Im Ernst: Deutscher Computerspielpreis

Der Deutsche Computerspielpreis wurde verliehen. Und er hat sich zu einer ernstzunehmenden Auszeichnung entwickelt. Nach Anlaufschwierigkeiten (2010, 2011) wirkte die Auszeichnung von Crysis 2 (2012) nach einem missglückten Befreiungsschlag, und führte neben einem Skandal (gefühlt) zu einer Periode fehlender Relevanz. Spätestens seit diesem Jahr ist aber klar, man den Preis ernst nehmen.

Deutscher Computerspielpreis

Deutscher Computerspielpreis

Über die Preisträger möchte ich an dieser Stelle gar nicht all zu viel sagen. Um ehrlich zu sein, kenne ich nur This War of Mine ausreichend gut, um das Urteil fundiert kommentieren zu können. Der Grund für die positive Entwicklung ist ohnehin nicht in den Gewinnern zu suchen. Der Preis wurde umfassend reformiert: Es gibt eine ernstzunehmende Jury (ohne politisch motivierte Veto-Rechte), und der Preis kommt nicht mehr als Ehrung pädagogisch wertvoller Titel parallel zur LARA-Verleihung daher. Und es klappt: Allein, dass der Versuch die Ehrung von Lords of the Fallen (USK16, enthält Gewaltdarstellung) zu skandalisieren (z.B. Tagesthemen) gescheitert ist, spricht für den Preis.

Ehrlich gesagt wäre es auch sehr schade gewesen, wenn sich diese weltweit einzigartige Ehrung weiter im Schatten ihres Namens vor sich her gedümpelt wäre. In diesem Sinne: Weiter so!

Tagesthemen über DCP

(tagesschau) Die Gewinner des Deutschen Computerspielpreises wurden verkündet – und die Tagesthemen wissen „bei Deck 13 geht es blutig und martialisch zu.“ Denn Lords of the Fallen ist „ein echter Action-Blockbuster. Manche würden es Baller- oder Killerspiel nennen.”

2015-04-21_tagesthemen-lord-of-the-fallen-game-overNach dem sehr reißerischen Einstieg folgt aber die Erkenntnis, dass solche Spiele es auch in Deutschland aus der Schmuddelecke heraus geschafft hätten. Mit dem Gedanken an den Einteig möchte man sagen „trotz Sendungen wie dieser“. Doch plötzlich wird der Beitrag überraschend neutral. Man spricht an, dass Videospiele bisher nur ausgezeichnet wurden, wenn sie pädagogisch wertvoll waren. Ein Maßstab, den man an kein Medium anlegen würde, wenn man ihm zusteht, sich auch an Erwachsene zu richten. Die Ursachenanalyse für das Umdenken der Politik ist aber abwertend wie vermutlich wahr: Man habe das wirtschaftliche Potenzial erkannt. Eine echte Anerkennung des (kulturellen) Werts bedeutet das nicht. Zudem seien Fördergelder an wirtschaftlichen Erfolg geknüpft. Und den Branchenverbänden ist es eh nicht genügend Geld, weil die weniger umsatzstarken Filmproduktionen mehr Fördergelder bekommen.

Die Folge der geringen Förderquote sei – da sind sich Industriesprecher und Kulturexperte einig – Kulturimport. Spiele, oder gar Ideen – für die man erfolgsunabhängig fördern müsse – stammen immer weniger aus Deutschland. Und so endet auch der Beitrag fast wie er angefangen hat: „Und auch Lords of the Fallen – so erste kritische Stimmen – sei nur die Kopie eines japanischen Spiels.“

„Games and Physics“: Premiere auf dem „Charity Gaming Marathon“

olymptronica-cgmAm Freitag startet der Charity Gaming Marathon im Rahmen der International Games Week Berlin. Beim Marathon treffen sich Speedrunner, Let’s-Player, Spieleentwickler und andere Personen und Einrichtungen der der Videospielkultur, um Spenden für den Gaming Aid e.V. zu sammeln. Der Verein unterstützt karitative Zwecke, die mit Videospielen zu tun haben, wie zum Beispiel die Mukoviszidose-Therapie-App Patchie (Startnext-Kampagne der App).

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Auch wir werden zum Marathon beitragen. Dazu haben wir Games and Physics entworfen und umgesetzt. Dabei geht es um Physik in Videospielen – und um die Frage, was realistisch ist. Zu viel von unseren Videos wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Die Premiere wird nämlich auf dem Charity Gaming Marathon sein. Nur so viel: Der Stil orientiert sich an Michis bekanntem Format Games and Politics, thematisch geht es unter anderem um Physik in Shootern und um Portal. (An dieser Stelle auch noch mal vielen Dank an Michi für die Umsetzung.)

Links:

Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten! (& 2015KW16)

“Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten!” Nicht nur in Games, sondern auch auf YouTube

“Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten!” Nicht nur in Games, sondern auch auf YouTube

(Twitter) Heute wurde von Games’n’Politics ein Video online gestellt, das die Darstellung von Sex in Videospielen analysiert. Michi, der den Kanal leitet, hat ähnliches bereits mit anderen gesellschaftlichen Themen wie Religion gemacht und kommentiert oft kritisch (in seinen Augen schön gefärbte) Gewaltdarstellung. Der Untertitel zu seinem neuesten Video aber hätte nicht passender gewählt werden können: “Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten!” Er gilt nämlich nicht nur in (US-) Videospielen, sondern ironischerweise auch auf YouTube. Das Video wurde nach wenigen Stunden gelöscht.

Außerdem vergangene Woche passiert:

  • KIM-Studie 2014 veröffentlich: mpfs.de
  • PC-Version von GTA V lief anfangs nur mit bestimmten Windows-Nutzernamen, Problem ist aber gefixt: Rockstar Support
  • Nach deutschen Gerichten dürfe der Weiterverkauf von E-Books untersagt werden: boersenblatt.net
  • Mortal Kombat X (PC-Version) war in Deutschland zunächst nicht installierbar. Deutschland-Release ist angeblich “aus Versehen passiert”: gameplane.de
  • EA kündigt Einstellung von Battlefield Heroes, Battlefield Play4Free, Need for Speed World und FIFA World an: EA

Newsschwemme #29 (2015KW15)

Stigma Videospiele

  • Englische Lehrer drohen Eltern mit Jugendamt, wenn Kinder Ab-18-Spiele nutzen (Guardian, englisch)
  • „Computer raus aus der Schule“ (FreieWelt.net)
  • Schweizer „Vereinigung gegen mediale Gewalt“ hat sich aufgelöst (Der Bund)

Verbraucherschutz

  • Steam verbietet Geschenke an Ausländer (Gamestar)
  • Sony kauft OnLive und macht es dicht (Heise)
  • GoG befreit einige alte Spiele von DRM (GoG.com)
  • Sony sperrt PlayStation-4-Account von Hacking-Opfer und will, dass dieser Rechnung des Hackers zahlt (techworm.net, englisch)

Sicherheit

Sonstiges

Bundestag verschärft „Killerspielverbot“

Mit dem 49. Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches, das eigentlich der Umsetzung europäischer Vorgaben zum Sexualstrafrecht dient, hat der Deutsche Bundestag zum 27.01.2015 auch den § 131 StGB (Gewaltdarstellende Medien) geändert.[1]

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Durch die Gesetzesänderung wurde der Tatbestand des § 131 StGB umformatiert und -formuliert. Diese Änderungen sind auf den ersten Blick eher kosmetischer Natur: Die vormaligen Absätze 1 und 2 wurden zu einen gemeinsamen Absatz zusammengefasst und es wurde, wie eine verfügbare Synopse bei lexetius.com zeigt, dass öffentliche Ausstellen, Anschlagen und Vorführen durch „der Öffentlichkeit zugänglich machen“ ersetzt.

Genauer betrachtet gibt es aber auch inhaltliche Änderungen: Für den Rundfunk und Telemedien (also Internet) galt in der früheren Fassung, dass bloß die Verbreitung bestraft wird. Nun ist auch hier – wie im Fall von Datenträgern – zusätzlich das Zugänglichmachen einer Person unter 18 Jahren erfasst. Diese Formulierung wurde geändert, weil nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes nicht jede Weitergabe eines verbotenen Mediums auch eine unzulässige Verbreitung darstellen muss (BGH, Urt. v. 12.07.2007 – I ZR 18/04.): Weiterlesen

  1. [1] Dass das „Killerspielverbot“ mit dem Sexualstrafrecht zusammenhängt, hat historische Gründe, die im Dossier stigma-videospiele (S. 86) nachgelesen werden können.

Sichtwechsel e. V. fordert Verschärfung der Indizierung

(sichtwechsel.de) Der Sichtwechsel e.V. für gewaltfreie Medien führte am 3. November 2014 gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Veranstaltung zu audiovisuellen Medien durch, deren Vorträge nun veröffentlicht worden sind. Referent war Dr. Rudolph H. Weiß (Mediengewalt e. V.), der unter dem Titel „Was tun?“ über die „größten medienpädagogischen-wissenschaftlichen-politischen Irrtümer“ aufklärte. Einer dieser Irrtümer sei die Annahme, dass für „schädliche Wirkungen auf die psychische Entwicklung und auf einen Verlust an ‚emotionaler und sozialer Intelligenz‘ bei Kindern und Jugendlichen […] ein schlüssiger Beweis […] noch nicht erbracht“ worden sei. Weiter forderte er u. a. den „Zugang zu extremen Gewaltmedien im Strafvollzug [zu] verhindern“ – eine Forderung, die von der Vereinigung gegen mediale Gewalt in der Schweiz bereits umgesetzt wurde. Weiterlesen

„Dying Light“ im Schnellverfahren indiziert

(sb.com) Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat im Fall des Videospiels Dying Light eine vorläufige Indizierung angeordnet. Diese Maßnahme nach § 23 Abs. 5 JuSchG kann erfolgen, wenn bis zur „richtigen“ Indizierung eine Verbreitung im großen Umfang zu befürchten ist. Interessant ist hierbei, dass der Titel bloß auf den Listenteil A gesetzt wurde: Demnach ist das Spiel nach Einschätzung der BPjM nicht gemäß § 131 StGB verboten, sondern bloß „jugendgefährdend“. Nichtsdestotrotz gelten sowohl online (§ 4 Abs. 2 Nr. 2 JMStV) als auch offline (§ 15 JuSchG) Vertriebs- und Werbebeschränkungen. Mit der vorläufigen Indizierung von Dying Light dürfte auch abzusehen sein, dass das Spielejahr 2014, in dem kein einziges Videospiel aufgrund von Gewaltdarstellungen indiziert wurde (wir berichteten), vorerst eine Ausnahme bleiben wird. Bei den zuletzt indizierten Neuerscheinungen – dem am 03.11.2013 veröffentlichten Dead Rising 3 und dem am 23.04.2013 veröffentlichten Dead Island: Riptide – handelt es sich ebenfalls um Titel, in denen der Spieler gegen Zombies antritt – ein für Jugendschützer offenbar problematisches Genre.

Let’s-Play-Werbeeinnahmen teilweise an Nintendo

(heise) Publisher haben erkannt, dass mit Let’s Plays Geld verdient werden kann – und möchten an diesen verdienen. Hierbei stellen sich die Unternehmen unterschiedlich geschickt an: So schaltete Ubisoft 2011 schlicht Werbung vor Youtube-Videos mit eigenem Content, so dass die Einnahmen allein an den Publisher flossen. Nintendo zeigt sich jetzt generöser: Mit dem Nintendo Creators-Programm sollen die Ersteller von Let’s Plays einen Teil der Werbeeinnahmen ihrer Videos zurückbekommen. Dankbar zeigt sich deswegen aber nicht jeder: Felix Kjellberg kritisiert allgemein, dass Let’s Player geschröpft werden, da die Videos kostenlose Werbung seien, die zum wirtschaftlichen Erfolg der Spiele erheblich beitragen würden. Hier zeigen sich Parallelen zum Leistungsschutzrecht der Verleger, die Newsaggregatoren dafür zu Kasse bitten, dass diese die Reichweite des eigenen Angebots steigern. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass die Unternehmen in beiden Fällen im Recht sind. Während für die Verleger der § 87f UrhG noch geschaffen werden musste, besagte der § 15 UrhG schon bisher, dass der Urheber “das ausschließliche Recht [hat], sein Werk […] öffentlich wiederzugeben”. Welcher Rechte Käufer von Videospielen (nicht) haben, erläutert der VDVC auf spiel-gekauft.de – ob diese Regelungen zeitgemäß sind, ist eine andere Frage.

An dieser Stelle sei noch der Hinweis gestattet, dass die EU gerade das Urheberrecht reformieren will. An der öffentlichen Befragung im letzten Jahr haben sich die großen Publisher allerdings nicht (oder nur anonym) beteiligt, sodass wir unsere Antworten leider nicht mit denen der Publisher vergleichen konnten.

ZeSta 2014: Eine Zensur findet nicht statt? (Update)

In einer Zensurstatistik, kurz „ZeSta“, fasst der VDVC jährlich zusammen, welche Videospiele in Deutschland aufgrund von Gewaltdarstellungen nicht oder nur in einer entschärften Version veröffentlicht werden durften. Erfasst ist ein Zeitraum von 11 Jahren, in dem 600 Videospiele für ein erwachsenes Publikum veröffentlicht wurden. Diese haben, wenn überhaupt, eine Altersfreigabe „ab 18“ erhalten. Andere wurden gar nicht erst zur Prüfung vorgelegt, sind indiziert oder gar beschlagnahmt. Die einzelne Titel sind dem Jahr zugeordnet, für das der frühste Veröffentlichungstermin ermittelt werden kann – auf den Release in Deutschland kann nicht abgestellt werden, da die BPjM und Gerichte auch solche Titel prüfen können, die offiziell nur im Ausland erschienen sind. Weiterlesen