Bloggerfrühstück bei EA

Electronic Arts hat zum „Bloggerfrühstück“ geladen, bei dem sich (kritische) Blogger zwanglos mit Vertretern der deutschen EA-Niederlassung unterhalten können. Man könnte die Veranstaltung in der Tradition des „Runden Tisches“ zu Origin sehen, doch war dieses Treffen natürlich weniger aufgeladen. Unterm Strich ist durch die freundlichere Stimmung vermutlich auf beiden Seiten sogar mehr hängen geblieben. Und selbst wenn von den Ideen keine einzige beim Mutterkonzern ankommt, haben wir interessante Impressionen mitnehmen können.

Anwesend waren für uns Matthias und Patrik und außerdem drei Mitarbeiter von Electronic Arts Deutschland: Olaf Coenen (Geschäftsführer), Martin Lorber (PR Director und Jugendschutzbeauftragter), Fabian Weichert (Mitarbeiter im Jugendschutz). Sonst hat sich – vermutlich aufgrund des Termins am Mittwochvormittag – niemand in der Firmenzentrale eingefunden. Schmerzlich vermisst wurde im Nachhinein ein EA-Mitarbeiter, der mit Spieleentwicklung vertraut ist. So konnte oft niemand einschätzen, wie aufwändig Vorschläge in der Umsetzung wären. Leider hat EA mit Phenomic dieses Jahr das einzige hauseigene Studio in Deutschland geschlossen, sodass es nicht einfach sein wird, diesen Mangel bei kommenden Treffen zu beheben. Gerade bei größeren Teilnehmerzahlen sollte das aber auf jeden Fall passieren.

Das Gespräch selbst drehte sich lange Zeit vor allem um (fehlende) Innovation. Die EA-Teilnehmer gaben immer wieder an, Innovationen seien wichtig für das Unternehmen. Allerdings musste zugegeben werden, dass Neuerungen beim Marketing oft im Schatten der Grafik stehen. Deutlich wird das auch beim von Coenen immer wieder angeführten Titanfall: Auf der Titanfall-Webseite sieht man schicke Spielszenen, und in den Texten liest man in vier Absätzen über das Spiel drei Mal „Call of Duty“, aber kein Wort über „Innovation“.

Als Beispiel dafür, dass man auf seine Kunden höre, wurde unter anderem angegeben, dass an einem Offline-Modus für SimCity gearbeitet werde. Andere Kritik, wurde zwar verstanden, aber ob zum Beispiel Gummiband-KI zumindest optional gemacht werden kann, traute sich niemand zu beantworten. Und Quicktime-Events scheinen offenbar bei den Entscheidern zu beliebt zu sein. Dem Gerücht allerdings, dass einige Entscheider selber gar nicht spielen und folglich auf grafische Aha-Momente wert legen, auch wenn diese vom Gameplay mies sind, wurde vehement widersprochen. Bugs, über die sich auch immer wieder beschwert wird, seien leider nicht zu vermeiden. Auf der anderen Seite habe es aber ja auch Beschwerden gegeben, als man in einem besonders schlimmen Fall (Command & Conquer) auf die Veröffentlichung verzichtet.

Zum Thema Verbraucherrechte ging es um die Lebensdauer von Spielen, die promt als Produktlebenszyklus verstanden wurde. Dass eben diese Sichtweise ein Problem darstellt, war schnell vermittelt. Als Spieler will man nicht, dass die Investition in ein Spiel nach einiger Zeit wertlos wird, weil es nicht mehr funktioniert. Ein End of Life oder gar geplante Obsoleszenz kratzen am Image des Anbieters, doch der will natürlich Geld verdienen. Da vom Publisher betriebene Server laufende Kosten verursachen, werden diese oft als Argument angeführt, ältere Spiele unbrauchbar machen zu müssen. Vor allem wenn es kaum noch Nutzer gibt, kann man das auch irgendwo nachvollziehen. Wenn ein Spieler aber keine Mitspieler findet, sieht er das als Pech an. Wenn die Server down sind, ist der Betreiber Schuld. Online-Anbindung wird dann als Kontrolle wahrgenommen. Dass sie auch als solche gemeint sei, wurde natürlich vehement abgestritten: Es seien immer Designentscheidungen für die für Spielmechanik. Warum der Betrieb der Server nicht in die Hände der Community gelegt wird, wenn der Betrieb nicht mehr wirtschaftlich ist, bleibt aber unklar.

Konsequenterweise entwickelte sich das Gespräch weiter in dieser Richtung. Wir haben den Unterschied zwischen (begrüßenswertem) Addon und „Zwangs-DLC“ erklärt und versucht, ein wenig Nachhilfe zu geben, wann ich Spieler bevormundet oder gar ausgenommen fühlen und wann sie sich über neue Inhalte freuen. Das ist eigentlich recht einfach: Man muss das Gefühl haben, für neues Geld auch etwas neues zu bekommen. Wenn man neues Geld ausgebt, um etwas bereits gezahltes noch nutzen zu können, ist das blöd. Wenn Beispielsweise ein DLC faktisch gekauft werden muss, nur weil man weiter mit anderen Leuten spielen möchte, die es erworben haben, ist das eher frustrierend und entwertet das Hauptspiel. Da der Unterschied mitunter recht subtil ist, sind wir einige Beispiele (positiv wie negativ) durchgegangen. Die Message dürfe also klar geworden sein. Es wird spannend zu sehen, ob EA etwas daraus macht.

Insgesamt haben wir in etwa drei Stunden viele Standpunkte dargelegt, aber auch Anregungen gegeben. Am Ende waren unsere Gesprächspartner fast überrascht, wie viel wir zu sagen hatten. Dass wir dabei fundiert und konstruktiv bleiben konnten, liegt vor allem an all denen, die uns Vorab ihre Meinungen mitgeteilt und unsere Positionen teilweise mit Daten unterfüttert haben. Vielen Dank dafür!

Open Origin:
Alternative oder Fake?

Open Origin

Nach und nach ändern sich Kleinigkeiten bei Origin. So behauptet der Lizenzvertrag seit gut einer Woche nicht mehr, englischem Recht zu unterliegen. Nun gibt es aber eine echte Überraschung: Bald schon könnte es ein Origin ohne DRM und Spywareverdacht geben.

Auf der Webseite Sourceforge, die freien Software-Projekten ein Zuhause bietet, ist schon Anfang des Monats Open Origin aufgetaucht. Der eigenen Beschreibung zufolge ist Open Origin ein „Tool, um Origin-basierte Spiele zu verwalten“. Was zunächst nach einem Fake aussieht, könnte in der Tat echt sein: Recherchen von Gamona zufolge, handelt es sich beim Autoren „dmax“ um einen Mitarbeiter in EAs Security Risk Management Team. Dafür spricht auch, dass eine Ankündigung mit einem EA-Forenaccount gemacht wurde.

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Open-Source – also die Veröffentlichung des Programmcodes – bedeutet zunächst einmal, dass man genau nachlesen kann, was genau das Programm macht. Das ist zwar in der Spielebranche immer noch eine Seltenheit – viele Entwickler wollen nicht verraten, wie sie etwas programmiert haben – doch gibt es Positivbeispiele. So fährt auch der Steam- und Origin-Konkurrent „Desura“ eine Open-Source-Strategie, während unter den größeren Entwicklern vor allem id-Sofware einen guten Ruf genießt, da der Quellcode von älteren Spielen (wie Doom 3) freigegeben wird. Und etwas Erfahrung hat auch EA mit Open Source: Der Publisher benutzt freie Software zur Entwicklung der eigenen Produkte.

Wahrscheinlich handelt es sich bei Open Origin um ein Projekt, das auf einen einzelnen EA-Mitarbeiter zurück geht. Hoffen wir, dass er von seinem Arbeitgeber Unterstützung und keine Kündigung bekommt.

EA’s Statement zum runden Tisch

Electronic Arts hat sich nun erstmals seit dem runden Tisch am Anfang des Monats offiziell zur Kritik an Origin geäußert: Man habe «großen Respekt vor dem Engagement der Community». Inhaltlich hat sich allerdings leider immer noch nichts kaum etwas getan.

Nachdem wir zusammen mit den Machern von theorigin.de zu Gast in der Deutschlandzentrale in Köln waren, wurde es öffentlich erst einmal still aufseiten von EA. Wir bekamen ein paar Antworten nachgereicht, die vor Ort nicht gegeben wurden, und kündigten unsererseits an, die Fortschritte anhand unserer Forderungen zu überprüfen. Darüber hinaus kommentierte EA-Pressesprecher Herr Lorber im theorigin-Blog, offiziell war aber bis gestern nichts zu hören.

Dass das Statement von EA erst jetzt veröffentlicht wurde, sei dem Umstand geschuldet, dass man nicht «mit Wasserstandsmeldungen an die Öffentlichkeit gehen» wolle. Wer nach dieser Einleitung nun aber Fakten erwartet, wird bitter enttäuscht: Es folgt lediglich die vollkommen unkonkrete Feststellung, «jegliche Veränderungen [seien] in Einklang mit den Wünschen der Gamer in anderen Ländern» zu bringen. Dass neben Wünschen auch knallharte gesetzliche Vorgaben erfüllt werden müssen, ignoriert der Text. So wurden die durch Verbraucherzentrale und zuständigen Datenschutzbeauftragten formulierten Verstöße bisher ganz offensichtlich noch nicht verbessert. Wenigstens halbwegs Konkret sind die Vorstellungen, die EA von der eigenen Plattform hat.

Wir denken, dass es heutzutage nicht mehr ausreicht, ein Spiel zu entwickeln, auf einen Datenträger zu pressen und über den herkömmlichen Handel zu anzubieten. Wir müssen als Developer und Publisher auch die Möglichkeiten des Internets nutzen, denn die Mehrzahl der Gamer möchte dies. Ein solches Angebot sollte aus unserer Sicht vor allem diese drei Aspekte umfassen:

  • Die Möglichkeit, Spiele auch online zu kaufen und herunterzuladen.
  • Eine ganze Palette Online-Angeboten, die das Spiel im engeren Sinn betreffen, aber auch zusätzliche Angebote und Dienstleistungen.
  • Einen möglichst einfachen, wenig störenden und sicheren Kopierschutz.

Hieraus ergibt sich auch, dass Origin auf keinen Fall wieder abgeschafft werde. Das war aber wohl allen Betroffenen schon vorher klar. Somit bleibt als Quintessenz aus dem Statement, dass EA Origin weiterentwickeln werde. Laut Beteuerung will man dabei zuhören: «Die Stimme der deutschen Gamer […] ist dabei eine ganz wichtige Stimme.» Was genau das bedeutet? Vielleicht werden wir es noch erfahren. Insgesamt wäre eine „Wasserstandsmeldung“ vermutlich deutlich konkreter gewesen.

Update: Es wurde zwar im Statement nicht erwähnt, doch hat EA einen der am runden Tisch gemachten Vorschläge umgesetzt. So werden jetzt zentral auf einer Webseite EULAS, Datenschutzbestimmungen etc. in jeweils aktueller Fassung angeboten. Bisher betrifft sie zwar erst „Star Wars: The old Republic“, doch es sieht so aus, als würden weitere Spiele folgen. Wir begrüßen diese Maßnahme für mehr Transparenz als Schritt in die richtige Richtung, mögen weitere folgen. (via theorigin.de, thx)

Origin: EA-Mitarbeiter hören zu und notieren Forderungen

EA hatte aufgrund anhaltender Kritik an seiner Online-Plattform Origin für heute Abend zu einem runden Tisch geladen. Man räumte Fehler ein, wenn auch von einer Entschuldigung kein Wort zu hören war. Und wie es sich für ein solches Treffen gehört, ließ man uns Gamern ausreden.

Ob unseren Worten auch die erhofften Taten auf Seiten von EA folgen werden, steht leider noch auf einem anderen Blatt: Die erste Ankündigung von EAs Deutschlandchef, Herrn Coenen, war, dass man an diesem Abend selbstverständlich keine Entscheidungen treffen könne. Das wir keine erwarten konnten, war uns insofern ohnehin vorher klar, als dass wir nicht mit den CEOs des Mutterkonzerns an einem Tisch saßen – so wichtig sind die Rechte deutscher Kunden dann doch nicht. Weiterlesen