Petition für Übernahme der PEGI nach Deutschland

PEGI und USK erteilen Altersfreigaben (unten links im Bild)

Auf dem Server des Deutschen Bundestages läuft zur Zeit eine Petition, welche die Altersfreigaben der PEGI auch in Deutschland verbindlich machen will. So verständlich die Motivation des Initiators ist, übersieht er leider einige wichtige Zusammenhänge. Insgesamt scheinen Text und Forderung leider wenig ausgereift.

Domenico Gentner, der die Petition eingereicht hat, wünscht sich offenbar vor allem, dass Videospiele für Erwachsene zukünftig nicht mehr zensiert werden müssen. Sein Text enthält unter anderem die Forderung, „dass der Bundestag [die] Notwendigkeit der Zensur von Spielen in Deutschland aufheb[t]“. Wie auch im Forum zur Petition schon oft angemerkt wurde, kann man dieses Problem allerdings nicht durch die Einführung der PEGI in Deutschland lösen. Zudem gibt es einige Problematische Forderungen. (Daher befürworten wir diese Petition ausdrücklich nicht.)

Die Petition sieht vor, dass die USK (Wiki) nur noch „als letzte Instanz auf Fälle prüfen [soll,] in denen die Gewaltdarstellung zu weit geht und gegen geltende Gesetze verstößt“. Somit wird zum einen eine Abschaffung der Zensur gefordert, zum anderen aber eine Umwandelung der USK in eine Indizierungsbehörde (Wiki). Die USK soll also künftig Dinge zensieren, die „zu weit gehen“. Momentan macht das die BPjM, und das ist wohl auch der Grund, aus dem diese Petition überhaupt gestartet wurde. Denn in Wirklichkeit ist nicht die USK dafür verantwortlich, dass gewisse Medien nicht im Händlerregal stehen, sondern eben die BPjM. Hieran würde eine Einführung der PEGI (Wiki) nichts ändern. Unter anderem sieht man das daran, dass in der Schweiz seit längerem (trotz des PEGI-Systems) an einem Verbot von „Killergames“ gearbeitet wird.

Weiterhin wird angeregt, Videospiele für Erwachsene in Schmuddelecken („Abgetrennte Bereiche (…) ähnlich wie bei pornographischem Inhalt“) zu verbannen. Solche Bereiche in Geschäften einzurichten, wäre auch heute schon möglich, doch wird aus gutem Grund davon abgesehen. Damit ergäbe sich nämlich eine deutlich schlimmere Situation als momentan. Heute dürfen nur „jugendgefährdende Medien“ nicht in den Regalen liegen, womit sehr viele Titel (alle mit USK18-Symbol) weiterhin normal erhältlich sind. Eine Umsetzung dieses Vorschlags würde also den Druck auf Hersteller erhöhen, Titel für eine einer Freigabe ab 16 zu kürzen. Gleichzeitig würde der Reiz für Kinder erhöht, an die nun mit einem fast mystischen Prädikat versehenen Erwachsenenspiele zu gelangen.

Die Petition möchte, dass eine (zentrale?) Stelle zur Altersprüfung im Internet angelegt wird. Das allerdings wäre eine Aufgabe für die Anbieter selbst, die schon jetzt zum Beispiel das Postident-Verfahren verwenden können. Selbst eine Identifikation mit dem (unsicheren) elektronischen Personalausweis wäre besser als eine zentrale Behörde, die womöglich über das Spielverhalten aller Erwachsenen informiert würde. Initiativen in diese Richtung gibt es bereits (auch an richtiger Stelle), so möchte zum Beispiel eine Steamgruppe (Diese hat unsere Unterstützung.) die eine Möglichkeit zum Altersnachweis erreichen.

Zuletzt ändert eine Einführung der PEGI in Deutschland nichts am Problem der Indizierung. Auch mit PEGI-Aufkleber würden jugendgefährdende Medien weiterhin von der BPjM aus dem Verkehr gezogen oder gar gerichtlich beschlagnahmt. Da niemand vor einem Urteil wissen kann, ob ein Spiel nach Ansicht eines Gerichts Gewalt verharmlost (und somit illegal ist) oder nicht, würden Händler zunehmend auch solche Spiele mit einem Logo aus dem Sortiment verbannen (müssen). Leider kann nur eine Freigabe durch die USK formal ausschließen, dass man für den Verkauf von Videospielen bestraft wird. Daran kann auch die PEGI nichts ändern.

Nichtsdestotrotz hat das PEGI-System Vorteile, die nicht verschwiegen werden sollten. Erstens ist das PEGI-System in ganz Europa verbreitet. Somit wird das Risiko mehrfacher Schnitte (weniger Gewalt für Deutschland, weniger Schimpfwörter und Alkohol für den Rest Europas) reduziert. Zudem gibt es bei der PEGI einen klar definierten Kriterienkatalog, anhand dessen sich die Hersteller selber die Freigabe ausrechnen können. Somit kann ein Programm schon vor der Fertigstellung auf eine bestimmte Freigabe getrimmt werden. Für die Hersteller ist also das PEGI-System sicherlich von Vorteil. Zudem kann die Politik auf die PEGI weniger Einfluss nehmen. Ob die Bewertung des Gesamteindrucks oder aber ein Katalog mit Einzelkriterien für den Spieler sinnvoller ist, soll aber jeder für sich selbst entscheiden.

Neuer Partner: Gamers Inc.

Die Community Gamers Inc. gehört nun zu unseren Partnern. Besucht man die Webseite, fällt sofort ins Auge, dass sich dort kreative Leute tummeln: So starteten einige der Communitymitglieder erst kürzlich ihre eigene Machinima-Serie Casino War. Die deutschsprachige Webseite betont, dass sie eine Community von Gamern für Gamern bildet, die jedem Mitglied die Möglichkeit zur kreativen Entfaltung bieten möchte. Diese Ausrichtung ist ein Grund, aus dem Gamers Inc. unsere Petition gegen Indizierung unterstützt: Verbote von Gewaltdarstellung engen die Kreativität ein – einige Ideen müssen verworfen werden, ehe man sich Gedanken über die möglichen Geschichten tiefer Tragik machen kann.

gamescom: Tag 1 – Die Ankunft

Lars trifft einen kleinen Helden aus der Star Wars Saga.

Lars trifft einen kleinen Helden aus der Star Wars Saga.

Wenn Morgen um 10 Uhr die Tore der gamescom in Köln öffnen, warten wir bereits in Halle 9 auf euch.  Zu Gast bei der ESL findet ihr uns am einfachsten, wenn ihr die ESL Intel Alienware Arena durch den rechten Eingang betretet.  Nachdem wir heute bereits den Fachbesuchertag genießen durften, R2D2 trafen und uns schon mal vor Ort umgesehen haben, steht das Team an unserem Stand den Rest der Woche Rede und Antwort.  Mitglieder, Eltern und andere Interessierte sind herzlich willkommen um sich mit uns über Themen wie Jugendschutz, Indizierung und Gaming an sich zu unterhalten.

PS: Unsere Petition gegen Indizierung hat schon über 500 Unterschriften.

Unser Messestand auf der gamescom 2010.

Unser Messestand auf der gamescom 2010.

VDVC sammelt Unterschriften gegen Indizierung

Pünktlich zur gamescom 2010 ruft der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler alle Gamer auf, ihre Stimmen für eine Abschaffung der Indizierung von Medien zu vereinen. Die Indizierung wird als Relikt aus den Urzeiten des Jugendmedienschutzes gesehen und gilt unter Gamern als überholt: Spätestens seit die USK-Freigaben einen bindenden Character besitzen, sind nicht für Minderjährige geeignete Titel ohnehin nicht mehr legal für diese erhältlich.

Die Petition kann auf der Webseite ich-bin-gamer.net mitgezeichnet werden. Zu den Erstunterzeichnern gehören die den Piraten nahe stehende Computerspielerorganisation Pirate Gaming sowie die Jungen Piraten. Beide waren durch ihr Engagement im Projekt „Ich bin Gamer!“ schon frühzeitig vom durch den VDVC eingereichten Petitionstext informiert und möchten den Vorstoß auf jeden Fall unterstützen.

Indizierung bedeutet, dass als jugendgefährdend angesehene Spiele komplett von der Bildfläche verschwinden. In der sogenannten „Liste A“ aufgeführte Medien dürfen nur „unter der Ladentheke“ verkauft werden, verschwinden somit aus den Regalen der Händler und meist komplett aus dem Angebot. Somit wird es für volljährige Bürger unverhältnismäßig schwierig, legal an besagte Inhalte zu gelangen. Sogar noch darüber hinaus geht die Indizierung über die „Liste B“. Titel, die in dieser Liste geführt werden, fallen nach Einschätzung der BPjM unter das deutsche Gewaltdarstellungsverbot. Medien können per Gerichtsbeschluss beschlagnahmt werden, wenn sie von diesem Verbot betroffen sind. Dadurch wird jegliche Weitergabe auch an erwachsene Menschen, Einfuhr und Vertrieb unter Strafe gestellt und sogar das Spielen verboten, sollten sich andere Personen im gleichen Raum aufhalten („Vorführung“). Da nur Medien indiziert werden können, die ohnehin nicht für Minderjährige freigegeben sind, und auch die Indizierung einer Verbreitung auf Schulhöfen und im Internet nicht entgegensteht, ist der Nutzen für den Jugendschutz höchst umstritten.

„Die Indizierung wiegt Eltern in falscher Sicherheit. Weil an Erwachsene gerichtete Inhalte an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden, legen viele Menschen ihre Hände in den Schoß. Dabei kann heutzutage durch einfache technische Mittel die Einhaltung der Altersfreigaben sichergestellt und kontrolliert werden“, erklärt Patrik Schönfeldt, Vorstandsvorsitzender des VDVC.

Mit der Begründung, dass bei einer gerichtlichen Entscheidung für eine Beschlagnahme auch die Verbreitung vor Urteilsverkündung illegal sei, hat erst kürzlich der Publisher Activision Kunden, die bereits gezahlt hatten, die Installation von „Call of Duty: Modern Warfare 2“ in der internationalen Version unmöglich gemacht: Weil sich das Spiel auf der „Liste B“ befindet, scheint es für den Publisher sogar nötig, die Aktivierung von Importspielen zu untersagen.

Die Befürchtung das eigene Spiel könne möglicherweise indiziert werden, hat mittlerweile zu grotesken Auswüchsen geführt. So passen Entwickler die deutschschprachigen Versionen ihrer Programme zum Teil stark an, um auf dem deutschen Markt vertreten sein zu können. Dass sich viele Gamer bei einer zum Beispiel durch grünes Blut beschädigten Atmosphäre nicht ernst genommen fühlen, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Durch den Druck der Indizierung können viele Geschichten in Deutschland nicht erzählt werden.

„Die Maßnahme der Indizierung, deren Bestehen für das Funktionieren des Jugendschutzes in keinster Weise notwendig ist, bedeutet eine nicht hinnehmbare Gängelung und Bevormundung mündiger Erwachsener“, unterstreicht David Hinrichs, Pressesprecher des VDVC, die Position der Gamer.

Interessierte Messebesucher, Computerspieler und natürlich Eltern lädt der VDVC herzlich ein, auf der gamescom über Themen wie Jugendschutz und Videospiele zu diskutieren. Der Verbraucherverband ist zu Gast bei der Electronic Sports League in der ESL Intel Alienware Gaming Arena in Halle 9.