Internetseite des Petitionsausschusses ab. Diese Entscheidung erfolgte auf der Grundlage der „Richtlinie für die Behandlung von öffentlichen Petitionen“ (Pkt. 4e) gemäß Ziffer 7.1 (4) der Verfahrensgrundsätze, die unter www.bundestag.de/Petitionen veröffentlicht sind.»

Und das ist die offizielle Begründung. Auch wenn rein juristisch gesehen alles rechtens verlaufen ist, lässt einen diese Antwort doch am Sinn des gesamten Konzepts von Bürgerpetitionen zweifeln.

Wir werden aber auf jeden Fall am Ball bleiben. Und auch in der Politik ist die Reaktion auf Unverständnis gestoßen. Der Freiburger Pirat Florian hat sich bereits mit der Berliner Fraktion in Verbindung gesetzt und auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz will sich das ganze noch mal anschauen.

Politiker-LAN im Deutschen Bundestag

Wie Netzpolitik.org berichtet, wird die zur letzten gamescom von den Bundestagsabgeordneten Jimmy Schulz, Manuel Höferlin (beide FDP) und Dorothee Bär (CSU) angekündigte „1. Politiker-LAN im Deutschen Bundestag“ in knapp drei Wochen durchgeführt. Aus der Einladung wird mit den folgenden Worten zitiert:

Computer- und Konsolenspiele aller Art stehen immer wieder in der Diskussion. Wir möchten eine offene Debatte anregen, in der Positives verständlich gemacht aber auch Negatives nicht verschwiegen wird. Um die Abgeordneten des Deutschen Bundestages für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen die Möglichkeit einzuräumen, persönliche Erfahrungen mit unterschiedlichen Spielarten und Konsolen zu machen, organisieren wir die 1. Politiker Politiker-LAN im Deutschen Bundestag auf der Fraktionsebene des Reichstages am 23. Februar 2011, von 18.00 – 21.15 Uhr. Wir werden unterstützt vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU e.V.) und der Electronic Sports League. Die Veranstaltung wird von der Bundeszentrale für politische Bildung, der Professur für Medienpädagogik der Universität Leipzig und von Spielraum, dem Institut zur Förderung von Medienkompetenz an der FH Köln mit einem medienpädagogischen Vortragsprogramm begleitet.

Der VDVC begrüßt, dass dieses Vorhaben nun definitiv umgesetzt wird, und fordert alle Abgeordneten auf, das Angebot intensiv zu nutzen.

VDVC überträgt Premiere von 1378(km)

Die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe wird morgen ab 19:00 das Spiel „1378(km)“ öffentlich vorstellen. Das Serious-Game hatte bei der ersten großen Ankündigung Ende September hohe Wellen geschlagen. Ohne, dass es je Möglichkeiten zum Testen gegeben hatte, empörten sich viele über das Spiel, welches sich ernsthaft mit einer schwierigen Thematik auseinander setzen möchte. Rainer Wagner, Bundesvorsitzende der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft argumentierte damals „Was ich in dem Trailer für das Spiel gesehen habe, genügt. Ich brauche ein Computerspiel, dessen Spielspaß darin besteht, unbewaffnete Zivilsten abzuknallen, nicht unbedingt zu spielen, um es zu kritisieren.“

Der für das Spiel verantwortliche Karlsruher Medienkunst-Student Jens M. Stober dagegen betrachtet das Spiel aus einer anderen Perspektive: „Der Irrsinn der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze wird so leicht nachvollziehbar vermittelt, da er direkt in der Ich-Perspektive nachempfunden werden kann.“ In der Beschreibung des Spiels heißt es, „1378(km)“ ermögliche als 3D-Simulation eine interaktive Zeitreise in das Jahr 1976 an unterschiedliche Abschnitte der innerdeutschen Grenze. Dabei haben die Spieler die Wahl, ob sie als Grenzsoldat der DDR oder als Republikflüchtling agieren möchten.

Aufgrund der aufgeheizten Debatte soll das Spiel nun morgen begleitet von einer Podiumsdiskussion in der HfG veröffentlicht werden. Der VDVC wird mit einem Team vor Ort sein und live berichten. Mit freundlicher Genehmigung der HfG und dank der Mithilfe unseres Partners Gamestrust.de werden wir außerdem eine Videoübertragung per Livestream anbieten können.

VDVC begrüßt Verzicht auf Onlinezwang bei R.U.S.E.

Ein Mitarbeiter von Ubisoft teilte im offiziellen Forum für R.U.S.E. mit, dass das Computerspiel auf den bisherigen Kopierschutzmechanismus verzichten wird. Dieser erfordert, dass der Spieler dauerhaft mit Internet verbunden ist. Stattdessen soll die Plattform Steam genutzt werden.

Der VDVC begrüßt diese Entscheidung Ubisofts. Der ursprünglich geplante Kopierschutz, der zuerst bei „Assassin’s Creed 2“ und „Die Siedler 7“ Verwendung fand, ist eine unhaltbare Gängelung der Kunden, die das Spiel rechtmäßig erworben haben. Er setzt voraus, dauerhaft — auch beim Bestreiten der Singleplayer-Kampagne — mit den Servern des Publishers verbunden zu sein. Bereits Tage nach dem Start des Kopierschutzes sorgten Verbindungsprobleme dafür, dass der Spielstatus auf den letzten Speicherstand zurückgesetzt wurde. Hinzu kamen massive Serverprobleme seitens Ubisoft, wodurch das Spiel zeitweise den Dienst verweigerte. Gamer ohne Internetanschluss haben keinerlei Möglichkeit diese Spiele zu nutzen.

Der VDVC setzt sich generell gegen derart scharfe Kopierschutzmechanismen ein, da sie rechtmäßigen Nutzern des Spiels nicht vertretbare Probleme bereiten. Darüber hinaus können auch sie Raubkopien nicht verhindern. Leider bleibt mit dem Schritt zu Steam die Bindung des Spiels an ein Benutzerkonto bestehen. Diese unterbindet einen Weiterverkauf der Software und ermöglicht es dem Publisher, das Spiel aus der Ferne „abzuschalten“. Die Entscheidung, bei R.U.S.E. nicht mehr auf den bisher verwendeten Kopierschutz zu setzen, beseitigt zumindest den ständigen Online-Zwang. Leider scheint es sich bei diesem Titel um einen Einzelfall zu handeln: Ubisoft kündigte bereits an, künftige Spiele wieder mit der hauseigenen digitalen Hundeleine auszuliefern.

Living Games Award verliehen

Das Living Games Festival war neben seiner Intention als Kulturfest im Rahmen des Programmes “Ruhr 2010″ auch ein Ort der Preisverleihungen. Große, aber auch kleine Produktionen der Spielebranche sollten in verschiedenen Arten für ihre Qualität ausgezeichnet werden. Es ist festzuhalten, dass die Jugendeignung entgegen der Praxis bei anderen Preisverleihungen keinerlei Einfluss auf die Vergabe der Preise hatten. So richten ich vier der sieben ausgezeichneten Spiele an mindestens sechzehnjährige Spieler.

Der Living Games Award, vergeben an die großen, kommerziellen Spiele der Branche sollte „die kulturell einflussreichsten, künstlerisch wertvollsten und erzählerisch besten Games der letzten zwölf Monate“ auszeichnen.

  • 1. Platz: Heavy Rain, ein Rollenspiel, das für die hohe Indentifikation mit den Charakteren gelobt wurde.
  • 2. Platz: Mass Effect 2, für detailgetreue Spielwelt und den Zwang der Spieler, sich Problemen stellen zu müssen und sich vor kritischen Entscheidungen gesellschaftlicher Natur nicht zu drücken.
  • 3. Platz: Flower, für seine Symbiose aus auditiven und visuellen Stilmitteln, deren Ziel es ist beim Nutzer positive Emotionen hervor zu rufen.

Der Newcomer-Award wurde durch Abstimmung der Besucher an kleine Spiele von Indie-Developern vor allem aus dem studentischen Bereich (Mediendesign, Gamedesign, etc.) vergeben und geriet so zur spannensten Preisverleihung. Das Rennen machte schlussendlich das 3D-Horror-Survival Night of Joanne von Studenten der Mediadesign Hochschule Düsseldorf, mit 42% der abgegebenen Stimmen. Der Sieg zählt auch als Nominierung für den mit 10.000€ dotierten Gamesload Newcomer Award. Den zweiten Platz erreichte der Indie-Entwickler Addmoregames mit seinem Multiplayer-Onliner Toyborgs, dessen Spielinhalt das verschrotten eines gegnerischen Roboters mit dem eigenen Modell ist. Einen respektablen dritten Platz belegte dann das Projekt Sui and Cide, eine Arbeit von Studenten der Games Academy, dessen besondere Rücksichtnahme auf die Atmosphäre gelegt wurde. (Wir haben ein Interview mit dem Programmierer des Teams geführt.)

Auch einen Schulpreis gab es auf dem Living Games Festival zu gewinnen. Schüler des Elsa-Brändström-Gymnasiums gewannen das Preisgeld von 2.500€ mit einem Projekt ihrer Schul-AG “Spieletester”, einer Arbeit namens “Level 12″. Dessen Konzept, dass Spieler sich kritisch mit Inhalten wie Werbung in Spielen auseinandersetzen, konnte die Jury überzeugen.