Die erste Bundestagslan

Am 23.02.2011 fand im Bundestag die erste sogennante “Bundestagslan” statt. Diese ungewöhnliche Veranstaltung wurde von den Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Jimmy Schulz (FDP) und Manuel Höferlin (ebenfalls FDP) organisiert und unter der Glaskuppel auf der Fraktionsebene ausgerichtet, eingeladen waren alle Politiker des Bundestages. Auch der VDVC war mit von der Partie, diesmal vertreten durch gordon-creAtive. Ziel der Veranstaltung war es, Politiker auf Tuchfühlung mit dem neuen Medium zu bringen, um ihnen die Berührungsängste zu nehmen.

Die Veranstaltung war schon länger geplant und sorgte auch für Kritik, in der jüngsten Zeit äußerte sich Hans-Peter Uhl von der CDU: “Wozu soll ich lernen, wie man ein Killerspiel wie Counter Strike (sic!) spielt?”.

In Räumlichkeiten im obersten Stockwerk des Bundestages warteten eine ganze Reihe von Konsolen, die mit verschiedenen Spielegenres bestückt waren. Neben den klassischen Familienspielen für Wii (Bowlen und Malen) und Kinect (Tanzen und Tennis), sowie Playstation Move (noch mehr Tennis), gab es mit Halo: Reach und einer Entwicklerversion von Homefront (beides auf der XBox) auch zwei Ego-Shooter, mit Siedler war ein klassisches Strategiespiel dabei. Im Vorraum hatte Turtle Entertainment eine Reihe Laptops aufgebaut, auf denen sich n!faculty und ESC ein Match lieferten. Neben der ESL war auch der Bundesverband Interaktive Unterhaltungsindustrie beteiligt, eine ganze Reihe weitere Institutionen waren zumindest anwesend, wie z.B. Gerald Jörns von computerspielberatung.de.

 

Die Veranstaltung wurde von Jimmy Schulz und seinem Team mit einer Ansprache eröffnet, in der man kurz das Konzept erklärte und die beteiligten Organisationen vorstellte. Anschließend hielt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (CDU) einen Vortrag, über ihre Ansichten zu suchtechnischen Gefahren. Nach einer sehr interessanten Übersicht und einer treffenden Definition von Computerspielsucht holte sie mit einem wenig repräsentativen Beispiel eines WoW-Süchtigen die emotionale Keule raus und beschrieb dessen Leben, welchen aus Pizza, einmal Duschen pro Woche und dem urinieren in eine Flasche bestand. Wissenschaftliche Erkenntnisse und quantitative Aussagen über das Problem, wie z.B. die aktuelle Studie des Bredow-Instituts, ließ sie außen vor.

Insgesamt nutzten die Politiker die Möglichkeit, die Spiele auszutesten nur recht spärlich, obwohl an jeder Station ein erfahrener Spieler Anleitung gab. Beliebt war die Konsole mit FIFA, Homefront und Halo:Reach wurden dagegen meistens gemieden. Brigitte Zypries schaute kurz vorbei und gab ein Interview, verschwand dann allerdings wieder, ohne zu spielen. Die wenigen Politiker, die vor Ort waren, wurden die meiste Zeit von der Presse belagert und gaben Interviews. Für die Presse waren vor allem die ein gefundenes Fressen, die sich an Counter-Strike versuchten. Eine Lanparty im klassischen Sinne fand nicht statt.

Erstaunlich war die Ansprache, die Dorothee Bär vor der Presse hielt. Sie plädierte dafür, Computerspiele in ihrer Behandlung Filmen gleichzusetzen. Als Beispiel nannte sie Inglourious Basterds und fragte, warum ein solcher Film einen Oscar verdient, ähnliche Computerspiele dagegen verboten und indiziert werden.

Insgesamt war ich mit der Veranstaltung nur mäßig zufrieden. Die Idee und die Umsetzung ist lobenswert, allerdings vermisste ich relevante Politiker und deren Interesse, Spiele selbst auszuprobieren. Die Anwesenheit der Presse war der Atmosphäre eher hinderlich, dem Ziel des Aktion wäre es dienlicher gewesen, wenn weniger Öffentlichkeit geherrscht hätte.

Jimmy Schulz kündigte noch an, dass man durchaus die Durchführung einer weiteren “Bundestagslan” ins Auge gefasst hat.

Update: Diversen Medienberichten entnehme ich, dass Brigitte Zypries wohl doch für die Presse eine Runde Playstation Move (also Tennis) ausprobiert hat.

Außerdem habe ich die Liveschnipsel zu einer kleinen Videodokumentation zusammengeschnitten.

Update 2: Martin Lorber, Jugendschutzbeauftragter von EA, hat Tonmitschnitte der Reden gepostet.

Petition für Übernahme der PEGI nach Deutschland

PEGI und USK erteilen Altersfreigaben (unten links im Bild)

Auf dem Server des Deutschen Bundestages läuft zur Zeit eine Petition, welche die Altersfreigaben der PEGI auch in Deutschland verbindlich machen will. So verständlich die Motivation des Initiators ist, übersieht er leider einige wichtige Zusammenhänge. Insgesamt scheinen Text und Forderung leider wenig ausgereift.

Domenico Gentner, der die Petition eingereicht hat, wünscht sich offenbar vor allem, dass Videospiele für Erwachsene zukünftig nicht mehr zensiert werden müssen. Sein Text enthält unter anderem die Forderung, „dass der Bundestag [die] Notwendigkeit der Zensur von Spielen in Deutschland aufheb[t]“. Wie auch im Forum zur Petition schon oft angemerkt wurde, kann man dieses Problem allerdings nicht durch die Einführung der PEGI in Deutschland lösen. Zudem gibt es einige Problematische Forderungen. (Daher befürworten wir diese Petition ausdrücklich nicht.)

Die Petition sieht vor, dass die USK (Wiki) nur noch „als letzte Instanz auf Fälle prüfen [soll,] in denen die Gewaltdarstellung zu weit geht und gegen geltende Gesetze verstößt“. Somit wird zum einen eine Abschaffung der Zensur gefordert, zum anderen aber eine Umwandelung der USK in eine Indizierungsbehörde (Wiki). Die USK soll also künftig Dinge zensieren, die „zu weit gehen“. Momentan macht das die BPjM, und das ist wohl auch der Grund, aus dem diese Petition überhaupt gestartet wurde. Denn in Wirklichkeit ist nicht die USK dafür verantwortlich, dass gewisse Medien nicht im Händlerregal stehen, sondern eben die BPjM. Hieran würde eine Einführung der PEGI (Wiki) nichts ändern. Unter anderem sieht man das daran, dass in der Schweiz seit längerem (trotz des PEGI-Systems) an einem Verbot von „Killergames“ gearbeitet wird.

Weiterhin wird angeregt, Videospiele für Erwachsene in Schmuddelecken („Abgetrennte Bereiche (…) ähnlich wie bei pornographischem Inhalt“) zu verbannen. Solche Bereiche in Geschäften einzurichten, wäre auch heute schon möglich, doch wird aus gutem Grund davon abgesehen. Damit ergäbe sich nämlich eine deutlich schlimmere Situation als momentan. Heute dürfen nur „jugendgefährdende Medien“ nicht in den Regalen liegen, womit sehr viele Titel (alle mit USK18-Symbol) weiterhin normal erhältlich sind. Eine Umsetzung dieses Vorschlags würde also den Druck auf Hersteller erhöhen, Titel für eine einer Freigabe ab 16 zu kürzen. Gleichzeitig würde der Reiz für Kinder erhöht, an die nun mit einem fast mystischen Prädikat versehenen Erwachsenenspiele zu gelangen.

Die Petition möchte, dass eine (zentrale?) Stelle zur Altersprüfung im Internet angelegt wird. Das allerdings wäre eine Aufgabe für die Anbieter selbst, die schon jetzt zum Beispiel das Postident-Verfahren verwenden können. Selbst eine Identifikation mit dem (unsicheren) elektronischen Personalausweis wäre besser als eine zentrale Behörde, die womöglich über das Spielverhalten aller Erwachsenen informiert würde. Initiativen in diese Richtung gibt es bereits (auch an richtiger Stelle), so möchte zum Beispiel eine Steamgruppe (Diese hat unsere Unterstützung.) die eine Möglichkeit zum Altersnachweis erreichen.

Zuletzt ändert eine Einführung der PEGI in Deutschland nichts am Problem der Indizierung. Auch mit PEGI-Aufkleber würden jugendgefährdende Medien weiterhin von der BPjM aus dem Verkehr gezogen oder gar gerichtlich beschlagnahmt. Da niemand vor einem Urteil wissen kann, ob ein Spiel nach Ansicht eines Gerichts Gewalt verharmlost (und somit illegal ist) oder nicht, würden Händler zunehmend auch solche Spiele mit einem Logo aus dem Sortiment verbannen (müssen). Leider kann nur eine Freigabe durch die USK formal ausschließen, dass man für den Verkauf von Videospielen bestraft wird. Daran kann auch die PEGI nichts ändern.

Nichtsdestotrotz hat das PEGI-System Vorteile, die nicht verschwiegen werden sollten. Erstens ist das PEGI-System in ganz Europa verbreitet. Somit wird das Risiko mehrfacher Schnitte (weniger Gewalt für Deutschland, weniger Schimpfwörter und Alkohol für den Rest Europas) reduziert. Zudem gibt es bei der PEGI einen klar definierten Kriterienkatalog, anhand dessen sich die Hersteller selber die Freigabe ausrechnen können. Somit kann ein Programm schon vor der Fertigstellung auf eine bestimmte Freigabe getrimmt werden. Für die Hersteller ist also das PEGI-System sicherlich von Vorteil. Zudem kann die Politik auf die PEGI weniger Einfluss nehmen. Ob die Bewertung des Gesamteindrucks oder aber ein Katalog mit Einzelkriterien für den Spieler sinnvoller ist, soll aber jeder für sich selbst entscheiden.

Politiker-LAN im Deutschen Bundestag

Wie Netzpolitik.org berichtet, wird die zur letzten gamescom von den Bundestagsabgeordneten Jimmy Schulz, Manuel Höferlin (beide FDP) und Dorothee Bär (CSU) angekündigte „1. Politiker-LAN im Deutschen Bundestag“ in knapp drei Wochen durchgeführt. Aus der Einladung wird mit den folgenden Worten zitiert:

Computer- und Konsolenspiele aller Art stehen immer wieder in der Diskussion. Wir möchten eine offene Debatte anregen, in der Positives verständlich gemacht aber auch Negatives nicht verschwiegen wird. Um die Abgeordneten des Deutschen Bundestages für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen die Möglichkeit einzuräumen, persönliche Erfahrungen mit unterschiedlichen Spielarten und Konsolen zu machen, organisieren wir die 1. Politiker Politiker-LAN im Deutschen Bundestag auf der Fraktionsebene des Reichstages am 23. Februar 2011, von 18.00 – 21.15 Uhr. Wir werden unterstützt vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU e.V.) und der Electronic Sports League. Die Veranstaltung wird von der Bundeszentrale für politische Bildung, der Professur für Medienpädagogik der Universität Leipzig und von Spielraum, dem Institut zur Förderung von Medienkompetenz an der FH Köln mit einem medienpädagogischen Vortragsprogramm begleitet.

Der VDVC begrüßt, dass dieses Vorhaben nun definitiv umgesetzt wird, und fordert alle Abgeordneten auf, das Angebot intensiv zu nutzen.

eSports-Schulmeisterschaft erstmals mit Ego-Shooter

Die fünfte Saison der eSports-Schulmeisterschaft überrascht mit einer Premiere: Erstmals finden seit bestehen Wettbewerbe in einem Ego-Shooter statt. Es handelt sich dabei um das vor allem bei Linux-Nutzern beliebte World of Padman, welches auf den gleichnamigen Comic-Strips der Computerspiel-Zeitschrift Playstation Games basiert und auch grafisch an diese erinnert. Spielerisch bietet der Neuling alle Anforderungen, die man von einem Vertreter seines Genres erwartet, Schauplätze, Spielmodi und Waffenfundus sind aber der quietschbunten Art des Comics angepasst.
Als Levels dienen meist bekannte Umgebungen wie eine Küche, die der Spieler aber als Winzling durchquert. So ist es den Figuren z.b. nur möglich, über eine Treppe aus Büchern auf von einer Borte des Regals in die nächste zu gelangen. Im Modus Spray your Color muss das eigene Logo möglichst oft an dafür vorgesehene Plätze gesprüht werden, bei Big Ballon pumpt man im Level verteilte Luftballons auf und Capture the Lolly ersetzt das klassische Capture the Flag. Als Waffen dienen zum Beispiel die bissige Quietscheente Punchy oder eine Wasserpistole. Gespielt wird wie im eSport üblich in Teams, die Schulmeisterschaft legt die Mannschaftsgröße für World of Padman auf drei Teilnemer fest.
Neben dem Genre-Neuling sind natürlich auch wieder Vertreter anderer beliebter Genres dabei. Hier die Übersicht der Disziplinen:

  • Fifa 11 (Fußball, Vollpreisspiel, ab 0)
  • League of Legends (DotA-artig, Micropayment, ab 12)
  • Starcraft 2 (Strategie, Vollpreisspiel, ab 12)
  • Trackmania Nations Forever (Rennspiel, werbefinanziert, ab 0)
  • World of Padman (FPS, freie Software, ab 12)

Die Anmeldung zu den Schulmeisterschaften wird durch die Leiter eines Schulteams vorgenommen und kann noch bis zum 6. Februar unter schulmeisterschaft.de erfolgen.

Pläne für 2011

2011 in Minecraftblöcken geschriebenDas Jahr 2011 ist ja nun schon ein paar Tage alt und die ersten Termine stehen bereits vor der Tür: Das erste „Spiele(nd) verstehen“ des Jahres soll an einem Karlsruher Gymnasium stattfinden, zu einer Diskussion über Medienkompetenz hat Bundesfamilienministerin Schröder geladen und auch Auftritte auf Messen und LANs sind wieder fest vorgesehen. Wie auf der letzten Mitgliederversammlung besprochen, besitzt die Arbeit an der Basis dieses Jahr einen besonderen Fokus.

Nach dem Ende der letzten Verbotsdebatte übersehen leider auch viele Computerspieler die Probleme der vorherrschenden Sicht vieler Menschen auf unser Hobby. Computerspiele gelten weiterhin viel zu oft als Kinderspielzeug: Eltern geben ihren Sprösslingen für Kinder ungeeignete Programme und Behörden möchten verhindern, dass Spiele für Erwachsene überhaupt öffentlich angeboten werden dürfen. So erzwang erst kürzlich das bayrische Familienministerium eine sechste(!) USK-Prüfung von Dead Space 2, das nach Urteil des Prüfgremiums bereits ab 18 Jahren freigegeben werden sollte. Weil eine weitreichende Zensur verhindert wurde, stellt nun das Ministerium die USK in Frage.

Ein weiteres Feld falscher Gelassenheit hängt mit der vermeintliche Aufweichung des Onlinezwangs Ubi-Launcher zusammen: Ubisoft hat die Frequenz reduziert, mit der sich Spiele des Publishers beim Lizenzserver melden müssen. Statt alle paar Minuten muss sich z.B. Assassin’s Creed 2 nur noch beim Spielstart bei Ubisoft melden. Der Grund dafür dürfte aber wohl weniger Einsicht sein, dass ein Spielabbruch bei schwacher Internetverbindung den Spieler zur Installation eines Cracks bewegen könnte, als wirtschaftliche Überlegungen. Bedenkt man, dass das Spiel allein in der ersten Woche 1,6 Millionen Mal verkauft wurde, dürfte die Rückmeldung der Spieler im Minutentakt immer noch einiges an Ressourcen verbrauchen – und so Kosten verursachen. Nichtsdestotrotz greift der Publisher weiterhin unverhältnismäßig in die Rechte seiner Kunden zu, indem er sich die Möglichkeit offen hält, legal erworbene Programme aus der Ferne unbrauchbar zu machen.

PS: Wie es das Bild schon andeutet, wird das nächste Gamestorming „User Generated Content“ und den kreativen Umgang mit Computerspielen zum inhalt haben. Terminwünsche können im Wiki (Diskussionsseite) oder einfach als Kommentar auf diesen Beitrag abgegeben werden.