Ubisofts Online-Zwang
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Ubisofts Online-Zwang
Pressemitteilung vom 4. März:
Pressemitteilung vom 8. März:
Uplay: Online-Zwang für Offline-Spiele
Pünktlich zum Release von Assassins Creed 2 am heutigen 4. März startet Ubsioft seine neue Online-Plattform Uplay. Diese wird zum Nutzen aller kommenden Spiele-Titel nötig sein und zementiert somit die Einschränkung des Verbraucherrechts durch Wiederverkaufsverbot, Kontenbindung und Online-Zwang. Anstatt auf gute Entwicklungsarbeit und angemessenem Verkaufspreise zu vertrauen, setzen leider immer mehr Publisher aus Angst vor Software-Piraterie darauf, den Spielern selbst für Solo-Titel eine dauerhafte Online-Anbindung abzuverlangen. Auch Electronic Arts wird bei dem kommenden Titel Command and Conquer 4 auf ein ähnliches System setzen.
„Wir bedauern, dass Ubisoft Werte wie Konsumentenfreundlichkeit ignoriert und den zahlenden Kunden stattdessen eine virtuelle Hundeleine anlegt.“, bewertet Patrik Schönfeldt, Vorstandsvorsitzender des Verbands für Deutschlands Video- und Computerspieler, das Vorgehen. „Schon der Zwang, eine CD dauerhaft im Laufwerk zu behalten, hat Gamer dazu gebracht, ihre rechtmäßig erworbenen Computerspiele in illegaler Weise zu modifizieren. Ehrliche Käufer sollten belohnt werden, nicht bestraft.“
Künftig sollen alle Ubisoft-Spiele an ein registriertes Benutzerkonto gebunden werden. Dieses Vorgehen wurde mit Valves Steam bekannt und sorgte bereits bei dessen Aufkommen im Jahr 2004 bei vielen Spielern für Unmut. Jüngst hat aber der Bundesgerichtshof entscheiden, dass diese Maßnahme, die einen Weiterverkauf verhindert, zumindest für online erworbene Spiele rechtmäßig ist. Ob die Entscheidung auch für im Geschäft gekaufte Spiele gilt, bleibt aber unklar.
Ubisoft geht nun sogar gleich mehrere Schritte weiter: Für das Spielen ist während der gesamten Dauer eine aktive Internetverbindung notwendig. Uplay kommt also ohne Offline-Modus daher, wie man ihn von anderen Plattformen kennt. Ubisoft begründet diesen Schritt mit der Notwendigkeit der Einschränkung von Software-Piraterie. Dass auf diese Weise der Wert der ehrlich gekauften Programme allerdings eher gemindert werden dürfte, wird mit einem Verweis auf vermeintliche Vorteile abgewiesen: Online-Speicherung der Spielstände und ein Bonuspunkte-System, mit dem sich kleine Goodies und Easter-Eggs freischalten lassen, werden als Vorteile des Online-Zwangs genannt. Dass viele Kunden mit Verbindungsabbrüchen zu kämpfen haben oder gar keinen Breitbandanschluss besitzen, wird außer Acht gelassen: Reißt die Onlineanbindung ab, so muss vom letzten Spielstand neu begonnen werden.
Und die Online-Speicherung der Savegames dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen. Schließlich haben Spieler nicht selten mehrere 100 Megabytes an Spielständen auf ihrer Festplatte. Diese auf einen Server zu laden dürfte dank asymmetrischer Datenübertragung selbst mit schnellsten DSL-Anschlüssen bis zu mehreren Stunden dauern.
Was passiert, wenn Ubisoft die Server abschaltet, sollte seit dem Debakel um Musik mit integriertem DRM klar sein: Nach der Abkehr der Kundengängelung bei Musikdownloads waren zuvor gekaufte Alben und Lieder nicht mehr abspielbar. Dass Spiele das gleiche Schicksal treffen könnte, ist durch zahlreiche Fälle in Bezug auf Online-Spiele bereits unumstößlich bewiesen: So wird Microsoft den online-Service Xbox LIVE für die erste Xbox-Generation am 15. April endgültig schließen. Damit sind Spiele wie Halo 2 ab diesem Tag nicht mehr online spielbar. Electronic Arts wird am 16. März und am 15. April die Online-Server einiger Spiele vom Netz nehmen, diese Abschaltung trifft unter anderem Herr der Ringe: Die Eroberung für PC, PlayStation 3 und Xbox 360. Ähnliche Szenarien sind zukünftig auch für Offline-Spiele denkbar. Einen eindrucksvollen ersten Eindruck davon hat ein Problem der Playstation 3 vor einigen Tagen gegeben: Am 1. März ließen sich durch einen Programmfehler online gespeicherte Fortschritte nicht abrufen. Darüber hinaus konnten manche Nutzer einige Offline-Spiele wie Heavy Rain oder
Demon Souls nicht mehr starten. Das Problem ist mittlerweile behoben, zeigt aber ganz klar die Probleme einer obligatorische Online-Anbindung.
Für den Fall einer planmäßigen Server-Abschaltung wurde seitens Ubisoft zwar schon ein Patch versprochen, der den Onlinezwang aufhebt, doch viele versprochene Funktionen und Nachbesserungen werden schon bei aktuellen Titeln nicht umgesetzt. Dass im Falle von finanziellen Schwierigkeiten bei Ubisoft alle Titel spielbar bleiben, darf also
angezweifelt werden.
Pressemitteilung vom 8. März:
Online-Zwang beschert erste Probleme, Umfrage bestätigt Kopierschutz-Gegner.
Nachdem Ubisoft am 4. März gegen die Kritik vieler Spieler seine neue Online-Kopierschutz-Plattform gestartet hat, dauerte es keine Woche, bis viele ehrliche Käufer die von ihnen erworbenen Spiele nicht mehr nutzen
konnten. Wovor auch der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler (VDVC) gewarnt hatte, ist schnell Wirklichkeit geworden: Gleich am ersten Wochenende nach dem Verkaufsstart von Assassin's Creed 2 und Silent Hunter 5 waren beide Titel für viele Spieler über zehn Stunden unspielbar, da keine Verbindung mit dem DRM-Server hergestellt werden konnte.
Obwohl Ubisoft Nutzern zufolge auf Beschwerden über den Online-Zwang für Offline-Spiele anfangs mit Unterbindung der Diskussion reagierte, wurde das Ubisoft-Forum in den letzten Tagen mit hunderten von Beschwerdebeiträgen geradezu überschwemmt. Mittlerweile gab der Ubisoft-Community-Manager zumindest zu, dass die lange Downtime und die Login-Probleme nicht akzeptabel seien. Zudem erfolgte eine knappe Entschuldigung via Twitter. Viele Spieler kündigten im Ubisoft-Forum an, nur noch raubkopierte Ubisoft-Titel zu spielen. Entsprechende Software, die den Kopierschutz entfernt, ist laut diversen Quellen bereits
erhältlich, Ubisoft selbst dementiert das natürlich.
„Die virtuelle Hundeleine hat sich schon Tage nach dem Start verknotet und alle Versprechen Ubisofts zum neuen Kopierschutz als falsch enttarnt“, stellt Patrik Schönfeldt vom fest. „Ubisoft sollte diesen Fehler eingestehen, den Online-Zwang entfernen und verlorenes Vertrauen der Käufer wieder herstellen.“
Eine zum Start der beiden Spiele vom VDVC auf der CeBIT durchgeführte Umfrage bei über 250 Spielern in der Intel-Gaming-Hall hat ergeben, dass vier von zehn Spielern (39,1%) schon vor der Panne einen Kauf von Einzespieler-Games, die einen ständigen Online-Zugang erfordern, grundsätzlich ausschlossen. Ein gutes Viertel (26,2%) der Befragten würde sich den Kauf eines Spiels genau überlegen und nur zugreifen, wenn es ein herausragend gutes Spiel sei. Nur etwa ein Drittel (34,7%) der Befragten gab an, bei solch einem Spiel bedenkenlos zuzugreifen. Damit standen zwei Drittel der Spieler Ubisofts neuem Kopierschutz schon kritisch gegenüber, als noch alles wie geplant lief. Nach den Server-Problemen bei Ubisoft dürfte sich der Anteil noch weiter zur Ablehnung verschoben haben.
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Patrik - VDVC-Team
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