Sexismus-Thread

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Sexismus-Thread

Beitragvon gordon-creAtive.com » Do 24. Jan 2013, 21:44

Wir hatten es hier ja schon ein paar mal von Sexismus, jetzt hat Sexismus seinen eigenen Thread!

Ich habe gerade "Haywire" gesehen. An sich nicht weiter nennenswert, ist es der erste Actionfilm, den ich gesehen habe, der nicht sexistisch ist.

Nun ist es schwer, einen Film als sexistisch und nicht sexistisch darzustellen, da er kein handelndes Subjekt und die Darstellung von Sexismus wiederum kein Sexismus ist. Allerdings habe ich das Gefühl, dass der Regisseur Thematik bewusst zu sein scheint und sie entsprechend im Film verarbeitet, da die meisten Personen der Geschichte eben nicht das etablierte Geschlechterbild repräsentieren.

Desweiteren habe ich das Gefühl, dass sich der Regisseur über sexistische Normen unserer Gesellschaft lustig macht, z.B. mit der Tatsache, dass die Hauptdarstellerin sich in einem Teil des Films als Tarnung als Klischeefrau verkleidet. Gegen Ende des Films gibt es einen kurzen Dialog über die Protagonistin: "I've never done (=killed, Amn. von G.) a woman before" "I wouldn't look at her as a woman." Sowie die Szene am Ende, die ich hier jetzt nicht spoilere.

Hat den Film von euch jemand gesehen?

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Re: Sexismus-Thread

Beitragvon Pyri » Do 24. Jan 2013, 22:15

Leider nicht. Ich hatte den Film jetzt fast ein Monat in meinem Amazon-Einkaufskorb, aber leider ist die zugehörige BD-Aktion schon wieder vorbei.
Doch Soderbergh schätze ich als politischen Regisseur mittlerweile grundsätzlich überragend ein. Also mich wundert Dein Eindruck nicht :mrgreen: Auch "A Girlfriend Experience" sowie "Contagion" finde ich ganz außerordentlich. Und Gina Carano fand ich in "Alarmstufe Rot 3" natürlich auch schon ganz witzig und toll :)

In den USA wird übrigens gerade wieder über Gender Neutrality bei Preisverleihungen gesprochen http://www.huffingtonpost.com/2013/01/2 ... 42672.html? Ältere Schauspielerinnen wie Sally Field scheinen weiterhin eher dagegen zu sein. Und das ist wohl immer noch eine Frage danach welche Form von Feminismus jeweilig vertreten wird, wo jüngere Schauspielerinnen sich selbst schon deutlich lieber als "actor" denn "actress" bezeichnen um sich zu emanzipieren. Sowie ein sprachliches Problem: im Deutschen vielleicht wie ein Unterschied zwischen Polizistinnen und "Politessen"
Mich erinnert die Diskussion immer an Linda Hunt, die Anfang der 80er beste Nebendarstellerin wurde - für eine Rolle als kleinwüchsiger Mann...
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Re: Sexismus-Thread

Beitragvon buzzti » Do 24. Jan 2013, 23:47

Gute Thread Idee!

Da ich als privilegierter "white hetero male" mich mehr sensibilisieren möchte, folge ich einer ganzen Reihe von Feministinnen auf Twitter. Das kam heute durch den Nether:

http://femgeeks.de/wovon-wir-traumen/

Ein Online-Shop hat einen Kalender mit "Pin Up Nerd Girls" veröffentlicht. Der "Shitstorm" auf Twitter folgte recht schnell, da:

"Dieses Produkt ist eines von hunderten, dass Frauen zeigt, dass sie in der IT nicht wirklich willkommen sind."

Reaktion des Online-Shops:

http://www.getdigital.de/blog/willkomme ... endergate/

Hm, also meine Meinung wäre ja mehr Pin Up Kalender für heterosexuelle Frauen.

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Re: Sexismus-Thread

Beitragvon gordon-creAtive.com » Fr 25. Jan 2013, 00:13

Ich halte Feminismus auch für eine Unterart des Sexismus. Der ursprüngliche Feminismus mag eine andere Motivation gehabt haben, aber inzwischen steht er für mich für eine Strömung, die die Bevorteilung von Menschen aufgrund ihres weiblichen biologischen Geschlechts fordert.

Da ich Sexismus als die Ableitung von Werte und Normen aufgrund des biologischen Geschlechts halten, finde ich einen Hetero-Frauen-Pin-Up-Kalender genau so sexistisch, wie die Nerd Dreams-Variante (Und was ist dann eigentlich mit Lesben?). Es sollte stattdessen ein Kalender geben, der kein Unterschied nach dem biologischen Geschlecht macht. Aber auch hier gilt wieder: Der Kalender ist eigentlich nicht sexistisch, es ist sexistisch, wenn die "Nerds" die enthaltenen Fotos als Schablone für ihre eigenen Normen zur Hand nehmen...

Da schließt sich der Kreis zu Pyris Anmerkung: Anstatt "actress" den Begriff "actor" zu verwenden, finde ich sehr selbstbewusst und kann ich ich voll unterstützen.

Inzwischen sind mir weitere Szenen in Haywire aufgefallen, ich bin mir nun sicher, dass das Absicht ist:

In der Mitte des Film entkommt die von Gina Carano gespielte Protagonistin (<- da! schon wieder!) der Polizei, indem sie sich ein Kapuzenshirt anzieht und wie ein männlicher Jugendlicher aussieht.
Bemerkenswert ist außerdem die Szene, in der sie einen Mann in Bett (fast) mit ihren Beinen erwürgt. (Sie kämpfen sich zu dem Bett vor, die beiden finden sich nicht in einer (sexuellen) Beziehung.) Aber ich spoiler schon wieder :D

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Re: Sexismus-Thread

Beitragvon buzzti » Fr 25. Jan 2013, 00:46

gordon-creAtive.com hat geschrieben:Ich halte Feminismus auch für eine Unterart des Sexismus. Der ursprüngliche Feminismus mag eine andere Motivation gehabt haben, aber inzwischen steht er für mich für eine Strömung, die die Bevorteilung von Menschen aufgrund ihres weiblichen biologischen Geschlechts fordert.


http://sanczny.wordpress.com/2012/07/19 ... -sexismus/

"Feminismus will keine besonderen Rechte für Frauen, sondern dass bestehende Benachteiligung von Frauen aufhört. Wer den Wunsch nach faktischer Gleichstellung als privilegierend für Frauen wahrnimmt, besitzt entweder Male Privilege oder adaptiert eine privilegierte (in dem Fall: männliche) Sichtweise. Feminismus will keine Unterschiede zementieren, die soziale Konstrukte sind. Aber Feminismus verkennt auch nicht die Auswirkungen dieser Unterschiede."

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Re: Sexismus-Thread

Beitragvon Pyri » Fr 25. Jan 2013, 16:27

Ich habe mich zum Thema vor kurzem hier geäußert: http://www.publikative.org/2013/01/23/g ... g-erleben/ Daraufhin hat dort jemand einen Link zu zwei Videos veröffentlicht die eine bekannte Feministin kritisieren. Diese Videos habe ich im Forum hier bereits vor einem halben Jahr kritisiert viewtopic.php?f=79&t=1800#p12552 , auch weil sie die wissenschaftlichen Publikationen der Autorin doch etwas unklar aufgegriffen und zu verurteilen versucht haben, doch was die Redaktion da dann probiert habe ich ehrlich gesagt noch nicht erlebt. Nicht da der Link entfernt, also zensiert, wurde, sondern sich so offenbar noch zusätzlich als verlängerter Arm einer akademischen Betreuung aufgespielt werden möchte - angeblich sogar "logischerweise". Also als JournalistInnen: "Ob Sarkeesians wissenschaftliche Arbeiten dem universitären Anspruch standhalten oder nicht, haben weder Sie noch irgendwelche Hater-Videos auf YouTube zu entscheiden. Sarkeesians akademische Betreuer/innen waren offensichtlich anderer Meinung (und wir auch, logischerweise)." ManN stelle sich vor mit manchen deutschen und österreichischen Politikern wäre so verfahren worden, denn ja, die Relativierung einer pornografischen Behandlung ihrer Person und den Versuch einer Diffamierung ihrer Arbeit in den Videos habe ich auch kritisiert. Doch ist das nur ein ganz kleiner Teil davon und sind diese Videos, welche etwa auch auf die kulturhistorische Debatte in den USA eingehen - um Ausdrucksfreiheit aus den Achtzigern -, ansonsten aufwändig gestaltet und vielfältig recherchiert worden. Insofern kann ich mir diese autoritäre Behandlung nur mit menschenverachtendem Sexismus erklären, weil die Videos halt offenbar von einem Mann konzipiert und hergestellt wurden. Zumal im zweiten Teil davon auch auf andere Feminismen hingewiesen wird, denn es gibt nicht nur einen (allgemein zu verstehenden) Feminismus, sondern derlei viele.
So wie es auch nicht nur einen Sozialismus, Liberalismus oder Konservativismus gibt, die etwa irgendwelche Kaderschmieden vorgeben, sondern zumindest mehrere -


@buzzti
Sehr gute allgemein gehaltene Definition von Feminismus, hinter der sich hoffentlich möglichst viele Menschen versammeln können, aber Gordon hat glaub ich eher ein Problem mit "Sexismus"
@Gordon
Und das denke ich rührt vor allem daher, dass Du "Sexismus" auf den Sex oder die Sexualität beziehst. Also als Interesse oder gar Handlung. Das ist jedoch nicht unbedingt richtig, sondern Sexismus verweist weit eher auf (englisch) das Sex oder (lateinisch) den Sexus, das heißt das biologische Geschlecht. Also es geht dort vorderhand weder um kulturelle Leistungen, noch um irgendwelche instinktorientierte Ausrichtungen. Ähnlich wie "Rassismus" auf die (etwa bei Menschen angebliche) Existenz biologischer "Rassen" lenkt.
Und demnach sind Vorwürfe sowohl von Sexismus, als auch von Rassismus, eigentlich immer antibiologistisch zu verstehen, das heißt dass sie sich eher gegen deren biologisch vorgefertigte Annahmen wenden indem sie ihre sozialen Auswirkungen aufzeigen und kritisieren.

Ich verstehe Deine Kritik allerdings voll und ganz, da gerade im deutschsprachigen Raum der allermeiste Feminismus eine negative Beziehung zur Sexualität (vor allem zu Heterosexualität im öffentlichen Raum) leider praktisch (mit) aufweist. Das ist aus meiner Sicht allerdings historisch bedingt und hat gerade in Deutschland wohl viel mit traditionellen sozialen Abgrenzungen auch in anderen Fragen zu tun. Ein Journalismus im Land nimmt das in der Form dann auch lediglich auf und transportiert das indem er etwa persönliche Fetische lächerlich macht, auf soziale Kompetenzen als Ideal verweist, etc. Letztlich nichts als Normen (re)produziert.
Eine relative Akzeptanz von Homosexualität, das heißt auch auf Paraden, wird dabei als Sexualität meinem Eindruck nach auch relativ abstrakt und damit kurz gehalten. Siehe die kürzliche Debatte um einen Jugendliche angeblich "desorientierenden" deutschen Film - also da schlummert, bei aller vorgeblicher Weltoffenheit (auch), immer noch viel Homophobie in Entscheidungsinstitutionen. Den Homosexuellen wird so gewissermaßen auch wieder nur über entsprechende soziale Abgrenzungen ihr eigener Bereich zugesprochen, der dann letzten Endes ebenfalls nicht mehr öffentlich stattfindet, sondern wo sich in Privaträume oder kommerziell abgetrennte Lokalitäten zurückgezogen wird. Bei Heterosexuellen ist das angesichts boomender Swinger-Clubs, an jeder Ecke Laufhäuser für Männer, ähnlich. Mit Emanzipation hat das in meinen Augen nichts zu tun. Ich wundere mich immer weshalb sich Homosexuelle, die ich persönlich meist als überaus bieder kennengelernt habe, nicht beschweren, aber das kann ich als Hetero wahrscheinlich auch nicht richtig beurteilen. Und ist ein Vorurteil meinerseits.
Doch glaube ich schon dass nicht nur unsere Gesellschaft in einem postmodernen Konsum-Biedermeier lebt: zwar wird in Breitenmedien "Pornografie" und Menschenhandel andauernd kritisiert und verurteilt, doch kaum bessere Alternativen für die Zustände von sexuellem Ausdruck oder Prostitution angeboten. So wird auch nur über misogyne Gewalt in Indien berichtet ohne ein dortiges Patriarchat darauf zu beziehen wie die Sexualität unterdrückt wird.

Ideen von Female Superiority hat es darüber hinaus zweifellos immer gegeben und ich finde es auch schade dass diese dabei für gewöhnlich nicht (mit) diskutiert werden - die berühmteste Female Supremacist wird wahrscheinlich immer noch die Frau sein welche dereinst auf Andy Warhol geschossen hat http://de.wikipedia.org/wiki/Andy_Warho ... eit_danach Warhol, der immer noch ein Symbol für alles sein mag was als Affirmation von Popkultur dabei vielfach verachtet wird. Von Marilyn Monroe bis herauf zum Thema "Sexismus in Videospielen"
Das Problem mit Solanas ist allerdings auch, dass sie vom Antifeminismus massiv missbraucht wurde, also sie ist doch ähnlich wie Virginia Woolf kaum jemand vor dem wirklich jemand Angst haben bräuchte. Angesichts von ihrer Gewalttat nicht ganz so, aber annähernd doch wie der längst vergessene Filmkritiker der österreichischen Kronen Zeitung Rudolf John Malcolm X über Spike Lee's Film dereinst zu einem "schwarzen Hitler" stilisiert hat. Als ich dessen Filmkritik gelesen habe war ich 13 Jahre alt und den Unsinn werde ich in meinem Leben nie vergessen.
Daneben gab und gibt es auch immer Fetischismen des Uterus, in der einen oder anderen Form, von der Monstranz einer Gebärfähigkeit bis zur Menstruation als Sinnbild eines weiblichen Zustands, Matriarchatshypothesen usw. Zum Beispiel die Coen-Brüder haben dieses Stereotyp einer "feministischen" Lebenseinstellung mit der großartigen Julianne Moore in "The Big Lebowski" parodiert und etwa in der berühmten "Gutterballs"-Szene auf einen männlichen Blick bezogen: http://www.youtube.com/watch?v=od_6M8cFdUA
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Re: Sexismus-Thread

Beitragvon buzzti » Sa 26. Jan 2013, 15:52

Pyri hat geschrieben:Und demnach sind Vorwürfe sowohl von Sexismus, als auch von Rassismus, eigentlich immer antibiologistisch zu verstehen, das heißt dass sie sich eher gegen deren biologisch vorgefertigte Annahmen wenden indem sie ihre sozialen Auswirkungen aufzeigen und kritisieren.


Ja, aber gerade in Diskussionen über Sexismus wird oft ein binäres Geschlechtersystem zementiert. Wenn es keinen Sexismus gegen "Männer" geben kann, wird zu wenig erläutert, ob "Mann" jetzt biologisch oder als Sozialisation zu verstehen ist. Seit gestern wird ja auf Twitter unter dem Hashtag #aufschrei (begrüßenswert) über alltäglichen Sexismus berichtet, aber wenn ich solche tweets lese:

https://twitter.com/mainwasser/status/2 ... 5528263680

"Wahrscheinlich ist die eigene Homophobie ein guter Weg zum Verständnis der weiblichen Perspektive auf Annäherungsversuche. #aufschrei"

Does not compute. Erstens: Wird hier die "eigene Homophobie" von "cis-männlich" sozialisierten Personen angesprochen? Oder die "eigene Homophobie" des biologischen Mannes? Zweitens: "Weibliche Perspektive" der "nicht-cis-männlich" sozialisierten, oder "Weibliche Perspektive" der biologischen Frau? Drittens: Was impliziert das über weibliche Heterosexualität?

Pyri hat geschrieben:Doch glaube ich schon dass nicht nur unsere Gesellschaft in einem postmodernen Konsum-Biedermeier lebt: zwar wird in Breitenmedien "Pornografie" und Menschenhandel andauernd kritisiert und verurteilt, doch kaum bessere Alternativen für die Zustände von sexuellem Ausdruck oder Prostitution angeboten.


Ja - darum glaube ich auch, dass der sex-work komplett ablehnende Anti-Sexismus hierbei nicht hilfreich ist.

Um nochmal auf die Kalender-Sache zurückzukommen: Futurama dreht die Geschlechterrollen gerne mal um, hier ein schöner "Pin-Up-Calender"-Moment: http://www.youtube.com/watch?v=HgTda2_UOMU

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Re: Sexismus-Thread

Beitragvon Pyri » Sa 26. Jan 2013, 18:57

@buzzti
Das Problem welches Du in dem Twitterzitat siehst ist mir auch gleich ins Auge gesprungen, doch kann ich das Zitat auch irgendwo verstehen.
Vorausgesetzt ich gehe davon aus dass ich da ein weiteres Vorurteil habe, denn ebenso wie ich an eine Vielgeschlechtlichkeit im Menschen glaube denke ich nicht dass es überhaupt Menschen gibt die biologisch entweder "nur" homo- oder heterosexuell sozusagen "veranlagt" sind, sondern alle immer auch irgendwo eine bisexuelle Komponente in ihren/m Selbst aufweisen. Aber das ist halt möglicherweise noch ein Vorurteil meinerseits, weil ich mir das anders nicht vorstellen kann und davon ausgehe dass diese Einstellungen in jedem Fall auf grundlegende Sexismen hindeuten -

Also wenn mich ein Mann anbgaggern würde, wäre ich durch den kleinen Anteil in mir der auf diese Avancen doch positiv reagiert, wohl immer weit eher geschmeichelt als sonst was davon. Das hängt aber wohl auch ganz stark mit meiner persönlichen Erfahrung zusammen als Mensch mit Behinderung sexuell ausgegrenzt zu werden
Dass ich als sexuelles Wesen oder über in Frage kommender Sexualpartner traditionell gar nicht wahrgenommen werde -

Und da spielen diese unterschiedlichen Erfahrungen wohl die meiste Rolle: wie ich oben schon schrieb ist die dominierende Form des Feminismus im deutschsprachigen Raum seit Andrea Dworkin zweifellos jene die eine zumindest "kritische" Einstellung zur Sexualität praktisch immer (mit) aufweist und schon dabei biologische Differenzen zwischen Mann und Frau, das soziale Geschlecht wird dort eher "nur" drüber gelegt. Im angloamerikanischen Raum wurde diese Ausprägung in den letzten Jahrzehnten zwar stärker in Frage gestellt, mag aber auch dort weiterhin vorherrschend sein. Siehe auch Anita S. und ihre überaus positive Rezeption in Deutschland. Im frankophonen Bereich dürfte dieser sexnegative Feminismus durch die jüngsten Skandale um sexuell belästigende oder gar vergewaltigende Politiker und das dortige Patriarchat auch gehörig an Aufschwung gewonnen haben.
Das Twitterzitat verweist dabei nicht nur auf eine (Über-)Sexualisierung in dieser Welt durch Männer, die unangenehm bis bedrohlich empfunden wird, sondern mag perfider Weise dahingehend auch eine (immer noch vorhandene - siehe wieder meine längeren Ausführungen oben) Homophobie auf eine eigene Sexphobie beziehen - was ich jedoch weit eher als eine homophobe Reaktion bezeichnen würde. Nicht nur als Katholik glaub ich nämlich zu wissen, dass sehr viel Homophobie eine grundsätzlichen Anklage einer Sexualisierung der Welt mit einschliesst. Zum Beispiel gibt meine Kirche ja nicht ihrer eigenen Leibfeindlichkeit die Schuld am Missbrauch, sondern vielmehr den Versuchungen und Sünden einer gerade in den letzten Jahrzehnten vermeintlich immer sexualisierter gewordenen Welt. Aber noch ein letztes Mal ganz deutlich: wer Sexarbeit bis hin zur Masturbationshilfe ablehnt dem kann ich nur Menschenverachtung und eine ganz abscheuliche und extreme Form der Xenophobie vorwerfen, eben auf die Sexualität bezogen, weil es eben Menschen auf der Welt gibt die dabei Hilfe benötigen. Die Libido dieser "KritikerInnen" mag ja nicht sonderlich ausgeprägt sein, sie mögen diese "Bedürfnisse" nicht haben, doch für andere Menschen gilt das halt nicht (unbedingt). Und aus deren Sicht anscheinend Fremde haben nunmal auch ein Recht darauf. Aus meiner Sicht sogar ein grundlegendes Menschenrecht -
Doch auf die Gewalt von Twitter würde ich dabei ja (auch) nicht setzen, denn ich denke dass sich auch dort letztlich bloß die ungeheure und Andersdenkende ausgrenzende Brutalität einer Mehrheit Gehör verschaffen kann -
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Re: Sexismus-Thread

Beitragvon buzzti » Fr 1. Feb 2013, 18:34

Neue Show von Christian Ulmen:

http://www.youtube.com/watch?v=RiNZMYbR ... e=youtu.be

Soll natürlich Satire sein, hat trotzdem ein "Gschmäckle".


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