Aktuelle Ereignisse zum Thema DRM

Vor über zwei Monaten ging die Webseite des Spieleanbieters „Linux Game Publishing“ (LGP) vom Netz. Ebenfalls betroffen war das DRM-System des Publishers, welches über den gleichen Server lief. Ohne war es unter anderem nicht möglich bereits erworbene Lizenzen von Sacred und X3 zu installieren, die durch LGP vertrieben werden. Der Publisher vertreibt die Linux-Versionen beider Programme exklusiv. Grund für den Ausfall war der Crash einer(!) Festplate, die offenbar lange Zeit nicht gerettet werden konnte.

Dieser Fall zeigt, wie sehr man heute als zahlender Kunde von Fehlern der Publisher getroffen werden kann, selbst wenn man das Spiel schon lange erworben hat.

Auf der anderen Seite wird der Service einiger Plattformen unter Spielern weiterhin sehr geschätzt. So erreichte mich heute eine E-Mail, dass ich das „Humble Indie Bundle“ nun auch über Steam aktivieren könne. Seitdem es im Mai (zu einem vom Kunden selbst gewählten Betrag) erworben werden konnte, sei die häufigste Frage gewesen, ob man die Spiele auch über diese Plattform herunterladen könne. In diesem speziellen Fall haben die Kunden nun also beides: Eine DRM-freie Version ohne Steam und eine Version mit Steam und DRM.

In diesem zweiten Fall stellt sich die Frage, ob das „Humble Indie Bundle“ auch erfolgreich gewesen wäre, wenn es nur über Steam angeboten worden wäre. Zur Veröffentlichung wurde massiv damit geworben, dass diese Spiele DRM-frei und ohne Zwischenhändler erhältlich seien. Dass das Geld direkt an die Entwickler (und zu einem selbst festgelegten Anteil an Child’s Play charity und die Electronic Frontier Foundation) ging, dürfte auch dazu beigetragen haben, dass durch die eher unbekannten Spiele Aquaria, Gish, World of Goo, Lugaru HD und Penumbra Overture binnen weniger Tage 1.273.613 US-Dollar eingenommen wurden.

Wir befinden uns also in einem Spannungsfeld zwischen Service und Abhängigkeit, Service müssen wir uns immer häufiger durch Abhängigkeit erkaufen. Auf der anderen Seite wird der Service in einigen Fällen tatsächlich besser. Diskutiert mit. DRM: Wegbereiter zu neuer Kundenfreundlichkeit oder Bedrohung digitaler Kultur? Hierzu möchten wir auch am 15. Dezember ab 19:00 ein Gamestorming veranstalten.

Mitgliederversammlung betont Verbraucherschutz

Die diesjährige Mitgliederversammlung des VDVC stand ganz im Zeichen des zunehmenden Engagements im Verbraucherschutz. So beschloss das oberste Vereinsgremium einstimmig die Betonung der Verbraucherverbandseigenschaft in der Satzung. Dieser wurde eine neue Zielformulierung hinzugefügt:

Insbesondere vertritt der Verein im Sinne eines Verbraucherverbands die Interessen der Video- und Computerspieler gegenüber Entwicklern, Publishern und Händlern von Video- und Computerspielen.

Als erstes Problemfeld hatte der VDVC schon im Frühjahr die immer stärkere Verbreitung von DRM-Kopierschutz-Systemen ausgemacht, die zunehmend die Rechte ehrlicher Käufer beschneiden. Die Versammlung unterstrich in einer ausgeprägten Diskussion, dass dieser Eingriff den Käufern nicht nur die Kontrolle über die erworbenen Programme entreißt, sondern auch ein Verfallsdatum für digitale Medien mit sich bringt. Sobald ein Anbieter entscheidet, sein Spiel nicht länger zu unterstützen, kann es der Konsumenten im schlimmsten Falle schon Sekundenbruchteile nach der Entscheidung des Anbieters nicht mehr nutzen. Als erste Forderung wird daher im Forum ein verbindliches Mindesthaltbarkeitsdatum für Videospiele diskutiert.

Neben diesen inhaltlichen Punkten wurden auch wichtige Personalentscheidungen getroffen: Weiterlesen

Alexander Humbert (JU) über Gamespolitik

Wenn man sich dem Stand der Jungen Union auf der gamescom näherte, konnte  man schon von Weitem den Slogan „Verantwortung statt Verbote“ erkennen. Wir haben uns mit Alexander Humbert, dem Bundesgeschäftsführer der Jungen Union Deutschlands, unterhalten und interessante Einblicke in dieses und andere Themen gewinnen können.

Wie möchte die Junge Union das Verantwortungsbewusstsein stärken? Sind hierfür schon Maßnahmen geplant und soll auch der rechtliche Rahmen angepasst werden?
Bundesgeschäftsführer der JUUns ist die Stärkung der Medienkompetenz junger Menschen sehr wichtig. Wir möchten so auch das Problem umgehen, dass sich die Diskussionen immer um Verbote drehen. Wir meinen, dass die Verantwortung vor allem bei den Eltern liegt, aber auch bei den Jugendlichen selbst. Diese Verantwortung lässt sich stärken, indem zum Beispiel in der Schule ein Fach Medienerziehung eigenführt wird, bzw. die Jugendlichen und auch ihre Eltern besser für die neuen Möglichkeiten der Medien sensibilisiert. Das gilt nicht nur für Computerspiele, sondern auch für das Internet.

Wie weit darf der Jugendschutz überhaupt Erwachsene einschränken oder sollten Erwachsene möglichst unbeeinflusst bleiben von Maßnahmen, die sich eigentlich nur zum Schutz der Jugend auswirken sollen?
Aus unserer Sicht gilt das gleiche wie etwa beim Kino. Der Jugendschutz in Deutschland funktioniert. Statt Verboten brauchen wir eine konsequente Anwendung der bestehenden Gesetze. Es gibt viele jugendgefährdende Dinge, die kontrolliert werden: An der Kasse muss schlichtweg besser geprüft werden. Bei Alkohol und bei Zigaretten wird das Alter der Käufer auch abgefragt. Und Eltern sollten sich stärker dafür interessieren, was Ihre Kinder gerade spielen.

Sie wollen also auch die Händler stärker in die Verantwortung nehmen, die ja durch das Gesetz schon gebunden sind?
Aus Sicht der Jungen Union Deutschlands sind die bestehenden Gesetze zum Jugendschutz ausreichend.

Was hält die Junge Union von den Jugendschutzfunktionen, die mittlerweile alle Videospielplattformen bieten?
Wir halten alles für sinnvoll, was den Jugendschutz wirksam verbessern kann, ohne ihn zu übersteigern. Wir sind uns auch darüber im Klaren, dass es bei jeder Sperre Umgehungsmöglichkeiten gibt. Das gilt genauso für PayTv und Kinofilme, wo es auch nicht auszuschließen ist, dass Minderjährige an Erwachseneninhalte kommen. Wenn wir den Jugendschutz konsequent anwenden, dann braucht es auch keine Verbotsdebatten.

Die Altersüberprüfung unter Windows verknüpft das Benutzerkonto mit einem Alter. So kann erlaubt oder verwehrt werden, ein Spiel zu starten. Auf ähnliche Weise gibt es vermehrt persönliche Benutzerkonten für bestimmte Spiele, meist muss sich der Spieler hierfür online anmelden. Wie beurteilt die Junge Union diese Entwicklung mit Hinblick auf den Datenschutz.
Der Datenschutz wird in Deutschland sehr ernst genommen. Wie man an der Debatte um Google Street View sehen kann, reagiert die Gesellschaft sehr sensibel auf diese schwierige Frage – leider oft auf der Basis von Unwissenheit. Bei der Verknüpfung der Benutzerkonten mit persönlichen Angaben ist der Datenschutz in jedem Fall gefordert. Ähnlich wie beim Online-Banking ist dies ein sensibler Bereich.

Durch die Kontenbindung wird ein Weiterverkauf von gebrauchten Spielen unmöglich gemacht, außerdem fordern immer mehr Publisher den Spielern eine permanente Onlineverbindung ab. Wie weit darf der Kopierschutz gehen und wann muss die Politik im Sinne der Verbraucher eingreifen?

Wir haben, wie in unseren Publikationen und auch im Internet zu lesen ist, andere medienpolitische Positionen als einige Politiker in unseren Mutterparteien CDU und CSU. Aber das Urheberrecht ist ein ganz wesentlicher Schutz der Kreativwirtschaft in Deutschland. Die gamescom würde es ohne den Urheberrechtsschutz, der eng mit dem Kopierschutz zusammenhängt, wahrscheinlich nicht geben. Die Kreativen müssen mit ihren Ideen auch Geld verdienen können. Den Urheberrechtsschutz halten wir deshalb für unverzichtbar.
Wir leben in einer Marktwirtschaft und keiner wird gezwungen, solche Spiele zu kaufen und zu spielen. Letztendlich werden die Hersteller merken, ob sie durch den Kopierschutz und den Onlinezwang weniger Spiele verkaufen. Der Markt wird darauf reagieren.

Eine erforderliche Onlineanbindung stellt vor allem ehrenamtlich arbeitende Organisatoren von Netzwerkveranstaltungen vor schier unlösbare Aufgaben. Teilweise müssen hunderte Gamer mit Internet versorgt werden. Einige Spiele sind daher für den eSport nur noch eingeschränkt geeignet. Welche Ansätze bietet die Junge Union, um ehrenamtliches Engagement im eSport zu fördern.
Viele JU-Mitglieder sind Computerspielfans und gehen gerne auf LAN-Partys. Und natürlich ist es ein großes Problem, dass vielerorts die Kapazitäten nicht ausreichen. Zur Lösung des Problems kann ich mir neben dem flächendeckenden Ausbau der Netze gut vorstellen, dass es in ein paar Jahren noch mehr eingetragene eSport-Vereine gibt, die sich organisieren und durch Mitgliedsbeiträge finanzieren.

VDVC begrüßt Verzicht auf Onlinezwang bei R.U.S.E.

Ein Mitarbeiter von Ubisoft teilte im offiziellen Forum für R.U.S.E. mit, dass das Computerspiel auf den bisherigen Kopierschutzmechanismus verzichten wird. Dieser erfordert, dass der Spieler dauerhaft mit Internet verbunden ist. Stattdessen soll die Plattform Steam genutzt werden.

Der VDVC begrüßt diese Entscheidung Ubisofts. Der ursprünglich geplante Kopierschutz, der zuerst bei „Assassin’s Creed 2“ und „Die Siedler 7“ Verwendung fand, ist eine unhaltbare Gängelung der Kunden, die das Spiel rechtmäßig erworben haben. Er setzt voraus, dauerhaft — auch beim Bestreiten der Singleplayer-Kampagne — mit den Servern des Publishers verbunden zu sein. Bereits Tage nach dem Start des Kopierschutzes sorgten Verbindungsprobleme dafür, dass der Spielstatus auf den letzten Speicherstand zurückgesetzt wurde. Hinzu kamen massive Serverprobleme seitens Ubisoft, wodurch das Spiel zeitweise den Dienst verweigerte. Gamer ohne Internetanschluss haben keinerlei Möglichkeit diese Spiele zu nutzen.

Der VDVC setzt sich generell gegen derart scharfe Kopierschutzmechanismen ein, da sie rechtmäßigen Nutzern des Spiels nicht vertretbare Probleme bereiten. Darüber hinaus können auch sie Raubkopien nicht verhindern. Leider bleibt mit dem Schritt zu Steam die Bindung des Spiels an ein Benutzerkonto bestehen. Diese unterbindet einen Weiterverkauf der Software und ermöglicht es dem Publisher, das Spiel aus der Ferne „abzuschalten“. Die Entscheidung, bei R.U.S.E. nicht mehr auf den bisher verwendeten Kopierschutz zu setzen, beseitigt zumindest den ständigen Online-Zwang. Leider scheint es sich bei diesem Titel um einen Einzelfall zu handeln: Ubisoft kündigte bereits an, künftige Spiele wieder mit der hauseigenen digitalen Hundeleine auszuliefern.

Ubisofts Kopierschutz-Server fallen aus

Schon kurz nach dem Start von Ubisofts neuer Kopierschutz-Plattform kam es gestern zu Problemen: Für über zehn Stunden waren die zuvor als ausfallsicher angekündigten DRM-Server für viele Spieler nicht erreichbar. Damit konnten Assassin’s Creed 2 und Silent Hunter 5 nicht gespielt werden.

Obwohl Ubisoft Nutzern zufolge auf Beschwerden über den Online-Zwang für Offline-Spiele anfangs mit Unterbindung der Diskussion reagierte, wurde das Ubisoft-Forum in den letzten Tagen mit hunderten von Beschwerdebeiträgen geradezu überschwemmt. Mittlerweile gab der Ubisoft-Community-Manager zumindest zu, dass die lange Downtime und die Login-Probleme nicht akzeptabel seien. Zudem erfolgte eine knappe Entschuldigung via Twitter. Viele Spieler kündigten im Ubisoft-Forum an, nur noch raubkopierte Ubisoft-Titel zu spielen. Entsprechende Software, die den Kopierschutz entfernt, ist laut diversen Quellen bereits erhältlich, Ubisoft selbst dementiert das natürlich.
Eine zum Start der beiden Spiele vom VDVC auf der CeBIT durchgeführte Umfrage bei über 250 Spielern in der Intel-Gaming-Hall hat ergeben, dass vier von zehn Spielern (39,1%) schon vor der Panne einen Kauf von Einzespieler-Games, die einen ständigen Online-Zugang erfordern, grundsätzlich ausschlossen. Ein gutes Viertel (26,2%) der Befragten würde sich den Kauf eines Spiels genau überlegen und nur zugreifen, wenn es ein herausragend gutes Spiel sei. Nur etwa ein Drittel (34,7%) der Befragten gab an, bei solch einem Spiel bedenkenlos zuzugreifen. Damit standen zwei Drittel der Spieler Ubisofts neuem Kopierschutz schon kritisch gegenüber, als noch alles wie geplant lief. Nach den Server-Problemen bei Ubisoft dürfte sich der Anteil noch weiter zur Ablehnung verschoben haben.
Wir rufen Ubisoft auf, dem Unsinn ein Ende zu bereiten und den Online-Zwang zu beenden.

Weiteres dazu steht in der Pressemitteilung im Forum.