Der Spiele-Kanon

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Green Ninja
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Der Spiele-Kanon

Beitragvon Green Ninja » Di 19. Feb 2013, 01:09

Hallo Leute. Ja, ist lange her, dass ich hier was geschrieben habe, aber ich hatte neulich eine Idee und hier schien mir der geeignestete Ort dafür. Seit seiner Gründung hat sich der VDVC vor allem für Spieler im Kampf gegen Ungerechtigkeiten in den Medien, aber auch von Seiten der Industrie gewehrt. Das war und ist leider immer noch notwendig, aber darum geht es hier heute nicht.
Es geht um die kulturelle Bedeutung von Videospielen. Nein, noch besser, um die Kultur der Videospiele selbst. Es geht darum was uns wichtig ist. Immer wieder tauchen im Internet Top 10 oder Top 100 Listen für alle möglichen Systeme oder Genres auf. Aber was ich im Sinn hab ist ein bisschen seriöser: Ein offizieller Spiele-Kanon.

Der Bildungskanon (altgriechisch κανών kanon „Waagebalken, Messlatte, Maßstab“) ist der Teil der Bildung, der den unabdingbaren Kern einer Kultur ausmacht, bzw. als solcher von Kulturträgern erachtet wird. Seine Inhalte hängen vom Fächerkanon ab; so galten im Altertum die sieben freien Künste als maßgeblich für die Inhalte der Bildungskanons.

Es geht um eine Liste von Spielen. Nicht zwingend die “besten” Spiele, sondern die wichtigsten. Die für das Medium und seine Konsumente herausragendsten Titel. Die Spiele, die auch in 50 Jahren noch relevant sind.
Diese Liste wird nicht einfach. Ich weiß wie verlockend es ist einfach zu sagen “Uncharted 2 ist das beste Actionspiel allter Zeiten!einself!”.

Zuerst, die Einteilung: Naheliegend wäre die Sortierung in Genres, aber das halte ich für keine gute Idee. Das mag vielleicht funktionieren für Fighting Games oder Rennspieler, aber wie definiert man ein Action-Adventure? Ist Bioshock mehr als ein Shooter? Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber mein Ansatz ist dieser: Aufteilung nach System. Was sind die 5 wichtigsten Super Nintendo Spiele? Wie ist es mit der Playstation 1 oder dem Game Gear?
Natürlich hat auch diese Sortierung ein nicht zu übersehendes Problem: PC Spiele. Gehört Maniac Mansion auf die selbe Liste wie Deus Ex? Wohin mit Multiplatform Titeln oder Indie Games?

Das sind alles Gedanken die wir uns zu diesem Thema machen können. Betrachtet diesen Thread als Anstoß. Wie würdet ihr so eine Liste angehen? Und ja, ihr dürft auch gerne schon schreiben was eurer Meinung nach drin sein sollte. Aber wenn, dann bitte mit einer handfesten Erklärung dahinter und nicht einfach eure persönliche Top 10 posten.
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Re: Der Spiele-Kanon

Beitragvon Pyri » Di 19. Feb 2013, 17:23

Als wichtigste Spiele würde ich Roberta Williams' "Phantasmagoria" (1995) und Tetsuya Mizuguchi's "Rez" (2001/02) ansehen.
Infrage kämen aus meiner Sicht auch noch "Ceremony of Innocence" (1998) und "The Graveyard" (2008)
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Re: Der Spiele-Kanon

Beitragvon Green Ninja » Di 19. Feb 2013, 22:53

Kenn ich alle vier nicht. :D

Aber warum sind die denn so wichtig? Darum geht es.
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Re: Der Spiele-Kanon

Beitragvon Pyri » Mi 20. Feb 2013, 01:39

"Phantasmagoria": die Autorin Williams war bis dato als Märchentante verschrien, legte damit aber ihr erstes und einziges Werk mit Sex und Splatter hin. Die Vergewaltigungsszene halte ich immer noch für wegweisend und ohne die Welle interaktiver Filme aus der Zeit kann ich mir heutige Spiele wie "Heavy Rain" kaum ohne "Phantasmagoria" und Co. vorstellen. Bis zu "Lucius" letztes Jahr war es, vielleicht noch neben "Harvester", das einzige bis dato veröffentlichte Adventure das je Probleme mit der deutschen Medienzensur bekam. "Indiana Jones 3" wurde ja gleich ohne jegliches Murren zensiert
"Rez" finde ich vor allem wegen der Körperimmersion und Verwendung abstrakter Grafik sowie Musikintegration von Bedeutung. Auch kann es vor Augen führen was "schießen" in Videospielen alles heißen kann und ein "Shooter" tatsächlich sein
"Ceremony of Innocence" (COI) nahm viel spätere Minispiele weit vorweg und legte eine Grundlage zur Welt darstellender Kunst, aber auch traditioneller Literatur, über Lebenswege und Liebe, wie sie sie später etwa ein Jason Rohrer mit "Passage", oder auch ein "Dear Esther", zeigte. Bemerkenswert finde ich es auch deshalb, da es vielfach nicht als Videospiel wahrgenommen wurde, sondern vielmehr als Multimedia-Experiment galt: 2011 konnte sich anlässlich von "Fable III" der Schauspieler Ben Kingsley, welcher etwa auch daran mitwirkte, offenbar gar nicht mehr an COI erinnern oder ordnete es eben nicht als Spiel ein
"The Graveyard" ist auch so ein Fall für ein eigentliches Anti-Videospiel: dass eine Spielfigur in einer fiktionalen Welt gesteuert werden kann und diese Steuerung nebenbei eine Geschichte über eben diese Figur erzählt würde ich hingegen sogar als Essenz jeglichen Videospielens beschreiben
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Re: Der Spiele-Kanon

Beitragvon Aginor » Mi 20. Feb 2013, 14:10

Das kann man beliebig fein machen natürlich, schaut Euch andere Kunstbereiche an.
Pyris Beispiele finde ich schon eher Kunststudium-Niveau.

Was wir also brauchen ist eine Trennung in Kanon-Anteile der "Allgemein"- oder "Schulbildung", und dann noch die feineren Dinge.

Und natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten zu sortieren. Bei Gemälden wird ja auch zB nach Zeit oder Genre sortiert. Nicht alle Werke der Zeit "Impressionismus" sind auch im typischen Impressionismusstil, und nicht alle in dem Stil gemalten Werke sind aus dieser Zeit.

Und ohne Pyri beleidigen zu wollen: Ich würde fast wetten dass die Mehrzahl der Gamer genau wie Ninja und ich diese Spiele nichtmal kennen (ich kenne eins davon, Phantasmagoria), ich halte deren Bedeutung als Meilensteine eher für in die zweite Kategorie gehörig.


Meilensteine für die Allgemeinbildung sind für mich eher solche:
- erstes (bekanntes?) Spiel eines Genres (nicht zu viele Subgenres, das ist wieder Kategorie 2)
- erstes (bekanntes?) Spiel das eine bestimmte Technik verwendet, zB Echtfarbgraphik, Polygongraphik, Texturen, Voxel, Bump-Mapping, Maussteuerung, Textparser, CD-ROM
- Spiele mit besonderen wirtschaftlichen Charakteristika, zB erstes Spiel das teurer war als gängige Kinofilme, erstes Spiel das mehr als X Dollar/Euro gekostet hat


Beispiele:
- Elite hatte echte 3D-Graphik mit Polygonen. Es war nicht das erste Spiel aber das erste bekannte. Den Durchbruch hatte die Technik viel später
- Ultima Online war nicht das erste MMO, aber das erste MMO in der Form wie das spätere MMO-Genre aussah. Der Durchbruch sozusagen.
- Wing Commander IV war für damalige Verhältnisse irre teuer, die Zahl wäre ein interessanter Meilenstein.
- Outcast war das erste Voxelgraphikspiel das nicht total beschissen aussah^^
- Tomb Raider hat das 3D-Action-Adventure-Genre geprägt wie kaum ein anderes Spiel
- "Adventure" war das erste Text-Adventure, mit einem Text-Parser

EDIT: Hier noch eine zusätzliche Erläuterung:
Ich weiss natürlich dass es um kulturelle Dinge gehen soll, zumindest habe ich das so verstanden, aber ich denke um die Bedeutung von Computerspielen einzuschätzen sind technische Aspekte immer mitentscheidend, bei Computerspielen sind Technik und Kultur nicht so sauber trennbar. Inhalt und Form bilden meines Erachtens eine untrennbare Einheit.

Und noch was zur Form:
Eine spannende Darstellung des Themas wäre für mich zB ein Zeitstrahl oder Baum der Entwicklung der Genres, in dem parallel zueinander die Meilensteine der großen Genres ablaufen, so ein Phylogenetischer Baum, mit den Meilensteinen nebenstehend.

Gruß
Aginor
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Re: Der Spiele-Kanon

Beitragvon Green Ninja » Fr 22. Feb 2013, 01:07

Ich hab ein paar Ideen, aber im Moment keine Zeit sie zu schreiben. Freue mich aber weiterhin auf euren Input.
[Leonardo, Michaelangelo and Donatello arrive]
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Raphael: Brothers actually
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Re: Der Spiele-Kanon

Beitragvon TheRealBlack » Fr 22. Feb 2013, 02:20

Genregründungen welche viele Nachfolgenden Spiele beeinflusst hat
Thief 1 Dark Projekt und Thief 2 The Metal Age: Diese Spiele von Looking Glass sind die Begründer des Schleich-Shooters. Und es wurde gezeigt es müssen Gegner nicht immer nur Erschossen werden. Ebenso ist Thief 2 eins der wenigen Beispiele für Steampunk ausgerichteten Spiele.

Systemshock2: Auch ein neues Genre Adventure-Shooter (dank GOG.com spiele ich SysShock2 mal wieder) es wurde sehr viel Story in dieses Spiel gepackt und damals wurde sich noch die Mühe gemacht, dass Texturen übersetzt wurden.

Thief und System Shock hat den Weg geebnet für viele weitere Spiele: Bioshock, Splinter Cell, Hitman, HL... es wurde gezeigt, dass man viele Hintergrunfgeschichten oder Weltdetails (Bücher zu fiktiven Glaubensrichtungen, oder Zeitungen welche Fortsetzungsromane abbilden) hinzufügen kann um die Welt realistischer und lebendiger zu gestalten.
Die Story entsteht im Kopf des Spielers wenn er ein Audio Log von einer Leiche nimmt und dann hört: "*Schuss einer Waffe* Sie kommen... *Mostergeräuch* *Schuss einer Waffe* oh Gott *Waffen fehlfunktion* Nein... *click* nein.... *Schrei*" Ohne ein Skript\Animation welches den Tod der Figur plastisch darstellt, erhält der Spieler im Kopfkino dennoch eine gute Vorstellung der Abläufe.

Die Welten von Looking Glass waren immer "Welten"... ein kleiner Einschub:
Stufen der Ausarbeitung einer Geschichte:
- Story: Eine Geschichte von A nach B ohne viele Details oder Infos was passiert wenn die Welt nicht gerade in Gefahr ist.
- Welt: Eine ausgearbeitete Welt in welcher Hintergründe ergründet werden können. Es werden Details genannt\gezeigt welche für die Story nicht wichtig sind, aber erklären wieso Figuren so handeln wie sie es tun...

Alternative Spielkonzepte
Minecraft: Zeigt, dass es keine Grafik braucht um viele Menschen zu bewegen Kreativ zu werden.

Mirrors Edge: 3D-Jump and Run der Neuzeit?

Story > Action -> Iterakrive Erzählungen
HL2: Viel Story welches den Spieler aber nie zwingt irgendwo hinzusehen. Der Spieler hat (fast) immer die Kontrolle über seine Handlungen.

Experience 112: ja ... muss man gespielt haben um es zu begreifen ^^ dieses Spiel verbannt den Spieler als einen Zuschauer welcher nur Passiv das geschehen beeinflussen kann und erzählt dabei eine großartige Geschichte.

The Walking Dead: Staffel 1 das Spiel: Zeigt einen Ansatz wie Serien in Zukunft aussehen können. Mit solchen Spielen wird gezeigt wieso das Medium TV immer mehr an Bedeutung verliert, da TV nur passiv und statisch ist.

Kunst
The Void: nochmal ja... es ist Kunst und Spiel würde ich es nicht nennen... Man ist Tot, aber die Sehle ist in der Zwischenwelt zwischen Oben und ewiger Vergessenheit gefangen. Man findet verschiedene Frauen welche dort leben und deren Wächter. Farbe ist dort Leben und muss aus Baumfarmen oder Minen gesammelt werden, aber immer wenn man Farbe einsetzt (Waffe oder Hilfsmittel) kommen wesen welche die Farbe aufsaugen und nach x Tagen ist die Farbe aufgebraucht... Man kann nun die "Frauen" befreien in dem man ihnen Farbe gibt und die Wächter besiegt. Jede lebt in ihrer eigenen "Welt" und benötigt andere Farbe welche Gefühle bzw. Merkmale derstellen. Man kann alternativ auch selbst befreit werden... dass Ende ist immer sehr ähnlich und ich habe nicht begriffen was jetzt gut war oder nicht... Es ist ein Ende was den Spieler sehr alleine lässt.
Happy Coding.

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Re: Der Spiele-Kanon

Beitragvon gordon-creAtive.com » Fr 22. Feb 2013, 14:36

Half-Life => Community?

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Re: Der Spiele-Kanon

Beitragvon TheRealBlack » Fr 22. Feb 2013, 19:17

gordon-creAtive.com hat geschrieben:Half-Life => Community?

Findest du nicht, dass HL einen großen Einfluss auf die Spielerkultur hatte? Das freie umsehen während den "Zwischensequenzen" war neu und wurde von Gamern gut aufgenommen. Bei Bioshock und Co wurde dies dann mehr oder weniger aufgeriffen.
Bei BioShock wurde sogar dies geschickt eingesetzt als man "Andrew Ryan" begenet (http://www.youtube.com/watch?v=qDcY-z2bi-8), hier wird dem Spieler die Kontrolle geziehlt entrissen und die Figur gehorcht nicht mehr... Dieses Stielmittel eine Geschichte zu erzählen war bis dahin nicht bekannt und deshalb finde ich schon, dass HL als erstes Spiel viel für die Gamer und die Spiele gebracht hat.
Happy Coding.

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Re: Der Spiele-Kanon

Beitragvon Pyri » Fr 22. Feb 2013, 23:11

TheRealBlack hat geschrieben:Genregründungen welche viele Nachfolgenden Spiele beeinflusst hat
Thief 1 Dark Projekt und Thief 2 The Metal Age: Diese Spiele von Looking Glass sind die Begründer des Schleich-Shooters. Und es wurde gezeigt es müssen Gegner nicht immer nur Erschossen werden. Ebenso ist Thief 2 eins der wenigen Beispiele für Steampunk ausgerichteten Spiele.


Allein diese beiden Beispiele könnte ich etwa nur als völlig absurd bezeichnen: "Thief 1 Dark Project und Thief 2 The Metal Age" sollen "die Begründer des Schleich-Shooters" gewesen sein? Und was war dann ein Jahr davor mit "Metal Gear Solid"? Eigentlich müsste viel eher in die Achtziger zu "Metal Gear" für den MSX zurückgegangen werden. Oder wenn schon nur etwas aus dem Westen in Frage käme der US-Epigon "Syphon Filter", der ist mit einiger Begründung zumindest noch näher an einem "schleichen" dran. Während die beiden "Thief"-Teile doch weit eher nur die Dramaturgien eines "Ultima Underworld" und "System Shock" weiterentwickelt haben: ich würde sogar in Frage stellen ob es darin überhaupt ums "schleichen" ging, das heißt welchen Sinn in der Konsistenz von deren Welten diese Tätigkeit gar gehabt hat. Das ist aus meiner Sicht etwa eher so zu verstehen wie wenn heute in einem "Call of Duty" versucht wird niemanden zu erschiessen, einfach weil es auch deren Dramaturgie (theoretisch) erlaubt. Eine eigene Leistung, wenn man so will ein Experiment, denn die Alarme haben "Thief" anders als "Metal Gear" niemals bestimmt - und wenn die Szenen zynisch einfach "leer" gemacht wurden, wie bei dem Mikado eines "Commandos", war es auch nichts anderes: das Spieldesign war nämlich keineswegs auf "schleichen" angelegt. Also das würde ich eben schonmal massiv bestreiten wollen -
Fast noch absurder wird es mit "Wing Commander IV - The Price of Freedom" - wieso nicht wenigstens das erste "Wing Commander"? Das war 1990 vielleicht noch ein grafisch beeindruckendes Actionspiel, sondern Teil IV wegen seiner aufwendigen Zwischensequenzen? Wieso preislich nicht "World of Warcraft", "GTA IV" und "L.A. Noire" nennen? Das ist so als würde ich das fünfte "Call of Duty", "World at War", dem ersten vorziehen, ja weil das war das letzte im Zweiten Weltkrieg. Eine doch völlig oberflächliche Betrachtung: und auch wenn ich beim PC allein bleiben würde - oder wo bleiben in dieser Aufzählung die beiden Videospiele welche wohl am meisten Menschen dazu gebracht haben im Westen sich mit Games zu beschäftigen: wo "Myst" und "Die Sims". Die womöglich erfolgreichsten Computerspiele überhaupt: früher vielleicht sogar noch "Sim City" und "Links 386 Pro"? Andere Sportspiele wie "NHL" und "FIFA"...

Wer nur an Heim- und Personalcomputer denkt wird so vermutlich nicht einmal auf "Street Fighter II" zum Beispiel kommen - und wie das die Arcade-Kultur bewegt hat, doch ähnlich wie "Starcraft" später den E-Sport. Arkaden die es in Deutschland etwa nicht einmal mehr gibt: einen "Kanon persönlicher Vorlieben" würde bei mir auch "Onechanbara Bikini Samurai Squad und Bikini Zombie Slayers" anführen, ein "Kanon von PC-Videospielen die in Europa gut ankamen" wäre auch möglich - da müsste dann wohl "Max Payne" und "Deus Ex" drin enthalten sein - sogar "Counter-Strike" oder eben "Half-Life" -, von denen in Japan viele videospielende Leute vermutlich nicht einmal etwas gehört haben.
Also da werden sehr viele Probleme offenbar, vor allem kulturelle Ausgrenzungen und Abgrenzungen - Spiele wo anscheinend nicht einmal ein Gedanke an sie verschwendet werden würde, die unbekannt, fremd sind und es womöglich auch Zeit des Lebens immer bleiben werden. Über Plattformen, Steuerungen, Art-Design, Immersionsidealen, Genre etc...

-

Nachtrag: auch thematisch beim Steampunk - da ist doch viel eher "Arcanum" aus dem nächsten Jahr zu nennen. Sicher war es schön, dass zu "Thief" halt auch noch ein Sequel produziert wurde, aber das war technisch 2000 zweifellos bereits völlig veraltet - und 2000 immerhin schon das Jahr von "Shenmue" in Europa... Davor erschienen etwa "Outcast" und "Ultima IX - Ascension" - alles vergessen und/oder nicht rezipiert??
Gamertag: Pyri80 PSN: Pyri Steam: pyri "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." Thomas Bernhard


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