Living Games Award verliehen

Das Living Games Festival war neben seiner Intention als Kulturfest im Rahmen des Programmes “Ruhr 2010″ auch ein Ort der Preisverleihungen. Große, aber auch kleine Produktionen der Spielebranche sollten in verschiedenen Arten für ihre Qualität ausgezeichnet werden. Es ist festzuhalten, dass die Jugendeignung entgegen der Praxis bei anderen Preisverleihungen keinerlei Einfluss auf die Vergabe der Preise hatten. So richten ich vier der sieben ausgezeichneten Spiele an mindestens sechzehnjährige Spieler.

Der Living Games Award, vergeben an die großen, kommerziellen Spiele der Branche sollte „die kulturell einflussreichsten, künstlerisch wertvollsten und erzählerisch besten Games der letzten zwölf Monate“ auszeichnen.

  • 1. Platz: Heavy Rain, ein Rollenspiel, das für die hohe Indentifikation mit den Charakteren gelobt wurde.
  • 2. Platz: Mass Effect 2, für detailgetreue Spielwelt und den Zwang der Spieler, sich Problemen stellen zu müssen und sich vor kritischen Entscheidungen gesellschaftlicher Natur nicht zu drücken.
  • 3. Platz: Flower, für seine Symbiose aus auditiven und visuellen Stilmitteln, deren Ziel es ist beim Nutzer positive Emotionen hervor zu rufen.

Der Newcomer-Award wurde durch Abstimmung der Besucher an kleine Spiele von Indie-Developern vor allem aus dem studentischen Bereich (Mediendesign, Gamedesign, etc.) vergeben und geriet so zur spannensten Preisverleihung. Das Rennen machte schlussendlich das 3D-Horror-Survival Night of Joanne von Studenten der Mediadesign Hochschule Düsseldorf, mit 42% der abgegebenen Stimmen. Der Sieg zählt auch als Nominierung für den mit 10.000€ dotierten Gamesload Newcomer Award. Den zweiten Platz erreichte der Indie-Entwickler Addmoregames mit seinem Multiplayer-Onliner Toyborgs, dessen Spielinhalt das verschrotten eines gegnerischen Roboters mit dem eigenen Modell ist. Einen respektablen dritten Platz belegte dann das Projekt Sui and Cide, eine Arbeit von Studenten der Games Academy, dessen besondere Rücksichtnahme auf die Atmosphäre gelegt wurde. (Wir haben ein Interview mit dem Programmierer des Teams geführt.)

Auch einen Schulpreis gab es auf dem Living Games Festival zu gewinnen. Schüler des Elsa-Brändström-Gymnasiums gewannen das Preisgeld von 2.500€ mit einem Projekt ihrer Schul-AG “Spieletester”, einer Arbeit namens “Level 12″. Dessen Konzept, dass Spieler sich kritisch mit Inhalten wie Werbung in Spielen auseinandersetzen, konnte die Jury überzeugen.

Resümee der Mahnwache in Stuttgart

Wir freuen uns über die große Resonanz auf unsere Aktion „Videospiele – Menschen verbinden statt aufhetzen”. In diesem Rahmen konnten wir viel gegen Vorurteile seitens der Spielegegner tun. So stellten sich erhöhtes Polizeiaufgebot und der vom Aktionsbündnis Winnenden engagierte Sicherheitsdienst schnell als unsinniges Resultat von Panikmache heraus, die im Vorfeld betrieben wurde.

Leider gibt es auch auf Seiten der Spieler einige Menschen, die den vernünftigen Umgangston verloren haben. Natürlich werden wir seit Jahren immer wieder schlecht dargestellt, doch möchten wir an dieser Stelle alle Spieler dazu aufrufen, speziell von angreifenden E-Mails Abstand zu nehmen. Wir haben diese Vorgehensweise nie unterstützt und werden es nie tun. Die Opfer schlimmer Taten mögen unter Einfluss des Schocks falsche Schlüsse gezogen haben, füttert ihre Bedenken nicht auch noch!
Auch in Stuttgart haben wir so gut es geht versucht, ein konstruktives Klima zu schaffen. Ein Besucher der Veranstaltung brachte ein in den Medien vielfach zitiertes, provozierendes Plakat mit. Dieses wurde umgehend entfernt, als Verantwortliche des VDVC seinen Inhalt wahrnahmen. Wir wurden überdies nicht müde zu betonen, dass Jugendschutz auch aus Sicht der Spieler wichtig ist. Mitglieder des Aktionsbündnisses zeigten sich zudem überrascht, dass bereits ein Verbot gewaltverherrlichender Spiele existiert. Somit wurde in einer aufgelockerten Atmosphäre auch unsere Position besser verstanden, die sich gegen eine Ausweitung der bestehenden Verbote richtet, nicht aber jeden Inhalt für jeden zugänglich machen will.