Origin: Setup analysiert

Kurz nach dem Release von Battlefield 3 wurde bekannt, dass sich EA im Lizenzvertrag (EULA) zur benötigten Zusatzsoftware Origin das Recht zugestehen wollte, den Computer des Benutzers zu durchsuchen. Schnell wurden Belege gefunden, dass schon das Setup dem Spieler ausspioniert und als EA in einer ersten EULA-Änderung den Rechtsweg verbieten wollte, schien die Sache klar zu sein. Mittlerweile wurde die EULA entschärft, was die Software wirklich macht, ließ der Publisher aber unklar. Zwar gab es Dementis – man wolle nicht spionieren, doch was auf den Rechnern der Nutzer wirklich abgeht, wurde nicht erklärt.

Für klare Faktenlage wollen der Landesdatenschutzbeauftragte und der VDVC sorgen. Während erster sich auf rechtliche Fragestellungen und die Kommunikation des Clients konzentriert, haben wir die Festplattenzugriffe des Setups analysiert. Weiterlesen

Auch ne Antwort ist keine Antwort. Manchmal.

Die Protestplattform theorigin.de hat wie wir einen offenen Brief zum Thema Origin geschrieben. Während unser Ansatz war, zwei Punkte besonders prägnant und auch für die Konzernzentrale – die sich vielleicht weniger für deutschen Verbraucherschutz interessiert – verständlich dazulegen, hat die Community theorigin die gesamte Kritik zusammengefasst und ihr Schreiben ausschließlich an EA Deutschland gerichtet. Beide Briefe hatten also unterschiedliche Herangehensweisen, waren aber beide (unter anderem) an Dr. Olaf Coenen, den Geschäftsführer der EA Deutschland GmbH, adressiert. Dieser hat nun einen Antworttext verfasst:

Sehr geehrter Herr Schönfeldt, liebe Gamer, liebe Community,

haben Sie vielen Dank für den ausführlichen und klar artikulierten offenen Brief, den Sie an Electronic Arts und an mich als Geschäftsführer von EA Deutschland gerichtet haben. Danke auch für die unzähligen Kommentare im Internet und die zahlreichen Zuschriften, die mich in den letzten Wochen erreicht haben. Der Gaming-Community möchte ich an dieser Stelle meinen Respekt ausdrücken – ich bewundere das Engagement und die Leidenschaft, mit der Sie sich für Ihre Positionen und die Gaming-Szene in Deutschland einsetzen.

Ich möchte anerkennen, dass Sie mit dem Offenen Brief zur Versachlichung der Debatte beigetragen und einen konstruktiven Schritt auf uns zugetan haben. Falsche Anschuldigungen, Spekulationen und Verschwörungstheorien helfen uns allen nicht weiter, wenn wir eigentlich über die Rahmenbedingungen eines digitalen Spielevertriebs in Deutschland und die Erwartungen unserer Kunden an ein solches Modell reden wollen. Wie kommen wir in diesem Kontext tatsächlich zu dem besten Spielerlebnis, das EA zu bieten hat?

Meine Kollegen und ich möchten uns gerne dazu mit Ihnen austauschen und laden Sie herzlich nach Köln ein, um die Debatte mit uns am runden Tisch zu führen. Ich werde in Kürze mit Ihnen Kontakt aufnehmen, um einen Termin zu koordinieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Olaf Coenen
Geschäftsführer Electronic Arts Deutschland

Ob ihr die Antwort an theorigin oder an uns lest, macht im Grunde keinen Unterschied. Es ist die gleiche. Unseren Brief haben wir darüber hinaus ins Englische übersetzt und an die EA-Zentrale geschickt. Von dort gibt es noch keine Antwort.

Jurafunk-Podcast zu Origin

(jurafunk via GamersGlobal) Eine einfach verständliche Analyse rund um Origin samt neuer EULA und Vergleich zu Steam hat der Rechtsanwalt Henry Krasemann erstellt. Beim Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein, das ihn als Juristen beschäftigt, hat er sich bereits in der Vergangenheit mit Datenschutz in Onlinespielen beschäftigt.

Origin: Offener Brief an EA

Wir sind leidenschaftliche Computerspieler und beschäftigen uns einen beachtlichen Teil unserer Freizeit mit digitalen Medien. Einige von uns haben es sogar geschafft, auf diese Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Wir sind große Fans Ihrer Spiele, insbesondere die Battlefield-Reihe hat es vielen von uns angetan. Nicht wenige haben sich schon seit Monaten auf das Erscheinen gefreut und jedwedes bekanntgegebene Detail zu Technik und Spielmechanik geradezu aufgesogen. Aber auch andere Titel wie zum Beispiel Fifa, Mass Effect oder Command and Conquer besitzen bei uns großes Ansehen.

Besorgnis über Datenschutz

Immer mehr Clans und eSport-Vereine sind in Sorge über die Privatsphäre und den Jugendschutz. Es kann nicht sein, dass Spielehersteller immer mehr Kontrolle über den privaten Rechner verlangen, sei es durch den Einsatz von Anti Cheat Tools, die den Rechner wärend des Spielens komplett scannen oder das Aktivieren des gekauften Spiels über das Internet. Gerade für Kinder und Jugendliche sind diese Methoden sehr intransparent, da ihnen oftmals gar nicht bewusst ist, worauf sie sich sowohl in Bezug auf rechtliche Folgen als auch auf technischer Ebene einlassen.
Durch die Installation der Software Origin ermöglicht man der Applikation einen freien Zugang auf die privaten Daten. Gerade in Zeiten großer Datenskandale sind immer mehr User verunsichert. Was wird genau gescannt mit der Software? Auf Portalen wie Youtube sind schon einige Belege aufgetaucht, dass Origin z.B. auch private Daten aufspührt. Unklar ist aber, was mit diesen Daten geschieht. Es wäre an dieser Stelle wichtig, dass die Software auch auf technischer Seite wirklich nur in dem Umfang Daten scannt und ggf. erfasst, in dem das für Betrieb, Wartung und Pflege Ihres Angebots unbedingt notwendig ist. Wir würden uns auch wünschen, dass dieses Vorgehen der Software offengelegt wird.

„Verfallsdatum“ für Software

Unter 7. erläutern Sie in der aktualisierten Fassung der EULA, dass Sie sich das Recht zugestehen, den Vertrag zu kündigen. Wir mussten bereits festellen, dass Sie von diesem auch Gebrauch machen, vom Nutzer erworbene Software somit unbrauchbar wird. So ist vor dem September 2009 im EA Store erworbene Software nicht mehr nutzbar. Dieses Vorgehen läuft Ihrem bisher kommunizierten Ziel, dass Origin in allen Punkten besser sein soll als die Plattformen der Konkurrenz, entgegen. Es ist üblich, der Community für den Fall einer Einstellung des Dienstes einen Patch in Aussicht zu stellen, der die Bindung der Spiele an die Plattform aufhebt. Damit stehen dem Kunden die Spiele auch weiterhin zur Verfügung.

Schlusswort

Wir haben mit Wohlwollen beobachtet, dass Sie bereits auf einige der Punkte eingegangen sind und an der Stelle nachgebessert haben. Diese Änderungen betreffen allerdings zum aktuellen Zeitpunkt ausschließlich die EULA. Es wäre wichtig, dass Sie sich ebenfalls der oben genannten Punke annehmen, damit wir Ihnen als Kunden wieder das nötige Vertrauen entgegenbringen können.


EA ändert Origin-EULA
–Nutzer werden nun gesiezt

Darauf, dass die Änderungen in der EULA zu Origin für den Nutzer nicht unbedingt etwas Gutes sind, haben wir ja schon in unserem letzten Blogeintrag hingewiesen. Da nun aber diverse Nachrichtenportale (unter anderem WinFuture und Gamestar) überwiegend positiv von den Änderungen in der EULA zu Origin berichten, sehe ich mich an dieser Stelle gezwungen, einmal gesondert auf die Einzelheiten einzugehen:

  • Inhaltlich hat sich kaum etwas geändert. Vorwiegend wurde eine höflichere Formulierung gewählt. So wurde das „Du“ im kompletten Text durch ein „Sie“ ersetzt. (Durch diese Änderungen sind auch automatische Textvergleiche schwieriger geworden.)
  • EA gesteht sich nach EULA immer noch das Recht zu, den Computer des Nutzers nach beliebiger Software zu durchsuchen. Auch nach Peripherie (wie z.B. Drucker) will der Konzern weiterhin scannen.
  • Die Software macht genau das laut Aussage diverser Nutzer auch. Es existieren diverse Videos auf Youtube, die das zu belegen versuchen. Was genau an Daten übermittelt wird, lässt sich z.B. mit unserem Musterbrief zur Auskunft gemäß Bundesdatenschutzgesetz erfragen.
  • Man nimmt sich nicht mehr heraus, die Kommunikation des Nutzers zu überwachen,
  • auf der anderen Seite will EA den Nutzer nun aber bei Streitigkeiten zu einem Schiedsgerichtsverfahren in Kalifornien zwingen.

[Update 16:49, via theorigin.de]Diese Einschätzung wird offenbar vom Rechtsanwalt Christian Solmecke geteilt. Dieser meint laut netzwelt.de: „Die Spyware-Klausel ist nun noch undurchsichtiger. (…) Außerdem kann EA die Vereinbarungen so oft ändern wie es will, so lange die Software die gleiche bleibt, wird dies an den grundsätzlichen Voraussetzungen nichts ändern“.[/Update]

Besonders deutlich wird die Lage, wenn man beide Versionen grafisch nebeneinander legt: Weiterlesen