Als Dysphemismus verselbstständigt #3

(rtl.de) Wie wir schon 2013 und 2016 schrieben hat der Scheinanglizismus „Ego-Shooter“, mit dem – anknüpfend an die Kameraperspektive – hierzulande das Genre der „First Person Shooter“ bezeichnet wird, eine erstaunliche Karriere hingelegt: Er wird nicht mehr auf das Genre bezogen, sondern abseits von Videospielen verwendet, um eine rücksichtslose Haltung von Personen zu beschreiben. Jüngstes Beispiel:

„Wer wird zum Teamplayer, wer zum Ego-Shooter, wer überwindet seine Ängste, wer wird der neue Dauerpatient von Dr. Bob und wer wird 2017 König oder Königin des Dschungels?“

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(Dank an amegas.)

ISIS-Exekutionen im Stile von „Call of Duty“ und „Tomb Raider“

(verfassungsschutz-bw.de, via mediengewalt.eu)

Ein besonders aufwändig inszeniertes Video veröffentlichten Terroristen vergangene Woche. Mehrere, um die zehn Jahre alte Jungs, sind darin zu sehen, die die als “Belohnung” für ihre Leistungen in der Koranschule gefesselte, in einer Ruine versteckte Gefangene suchen und aus nächster Nähe erschießen dürfen.

ntv

Dabei verwischt die Grenze zwischen physischer und virtueller Realität. Besonders eindrücklich zeigt dies ein Video, in dem Kinder mit der Waffe im Anschlag die Gänge einer Kreuzfahrerburg erkunden, um einen in den Gewölben versteckten Soldaten der syrischen Regierung zu finden und zu töten. Die Darstellung lehnt sich offensichtlich und explizit an Computerspiele im Stile von „Call of Duty“ oder „Tomb Raider“ an. Dabei wechseln sich erneut schnelle Schnitte und eine verwackelte Kameraführung während der Suche mit Szenen einer professionell inszenierten Hinrichtung ab. Dass die ganze Episode für die Kinder als Belohnung in einem Wettbewerb komponiert ist, macht die Pervertierung dieser Situation vollkommen.

Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg

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Beunruhigende Berichterstattung über Onlinespielesucht

Die DAK-Gesundheit lanciert derzeit eine Berichterstattung über „Internet- und Gaming-Sucht bei Kindern“. Neben Presseberichten beim stern, Zeit Online und N24 wurde als „Partnerinhalt“ bei Focus Online ein Text veröffentlicht, in dem die Ergebnisse einer durch das Forsa-Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen durchgeführten repräsentativen Untersuchung thematisiert werden.

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Rocket Beans TV: Förmliche Beanstandung durch Medienaufsicht

Das Angebot Rocket Beans TV ist nach dem Ende von Game One im Jahr 2014 der Kanal, bei dem die GIGA-Veteranen um Budi, Simon und, Etienne und Nils täglich ein 24-stündiges Programm rund ums Gaming bieten. Hierzu gehören neben News und diversen weiteren Formaten auch Let’s Plays, bei denen die Zuschauer die Moderatoren – teilweise live – beim Zocken begleiten. Eines dieser Let’s Plays hat nun die Medienaufsicht auf den Plan gerufen.

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AfD: Jugendgefährdende Inhalte konsequent indizieren

(afd-bw.de) Am 13. März 2016 finden in Baden-Württemberg Landtagswahlen statt: Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) setzt sich in ihrem Wahlprogramm auch mit gewaltdarstellenden Medien auseinander, wobei sie sich dafür ausspricht, dass „Jugendlichen und Kindern auch durch die Medien Wertschätzung der Mitmenschen vermittelt wird, anstatt sie zu Promiskuität und Gewalt zu verleiten“. Insbesondere müssten „sie vor dem Konsum von jugendgefährdenden Inhalten bewahrt werden“. Die Forderung, um dies zu erreichen:

„Politik und Medien müssen sich dieses Themas annehmen, z.B. sind FSK-Angaben zu überarbeiten und jugendgefährdende Inhalte konsequent zu indizieren.“

Laut der Sonntagsfrage vom 05.02.2016 liegt die AfD derzeit bei 10 %.

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(Dank an buzzti.)

Tagesthemen über DCP

(tagesschau) Die Gewinner des Deutschen Computerspielpreises wurden verkündet – und die Tagesthemen wissen „bei Deck 13 geht es blutig und martialisch zu.“ Denn Lords of the Fallen ist „ein echter Action-Blockbuster. Manche würden es Baller- oder Killerspiel nennen.”

2015-04-21_tagesthemen-lord-of-the-fallen-game-overNach dem sehr reißerischen Einstieg folgt aber die Erkenntnis, dass solche Spiele es auch in Deutschland aus der Schmuddelecke heraus geschafft hätten. Mit dem Gedanken an den Einteig möchte man sagen „trotz Sendungen wie dieser“. Doch plötzlich wird der Beitrag überraschend neutral. Man spricht an, dass Videospiele bisher nur ausgezeichnet wurden, wenn sie pädagogisch wertvoll waren. Ein Maßstab, den man an kein Medium anlegen würde, wenn man ihm zusteht, sich auch an Erwachsene zu richten. Die Ursachenanalyse für das Umdenken der Politik ist aber abwertend wie vermutlich wahr: Man habe das wirtschaftliche Potenzial erkannt. Eine echte Anerkennung des (kulturellen) Werts bedeutet das nicht. Zudem seien Fördergelder an wirtschaftlichen Erfolg geknüpft. Und den Branchenverbänden ist es eh nicht genügend Geld, weil die weniger umsatzstarken Filmproduktionen mehr Fördergelder bekommen.

Die Folge der geringen Förderquote sei – da sind sich Industriesprecher und Kulturexperte einig – Kulturimport. Spiele, oder gar Ideen – für die man erfolgsunabhängig fördern müsse – stammen immer weniger aus Deutschland. Und so endet auch der Beitrag fast wie er angefangen hat: „Und auch Lords of the Fallen – so erste kritische Stimmen – sei nur die Kopie eines japanischen Spiels.“

Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten! (& 2015KW16)

“Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten!” Nicht nur in Games, sondern auch auf YouTube

“Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten!” Nicht nur in Games, sondern auch auf YouTube

(Twitter) Heute wurde von Games’n’Politics ein Video online gestellt, das die Darstellung von Sex in Videospielen analysiert. Michi, der den Kanal leitet, hat ähnliches bereits mit anderen gesellschaftlichen Themen wie Religion gemacht und kommentiert oft kritisch (in seinen Augen schön gefärbte) Gewaltdarstellung. Der Untertitel zu seinem neuesten Video aber hätte nicht passender gewählt werden können: “Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten!” Er gilt nämlich nicht nur in (US-) Videospielen, sondern ironischerweise auch auf YouTube. Das Video wurde nach wenigen Stunden gelöscht.

Außerdem vergangene Woche passiert:

  • KIM-Studie 2014 veröffentlich: mpfs.de
  • PC-Version von GTA V lief anfangs nur mit bestimmten Windows-Nutzernamen, Problem ist aber gefixt: Rockstar Support
  • Nach deutschen Gerichten dürfe der Weiterverkauf von E-Books untersagt werden: boersenblatt.net
  • Mortal Kombat X (PC-Version) war in Deutschland zunächst nicht installierbar. Deutschland-Release ist angeblich “aus Versehen passiert”: gameplane.de
  • EA kündigt Einstellung von Battlefield Heroes, Battlefield Play4Free, Need for Speed World und FIFA World an: EA

Newsschwemme #29 (2015KW15)

Stigma Videospiele

  • Englische Lehrer drohen Eltern mit Jugendamt, wenn Kinder Ab-18-Spiele nutzen (Guardian, englisch)
  • „Computer raus aus der Schule“ (FreieWelt.net)
  • Schweizer „Vereinigung gegen mediale Gewalt“ hat sich aufgelöst (Der Bund)

Verbraucherschutz

  • Steam verbietet Geschenke an Ausländer (Gamestar)
  • Sony kauft OnLive und macht es dicht (Heise)
  • GoG befreit einige alte Spiele von DRM (GoG.com)
  • Sony sperrt PlayStation-4-Account von Hacking-Opfer und will, dass dieser Rechnung des Hackers zahlt (techworm.net, englisch)

Sicherheit

Sonstiges