Was ist Wissenschaft

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Mars
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Was ist Wissenschaft

Beitragvon Mars » Do 20. Nov 2014, 13:07

Kurze Frage. Richtet sich eigentlich hauptsächlich an Vicaroncha und Pyri (da ich dort glaube eine Definition zu finden), aber jede andere Meinung ist natürlich auch willkommen.
Was ist für euch Wissenschaft? Die Frage zielt nicht auf Erkenntnistheorien, keinen Konstruktivismus oder so, sondern auf ein Abgrenzungskriterium:
Was ist Wissenschaft. Welche Theorien sind wissenschaftlich und welche nicht? Welches Kriterum akzeptiert ihr zur Abgrenzung?

Da würde mich eure Einschätzung interessieren.

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Re: Was ist Wissenschaft

Beitragvon Rey Alp » Do 20. Nov 2014, 14:27

Imho ist es der versuch ueber tatsaechliche, moralische oder metaphysische zustaende/geschehen anhand von (logischen) konzepten verifizierbare aussagen zu treffen. Das einzige problem sehe ich, wenn man zwischen autodidaktischer und professioneller wissenschaft zu unterscheiden versucht. Imho kann ein studium auf den jeweiligen gebiet von vorteil sein und wenn jemand dafuer bezahlt wird mag das umso schoener sein, doch vorkenntnisse sehe ich fuer den versuch des wissenschaftlichen arbeitens nicht als zwingend erforderlich an, sofern das bemuehen nicht komplett schwachsinnig ist. Allein in der proffession und allgemein dueften solche leute wohl mehr um die anetkennung ihrer erkenntnisse kaempfen muessen.

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Re: Was ist Wissenschaft

Beitragvon Patrik » Fr 21. Nov 2014, 11:02

Wissenschaft würde ich als Streben nach gesicherter Erkenntnis sehen. Implizit mitgemeint ist meist wissenschaftliches Vorgehen. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass man versucht, die Arbeit möglichst transparent und überprüfbar darzustellen, und dass man auch kommuniziert, wie sicher man sich bei seinen Aussagen ist. (Irrtümer können ja faktisch so gut wie nie ausgeschlossen werden.) Rossi betriebt zum Beispiel keine Wissenschaft, selbst wenn er tatsächlich forschen sollte. So untersagt er unabhängige Untersuchungen und hat auch keine Erklärung, warum seine kalte Fusion funktionieren soll.
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Re: Was ist Wissenschaft

Beitragvon Mars » So 23. Nov 2014, 23:34

Also alles solange transparent ist woher die Aussage kommt? Hm, ok, danke schomal für die Antworten.

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Re: Was ist Wissenschaft

Beitragvon Patrik » Mo 24. Nov 2014, 20:43

Die Quelle/Herleitung/… muss natürlich transparent sein. Sehr wichtig ist aber auch der Punkt, dass man die (Un-) Sicherheit angibt oder zumindest einschätzt. Wenn man eine unzuverlässige Quelle hat, kann man darauf zum Beispiel Spekulationen aufbauen, die man dann auch so nennt.

Ein Beispiel aus der Physik: Die Geschwindigkeit von Sternen am Rand von Galaxien ist höher, als man aufgrund der sichtbaren Massen (und deren Anziehung) annehmen würde. Wenn man jetzt annimmt, dass es in den Galaxien verteilt noch unsichtbare Materie gibt, würde es passen. Dass es die benötigte Dunkle Materie gibt, kann (bisher) nicht direkt bewiesen werden. Da man sie aber quasi braucht, um die Welt zu erklären, kann es wissenschaftlich sein, zu spekulieren, dass es sie gibt. Wikipedia schreibt zum Beispiel, „Existenz Dunkler Materie […] wird […] postuliert“.
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Re: Was ist Wissenschaft

Beitragvon buzzti » Mo 24. Nov 2014, 21:50

Wissenschaft versucht Voreingenommenheit/Tendenzen/Befangenheit/Ressentiments möglichst zu umgehen. (z.B. durch Doubleblind-Experimente)
Wissenschaft entwickelt Theorien anhand von Beobachtungen, Datensammlungen und Experimenten.
Wissenschaftliche Theorien sollten falsifizierbar sein. (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Abgrenzung ... legbarkeit ff)
Ist z.B das letzte nicht gegeben, kann man von unwissenschaftlich oder Pseudowissenschaft reden. Weitere Merkmale hierfür: Berufung auf Autorität, nicht wiederholbare Experimente, anekdotisch/nicht repräsentative Beispiele, Unwillen zu überprüfen, nicht begründete Immunisierungen (selektive Wahrnehmung) (siehe auch https://www.psiram.com/ge/index.php/Pse ... t#Merkmale
)

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Re: Was ist Wissenschaft

Beitragvon Mars » Di 25. Nov 2014, 19:59

Vielen Dank für eure Antworten - ich bin mir bei der Frage nicht sicher, möchte aber noch 2-3 Fragen stellen.

@Patrick: Für mich ist bei der Definition das Problem dass dann jeder Esoteriker wissenschaftlich ist solange er seine Quellen angibt und die Erfahrungen dokumentiert, die zu seiner Meinung führen, oder?

@Buzzti:
Die weiteren Merkmale halte ich schon für richtig, aber auch schwierig. Beispiel: Für Pseudoscience steht "selects only favourable discoveries". Ich kenne eigentlich keinen realen Wissenschaftler, auf den das nicht auch zutrifft. Sei es, dass man nur das zitiert was einem passt (das macht nun wirklich fast jeder, jeder selektiert Quellen um das Paper nicht zu überfrachten) oder dass man überhaupt viel nicht kennt, weil man es nicht gefunden hat. Außerdem ist das kein "scharfes" Kriterien - wenn man es scharf macht gibt es wohl keinen richtigen Wissenschaftler. Ebenso das mit den anekdotischen Beispielen. In gewisser Weise trifft das wohl auf jeden ab und zu mal zu. Ich will das damit nicht wegwischen das Argument, ich sehe es genauso als Qualitätskriterium, aber wenn das die Kriterien sind dann gibt es keine objektive Abgrenzung von Wissenschaft.

Interessant ist das Falsifizierbarkeitskriterium, ich kenne es von Popper. Ich habe dazu 2 Fragen:
Popper verwendet das Kritierium imho als Abgrenzung von "empirischer Wissenschaft", nicht von Wissenschaft im Allgemeinen. Denn wenn man das Kritierium nimmt, dann ist ein Satz wie: "Aus Theorie X folgt dass es mindestens einen Menschen mit Merkmal Y gibt" nicht wissenschaftlich. Denn wie Popper selbst schreibt ist dieser Satz nicht widerlegbar, aber sehr wohl beweisbar. Ist der Satz deshalb nicht wissenschaftlich? Was denkst du dazu?
Und eben die 2. Frage: ist das für dich die Abgrenzung von Wissenschaft oder nur von Empirie?

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Re: Was ist Wissenschaft

Beitragvon Pyri » Di 25. Nov 2014, 21:30

Mars hat geschrieben:Popper verwendet das Kritierium imho als Abgrenzung von "empirischer Wissenschaft", nicht von Wissenschaft im Allgemeinen. Denn wenn man das Kritierium nimmt, dann ist ein Satz wie: "Aus Theorie X folgt dass es mindestens einen Menschen mit Merkmal Y gibt" nicht wissenschaftlich. Denn wie Popper selbst schreibt ist dieser Satz nicht widerlegbar, aber sehr wohl beweisbar. Ist der Satz deshalb nicht wissenschaftlich? Was denkst du dazu?
Und eben die 2. Frage: ist das für dich die Abgrenzung von Wissenschaft oder nur von Empirie?


Das Deutsche hat das Problem (ähnlich wie bei "Gewalt"), dass es für "Wissenschaft" im Sinne von Forschung nur ein Wort gibt. Während "science" eigentlich immer (potentiell) empirisch arbeitende Wissenschaften meint. Also etwa auch die Kosmologie (im Unterschied zur Theologie).
Ob es um "Natur" (im Unterschied zu "Kultur"), oder den "Mensch" geht (social sciences), der Gegenstand von Forschung ist gewissermaßen immer natürlich-materiell und Forschung auf keinen (immateriellen) Geist bezogen. So interessiert in der Mediennutzungs- und Wirkungsforschung etwa weniger was die Menschen über Medien denken, sondern vielmehr wie sie sich wegen ihnen verhalten, das heißt welche Auswirkungen sie hätten, wie sie sie nutzen, welchen Nutzen oder Schaden sie ihnen (und ihrer - sozialen - Umwelt) bringen.
Und ich fühle mich da etwa schonmal gar nicht angesprochen, weil ich keine "science" sondern "studies" betrieben habe: wie zum Beispiel in "intelligence studies", wobei es dort etwa endlich ist "Geheimdienste" herzuleiten. Herleitungen kann ich in den Kultur- und Geisteswissenschaften nämlich nur bedingt bringen: ich kann etwa sagen, dass die Geheimdienste aus einem Sicherheitsbedürfnis oder einer Nationsbildung heraus enstanden sind, ihnen selbst nähere ich mich dadurch aber schonmal eher weniger.
Mir gefällt im Übrigen folgendes Bonmot von mir: jemand der aus einem lärmgedämmten, klimatisierten Raum ohne Fenster ins Freie tritt um zu überprüfen wie das Wetter so ist, ist ein empirisch arbeitender Wissenschafter :-)
Zuletzt geändert von Pyri am Fr 28. Nov 2014, 16:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist Wissenschaft

Beitragvon Patrik » Mi 26. Nov 2014, 21:04

Mars hat geschrieben:@Patrick: Für mich ist bei der Definition das Problem dass dann jeder Esoteriker wissenschaftlich ist solange er seine Quellen angibt und die Erfahrungen dokumentiert, die zu seiner Meinung führen, oder?

@Buzzti:
Die weiteren Merkmale halte ich schon für richtig, aber auch schwierig. Beispiel: Für Pseudoscience steht "selects only favourable discoveries". Ich kenne eigentlich keinen realen Wissenschaftler, auf den das nicht auch zutrifft.

Ich antworte mal auf beides, weil es zusammenhängt. Ein wissenschaftlich arbeitender Esoteriker wäre durchaus vorstellbar. Meistens werden aber von Esoterikern nur Quellen/Ereignisse zitiert, die zu ihrer These passen. Uns das ist nicht wissenschaftlich. Quellauswahl muss man natürlich treffen, aber bei bedeutenden Gegenmeinungen sollte klar gemacht werden, warum man sie nicht berücksichtigt. In der Physik gilt es zum Beispiel als Vergehen, wenn man heimlich Daten verwirft. Wenn man einen Messfehler hat, muss der als solcher kommentiert werden, man darf ihn nicht einfach auslassen.
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Re: Was ist Wissenschaft

Beitragvon Mars » Do 27. Nov 2014, 21:03

Pyri, verstehe ich dich dann richtig dass du meinst man kann Wissenschaft nicht unbedingt definieren, sondern nur die verschiedenen Felder abgrenzen, also Empirie vs. das, was du Studies nennst etc.?
Denn dein Bonmot würde ja bedeuten, dass quasi alle Überprüfung wissenschaftlich sei.


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