Netzneutralität: Online-Gaming adé?

Vor wenigen Tagen hat das EU-Parlament eine Regelung zur Netzneutralität beschlossen (heute.de) und beschloss, dass es zwar alle Daten im Netz gleich behandelt werden sollen, es aber gleichzeitig auch sogenannte Spezialdienste geben soll, die von dieser Bestimmung ausgenommen werden sollen. Telekommunikationsanbietern soll es gestattet sein eben jene Spezialdienste gesondert – schneller – durch ihre Leitungen zu leiten, damit diese schnell und störungsfrei an ihr Ziel kommen. In der öffentlichen Diskussion wurden immer Dinge wie Telemedizin, oder zukünftige Verkehrssteuerungssysteme als etwaige Beispiele für solch Spezialdienste benannt. Für diese genannten Dienste mag man vielleicht zustimmen und sagen, dass hier eine Ungleichbehandlung der Daten womöglich Sinn ergibt, da es hier im Zweifelsfall um Leben und Tod gehen kann. Leider ist im Gesetzestext nicht weiter definiert worden, was Spezialdienste eigentlich sein sollen. Der zweite Punkt ist, dass sich die Telekommunikationsanbieter den gesonderten Transport solcher Daten natürlich bezahlen lassen wollen. Weiterlesen

„Killerspielverbot“ – Bundesregierung plant weitere Verschärfung

(heise) Bereits Anfang des Jahres berichteten wir, dass der Deutsche Bundestag das bestehende „Killerspielverbot“ am 27.01.2015 durch Einführung einer Versuchsstrafbarkeit in den Tatbestand des § 131 Abs. 1 S. 2 StGB verschärfte. Nach einer Neukonzeption des Jugendmedienschutzstaatsvertrags, die vergangenen Freitag von heise veröffentlicht wurde, ist für die Zukunft eine weitere Verschärfung geplant. Weiterlesen

Enteignung wegen JMStV?

Im Frühjahr hat sich ein (Ex-) Nutzer von Sleeping Dogs an uns gewandt, weil er sein in England legal erworbenes Spiel in Deutschland nicht nutzen konnte:

Konnte diese auch ohne Probleme in Steam aktivieren und auch spielen. Zurück in Deutschland nun die Überraschung, beim Starten kommt die Meldung das Spiel sei in meinem Land nicht verfügbar und ich kann es NICHT mehr spielen. Square Enix sieht sich im Recht und sagt der „Geolock“ sei vom deutschen Gesetz her vorgeschrieben (…)

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International Age Rating Coalition

Für den VDVC war Marc Anfang August auf dem gamescom congress. Dieser Artikel basiert auf seiner Zusammenfassung des Panels über die International Age Rating Coalition (IARC).

Die USK-Freigabe war bisher auf Boxed-Versionen und Internetauftritte von Mitgliedern beschränkt. Nach dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag kommen jetzt die Einstufung von Apps und Online-Games hinzu. Wenn all diese Medien bewertet zeitnah bewertet werden sollen, erscheint ein mehr oder minder automatisches Einstufungssystem, dass flexibel auf Inhalte reagieren kann, sinnvoll. IARC ist seit 4 Jahren in Planung, jeweils für sich betreiben PEGI und ESRB eine Automatisierung für den Onlinebereich schon länger. Da sich regionale Moralvorstellungen und Ansichten zu Jugendgefährdung in verschiedenen Regionen der Welt sich zum Teil stark unterscheiden, ist mit einer Harmonisierung der Vorschriften auch auf lange Sicht eher nicht zu rechnen. Aus diesem Grund wurden Freigabekriterien auf teils bereits bestehende Fragenkataloge heruntergebrochen und konsolidiert. Weiterlesen

Stellungnahme zur JMStV-Reform

Die Bundesländer unternehmen zur Zeit einen weiteren Anlauf, den Jugendschutzmedienstaatsvertrag (JMStV) zu reformieren. Nachdem der Anlauf von 2010 nach inhaltlichen Mängeln doch wieder gekippt wurde, probiert man nun das mit der öffentlichen Beteiligung – und das sehr ausdauernd mittlerweile in der dritten Runde. Da Internet in Deutschland als Rundfunk gilt – und der Vertrag damit auch für uns Video- und Computerspieler sehr relevant ist – haben wir auch den aktuellen Entwurf des JMStV kommentiert. Es gibt nämlich (leider) weiterhin einige Mängel. Hier die Kurzfassung: Weiterlesen

Newsschwemme #30 (2015KW22)

  • Gefälschte GoG Galaxy Clients im Umlauf (malwarebytes)
  • USK zu teuer: Publisher veröffentlichen nicht in Deutschland (nintendolife)
  • Studie: Actionspiele könnten Anfälligkeit für Alzheimer steigern (Golem)
  • Kein Hinweis für einen Zusammenhang zwischen Videospielen und Alzheimer (Guardian, englisch)
  • GTA5: Mods sind verboten (Gamestar)
  • NDR Sinfonieorchester mit Videospielemusik (klassik.com)
  • VFL-Wolfsburg mit E-Sport-Team (Kicker)
  • Neuer Anlauf beim Jugendschutzmedienstaatsvertrag (Heise)

Bundestagsumfrage: Gefahren elektronischer Medien

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag führt zur Zeit eine Umfrage (Link) unter dem Titel Neue elektronische Medien und Gefahrenpotenziale exzessiver Nutzung durch. Auch wenn es im ersten Moment so klingen könnte, als würde das Ergebnis durch die Überschrift halb vorweggenommen, erscheinen die Fragen selbst bemüht neutral. Dass sie teilweise von Unwissen vermuten lassen, kann man das den Erstellern ja nicht unbedingt vorwerfen – dazu führen sie ja die Umfrage durch. (Eine weitere Kommentierung einzelner Fragen reiche ich nach Beendigung der Umfrage nach, wir wollen uns ja keine Beeinflussung vorwerfen lassen.)

Wochenrückblick 2015KW17 (Security-Edition)

Kurzmitteilung

Letzte Woche ist viel passiert, das wir schon kommentiert haben, dabei sind die Security-Meldungen leider etwas kurz gekommen. Hier der Nachtrag:

Steam-Workshop: Geld für Kreative?

So wirbt Steam für den Mod-Verkauf.

So wirbt Steam für den Mod-Verkauf.

Auf Steam werden jetzt Mods für Skyrim gegen Geld angeboten. Dieser Schritt wird damit beworben, dass die kreativen Fans, welche die Veränderungen für das Spiel programmieren, unterstützt werden. In der Community kommt dieser Schritt jedoch nicht gut an, auch weil maximal 25% des Preises an die Urheber gehen.

Klar erkennbare Vorteile für die “Provision” an Steam-Betreiber Valve gibt es weder für Käufer noch für Urheber. Veröffentlichung und Download würden weiterhin auf eigenes Risiko geschehen. Zudem geht Valve unbestätigten Bereichten zufolge gegen Bitten um freiwillige Spenden seitens einiger Mod-Entwickler vor.

Und das bekommen die Mod-Entwickler.

Und das bekommen die Mod-Entwickler.

Eine – offenbar recht spontan veröffentlichte – Petition hat (Stand 26. April) bereits deutlich über Hunderttausend Unterschriften. Und auch kreative Proteste sind zu finden: Es gibt Mini-Mods, die das System ad Absurdum führen. Wie etwa die Mod Extra Apple, die einen Apfel zum Spiel hinzufügt.

Grundsätzlich ist die Idee, Mod-Entwicklern eine einfache Möglichkeit zur Vermarktung zu geben, sicherlich nicht verkehrt. Doch der aktuell eingeschlagene Weg riecht doch eher nach Ausbeutung als nach Belohnung der kreativen Fans.

Links

Im Ernst: Deutscher Computerspielpreis

Der Deutsche Computerspielpreis wurde verliehen. Und er hat sich zu einer ernstzunehmenden Auszeichnung entwickelt. Nach Anlaufschwierigkeiten (2010, 2011) wirkte die Auszeichnung von Crysis 2 (2012) nach einem missglückten Befreiungsschlag, und führte neben einem Skandal (gefühlt) zu einer Periode fehlender Relevanz. Spätestens seit diesem Jahr ist aber klar, man den Preis ernst nehmen.

Deutscher Computerspielpreis

Deutscher Computerspielpreis

Über die Preisträger möchte ich an dieser Stelle gar nicht all zu viel sagen. Um ehrlich zu sein, kenne ich nur This War of Mine ausreichend gut, um das Urteil fundiert kommentieren zu können. Der Grund für die positive Entwicklung ist ohnehin nicht in den Gewinnern zu suchen. Der Preis wurde umfassend reformiert: Es gibt eine ernstzunehmende Jury (ohne politisch motivierte Veto-Rechte), und der Preis kommt nicht mehr als Ehrung pädagogisch wertvoller Titel parallel zur LARA-Verleihung daher. Und es klappt: Allein, dass der Versuch die Ehrung von Lords of the Fallen (USK16, enthält Gewaltdarstellung) zu skandalisieren (z.B. Tagesthemen) gescheitert ist, spricht für den Preis.

Ehrlich gesagt wäre es auch sehr schade gewesen, wenn sich diese weltweit einzigartige Ehrung weiter im Schatten ihres Namens vor sich her gedümpelt wäre. In diesem Sinne: Weiter so!