"Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

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"Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by gordon-creAtive.com »

Mit der Cloudpaging genannten Virtualisierungstechnik von Numecent werden Anwendungen und Spiele lokal auf dem Rechner ausgeführt, ohne dass sie zuvor heruntergeladen oder installiert werden müssen. Mit Approxy startet zugleich ein Spin-off, das die Technik Spieleentwicklern anbieten soll.
Auf dem Rechner des Nutzers läuft der Jukebox Player mit einer virtuellen MMU (Memory Manager Unit), die einzelne Pages, also Anwendungsfragmente, bei Bedarf anfordert. Greift ein Nutzer nun auf eine so aufbereitete Anwendung in der Cloud zu, lädt sein Rechner einige "Pages", also zuvor erstellte Anwendungsfragmente, über HTTP oder HTTPS herunter.
Golem: Cloudpaging ersetzt Download und Installation
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Aginor
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Re: "Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by Aginor »

....so wrong on so many levels.
'Nuff said.

Ne im Ernst. Wie kann es sein dass sich da so viele Leute so dafür begeistern? Ich als Informatiker raffe es einfach nicht. Die Implikationen sind scheinbar den Leuten einfach nicht klar.

Gruß
Aginor
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Re: "Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by TheRealBlack »

Aginor wrote:....so wrong on so many levels.
'Nuff said.

Ne im Ernst. Wie kann es sein dass sich da so viele Leute so dafür begeistern? Ich als Informatiker raffe es einfach nicht. Die Implikationen sind scheinbar den Leuten einfach nicht klar.

Gruß
Aginor
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tobrise
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Re: "Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by tobrise »

Seid doch mal so nett und fasst für Nicht-Informatiker mal zusammen wo ihr die Probleme seht. Ich meine mir kräuseln sich schon die Fußnägel wenn ich höre "von überall erreichbar". Wenn ich das kann kann das JEDER und mit ein wenig krimineller Energie und entsprechenden Kenntnissen kann dann doch JEDER an meine Daten ran, oder? Außerdem ist doch überhaupt nicht klar wo die Rechner steehn auf denen die Daten tatsächlich physikalisch liegen, richtig?
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Re: "Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by gordon-creAtive.com »

Prinzipiell ist das eine Mischform von Cloudcomputing: Die gesamte Applikation lagert auf irgendeinem Server irgendwo im Internet. Im klassischen Cloudcomputing wird ebenfalls die gesamte Anwendungslogik auf dem Server bleiben, das heißt, dein Computer ist nur dazu da, das Resultat anzuzeigen. Das funktioniert so ähnlich wie dieses Forum: Der Server sucht aus der Datenbank die Posts zuammen, macht ein schönes HTML-File draus und dein Browser zeigt es an. Bei der oben verlinkten "Technologie" wird "klassisches" Computering und Cloudcomputing gepaart: Die gesamte App liegt auf einem Server. Wenn du sie aber starten willst, wird genau der Teil heruntergeladen, der zum Starten der App notwenig ist (diese Teile werden im Artikel "Pages" genannt). Wenn du nun mit der App arbeitest, greifst du auf weitere Teile auf sie zu, die jedoch noch nicht auf deinem Computer sind. Diese werden herunter geladen, wenn sie gebraucht werden. Das heißt, die Anwendungslogik läuft zwar immer noch auf deinem Rechner, sie wird aber "on demand" geholt. Das System hat für die Entwickler den Vorteil, dass sie Nicht-Cloud-Programme scheinbar cloud-fähig machen können.
Problem ist aber wie beim klassischen Cloudcomputing: du hast keine Kontrolle über deine Daten, der Betreiber hat immer die Kontrolle darüber, was du mit der App machst und du musst einem Dritten blind vertrauen, dass er das mit der Sicherheit ernst nimmt. Und das ist in der Regel eine [url=hhttp://www.heise.de/newsticker/meldung/Steam-N ... 33001.html]schlechte[/url] Idee.
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Aginor
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Re: "Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by Aginor »

Also da gibt es verschiedene Ebenen.
Für mich fängt es eigentlich schon mit den Begrifflichkeiten an: "Cloud". Was ist eine Cloud? Das hört sich so an als würden die ganzen Daten einfach so durch eine fluffige Wolke zufällig dahinfliegen wohin sie müssen. Nein. Cloud bedeutet nichts anderes als die Serverfarm(en) des jeweiligen Anbieters. Und dieser hat die Kontrolle. Im besten Fall. Im schlimmsten Fall hat er sie nicht, sondern wer auch immer da gerade reinschneit. Aber einer hat auf jeden Fall nicht die Kontrolle, und das ist der User.
Es gibt auch nicht "die Cloud", sondern es gibt einen ganzen Haufen von Clouds. Alle natürlich inkompatibel miteinander, streng getrennt, und keine davon kostenlos. Server kosten Geld, also wird jeder Anbieter sich einen Weg suchen das ganze zu finanzieren.

Zum besonderen des Systems um das es hier geht: Alles was ich im Folgenden über Daten sage gilt hier gleich für die ganzen Programme!

1. Lizenz und Rechte
Wenn der Anbieter der Cloud pleite geht, keine Lust mehr hat, den Laden verkauft etc. habe ich NULL Rechte. Mein Spiel (oder sogar die ganze Konsole), all das wofür ich bezahlt habe, wird von einem Tag auf den anderen nicht mehr funktionieren. Ich kann heute noch auf einem Super Nintendo "Mario Kart" spielen wie im Jahr 1992. Das wird hier nicht gehen. Nichtmal Tetris würde mehr laufen. Mit etwas Glück bekomme ich ein "Sorry, aber war eh nicht Dein Game sondern Du hattest eine temporäre Lizenz. Pech gehabt!".
Dieses Problem habe ich selbst bei Steam nicht, da ich da wenigstens nach der Registrierung den offline-Modus nutzen kann (außer natürlich bei reinen online-Games)
Alle meine Rechte gebe ich natürlich schon beim Lizenzvertrag ab. Ein Traum für die Rechteverwerter.
...Und wenn ich selbst ein Programm schreibe dann gehört es.... auch denen anstatt mir. So wie das jetzt in den App-Stores quasi schon der Fall ist.

2. Datensicherheit / Datenschutz
Wem gehören die Daten? Na logisch: denen! Und natürlich arbeiten die damit. Das ist deren Geschäftsmodell.
Solche Systeme sind außerdem per Definition nicht sicher. Es sind einfach zu viele Leute da drin und dran beteiligt. Das heißt dass man zwar heute noch einfach sagen kann "na dann eben keine sensiblen Daten" aber das wird über kurz oder lang verschwinden. Es ist bereits ein Vorschlag für ein Gesetz in Arbeit, dass man sich bei Cloud-Diensten mit seinem Personalausweis anmelden muss.
Und wenn man sich anschaut wer so die Server betreibt, sei es HostEurope, 1&1 oder Strato (um mal ein paar Serverfarm-Betreiber zu nennen) dann fragt man sich schon, wo genau jetzt meine Cloud ist. Es gibt davon nicht so irre viele, und man kann Gift darauf nehmen dass die Zugriff haben. So ist das bei Servern eben: Wer physikalisch am Rechner sitzt kann ALLES. Wenn man nur "die Cloud" sieht vergisst man gerne dass das trotzdem Server sind.
Das einzige was meine Daten ein wenig schützt ist der Herdeneffekt. Die Wahrscheinlichkeit dass ausgerechnet meine Daten so missbraucht werden dass es ins Gewicht fällt ist nicht extrem hoch. Aber da diese Daten maschinenverwertbar rumliegen wird dieser "Schutz" immer geringer.
Mit krimineller Energie und ein wenig Zeit werden diese (für alle Beteiligten unübersichtlichen) Systeme durchaus zugänglich, evtl sogar leicht zugänglich.

3. Überwachung
Cloud-Betreiber werden (sofern dies nicht sowieso der Fall ist) dazu verpflichtet werden, Daten aufzuheben und bei Bedarf herauszugeben. Das lehne ich natürlich ab. Und selbst wenn sie es nicht freiwillig tun so ist aufgrund der Größe der Struktur immer irgendwo ein Leck vorhanden, wo-wer-auch-immer eindringen kann.

4. Bandbreite / Verfügbarkeit
Ich weiss nicht ob das den Leuten klar ist, aber "die Cloud" besteht aus Servern und Leitungen. Diese haben begrenzte Kapazität. Auch in Mitteleuropa (es spricht der Informatiker der zuhause selbst nur 384 kBit zur Verfügung hat). Durch dieses endlose Cloud-Gedöns geht eine irre Datenmenge über die Leitungen. Wer zufällig nicht gerade schnelles Internet hat, der ist abgemeldet. Die Leute werden sorglos und schieben jeden Mist durch die Röhren. Das ist einfach unnötig und macht den ganzen Rest langsamer.
Wenn mal das Internet ausfällt (oder auch nur bestimmte Server), dann geht gar nichts mehr. Da ich nichts mehr auf der Platte habe kann ich nicht spielen. Bei Spielen mag das verkraftbar sein, aber das Ziel der Cloud-Freaks ist ja, das nicht nur mit Spielen so zu machen.

Und das schlimmste ist, dass man nur die Möglichkeit hat, gar nicht mitzumachen oder voll. Ist wie bei Facebook. Wer drin ist, von dem weiss jeder alles was er reinstellt wenn er sich ein bisschen Mühe gibt. Und dass einfach die Alternativen abgeschafft werden. Heute kann ich mich mit dem PC noch gegen bestimmte Dinge wehren, z.B. Steam. Dann spiele ich halt die Spiele nicht, die es nur mit Steam gibt (mein Vater hat z.B. Skyrim als ersten Teil der Elder Scrolls games liegen lassen, weil er kein Steam will.), aber auf Kurz oder lang werden (wenn es nach dem Willen der Cloud-Fans geht) alle nicht-internetbasierten Programme wegfallen. Man hat dann quasi wie früher in den Rechenzentren nur noch ein Terminal mit dem man in "die Cloud" kann. Alle Daten und Programme liegen beim Anbieter.

Wenn man mich also nicht mehr mag schaltet man mir "die Cloud" ab, und ich kann weder Fernsehen, noch telefonieren, noch Spielen, kann mich nicht mehr informieren, keinen Kontakt mehr mit Ämtern aufnehmen, komme nicht mehr an meine Bank usw. Das ist nur konsequent weitergedacht.
Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht gegen das Internet, ich bin ein Fan davon. Aber ich bin der Meinung dass nicht alles zwanghaft ins Internet muss. Da läuft einfach was grundsätzlich falsch.

Ich denke ich habe da auch noch ein paar Punkte vergessen. Wenn mir noch was einfällt reiche ich es nach. Und natürlich ist das ganze jetzt etwas verkürzt, aber ich will ja niemanden mit technischen Details nerven. :D

EDIT: Nachtrag zum Sicherheitsaspekt: Zusätzlich zu dem ganzen anderen Mist wird mein System natürlich auch viel verwundbarer gegen Man-in-the-middle Angriffe, da ja alles was ich anzeigen oder ausführen will von irgendwelchen Servern reinströmt. Mir fällt nicht auf wenn mal was anders ist. Ich kann mich nicht wie jetzt drauf verlassen dass wenn ich das Programm so habe wie es ist und es sich nicht ändert es auch nichts anderes tut. Das fällt weg weil sich alles jederzeit ändern kann und keiner merkts.

Gruß
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Re: "Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by gordon-creAtive.com »

Ha, ich habe einen guten Vergleich:
Cloudcomputing ist ungefähr so, als würdest du bei einem One-Night-Stand auf die Aussage vertrauen "Ich nehme die Pille" :D
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Scorpion
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Re: "Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by Scorpion »

ich brauche kein speicherstick, hdd oder laptop mehr.
dank google sind meine kontakte diebstahl-, verlust- und schadenssicher. Und das gilt nicht nur für mein Adressbuch, dass früher durchaus kurzer Hand durch ein Fallenlassen des Telefons komplett ausradiert war, sondern eben auch für meine Word-, Excel- und sonstigen -Dokumente. Einzuschließen sind natürlich auch Fotos, Videos, Filme und MP3s.

Danke Google!

PS: Bisher hab ich keine Nachteile erfahren können.
PPS: Noch ein Vorteil: ich sehe im Netz keine Tampon-Werbung mehr! Nur noch Technik, Games und Bikes...
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Re: "Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by Aginor »

Nun, diese ganzen Vorteile könnte man auch ohne Google haben. Technisch durchaus machbar.
Und nur weil man keine Nachteile bemerkt heisst das noch lange nicht dass keine da sind.

Man könnte also eher sagen man hat die Vorteile (bzw. keine spürbaren Nachteile) TROTZ Google und Konsorten. :D

Aber die Sache mit der Datensicherung/Synchronisation, etwa des Handyspeichers mit dem Rechner etc. könnte man beispielsweise auch problemlos ohne Internet machen. Vorteil wäre dabei dass man die Kontrolle über die Daten behält. Bei Google & Co. hat man das eben nicht.

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Re: "Cloudpaging": Irgendwas zwischen Steam und OnLive

Post by Scorpion »

Aginor wrote:Aber die Sache mit der Datensicherung/Synchronisation, etwa des Handyspeichers mit dem Rechner etc. könnte man beispielsweise auch problemlos ohne Internet machen.
Wenn ich einen kontakt bearbeite, einen Termin anlege oder sowas... und wärenddessen bin ich im Park, Zug, Auto oder Bahn... dann mein Telefon geklaut wird habe ich keine Daten mehr. Ohne Internet wird nichts synchronisiert.
Aginor wrote:Nun, diese ganzen Vorteile könnte man auch ohne Google haben. Technisch durchaus machbar.
Ja klar ist es technisch machbar. Gibt inzwischen nicht mehr soo viele Dinge die technisch nicht machbar sind.
Allerdings ist die Benutzbarkeit bzw. Benutzerfreundlichkeit ein extrem großer Faktor.

(wir kommen vom thema ab)
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