GamesCom 2015 - Congress

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marcymarc
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GamesCom 2015 - Congress

Beitragvon marcymarc » Fr 7. Aug 2015, 23:36

GamesCom Congress 2015

Für den VDVC war ich am 6. August auf dem Gamescom Congress. Ohne offizielle Einladung war ich nicht als Fachbesucher zugelassen und konnte daher nur den Congress selbst besuchen. Es gab sechs interessante Themenstränge, von denen ich mich nur auf jeweils einen konzentrieren konnte. Die Wahl fiel auf die neuen Entwicklungen im Jugendschutzbereich und auf die rechtliche Seite von Computerspielen.

Eröffnungspanel: Verschlafen die öffentlich rechtlichen Sender den digitalen Wandel?

Panelists: Stefan Moll (Leiter Programmbereich Internet, WDR), Antoine Monot, Jr. (Schauspieler und Prduzent), Petra Müller (Geschäftsführerin / CEO Film und Medienstiftung NRW), Peter Smits (Youtuber, PietSmiet UG), Philipp Walulis (Moderator & Satiriker)
Moderator: Max von Malotki (Fernsehmoderator WDR)

Der jetzige Rundfunkstaatsvertrag verhindert einen nicht sendungsbezogenen Inhalt, was bedeutet, dass die Öffentlichen nicht einfach digitale Inhalt ihrer selbst wegen senden dürfen. Außerdem bringe es nichts, die Konzepte von Youtube, Twitch und co. 1zu1 zu kopieren, das würde aufgesetzt wirken.
Wichtigste Forderung dieser Runde war, dass Junge Leute in die Rundfunkräte gewählt werden müssen, da sie sonst keine Fürsprache im Programm treffen können. Es klangen doch einige Zweifel an, ob lineare Medien überhaupt noch eine Zukunft haben.

IARC

Vortragende: Felix Falk (Geschäftsführer USK / Vice Chairperson, IARC)
Patricia E. Vance (Vorsitzende Entertainment Software Rating Board (ESRB) / Chairperson, IARC)


spätere Diskussionsteilnehmer zusätzlich: Jane Fitzgerald (Assistant Secretary Classification Branch of the Attorney-General's Department AUS, IARC Board Member), Simon Little (Geschäftsführer PEGI S.A, IARC Board Member), Alessandra Macedo (Coordinator Classificação Indicativa BRA, IARC Board Member)
Moderator: Benjamin Rostalski (ehem. Spieletester USK, Stiftung Digitale Spielekultur)

USK Freigabe war bisher beschränkt auf Boxed versionen und Internetauftritte von Mitgliedern. Es kommt jetzt neu hinzu die Einstufung von Apps und Online Games nach dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag. Die Vielzahl und Schnelllebigkeit dieser Medien indiziert ein mehr oder minder automatisches Einstufungssystem, dass flexibel auf Inhalte reagieren kann. IARC ist seit 4 Jahren in Planung nachdem PEGI und ESRB Vertreter eine Automatisierung für den Onlinebereich schon länger alleine betrieben. Regionale Moralvorstellungen und Ansichten zu Jugendgefährdung unterscheiden sich zum Teil stark, weshalb mit einer Harmonisierung der Vorschriften auch auf lange Sicht nicht gerechnet werden kann. Daher wurden Freigabekriterien auf teils bereits bestehende Fragenkataloge heruntergebrochen und konsolidiert. Jeder Entwickler kann daher mit ein wenig Zeiteinsatz, kostenlos und relativ rechtssicher über mehrere Plattformen verteilt eine Einstufung des Inhaltes erreichen. In den Shops selbst kommen dann – wie von vielen Eltern sehnlichst gewünscht – Inhalts-(Gewaltgrad, sexuelle Anspielungen, etc.) und Eigenheits- Deskriptoren (Teilen von persönlichen Informationen, In-App Käufe) in die App-Beschreibungen.
Die Vertreter von Google erkannten nach Einführung in den Play Store, dass 10mal so viele Eltern die Parental Controls in den Apps aktiviert hatten als jemals zuvor. Das System werde zumindest von den Eltern sehr gut angenommen. Auch die Entwicklerseite zeigt sich entzückt von den Möglichkeiten der schnellen Einstufung und der kostenlosen Ausgestaltung des Programms (für Entwickler).
Das System ist auch nicht so manipulierbar, wie von Kritikern befürchtet. Weder können die Nutzer oder Anwender (Shops) den Algorithmus einsehen, nach dem Einstufungen anhand der Antworten im Fragebogen erzeugt werden, noch sehen sie beim Zusammenklicken der Antworten deren Auswirkungen. Die Freigabesiegel werden erst nach vollständigem Abschluss des Systems angezeigt. Die nationalen Einstufungsorganisationen überwachen weiterhin die Einstufungen (essential monitoring), besonders auf Anfrage von Nutzern oder Entwicklern und korrigieren proaktiv die Einstufungen – lernen dabei auch, wo etwa Schwierigkeiten bei der Beantwortung oder im Verständnis der Fragen im Fragebogen auftauchen und wie dem entgegengewirkt werden könnte. Die Politik ist jetzt gefragt und zumindest von Bundesseite gewillt, den gesetzlichen Rahmen dementsprechend technisch neutral und flexibel auszugestalten, damit ein solches System auch Rechtssicherheit bietet, die den Entwicklern wichtiger als die Kosten ist. Derzeit sind der Google Play Store und Mozilla Marketplace eingebunden – die Storefronts generieren durch die Lizensierung auch die Einnahmen für die Freigabekoalition. Kurzfristig werden die Storefronts von Microsoft, Sony und Nintendo hinzukommen. Mit anderen Anbietern, auch von anderen Medien und Online-Shops wird derzeit verhandelt. „Wir reden mit allen“, sagt die Vorsitzende der Koalition, Patricia Vance. Für die Shop-Anbieter stellen sich viele Vorteile ein: Der Fragebogen erzielt vergleichbare Ergebnisse, wie die welche Experten in Diskussionsrunden erzielen würden (die Fragen sind ja auf die bisherige Spruchpraxis angepasst), die Freigabesiegel werden in für Nutzer bekannter Form regionsspezifisch angebracht und die regionalen Normen werden eingehalten. Für die Entwickler von Inhalten ist ein globales, kostenloses, einfaches und vertrauenswürdiges System ebenfalls viel wert, außerdem werden Ergebnisse so auf allen Shops gleichwertig verwendet und nicht jeder Store mit einer eigenen Einschätzung(-ssystem) versehen. Nutzer loben die Nutzung bekannter Alterskennzeichnungen und tiefergehende Infos zum Einstufungsrelevanten Inhalt und zu den Nutzungseigenarten der Software. Auf Kurz oder Lang werden sich weitere Storefronts kaum vor den Wünschen der Entwickler und Kunden nach diesem verschließen können.

Auf die Frage, ob Einzelhandelsversionen ebenso mit IARC eingestuft werden könnten, erklärt Felix Falk von der USK, dass dies kaum möglich sei. Da das System auf Nachkontrolle durch die Einstufungsorganisationen setzt, hätte eine nachträgliche Änderung der Freigabestufe u.U. sehr hohe Kosten für den Rückruf der Produkte für die Entwickler zufolge. Online wäre es nur eine Änderung des Datenbankeintrages, der dann mit den Stores synchronisiert würde. In Deutschland ist es speziell so, dass nur die Freigabe durch einen Vertreter der Obersten Landesjugendschutzbehörden das Medium vor Indizierung schützt. Für eine nachträgliche Indizierung (oder Änderung der Freigabestufe) wären bei Trägermedien der Aufwand und die Kosten einer Rückführung/Umlabeling äußerst unangenehm für die Unternehmen. Daher „überschreibt“ eine Trägermedieneinstufung die Online-Einstufungen für die jeweilige Kennzeichnungsregion.
Die Frage nach Einstufung von anderen Inhalten, wie eBooks, Filmen, Musik und Webseiten wurde ausweichend beantwortet. Das IARC System sei zunächst nur für Online Apps und Games vorgesehen, ließe sich aber mit entsprechendem Aufwand auch für andere Medien anpassen. Dynamischer Inhalt wie der von Webseiten wäre allerdings auch mit diesem schnellen System kaum zu bändigen, dafür sind dort die Inhaltsänderungen einfach viel zu zahlreich. Ebenso ausweichend wurde meine Frage beantwortet, ob jetzt mit dem Vorhandensein einer maschinenlesbaren Kennzeichnung samt Datenbank nach Meinung der IARC-Mitglieder ein Erstarken von Jugendschutzprogrammen, bzw. der Ruf nach diesen auch in anderen Ländern bevorsteht. Dies sei nicht bekannt und auch nicht erwartet.

Das IARC System bietet zusätzlich zu den länderspezifischen Kennzeichnungen ebenfalls ein generisches Alterskennzeichen, was etwa dem Mittelwert der Freigaben der Mitglieder entspricht und sich daher stark ans PEGI System anlehnt. Für Regionen und Länder ohne bestehende Freigabesysteme oder Einstufungen bieten der Freigabekatalog und die Einstufungsmodalität des generischen Siegels wohl einen guten Anhaltspunkt für eigene, regionale Systeme etwa in Asien oder Mittleren Osten. Das IARC-System erlaubt das Hinzufügen weiterer Fragen zum Fragebogen, falls neue Mitglieder der Koalition dies wünschen. Was mit allen „alten“ Freigaben dann passiert, war den Ausführungen nicht zu entnehmen. Bei Updates der jeweiligen Apps ist aber der Entwickler augerufen, die Selbsteinstufung entsprehend zu überprüfen - bei der Gelegenheit könnten neue Fragen angezeigt werden. Im Zweifel ändert sich also die Einstufung für die vorherigen Regionen nicht (wenn religiöse Inhalte bspw. in Deutschland gar nicht betrachtet werden, aber im mittleren Osten zu keiner Freigabe führen würden).

Die USK steht seit 2008 mit den OLJB in Kontakt zu den Fragen des Fragebogens. Freigaben können allerdings auch verweigert werden. Dann wäre der Inhalt über einen technischen Jugendmedienschutz nur für Erwachsene zugänglich. Der Weg der Indizierung und Beschlagnahme wäre in Deutschland jederzeit weiter offen, bei Indizierung jedoch nur so weit, bis die USK in einem Vollverfahren eine Freigabe erteilt hat.

Umsetzung von IARC in Deutschland

Diskussionsteilnehmer: Felix Falk (Geschäftsführer USK / Vice Chairperson, IARC), Sabine Frank (Bereichsleitung Regulierung, Verbraucher- und Jugendschutz Google Germany GmbH), Antje Höhl (Niedersächsische Staatskanzlei), Thomas Salzmann (Bundesfamilienministerium), Cordula Zimmer (Senior Legal Counsel Wooga GmbH)
Moderator: Thomas Krüger (Präsident Bundeszentrale für politische Bildung)


Deutsche Entwickler sind ebenfalls sehr angetan von der Möglichkeit, Onlineinhalte einfach zu kennzeichnen. Es ist zwar für die bis heute weitgehend ungekennzeichneten Apps und Online Games ein zusätzlicher Schritt im Veröffentlichungsablauf, der jedoch gerne in Kauf genommen wird, wenn dafür globale Rechtssicherheit herrscht. Nutzern musste die USK bisher antworten, sie sei nicht für Online-Inhalte zuständig, jetzt könne aber besorgten Eltern ein Werkzeug an die Hand gegeben werden.
Die Landesregierungen haben an dem System nicht viel zu kritisieren. Allerdings taucht IARC nicht im Gesetzesentwurf auf, das hat aber traditionelle Gründe, da konkrete privatwirtschaftliche Lösungen üblicherweise nicht in Gesetzesform gegossen werden [Anm. des Berichterstatters: uuups, man denke nur mal kurz an jugendschutz.net….. aber die sind ja nicht so …. unabhängig].
Die Bundesseite zeigt sich zuversichtlich aber nicht hellauf begeistert, denn sie ist der Meinung, der Jugendmedienschutz brauche eine grundlegende Reform und eine gemeinsame Basis in einem Bundesgesetz und nicht in zwei Stückwerken. Vor allem sollte das Online-Freigabesystem eine Privilegierung für die Anwender beinhalten – aber ein wie immer auch geartetes rechtliches Freigabeverfahren müsse sein, z.B. ein Erstbefassungsrecht der Selbstkontrolle mit nachgeordneter Prüfung durch Landesbehörden [Anm. des Berichterstatters – sowas ließe sich auch durch Systemakkreditierung erreichen. Die Freigabestufen würden ähnlich erreicht wie in Expertenrunden erzeugt und eine gewisse Konsistenz in den Freigaben wäre erreicht - nur die Gefährdung müsste noch subjektiv eingeschätzt werden]. [weitere Anmerkung des Berichterstatters: In den gesellschaftlich "paritätisch" besetzten Gremien der Beteiligung am Freigabeverfahren sind keine Vertreter der Spielenden vertreten]. Felix Falk wirft ein, dass er es irgendwann aufgab, ausländischen Entwicklern und Publisher das deutsche Jugendschutzsystem zu erklären.
Laut Felix Falk muss die Gesetzgebung flexibler gegenüber dem Internet werden, jedes Gesetz sei sonst wenige Jahre nach Inkrafttreten wieder veraltet und man doktere nur noch herum. Google vertritt die Ansicht, dass sich Deutschland mit seinen Ansichten zum Jugendschutz langsam der internationalen Mitte zuwenden müsse, der Jugendschutz müsse flexibler werden. Die USK schaffe sich mit IARC nicht selbst ab, zum einen blieben erstmal die Einzelhandelsversionen und auch die Kriterien des Online-Fragebogens müssten mit Fachkenntnis immer wieder überprüft (Risikomanagement) und geschärft werden.
Das in Aussicht gestellt Zusammenführen von JMStV und JuSchG wird noch einige Zeit auf sich warten lassen, da weder Bund noch Länder von ihren Kompetenzen lassen wollen bzw. dem jeweils anderen den Erfolg nicht gönnten (Jugendschutz ist ein beliebtes Profilierungsthema). Der Bund hat bereits die Länder eingeladen, an einem gemeinsamen Verfahren teilzunehmen, nur damit ließe sich ein international anschlussfähiges Medienwerk errichten. Der Bund hat allerdings noch keinerlei konkrete Ideen ausgearbeitet. Genau das fehle den Ländern. Der Bund vertrete folgende Eckwerte eines funktionierenden Jugendschutzes: für alle Medien sollen einheitliche Bewertungskriterien gelten, es muss einheitliche Verfahren in den Freigabeorganisationen herrschen, Länder sollen weiterhin ausführende Stellen bleiben und die Durchwirkung der Einstufung von Trägermedien muss gegen Telemedien sichergestellt sein – der neue JMStV sei eine „semi-gute“ Idee. Die USK arbeite derzeit noch unter beiden Gesetzeswerken – IARC solle die Gesetzgeber treiben, weil deutscher Jugendschutz im Ausland kaum vermittelbar sei. Die Vorschläge von USK sind zum großen Teil (also nicht vollständig) in die am 4. August fertiggestellte Neufassung des JMStV eingeflossen.
Google gibt zu bedenken, dass keine Deliberalisierung der Inhalte durch Überregulierung stattfinden dürfe. IARC beinhalte bereits Bundeskriterien aus JuSchG und müsse daher von den Regelungen her nicht verschärft werden.

Jugendschutzprogramme

Diskussionsteilnehmer: Daniela Hansjosten (Jugendschutzbeauftragte RTL Television & JusProg e.V.), Clemens Mayer-Wegelin (Rechtsanwalt und Deputy to the European General Counsel, Nintendo of Europe GmbH), Dr. Maximilian Schenk (Geschäftsführer BIU - Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e. V), Siegfried Schneider (Präsident Bayerische Landeszentrale für neue Medien), Svenja Stadler (MdB, SPD-Bundestagsfraktion)
Moderator: Felix Hilgert (Osborne Clarke)

Die Ansichten der Teilnehmer zu Jugendschutzprogrammen:
Nintendo ist der Meinung, das Nutzerverhalten habe sich grundlegend verändert, so seien in einem nicht-linearen Medium Sendezeitbegrenzung wenig zweckdienlich. Viele Anbieter würden daher auf das Ausland ausweichen, wo weniger strenge Vorschriften herrschen. Das Unternehmen tue alles Mögliche, um Eltern auf die Jugendschutzeinstellungen aufmerksam zu machen – so sind diese bei den Konsolen vorabinstalliert und können beim ersten Anlaufen eingerichtet oder ausgeschaltet werden.
Svenja Stadler MdB ist Berichterstatterin für Jugendschutzangelegenheiten und fordert, eine bundeseinheitliche Jugendschutzregelung müsse her. Von bisherigen Jugendschutzprogrammen hielte sie aufgrund eines geringen Verbreitungsgrades und Schwierigkeiten bei der Einstellung nichts. Sie sei jedoch auch der Meinung, dass nur Kinder mit technischem Jugendschutz wirklich von Medien fernzuhalten seien, Jugendliche würden immer stets einen Weg zur Umgehung jeder Maßnahme finden.
Maximilian Schenk vom BIU sieht Jugendschutz als erreicht an, wenn hinten das Richtige bei rauskommt, statt dass er auf dem Papier gut aussieht. Pragmatische Tools seien zwar oft noch fehlerhaft, aber den 100%igen Schutz gäbe es nicht und besser man habe einen 70%igen technischen Jugendmedienschutz, als gar keinen. Ein Jugendschutzprogramm können nie von Haus aus wissen, was die Eltern gerne whitelisten würden, daher seien immer noch die Erziehungsberechtigten gefragt, um das Tool richtig für sie zu nutzen. Die medienwirksamen 5 Minuten zur Installation, seien nur für die Software in Grundversion gedacht [Vorschlag des Berichterstatters: was wäre denn mit abonnierbaren Whitelists von Elterngruppierungen zum Beispiel Rund um ein Thema wie „Eichhörnchenfreunde“ für ungekennzeichnete Seiten der allgemeinen Knabberhasenliebhaber e.V.? - wie da Missbrauch ausgeschlossen wird, weiß ich alelrdings auch nicht].
Siegfried Schneider, Leiter der KJM und Vertreter der OLMB Bayern, ist sehr stark für Jugendschutzprogramme, da sie in Zusammenarbeit mit der KJM entstanden sind.
Vertreter von JusProg geben zu bedenken, dass Jugendschutzprogramme stets Zuschussgeschäft seien, da die Programme nicht funktionieren, wenn Eltern dafür bezahlen müssen. Der html-Standard würde bald den age-standard von MIRACLE implementieren.

IP developments in Europe and the US

Panelists: James Alan Cook (General Counsel OL2 Inc.), Dr. Ole Jani (Rechtsanwalt & Partner CMS), Dr. Andreas Lober (Partner, Beiten Burkhardt), Jonathan Pearce (Attorney SoCal IP Law Group LLP)
Moderator: Claas Oehler (Partner, IHDE Rechtsanwälte)

Produktkeys dürfen nach neuester Rechtsprechung nicht separat zur Retailversion verkauft werden. Wenn Produktkeys vom Publisher also nicht selbst verkauft werden und es keine Retailversionen gibt, versteht der Publisher die Situation als illegalen Verkauf und wird (wie im Fall von Sniper Elite 3) rechtliche Schritte einleiten bzw. nachträglichen Entzug der Nutzung (über DRM Systeme wie Steam) in Erwägung ziehen.

Patente sind ein Problem, wenn Gesetze vorsehen, dass nicht der erste Erfinder den Schutz genießt, sondern derjenige, der zuerst das Patent beantragt. Patentrolle waren in der Vergangenheit ein großes und vor allem teures Problem auch in der Videospielbranche. Seit der Einführung neuer Gesetzgebung in den USA ist das nicht mehr ein so großes Problem, Patentrollen wurde das Leben schwerer gemacht, so dass sich das Geschäftsmodell nicht mehr lohnt. Abstrakte Ideen lassen sich nicht mehr patentieren, Software lässt sich nicht patentieren und Richter können Fälle einfacher zurückweisen. In letzter Zeit sind daher Urheberrechte wieder in den Vordergrund gerückt. Dort gibt es Untiefen, die auch die Unternehmen umschiffen müssen.

Angelehnt an Kartenhersteller in der Vergangenheit, die Ihre Karten mit fiktiven Städten markierten, um Kopierer zu überführen, integrieren Spielehersteller Fake-Code in die Software der keine Funktion besitzt, außer damit Fälscher zu entlarven.

Contract Drafting

Panelists: Amit Chokshi (In-House Solicitor, Square Enix), Dan Penfold (Legal Counsel Warner Bros.), Mark Phillips (Partner Harbottle & Lewis), Jas Purewal (Rechtsanwalt, Purewal & Partners LLP), Patrick Sweeney (IE Law Group)
Moderator: Paul Gardner (Partner, Osborne Clarke)

Publisher werden in Zukunft weiter an Bedeutung verlieren, bzw. andere Aufgaben wahrnehmen. Die Digitale Distribution wird zunehmen und langsam den Handel mit Trägermedien verdrängen. Indie- und kleinere Entwickler suchen sich Unterstützung bei den typischen Publisheraufgaben aus anderen, spezialisierten Quellen oder machen wie viele polnische Entwickler (z.B. CD Project) alles selbst.
Das Melken von IPs wie z.B. CoD ist weiterhin der bevorzugte Modus Operandi. Neuentwicklungen sind sehr riskant geworden.

ClassCraft – Unterricht mit dem Tablet

Vortragender: Daniel Jurgeleit (Lehrer am Staufer-Gymnasium in Pullendorf)

Der Lehrer Daniel Jurgeleit stellt eine App vor, die ein für das Klassenzimmer ausgelegte RPG simuliert. Das Spiel hat ähnliche Belohnungs- und Bestrafungssysteme wie herkömmliche RPGs. Schüler sammeln Punkte für Teamworks, Hausaufgaben, mündliche Beiträge und Klassenarbeiten. Die Lehrkraft füllt die Punkte in Echtzeit aus und den Schülern werden diese über Beamer im Klassenraum angezeigt. So bekommen Schüler sowie Lehrer direktes Feedback und auch Eltern sehen etwas zeitversetzt den Verlauf. Weitere Vorteile sind, dass schüchterne Schüler aufblühen, alle bei der Sache sind und die Schüler sich in Leistungen selbst übertreffen. Außerdem bietet das Spiel gute Abwechslung zum bisherigen Unterrichtsablauf. Nachteil ist der umfängliche Eingewöhnungs- und Setupgrad, der im Laufe des Schuljahres aber bei weitem wieder wettgemacht wird. Auch die Kosten für die Erstausstattung sind nicht unerheblich.

Medienkompetenz in der Lehreraus- und Weiterbildung

Vortragende: Saskia Esken (MdB SPD-Bundestagsfraktion), Reinhard Koslitz (Geschäftsführer Didacta e.V.), Dorothea Schäfer (Vorsitzende Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Landesverband Nordrhein-Westfalen), Sven Volmering (MdB CDU/CSU-Bundestagsfraktion), Dr. Joachim von Meien (Leibniz Universität Hannover, Zentrum für Lehrerbildung (ZfL))
Moderatione: Stephan Reichart (Geschäftsführer Aruba Events)

Medienkompetenz ist für alle Teilhabefrage und muss in jedem Alter stattfinden. Programme zu Programmierung bzw. Medienkompetenz werden seit den 80ern gefordert, passiert ist verglichen dazu wenig. Die Frage, was Digitalisierung für die Schule tun kann bzw. andersherum ist nicht abschließend zu klären, auch da sich Rahmenbedingungen so schnell ändern. Die Politik möchte reagieren ist aber im Föderalismus gefangen (Föderalismusreform II bzw. EU-Vorgaben), der Bund kann höchstens Rahmenbedingungen wie das Urheberrecht anpassen (Kopie-Ausnahmen für Unterrichtsmaterialien, etc.). Die Länder sind mit der Finanzierung dann allein. Der Didacta e.V. beschreibt die Entwicklung im Bildungssektor als noch nie so hoch gewesen. Es wird in Zukunft vorwiegend nur durch Einzelinitiativen möglich sein mit der Entwicklung Stand zu halten, die Politik ist dazu nicht schnell genug in der Lage. Dazu kommt auch, dass das reine Stellen der Ausrüstung ohne Ausbildung daran nicht ausreicht – es stehen bspw. Tausend Smartboards in den Schulen herum, die nicht genutzt werden, weil die Lehrkräfte keine Weiterbildung genossen haben. Deutschland hat den Anschluss bereits verloren, China und Korea sind auf dem Gebiet Lichtjahre voraus. Allerdings ist nach Meinung des Lehrerbildungszentrums in Hannover Technik nicht alles, sondern der Dreiklang aus Didaktikkonzept, Technik und analogen Medien macht es. Die Ausbildung der Lehrer ist mit Zweifachprinzip, Didaktik- und Pädagogikinhalten bereits übervoll. Es sollen die Techniken in bestehende Ausbildungen integriert werden, damit der Umgang damit organisch wird. Wie Lehrer allerdings mit der Nutzung von den neuen Medien ihrer Schützlinge (Facebook, etc.) umgehen sollen, ist eine Frage die nur durch Erfahrung und nicht mit Ausbildung geklärt werden kann. Ein weiteres Problem ist, dass hochtechnisierte Systeme gewartet werden müssen. Bisher machen es Lehrer, die dafür Freistellung bekommen, aber sie sind nicht so effektiv wie Systemadministratoren. Daher müssen Schulen bei Ausgaben liberalisiert werden bzw. von Restriktionen befreit werden. Nach Didacta e.V. kann man Kindern/Jugendlichen nur Grenzen und ein Ziel vorgeben und muss sie dabei gewähren lassen.

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Re: GamesCom 2015 - Congress

Beitragvon Rey Alp » Sa 8. Aug 2015, 09:58

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht.

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Re: GamesCom 2015 - Congress

Beitragvon Pyri » Mo 10. Aug 2015, 01:11

marcymarc hat geschrieben:Produktkeys dürfen nach neuester Rechtsprechung nicht separat zur Retailversion verkauft werden. Wenn Produktkeys vom Publisher also nicht selbst verkauft werden und es keine Retailversionen gibt, versteht der Publisher die Situation als illegalen Verkauf und wird (wie im Fall von Sniper Elite 3) rechtliche Schritte einleiten bzw. nachträglichen Entzug der Nutzung (über DRM Systeme wie Steam) in Erwägung ziehen.


Also das sollte so besser nicht stehen gelassen werden: die Frage ist schonmal warum es diese Produktkeys dann überhaupt gibt, geschweige denn von welcher Plattform - ich nehme mal an Steam - da überhaupt ausgegangen wird. Stores wie Humble oder GMG sind auch nicht zum grauen Markt zu zählen.
Das ginge theoretisch wirklich nur dann, wenn es nur mehr den digitalen Handel gäbe. Da ist man aber noch sehr weit davon entfernt - wobei gerade im Konsolenbereich die Bedeutung von Ketten wie GameStop in den letzten Jahren sogar eher zunahm, und die Deals mit denen für deren Aktionen gerade im AAA-Bereich eine wiederum ganz andere Sprache sprechen. Schön zu sehen jedes Jahr zur Gamescom-Zeit, denn dann werden die GameStop-Deals für den Herbst veröffentlicht.
Die alljährlichen "Assassin's Creed" und "Call of Duty"-Teile sowie Sportspiele betreffen nicht unbedingt erhöhtes Risiko, sondern möglicherweise auch gesichertere Tradition: dass große Publisher wie EA oder Ubisoft wesentlich weniger greenlighten als früher kann auch als Gegenbewegung zum Boom der kleineren Spiele vulgo "Indies" aufgefasst werden. Und selbst dahingehend funktioniert diese einfache Lösung der Rechtsprechung in Richtung Grey Market nicht. Der graue Markt ist eine komplizierte Angelegenheit, da spielen persönliche Vorlieben und Politiken einzelner Devs ebenso mit hinein wie Günstlingswirtschaft und Marketing-Aktionen. Im Februar gab es auf Polygon eine umfangreiche und differenzierte Darstellung dazu: http://www.polygon.com/2015/2/9/8006693 ... game-codes

Mit Untersagungen oder Verboten eines solchen Handels kommt man da nicht weiter. Die können höchstens kurzfristig eine Notbremse sein - so wie Ubisoft ihre digitalen Windows-Produkte aus Origin, dem EA-Store auf PC und Mac, nahm. Im schlimmsten Fall verhindert es eine Verbreitung der Bekanntheit von Spieleperlen und normiert den Markt (noch mehr).
Zudem widerspricht sich diese "Rechtsprechung" leicht mit den hier wiedergegebenen Feststellungen vom Contract Drafting-Panel, die im Übrigen auch nicht unbedingt stimmig sind: so macht gerade CD Projekt sicher nicht "alles selbst" - die könnten selbst etwa nie und nimmer den nordamerikanischen Retail-Markt beliefern. Deshalb haben sie Partner, wie früher in Europa Atari oder heute Bandai Namco. Letztere konnten auch "Project CARS" an Land ziehen. In Nordamerika arbeiten sie für "The Witcher 3" mit Warner zusammen. Ähnlich die Situation bei einem anderen polnischen AAA, "Dying Light". Oder auch nur digital, etwa beim Kickstarter-finanzierten "Tesla Effect" mit Atlus - das kürzlich aufgekauft wurde - ein anderer kleiner japanischer Publisher hinzugezogen wurde, der im Westen sonst kaum Fuß gefasst hat. Da gibt es auch neue Möglichkeiten für kleinere Publisher, nicht nur für die "Indies" welche angeblich keine mehr bräuchten. Kritische Fragen wären auch ganz andere: wer profitiert von welchen Kooperationen, wo gehen Backer-Gelder letztlich hin usw. Worst Case Szenario - siehe Polygon-Artikel: wenn Devs dem Journalismus Codes zukommen lassen und dort dann widerrechtlich (oder auch nicht?) verkauft werden, die letztlich womöglich wieder weiterverkauft und dann vielleicht irgendwann am grauen Markt erscheinen. Und das schwächste Glied in der potentiellen Korruptionskette soll die Lasten tragen? Ja, ich kenne diese Argumentation schon von diversen Lober-Äußerungen von der GameStar...
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Re: GamesCom 2015 - Congress

Beitragvon marcymarc » Do 7. Jan 2016, 17:17

Update: Microsoft und Nintendo starten mit der Einbindung des IARC Systems in ihren online (app) stores.

http://www.golem.de/news/jugendschutz-u ... 18400.html


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