Kleine Anfrage zu Computerspielen: Jugendkulturgut

Das Schleswig-Holsteinische Kulturministerium hat Einblick in seine aktuelle Beurteilung von Computerspielen als Kulturgut gegeben. Sie lässt vermuten, dass man Computerspiele eher im Zuständigkeitsbereich der Jugendministeriums sieht.

Computerspiele genießen seit der Aufnahme des Verbands der Computerspieleentwickler in den Deutschen Kulturrat im Jahr 2008 offiziell den Status eines Kulturgutes. In seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage zu Computerspielen als Kulturgut (gestellt von Sven Krumbeck, PIRATEN) betont das von Anke Spoorendonk (SSW) geleitete Kulturministerium zunächst, dass die Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut auch durch den Deutschen Computerspielpreis gefördert werde.

Anders als „klassische Kulturgüter“ seien Computerspiele vor allem Produkte der Kulturwirtschaft – und „wie kaum eine andere Sparte (…) [vom] Doppelcharakter geprägt, Kultur- und Wirtschaftsgut gleichermaßen zu sein.“ Der Frage, was die Landesregierung unternehme, um dem Status von Computerspielen als Kulturgut gerecht zu werden, begegnet das Ministerium durch einen Verweis auf „Gefährdungspotenziale“. Diesen werde durch Medienkompetenzerziehung begegnet. Ziel sei es, „Computerspiele mit ihrem durchaus positiven Potenzial darzustellen, gleichzeitig aber auch auf Gefahren hinzuweisen“.

Bücher: laut Schleswig-Holsteinischer Regierung als „klassisches Kulturgut“ weniger Wirtschaftsgut als Computerspiele (Bild: ©Olaf Simons, cc-by-sa)

Insgesamt steht weniger die kulturelle, als mehr die Jugendarbeit im Vordergrund. So ist in die aufgezählten Aktivitäten das Jugendministerium und nicht das Kulturministerium involviert. Dazu passt, dass der Text Computerspiele als „selbstverständliche[n] Teil der Alltagskultur der jüngeren Generation“ bezeichnet. Betont wird die positive Resonanz vonseiten der Jugendhilfe und -bildung. Dieser Fokus setze sich auch in der Arbeit der Bibliotheken fort. Wichtige Grundlage für die Spieleauswahl der Büchereizentrale seien der Deutsche Computerspielpreis, der Kindersoftwarepreis TOMMI und die Comenius-Medaille, Auszeichungen also, die vor allem mit dem Blick auf Kinder vergeben werden.

Angesprochen auf die mögliche Wissensvermittlung durch Computerspiele sieht das Misterium in den Lehrplänen „eine Reihe von Hinweisen“. Da zurm Zeitpunkt der “Drucklegung der Lehrpläne 1997 (…) der Begriff ‹Game› noch nicht geläufig“ war, müsse der Begriff computergestützten Simulation weiter gefasst werden. Zudem gebe es auf dem Medienportal IQSH unterrichtsrelevante Spiele. Zudem habe es im laufenden Jahr Vorträge und Workshops zu „Themen wie ‹Gamedesigning› und ‹Computerspielen im Unterricht›“ gegeben.

Initiative Dein Spiel. Dein Leben.

Immer noch gelten passionierte Computerspieler oft als Randgruppe ohne Freunde. Dabei gibt es allein in Deutschland geschätzt 75 000 Clans und Gilden, Gemeinschaften also, in denen das gemeinsame Spielen im Zentrum steht. Auch Außenstehende, die in eine LAN-Party hinein schnuppern, sind immer wieder überrascht, wenn sie eine banale Wahrheit hören: Man trifft sich dort, um Zeit mit seinen Freunden zu verbringen. Zocken könnte man auch allein zuhause.

Hier schlagen Vorurteile durch. Während bei Sportvereinen schnell angenommen wird, Jugendliche könnten dort schnell Freunde finden besitzen E-Sport-Vereine bei vielen Menschen einen schlechteren Ruf. Um deutlicher zu machen, dass auch Clans und Gilden wichtige soziale Aufgaben erfüllen, haben Jugendliche im Rahmen des Dialog Internet Gütekriterien aufgestellt, an denen sie ihre Spielgemeinschaft messen. Diese Kriterien sind nun Teil der Initiative Dein Spiel. Dein Leben., die nun „in der Tradition des NO CHEATING Buttons“ dazu aufruft, die eigenen Maximen öffentlich zu machen. Auf diese Weise soll auch anderen Gruppen bewusst gemacht werde, welche Verantwortung sie haben.

Logo: Dein Spiel. Dein Leben.

Zudem wurde ein Wettbewerb gestartet, in dem Gamer zwischen 12 und 25 Jahren kreativ zeigen sollen, wie sie ihre Leidenschaft und den Lebensalltag unter einen Hut bringen. Gesucht werden zum Beispiel Videoclips oder Musikstücke. Nach dem Einsendeschluss (15. November) wird eine fachkundigen Jury die Bewertung vornehmen. Die Gruppen mit den zwei besten Beiträge können ihr Werk zusammen mit professioneller Unterstützung noch verbessern, ehe es im Internet und Fernsehen veröffentlicht wird, um für die Kampagne zu werben.

Auch wenn das Projekt vom Bundesfamilienministerium gefördert wird, welches sich den pädagogischen Zeigefinger nur schwer verkneifen kann: Die Initiative bietet eine gute Gelegenheit, die bisher leider viel zu wenig beachteten sozialen Eigenschaften des Gaming zu zeigen.

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„Im Zug spiele ich gerne Bubble Shooter.“

Sie sitzt für die Grünen im Deutschen Bundestag und war als Medienpolitikerin für ihre Fraktion auf der gamescom: Tabea Rößner im Gespräch über Gamespolitik und ihre eigenen Präferenzen. Weiterlesen

Gamescom? Ohne uns.

Aktuell schaut die komplette Gamesbranche nach Köln. Dort veranstaltet der Verband der großen Publisher (BIU) die gamescom. Für viele Gamer ist es das Paradies, doch wir gehen dieses Jahr gar nicht hin[1]. Nachdem wir die letzten Jahre sogar unseren Platz im Rahmenprogramm des Events gefunden haben, wird dieses Jahr niemand für den VDVC am Start sein. Weiterlesen

  1. [1] Ich war sogar in Köln, bin aber am Abend vor Eröffnung der Messe wieder weg.

Petitionsblockade: Politik aktiv

Nachdem wir uns am Anfang der Woche öffentlich über das Vorgehen des Bundestags-Petitionsausschusses beschwert haben, kommt nun etwas Bewegung in die Sache. Bereits kurz nachdem unser Blogpost online ging, haben sich mit Heiko Herberg und Susanne Graf zwei im Berliner Abgeordnetenhaus sitzende Piraten öffentlich an den Ausschuss gewandt.

Ebenfalls gemeldet hat sich Jimmy Schulz, der für die FDP im Bundestag sitzt. Aktiv ist er leider noch nicht geworden, man prüfe noch die Möglichkeiten. Aber als stellvertretendes Mitglied des Petitionsausschusses hätte er wohl den nötigen Einfluss.

Wir bedanken uns für die Unterstützung und hoffen, dass diese zum Erfolg führt.