Gamescom? Ohne uns.

Aktuell schaut die komplette Gamesbranche nach Köln. Dort veranstaltet der Verband der großen Publisher (BIU) die gamescom. Für viele Gamer ist es das Paradies, doch wir gehen dieses Jahr gar nicht hin[1]. Nachdem wir die letzten Jahre sogar unseren Platz im Rahmenprogramm des Events gefunden haben, wird dieses Jahr niemand für den VDVC am Start sein. Weiterlesen

  1. [1] Ich war sogar in Köln, bin aber am Abend vor Eröffnung der Messe wieder weg.

Keine Blogger auf der Gamescom

Seit ein paar Tagen sind die erweiterten Akkreditierungsrichtlinien für die Gamescom 2012 online zu lesen. Sie bestimmen, wer einen Presseausweis für die diesjährige Messe bekommt und wer nicht. Die “wer nicht”-Kategorie ist dieses Jahr aber deutlich größer als zuvor, faktisch will man nur noch Berufsschreiber. Manche Leute macht das stinkwütend. Andere grinsen zufrieden. Was heißt das für angehende Journalisten und leidenschaftliche Gaming-Blogger?

Erstmal, was genau bringt einem eigentlich die Pressakkreditierung? Ganz einfach. Ein Presseausweiß ermöglicht einem auf der Gamescom primär drei Dinge:

Battlefield 3 Schlange

Auch am Pressetag muss man für gewisse Spiele eine Weile anstehen.

  1. Man kommt am Mittwoch schon rein. Der “Pressetag” an dem die Hallen alle schon geöffnet, Schlangen aber minimal sind.
  2. Nutzung des Pressezentrums in dem Computer und eine eigene Garderobe bereitgestellt werden.
  3. Zugang zur Business Area, wo Publisher und Entwickler ihre Spiele einem ausgewähltem Publikum präsentieren. Das ist mit Abstand der wichtigste Punkt, darauf komme ich später noch zu sprechen.

Und was genau sind denn jetzt diese neuen Akkreditierungsrichtlinien?

  • Es werden keine Akkreditierungen an Inhaber privat initiierter Spiele-Homepages, privat initiierter Blogs sowie Podcast-Seiten ausgestellt.
  • Personen von Online-Medien erhalten eine Akkreditierung, wenn ein Belegexemplar ihrer bisherigen Berichterstattung zur gamescom vorliegt (mit eindeutiger Kenntlichmachung von Autor, Datum und Beitrag) und das Medium länger als ein Jahr besteht.
  • Zugriffszahlen und Größe des Mediums spielen bei der Akkreditierung und der zugelassenen Personenanzahl eine Rolle.

Vielleicht sollte ich erst mal kurz klarstellen in welche Kategorie ich falle: Ja, ich bin Blogger, aber ich schreibe auch seit 3 Jahren für das Portal Gamersunity.de. Wir sind jetzt bei Weitem kein 4Players, aber wir geben uns Mühe, alle zusammen. Außerdem haben wir schon zuvor über die Gamescom berichtet, also sollte das soweit klappen. Was nicht heißt, dass ich mich zurücklehne und die neuen Richtlinien befürworte.

Die Änderungen sorgten ohne Zweifel für Aufruhr. Dabei war 2011 das erste Mal, dass so viele Blogger überhaupt eingeladen waren (was die Cosplayer im Pressezentrum erklären würde). Anscheinend gab es da einige Beschweren. Dennoch bin ich schockiert wie manche Leute sich über diese Entwicklung freuen. “Dieses Jahr keine stinkenden Neckbeards mehr auf dem Fachbesuchertag? Sehr gut.”, twittert der @Ludonaut. Der @Zwangsdemokrat hackt ebenfalls fröhlich auf den Bloggern rum: “Ich würde auch nicht jeden fünfzehnjährigen Gehirnblonden in meinen Pressebereichen haben wollen.”
Okay, es ist Twitter und ich kann jetzt nicht wirklich sagen wie ernst die das meinen. Aber es tut schon weh.

Jetzt wird diskutiert, wer überhaupt das Recht auf eine Presseakkreditierung hat. Es sei ja schön und gut, dass es (erwachsene) Blogger gibt die mit Herzblut bei der Sache sind, aber diese 15-jährigen Blogger-Kiddies die nur zum Merch abgreifen da sind, die sollen doch bitte draußen bleiben.
Krautgaming stellt (zu recht?) die Frage wer sich wann einen Journalisten nennen darf. Bin ich einer? Ist mein Blog einer von den guten oder den schlechten? Es wäre Quatsch der Gamescom Verwaltung zuzumuten jeden einzelnen Blog zu überprüfen, ob er die Akkreditierung wert wäre, aber ist der komplette Ausschluss etwa eine bessere Lösung? Was ist mit Leuten wie Manuspielt. Der hat zwar “nur” einen Podcast, aber der ist immerhin täglich und noch dazu ziemlich gut. Und auch er ist bei Publishern bekannt genug, dass ihm auf Anfrage Testmuster zugeschickt werden. Er würde vermutlich auch Termine in der Business Area bekommen. Bringt aber nix, wenn er nicht rein darf.

Dann ist da noch der Artikel von Volker. Volker ist ausgebildeter Journalist, lobt den Enthusiasmus den junge talentierte Amateure mit bringen. Aber “Nur weil du dir Federn in den Arsch steckst, bist du kein Huhn.” Tja, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, ein “Huhn” werden ist nicht so leicht. Vielleicht sollte man diese Leuten, die, wie Volker so schön sagt, ihr Herzblut in die Sache stecken, tatsächlich mal für ein paar Tage “Hühner” sein lassen. Wer weiß, vielleicht gefällt ihnen das nach Körnern picken so sehr, dass sie den Stall gar nicht mehr verlassen wollen. Vielleicht sollte ich an diesem Punkt mit den Hühnervergleichen aufhören.

Eine Sache sollte vielleicht noch betont werden: Blogger werden nicht “ausgesperrt”, wie es auf manchen Seiten dramatisch genannt wird. Niemand verbietet ihnen die Messe von Donnerstag bis Sonntag zu besuchen. (Am Wochenende aber nur auf eigene Gefahr.) Die Frage ist, was sie dort wollen. Nur Swag abgreifen und Black Ops 2 spielen? Das geht auch so. Aber für eine ernsthafte Berichterstattung ist die Akkreditierung unerlässlich. Da macht man einen Monat vorher Termine mit den Publishern aus um in kleinen, privaten Demos nochmal die wirklich saftigen Infos zu bekommen. Manchmal sind es Q&A Sessions mit einem der Entwickler (Peter Molyneux), manchmal Spiele die auf dem Showfloor nicht zu sehen sind (Aliens: Colonial Marines) oder gar nicht erst in Deutschland erscheinen, aber dennoch gezeigt werden (Anarchy Reigns, Bulletstorm).

Auch ohne diese Dinge lohnt sich die Gamescom natürlich immer noch. Sonst wäre sie nicht jedes Jahr so fucking voll! Man kann immer noch neue Spiele anspielen, trifft mit Glück Fachprominenz, kann Unmengen an Geld für Merchandise ausgeben (bei mir war es letztes Jahr ein Cloud Strife auf Motorrad und ein Plüsch Angry Bird mit Soundeffekten) und mehr. Aber wenn man wirklich über die Gamescom berichten will, nicht nur selbst Spiele spielen und Spaß dabei haben, sondern seine Begeisterung und seine Vorfreude mit anderen Leuten teilen möchte, dann kommt man um die Pressetermine nicht herum.
Wenn ich dieses Jahr tatsächlich keine Akkreditierung bekommen sollte, würde sich der Gamescom Besuch für mich kaum lohnen und ich würde nochmal gründlich drüber nachdenken, ob sich der Besuch lohnen würde.

Alexander Humbert (JU) über Gamespolitik

Wenn man sich dem Stand der Jungen Union auf der gamescom näherte, konnte  man schon von Weitem den Slogan „Verantwortung statt Verbote“ erkennen. Wir haben uns mit Alexander Humbert, dem Bundesgeschäftsführer der Jungen Union Deutschlands, unterhalten und interessante Einblicke in dieses und andere Themen gewinnen können.

Wie möchte die Junge Union das Verantwortungsbewusstsein stärken? Sind hierfür schon Maßnahmen geplant und soll auch der rechtliche Rahmen angepasst werden?
Bundesgeschäftsführer der JUUns ist die Stärkung der Medienkompetenz junger Menschen sehr wichtig. Wir möchten so auch das Problem umgehen, dass sich die Diskussionen immer um Verbote drehen. Wir meinen, dass die Verantwortung vor allem bei den Eltern liegt, aber auch bei den Jugendlichen selbst. Diese Verantwortung lässt sich stärken, indem zum Beispiel in der Schule ein Fach Medienerziehung eigenführt wird, bzw. die Jugendlichen und auch ihre Eltern besser für die neuen Möglichkeiten der Medien sensibilisiert. Das gilt nicht nur für Computerspiele, sondern auch für das Internet.

Wie weit darf der Jugendschutz überhaupt Erwachsene einschränken oder sollten Erwachsene möglichst unbeeinflusst bleiben von Maßnahmen, die sich eigentlich nur zum Schutz der Jugend auswirken sollen?
Aus unserer Sicht gilt das gleiche wie etwa beim Kino. Der Jugendschutz in Deutschland funktioniert. Statt Verboten brauchen wir eine konsequente Anwendung der bestehenden Gesetze. Es gibt viele jugendgefährdende Dinge, die kontrolliert werden: An der Kasse muss schlichtweg besser geprüft werden. Bei Alkohol und bei Zigaretten wird das Alter der Käufer auch abgefragt. Und Eltern sollten sich stärker dafür interessieren, was Ihre Kinder gerade spielen.

Sie wollen also auch die Händler stärker in die Verantwortung nehmen, die ja durch das Gesetz schon gebunden sind?
Aus Sicht der Jungen Union Deutschlands sind die bestehenden Gesetze zum Jugendschutz ausreichend.

Was hält die Junge Union von den Jugendschutzfunktionen, die mittlerweile alle Videospielplattformen bieten?
Wir halten alles für sinnvoll, was den Jugendschutz wirksam verbessern kann, ohne ihn zu übersteigern. Wir sind uns auch darüber im Klaren, dass es bei jeder Sperre Umgehungsmöglichkeiten gibt. Das gilt genauso für PayTv und Kinofilme, wo es auch nicht auszuschließen ist, dass Minderjährige an Erwachseneninhalte kommen. Wenn wir den Jugendschutz konsequent anwenden, dann braucht es auch keine Verbotsdebatten.

Die Altersüberprüfung unter Windows verknüpft das Benutzerkonto mit einem Alter. So kann erlaubt oder verwehrt werden, ein Spiel zu starten. Auf ähnliche Weise gibt es vermehrt persönliche Benutzerkonten für bestimmte Spiele, meist muss sich der Spieler hierfür online anmelden. Wie beurteilt die Junge Union diese Entwicklung mit Hinblick auf den Datenschutz.
Der Datenschutz wird in Deutschland sehr ernst genommen. Wie man an der Debatte um Google Street View sehen kann, reagiert die Gesellschaft sehr sensibel auf diese schwierige Frage – leider oft auf der Basis von Unwissenheit. Bei der Verknüpfung der Benutzerkonten mit persönlichen Angaben ist der Datenschutz in jedem Fall gefordert. Ähnlich wie beim Online-Banking ist dies ein sensibler Bereich.

Durch die Kontenbindung wird ein Weiterverkauf von gebrauchten Spielen unmöglich gemacht, außerdem fordern immer mehr Publisher den Spielern eine permanente Onlineverbindung ab. Wie weit darf der Kopierschutz gehen und wann muss die Politik im Sinne der Verbraucher eingreifen?

Wir haben, wie in unseren Publikationen und auch im Internet zu lesen ist, andere medienpolitische Positionen als einige Politiker in unseren Mutterparteien CDU und CSU. Aber das Urheberrecht ist ein ganz wesentlicher Schutz der Kreativwirtschaft in Deutschland. Die gamescom würde es ohne den Urheberrechtsschutz, der eng mit dem Kopierschutz zusammenhängt, wahrscheinlich nicht geben. Die Kreativen müssen mit ihren Ideen auch Geld verdienen können. Den Urheberrechtsschutz halten wir deshalb für unverzichtbar.
Wir leben in einer Marktwirtschaft und keiner wird gezwungen, solche Spiele zu kaufen und zu spielen. Letztendlich werden die Hersteller merken, ob sie durch den Kopierschutz und den Onlinezwang weniger Spiele verkaufen. Der Markt wird darauf reagieren.

Eine erforderliche Onlineanbindung stellt vor allem ehrenamtlich arbeitende Organisatoren von Netzwerkveranstaltungen vor schier unlösbare Aufgaben. Teilweise müssen hunderte Gamer mit Internet versorgt werden. Einige Spiele sind daher für den eSport nur noch eingeschränkt geeignet. Welche Ansätze bietet die Junge Union, um ehrenamtliches Engagement im eSport zu fördern.
Viele JU-Mitglieder sind Computerspielfans und gehen gerne auf LAN-Partys. Und natürlich ist es ein großes Problem, dass vielerorts die Kapazitäten nicht ausreichen. Zur Lösung des Problems kann ich mir neben dem flächendeckenden Ausbau der Netze gut vorstellen, dass es in ein paar Jahren noch mehr eingetragene eSport-Vereine gibt, die sich organisieren und durch Mitgliedsbeiträge finanzieren.

gamescom: Tag 4 – play2gether

Wie wir bereits Donnerstag berichteten, haben sich viele Aussteller des Jugendforums NRW die Förderung der Medienkompetenz von Eltern auf die Fahnen geschrieben. Mit play2gether besuchten wir heute eine Initiative, deren Veranstaltung noch während der Messewoche stattfand. Organisiert vom Kinderschutzbund und unterstützt durch das Institut „Spielraum“, luden die Verantwortlichen heute Eltern mit Kindern zu einem Spielparcours ein, der die Stärkung der Medienkompetenz beider Seiten zum Ziel hatte. Zum Programm gehörten einfache Spiele wie „Trackmania“, „Guitar Hero“ oder „Wii Tab“, bei denen Bedienung und Spielziel schnell erklärt sind und ein schneller Einstieg in die Materie ermöglicht wird.

Bereits kurze Zeit nach der Öffnung stellten sich auch schon die ersten Teilnehmer ein: Kinder die, wenn nicht gleich mit beiden Elternteilen zusammen, zumindest von Vater oder Mutter begleitet wurden. Christian und ich übernahmen dann als Betreuer die Stationen „Guitar Hero“ und „Trackmania“. Durch die eingänglichen Spiele stellte sich schnell gemeinsame Freude bei Eltern und Kindern ein, vor allem für die Kinder ein wichtiger Faktor in der Medienerziehung. Die Gäste nahmen die Spiele und die Möglichkeit, sich mit ihren Fragen an versiertes Personal zu wenden gut auf. Reger Austausch, auch nach recht kurzen Spielsessions, war oft zu beobachten.

Fazit: Letztendlich stellt sich aber auch die Frage, ob ein breiteres Angebot, wie kleine Vorträge zu Themen wie USK und kindgerechtes Spielen, unter Umständen noch mehr Interessierte angezogen hätte. Eine durchaus gelungene Aktion, die durch eine breiter gestreute Ankündigung, vor allem in regionaler Presse, auch noch mehr Publikum hätte bedienen können.

gamescom: Tag 3 – Bewegung!

Microsoft Kinect – richtungweisender Trend oder lediglich ein nettes Spielzeug?

Heute morgen hatte ich die Gelegenheit mit Microsofts Kinect die erste Plattformsteuerung völlig ohne Eingabegeräte auszuprobieren. Große Einstellmöglichkeiten gibt es dabei nicht: Man stellt sich in nicht allzu schrägem Winkel vor der Kamera auf, schon startet das Spiel. Der kurze Moment der Ratlosigkeit, was man denn hier so ganz ohne Controller treibt, vergeht, sobald der virtuelle Cursor beginnt der eigenen Hand zu folgen. Kinect verfolgt mit einer Kamera erstaunlich genau die Bewegung unsere Händflächen, nach anfänglicher Orientierung geht die Steuerung der Benutzeroberfläche problemlos von statten. Nett: Haben wir eine Schaltfläche angewählt, müssen wir die Hand so lange auf dieser halten bis ein grüner Balken volläuft, der die Auswahl bestätigt. So verhindert Microsoft, dass der Spieler ständig aus Versehen falsche Menüs öffnet.

David beim Speerwurf in Kinect

David beim Speerwurf in Kinect

Zur Angebotspalette von Kinect gehören vor allem nette Social Games, die sich durch Einfachheit und knallbunte Grafik auszeichnen, ebenso wie die bereits von der Wii bekannten Sportspiele, für die Kinect aufgrund der Eingabetechnologie bestens geeignet ist. Gerade dass die Kamera auch die Feinheiten jeder Bewegung korrekt erkennt macht einen großen Teil des Spaßfaktors aus, so wird für Spiele wie „100 Meter Sprint“ wirklich Laufen auf der Stelle verlangt – und nicht blos das rhytmische Bewegen der Arme. So eignet sich Kinect großartig für den Einsatz im Bereich des virtuellen Sports, schließt durch die wirkliche Bewegung leider körperlich Behinderte von manchen Disziplinen aus.

Microsoft sieht die Faszination der neuen Spiele eindeutig nicht in einer prachtvollen Grafik oder einem ausgeklügelten Spielprinzip, sondern in der freihändigen Steuerung sowie im sozialen Aspekt – jedes Spiel oder Minispiel verfügt über einen Multiplayer-Modus.
Dabei erledigt sich durch das Nichtvorhandensein eines Controllers sogar das althergebrachte Problem bei einer Mehrspieler-Party im eigenen Wohnzimmer, noch hektisch Eingabegeräte von Freunden herbei telefonieren zu müssen. So werden spontane Spieleinlagen leichter gemacht, Kinect scheint mit dem Blick auf genau diese Situation entwickelt worden zu sein. Und mal ganz unter uns: Wer will sich schon von den Nachbarn beobachtet sehen, wie er ganz allein in seinem Wohnzimmer vor dem Fernseher rumhampelt?

PS: Wir haben natürlich auch Sonys Move getestet. Nintendos Bewegungssteuerung bei der Wii bietet sogar schon länger ein vergleichbares Konzept. Es gibt sogar einen vierten Ansatz von einer kleinen finnischen Firma. Ihr könnt euch also schon auf einen ausführlicheren Artikel über  Bewegungssteuerung freuen. Dieser wird in der Erstauflage unseres Mitgliedermagazins erscheinen.