VDVC-Umfrage 2016 - Artikel "Alte Spiele"

Rey Alp
Beiträge: 2417
Registriert: Mo 1. Jun 2009, 15:58

VDVC-Umfrage 2016 - Artikel "Alte Spiele"

Beitragvon Rey Alp » Mi 3. Mai 2017, 13:55

Moin,

ohne die Daten, die aus bekannten Gründen noch nicht vollständig ausgewertet sind, konnte auch ich bisher nur ein Grundgerüst schreiben. Hierbei wäre ich aber schon für jede Anmerkung und jeden Hinweis - insbesondere soweit es mein Geschreibsel zu Konsolen betrifft - dankbar. Hier der Text:

VDVC Umfrage 2016: Alte Spiele

Die VDVC-Umfrage unterscheidet sich auch deswegen von den üblichen Statistiken, weil die Teilnehmer nicht nach den gekauften, sondern nach den genutzten Spielen gefragt werden. Diesen Einblick, welche Titeln wie häufig genutzt wurden, können Verkaufscharts nicht bieten. Der größte Unterschied hierbei ist, dass die Nutzung älterer Titel in der Statistik auch dann erfasst wird, wenn diese nicht erst im zurückliegenden Jahr gekauft wurden. So sind 2016 die genutzten Spiele im Durchschnitt Mitte 2013 – mithin 2 Jahre und 7 Monate vor dem „aktuellen“ Jahr – erschienen. Dabei entfielen insgesamt 53 % der Spielenutzungen auf in den letzten 3 Jahren veröffentlichte Titel; 47 % wurden also 2013 oder früher veröffentlicht.

Diese Zahlen sind mit gewisser Vorsicht zu genießen, da eine pauschale Einordnung den Besonderheiten eines jeden Spieles nicht immer gerecht wird: So wurde beispielsweise „World of Warcraft“ mit dem Jahr 2005 als Release erfasst, obwohl mittlerweile sechs Erweiterungen, zuletzt im August 2016 „Legion“, erschienen sind. Auch bei dem 2011 erschienen „The Elder Scrolls V: Skyrim“ wurde es trotz der 2016 veröffentlichten „Special Edition“ beim ursprünglichen Release belassen. Weiter wird auch bei „Grand Theft Auto V“ von 2013 als Release ausgegangen, obwohl das Spiel erst seit 2015 auch für den PC erhältlich ist. Oft genannte Videospiele, bei denen das Beibehalten des ursprünglichen Releasetermins als weniger problematisch erscheint, sind unter anderem „Counter-Strike: Global Offensive“ (2012), „League of Legends“ (2009), „Gothic II“ (2003) und „Minecraft“ (2010).

„Ultima IV: Quest of the Avatar“ das älteste genutzte Spiel

Zu den ältesten genannten Spielen zählen „Ultima IV: Quest of the Avatar“ (1985), „Wizardry: Crusaders of the Dark Savant“ (1992) und „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ (ebenfalls 1992), wobei es sich jeweils um Einzelnennungen handelt. Verhältnismäßig häufig genutzte ältere Spiele sind „Tomb Raider featuring Lara Croft“ (1996), „Age of Empires II: The Age of Kings“ (1999) und „Gothic“ (2001). Hierbei liegt die größte Schwierigkeit darin herauszufinden, welches Spiel mit einer Nennung wirklich gemeint ist: Schon die Publisher machen es einem nicht leicht, wenn gleichnamige Titel herausgebracht werden, wie beispielsweise „Doom“ (1993 und 2016), „Die Siedler II (1996 und 2006) sowie „Need for Speed: Most Wanted“ (2005 und 2012). Wenn nun „Turmoil“, „The Witness“ oder „Castle of Illusion Starring Mickey Mouse“ angegeben werden, ist nicht eindeutig, ob das Original oder das Remake gemeint ist.

Der Umstand, dass manch ein Spiel nicht mehr genutzt wird, ist dabei nicht immer auf eine Entscheidung des Spielers zurückzuführen. Nicht selten können Spiele nach dem Umstieg auf ein anderes Betriebssystem oder dem Einstellen des Supports durch den Anbieter schlicht nicht mehr (legal) nutzen. Bei der Befragung gaben … an. Der Publisher Electronic Arts (EA) ist hierbei transparent und listet online auf, ob wann welche Spiele nicht oder nicht mehr im vollen Umfang genutzt werden können. Darunter ist auch die zum 14 Juli 2015 erfolgte Einstellung von „Battlefield Play4Free“, „Need for Speed: World“ und „FIFA World“, nach jeweils 6 Jahren, 3 Jahren und 1 Jahr. Auch wenn der „Shutdown“ 90 Tage vorher angekündigt wurde dürfte der ein oder andere, der kurz zu vor noch echtes Geld in sein Fahrzeug investierte, hierüber nicht begeistert gewesen sein („Refunds will not be available for purchases made toward these titles.“). Wer sich weiterhin an dem Spiel erfreuen möchte, ist im Fall von „Need for Speed: World“ auf den inoffiziellen Offline-Patch angewiesen.

The game you are looking for isn’t available

Die Gründe, weshalb ein Spiel nicht mehr angeboten wird, können dabei vielfältig sein. EA stellt beispielsweise auch aus wirtschaftlichen Gründen für manche Funktionen von Spielen oder für diese insgesamt benötigte Infrastruktur nicht mehr bereit, wie es auch transparent kommuniziert wird:

    „Wenn Spiele durch neuere Titel ersetzt werden, sinkt die Anzahl der Spieler von Spielen, die schon eine ganze Weile live sind, auf ein bestimmtes Level – meist weniger als 1 % aller Online-Spieler verteilt auf alle EA-Titel – und dann ist es nicht mehr praktikabel, all die Arbeit hinter den Kulissen fortzuführen, die nötig ist, um die Online-Dienste für diese Spiele aufrecht zu erhalten.“

Für reine Onlinespiele, bei denen Server nicht durch die Community erstellt, sondern allein vom Betreiber zur Verfügung gestellt werden, bedeutet dies offizielle das Ende des jeweiligen Spiels. Darüber, ob die Spiele (eingeschränkt) noch am Leben gehalten werden, ist – wie im Fall von „Need for Speed: World“ entscheidend, ob aus der Community inoffizielle Offline-Patches erstellt oder – wie im Fall von „Tribes 2“von Sierra Entertainment – nach entsprechender Veränderung des Spiels inoffizielle (Ersatz-) Server zur Verfügung gestellt werden können. Warum nicht bereits bei der Entwicklung durch die Hersteller dafür Sorge getragen wird, dass das Spiel auch noch weiter genutzt werden kann, wenn es durch den Publisher „abgeschrieben“ wurde, ist möglicherweise mehr als eine Kostenfrage: Ein versteckter „freier“ Modus könnte möglicherweise noch während der Vermarktung des Titels eine Umgehung des DRM erleichtern und vielleicht passt es auch schlicht nicht zur Strategie des Publishers, dass der Vorgänger mit dem Nachfolger noch um Nutzer konkurriert.

Bei „Battlefield 1942“ waren es jedoch andere Gründe die EA dazu bewegt haben, auf das weitere Angebot dies Spiels zu verzichten. Dieser Klassiker setzte - wie viele andere Titel auch - für den Multiplayermodus auf den Dienst GameSpy, der Ende Mai 2014 eingestellt wurde. Da EA das Spiel als primäres Onlinespiel verstand, wird es nunmehr nicht mehr zum Verkauf angeboten:

    „Die Technologie zur Online-Multiplayer-Spielersuche für dieses Spiel wurde von GameSpy bereitgestellt; das Unternehmen hat diesen Dienst deaktiviert. Da der Multiplayer-Modus wesentlicher Bestandteil des Spielerlebnisses war, haben wir entschieden, Battlefield 1942 nicht mehr in der derzeitigen Form zu verkaufen.“

Dabei kann allein der "richtige" Onlinemodus nicht mehr genutzt werden. Der LAN-Modus funktioniert nach wie vor, so dass das Spiel noch über den VPN-basierten Dienst GameRanger gemeinsam gespielt werden kann. Diesen Workaround wollte EA seinen Kunden aber offenbar nicht zumuten oder kam zur Überzeugung, dass dies den eigenen Qualitätsansprüchen nicht genügt.

Ein besonderes Ärgernis war für viele Spieler auch der Umstieg auf Windows 10. Der Kopierschutz SafeDisc ist mit Windows 10 inkompatibel, weshalb hunderte Spiele, bei denen dieser verwendet wurde, nicht mehr ausgeführt werden konnten. Um ein Spiel weiterhin zu nutzen musste der Kopierschutz mit einem – natürlich ebenfalls nicht offiziellen – „no-cd-crack“ ausgeknockt werden.



Spiel geht nicht mehr? Nochmal kaufen!

Genaugenommen sind viele Spieler mit ihren Erwartungen jedoch etwas starrköpfig, wenn sie noch nach 20 Jahren versuchen, ein bestimmtes Videospiel (wieder) zum laufen zu kriegen. So dürfte auch die Anzahl der Leute überschaubar sein, die sich darüber aufregen, dass ihre "Star Wars"-VHS nicht in den DVD- bzw. BlueRay-Player passt. Hier dürfte die naheliegende Lösung sein, die VHS als Briefbeschwerer zu nutzen und sich den Streifen auf einen zeitgemäßen Speichermedium (erneut) zu kaufen. Ähnlich ist es beispielsweise bei Microsofts „Xbox One“, bei der für manche „Xbox360“-Titel eine Abwärtskompatibilität besteht: Eingelegte Datenträger von „Xbox 360“-Spielen fungieren als physische CD-Keys, die das Herunterladen einer Spielfassung für den Emulator erlauben. Hierbei ist der erneute Bezug des Titels kostenlos für solche Spieler, die die Grundversion bereits besitzen. Für Nutzer von Nintendos „Virtual Console“ wird dagegen der volle Kaufpreis fällig. So wie auch bei über Sonys Abo-Dienst „Playstation Now“ gestreamten Titeln Besitzer der Grundversion keine Vergünstigungen erhalten. Mit 483 Spielen (Stand März 2017) umfasst das Angebot von „Playstation Now“ jedoch nur einen Bruchteil der erschienen „Playstation 3“-Titel – für diese sind allein 1.433 Retail-Fassungen erschienen. Bei Nintendo – 385 verfügbare Titel in Europa bei schon 714 erschienenen Titeln für das NES und 388 für den N64 – und Microsoft – „mehr als 300 Xbox 360 Spiele“ bei 1.204 für diese veröffentlichten Titeln – sieht es nicht anders aus.

Auch bei PC-Titeln gibt es mittlerweile verschiedene Möglichkeiten, alte Spiele auch dann noch zu nutzen, wenn diese mit dem aktuellen Betriebssystem nicht mehr wollen. So bietet beispielsweise GOG.com Videospiele ohne Kopierschutz an, so dass hier bezogene Software auch nicht von der Windows 10-Inkompatibilität von "SafeDisc" betroffen waren. Auch befindet sich bei Steam mittlerweile eine große Anzahl von Klassikern im Angebot, die auch auf aktuellen Betriebssystemen laufen sollen. Und wer hier nicht fündig wird, kann sein Glück bei anderen Seiten versuchen, die sich teilweise aber in einer rechtlichen Grauzone bewegen. Wie erfolgreich man hierbei ist, haben wir anhand der Titel ausprobiert, die in der ersten Ausgabe der GameStar (9/1997) getestet wurden.

Für eine aktuell lauffähige Fassung eines Spieles, das man bereits besitzt, erneut zu zahlen, erscheint dabei zumindest auf den zweiten Blick nicht als vollkommen abwegig. Wenn es wegen neuer Betriebssysteme und anderer geänderter technischer Rahmenbedingung notwendig ist, ein Spiel anzupassen, ist damit Arbeit verbunden, die sich ein Publisher auch bezahlen lassen darf. Und demjenigen, der 10 Jahre Freunde an einem für 60,- DM erstandenen Kleinod hatte, dürfte es auch wert sein, für 10 weitere Jahre ein paar weitere Euro zu bezahlen. Frustrierend und rechtlich vielleicht auch grenzwertig ist es, wenn ein Spiel kein Jahr nach dem Kauf oder von dem in den Spiel angebotenen Bezahlinhalten "abgeschaltet" wird.

...


edit:

Ich wäre auch jedem dankbar, der an dem "Test" mitwirken und nachschauen kann, wo man unter Windows 7/10 lauffähige Fassungen der "GameStar 9/1997"-Spiele auftreiben kann (und ob das Original noch funktioniert). Hier die Liste:

- piratepad -
Dateianhänge
gs_1997.jpg
Zuletzt geändert von Rey Alp am Fr 5. Mai 2017, 16:27, insgesamt 5-mal geändert.

Rey Alp
Beiträge: 2417
Registriert: Mo 1. Jun 2009, 15:58

Re: VDVC-Umfrage 2016 - Artikel "Alte Spiele"

Beitragvon Rey Alp » Mi 3. Mai 2017, 14:02

- "Dungeon Keeper (Gold)" hatte ich schon bei GOG.com gefunden, nicht aber bei Steam.

- "X-Wing vs. TIE-Fighter (Balance of Power)" gibt es bei Steam und bei GOG.com. Hier kann ich auch testen, ob meine original-CD noch läuft (sofern nich lesbar).

- "g-nome" habe ich gefunden - kostenlos - bei archive.org (Die sind doch seriös?). Auch bei old-games.com (die weniger?).

edit:

Ggf. noch anzusprechen: In Deutschland wird auf nutzbare Sammlung von 50.000 Spielen hingearbeitet.
Ähnliches:
- http://spielkultur.ea.de/allgemein/gesc ... es-archiv/
- http://spielkultur.ea.de/themen/gesells ... en-bei-ea/

Rey Alp
Beiträge: 2417
Registriert: Mo 1. Jun 2009, 15:58

Re: VDVC-Umfrage 2016 - Artikel "Alte Spiele"

Beitragvon Rey Alp » Mo 17. Jul 2017, 16:14

Ich würde gerne den Artikel vollenden, aber ich glaube die Diagramme/Daten die ich dafür brauche (Link) gibt es noch nicht?

Ich habe versicht, da etwas selbst zu basteln, doch ich bräuchte immer noch zumindest die Daten für:

1. Benötigte Daten

- [1] Wie Diagramm 10.1

Für "[2] 10.2." und "[3] 12.1" hatte ich mir aus den noch nicht vollständig ausgewerteten Daten schon etwas gebastelt, wobei mir noch die Zahl der Nutzer fehlt, die an der Frage (12.1) teilgenommen haben (Nicht die der Antworten). Ich glaube, die hattest du mir schon mal genannt, aber ich finde sie nicht wieder.

Die Ideen für die neuen Grafiken [4] sollten wir wohl streichen, da wir ja schon die Daten für die alten in 2 Monaten nicht zusammenbekommen haben. Irgendwann sollte das ja noch erscheinen.

Brauchen tu ich auch noch die Daten für "[5] 14.2" und "[6] 15.1".

2. Weitere Bearbeitung der Daten

Ist dieses Problem mittlerweile gelöst? Ich hatte es ja nicht mehr geschafft mich mit github zu synchronisieren, so dass ich da nichts mehr machen kann.

3. Weitere Bearbeitung der Daten

Sind in den Daten jetzt auch die Nennungen in der Kommentarspalte berücksichtigt?

Ich habe noch diese und nächste Woche Urlaub - wenn die Daten kommen, kann ich den Artikel fertig machen.

Benutzeravatar
Patrik
VDVC-Team
Beiträge: 3379
Registriert: Mi 27. Mai 2009, 22:40
Vorname: Patrik
Nachname: Schönfeldt
Wohnort: Karlsruhe
Kontaktdaten:

Re: VDVC-Umfrage 2016 - Artikel "Alte Spiele"

Beitragvon Patrik » Mo 17. Jul 2017, 17:05

Danke für die Erinnerung, ich werde versuchen das diese Woche abzuschließen.
„What we became convinced of, is that Linux really is the future of gaming“ – Gabe Newell (Valve)

Benutzeravatar
Pyri
VDVC-Mitglied
Beiträge: 898
Registriert: Mo 3. Aug 2009, 18:06
Vorname: Jürgen
Nachname: Mayer
Wohnort: Steiermark, Österreich
Kontaktdaten:

Re: VDVC-Umfrage 2016 - Artikel "Alte Spiele"

Beitragvon Pyri » Di 18. Jul 2017, 17:37

Rey Alp hat geschrieben:Und demjenigen, der 10 Jahre Freunde an einem für 60,- DM erstandenen Kleinod hatte, dürfte es auch wert sein, für 10 weitere Jahre ein paar weitere Euro zu bezahlen (...)

Es heißt in dem Fall wohl "Freude und nicht "Freunde". Und falls mit 60,- DM der historische Vollpreis gemeint ist, dann ist das falsch: Spiele kosteten in der Regel 120,- DM, also Euro mal 2 - frühe CD-ROM-Titel, ja ich bin so alt, schonmal regulär 150,- DM. Das wurde dann auch genau so in der Presse weiter- und wiedergegeben - verbilligte Sachen unter 100,- DM waren eher die Ausnahme, was zum Teil auch an den aufwändigeren Verpackungen lag (und relativ teuren Cartridges im Konsolenbereich, oder vielen CD-ROMs). Eher wurden später Budget-Lines, eigene Reihen mit einfacheren Packungen (Euroboxen), für etwa unter 30,- DM, veröffentlicht.
50-60,- DM war die historische Midrange und die schon relativ selten. 1997 etwa "Jack Orlando". Neue Spiele darunter gabs regulär sowieso kaum, teilweise ließ man sich ja sogar für Shareware bezahlen - offiziell wegen der Unkosten - etwa der Trend-Verlag. Also Spiele für ein paar Euro, oder gar Cent - so wie heute, gabs früher kaum - vielleicht könnte das auch (stärker) berücksichtigt werden.
Gamertag: Pyri80 PSN: Pyri Steam: pyri "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." Thomas Bernhard


Zurück zu „Verbraucherschutz“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron