Rechtsextreme Communities bei Steam

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buzzti
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Rechtsextreme Communities bei Steam

Beitragvon buzzti » Mo 1. Aug 2016, 22:00

In den letzten Tagen haben wir ja immer öfter mal wieder Steamprofile von extremen Nazis und Verehrer von Massenmördern gesehen. Warum tut Steam nichts gegen diese Gruppen und User? Zu viel administrative Arbeit? Meinungsfreiheit?

Siehe Gruppen wie http://steamcommunity.com/groups/Misfit-Gang#
Admins wie: http://steamcommunity.com/id/ivangode8

Ich finde nicht einmal eine melden Funktion...

Habt ihr Ideen wie man sowas als Verein bekämpfen kann?

Rigolax
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Re: Rechtsextreme Communities bei Steam

Beitragvon Rigolax » Di 2. Aug 2016, 01:52

Es gibt eine Meldefunktion (man muss eingeloggt sein, um die zu nutzen). Valve macht aber in der Tat wenig (Redefreiheit in den USA ist eben etwas weiter gefasst). Das ganze ist auch eher ein Kampf gegen Windmühlen.

Vor Kurzem gab es aber einen Thread im deutschen Steam-Forum, den ich recht interessant fand. Da hat ein User eine derartige Gruppe gemeldet ("In der Gruppe wird offen der Nationalsozialismus verherrlicht und Mitglieder verwenden verbotene Symbole."). Dann haben die Admins die Gruppe deaktiviert ("This group has been administratively disabled."). Der freiwillige Moderator "Max" hat dann auch noch was dazu geschrieben. Also achtet Valve da wohl schon irgendwie drauf.

http://steamcommunity.com/discussions/f ... 777209989/

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buzzti
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Re: Rechtsextreme Communities bei Steam

Beitragvon buzzti » Di 2. Aug 2016, 18:47


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marcymarc
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Re: Rechtsextreme Communities bei Steam

Beitragvon marcymarc » Di 2. Aug 2016, 20:28

SPON hat geschrieben:Es scheint fast, als wolle sich Steam durch konsequente Nicht-Ansprechbarkeit der Diskussion über problematische Inhalte auf seiner Plattform entziehen.


Das ist typisches Vorgehen für Valve, für alle Art Probleme. Ähnlich wie Merkel sitzen sie ein Thema so lange aus bis das Nichtstun schwerer wiegt als das Problem selbst, bzw. wenn Probleme auf die Firma zukommen. User-Beschwerden bringen selten etwas – wenn dann nur Klagen, wie etwa bei der Gambling-Sache, die in letzter Zeit hochgekocht ist.

Was das Thema Amok-Fangemeinde angeht: ich bin der Meinung solche verrückten Spackos hat es schon immer gegeben (s. Fanmail für Manson, etc.). Der Spiegel schreibt ja, dass es eine kleine Zahl Personen ist, die dort unterwegs ist. Gelichzeitig hat es das nach Columbine auch in den Staaten gegeben. Es ist abartig und für einen "normalen" Menschen nicht verständlich, was Leute dazu bringt, solche Taten zu verherrlichen. Andererseits weiß auch kaum jemand, was in Attentätern/Terroristen vorgeht und was sie dazu bringt, bzw. es gibt so viele Gründe warum das passieren kann. Blöderweise hat das Internet auch die Reichweite dieser Personen erhöht, sodass sie sich zusammentun können, ob sie es ernst meinen oder auch nicht. Außerdem steigt gefühlt die Proliferation illegaler Waffen (hab hier keine Zahlen). Wenn jemand vor ein paar Dekaden in Deutschland Amok lief, waren es weniger Tote und man hat unter Umständen nichts davon gehört. Twitter, etc. gab es ja noch nicht.

Zu dem was wir tun können:
Wir müssen uns für Meldefunktionen in Plattformen aussprechen, nicht nur, weil es teilweise wirklich "schwierige Leute" gibt, die im Netz unterwegs sind, sondern auch weil viel Scamming und so stattfindet. Die Plattformen scheuen aber die Kosten für Personal, das sich darum kümmern muss, da automatisierte Systeme nicht funktionieren und auch in deisem Zusammenhang gruselig wären. Auch kann Valve schlecht in die Gruppen reingehen und dort die Aufgabe der Admins/Moderatoren der Community selbst übernehmen. Ich weiß, dass mir es stinken würde, wenn Valve in meinen Steam-Gruppen rumpfuschte. Allerdings muss es auch eine Beschwerdefunktion über die Gruppen selbst und evtl deren Offizielle geben, die meinetwegen auch ein Quorum braucht um nicht einfach nur für private Fehden missbraucht zu werden.

Einher geht in der Sache auch, dass die Gesellschaft mit den DRM Systemen die Möglichkeit haben, an exzessive Spieler heranzukommen, was Suchtpotenzial angeht. Aber in allem was wir an Lösungen fordern oder erarbeiten können, kann man eben nur etwas für Nutzer hierzulande tun. Und im Netz verschwimmt die Grenze, sodass Valve bspw. das nicht in Steam integrieren wird, solange keine internationale Herangehensweise gewählt wird. Facebook und Co wehren sich ja auch mit Händen und Füßen, weil nationale Lösungen einfach viel zu divers und aufwändig wären.

Was ich mir vorstellen kann ist, dass wir uns mit den Branchengrößen aller Richtungen (Plattformbetreiber, Nutzer, Jugendschützer, Verbraucherschutz) zusammentun und eine Art best practice (gegen Hate Speech, Sucht, Bedrohung, Scamming, für Altersverifikation etc.) für Plattformen erarbeiten. Dieses müssten wir dann mit Unterstützung aller weiter in eine internationale Richtung drängen, wobei Anpassungen notwendig wären. Ein jahrelanger Prozess. Evtl. ließe sich das in eine unabhängige Vereinigung auslagern. Zumindest müssen internationale Mindeststandards erarbeitet werden, Nationale Lösungen werden uns nicht lange helfen.

Gleichzeitig wird das alles dazu führen, dass diese Gruppen und Profile auf privat gestellt werden und nur Mitglieder auf Einladung mitlesen können. Um das aufzuklären sind Investigationen notwendig, für die unsere Ordnungshüter nicht das Geld oder die Leute haben. Nachdem der 15jährige Amok-Planer von einem aus der Community erwischt worden ist, ist damit zu rechnen, dass die "Szene" einfach in den Untergrund wandert.

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Re: Rechtsextreme Communities bei Steam

Beitragvon Pyri » Di 2. Aug 2016, 22:14

marcymarc hat geschrieben:Das ist typisches Vorgehen für Valve, für alle Art Probleme. (...)
(...) Die Plattformen scheuen aber die Kosten für Personal, das sich darum kümmern muss, da automatisierte Systeme nicht funktionieren und auch in deisem Zusammenhang gruselig wären. Auch kann Valve schlecht in die Gruppen reingehen und dort die Aufgabe der Admins/Moderatoren der Community selbst übernehmen. (...) Allerdings muss es auch eine Beschwerdefunktion über die Gruppen selbst und evtl deren Offizielle geben, die meinetwegen auch ein Quorum braucht um nicht einfach nur für private Fehden missbraucht zu werden.
(...) Und im Netz verschwimmt die Grenze, sodass Valve bspw. das nicht in Steam integrieren wird, solange keine internationale Herangehensweise gewählt wird. Facebook und Co wehren sich ja auch mit Händen und Füßen, weil nationale Lösungen einfach viel zu divers und aufwändig wären.


Frage mich eher was diese Möglichkeit eines "Forums" dort überhaupt soll: Fakt ist, dass Valve die Community-Features in den letzten Jahren immer mehr ausgebaut hat - erstens weil es wohl lukrativ war das zu tun und zweitens, da sie es einfach konnten und sich trotzdem nicht weiter darum kümmern brauchten (!).
Das ist ebenfalls mit ein Grund weshalb ich mich vom PC-Gaming immer mehr abgewandt habe. Auch in Mods fand ich über die Jahre Unmengen an in diese Richtung höchst fragwürdiger Inhalte, selbst Gratisspiele auf Steam - wie "The Forgotten Ones" - sehe ich als diesbezüglich äußerst grenzwertig an. Vor kurzem sah ich aber eine Dokumentation der ARD-Korrespondentin in Warschau, Griet von Petersdorff. Das war eine für deutsche Verhältnisse außergewöhnlich unvoreingenommene, äußerst neutrale Sendung - bei der es einem Videospieler wie mir trotzdem kalt über den Rücken laufen konnte: mir gute Miene zum bösen Spiel dazu nur mehr sehr schwer fällt, denn erstmals verstand ich was es mit "Hatred" und Co. eigentlich auf sich hat.

Analog zu den "Alldeutschen", über die ich einst meine Diplomarbeit schrieb, entstand dort in den letzten Jahren eine "allpolnische" Jugendbewegung (nur teilweise vergleichbar mit den "Identitären" hier in Österreich, da wesentlich historisierter). Auf einmal wurde mir klar worum es Spielen wie "IS Defense", nur unter leichtem Deckmantel einer Satire, in ihrer Verklärung polnischer Herrscher geht. Was ihre Verherrlichung einer "Festung Europa", ihre Hetze gegen Geflüchtete, eigentlich soll. Trotzdem habe ich noch keine einzige "kritische" Reportage von eben nur angeblich "friedensbewegten" Pseudo-Antifaschisten wie Michael Schulze von Glaßer darüber gesehen: sie bedienten über Jahre in Deutschland weit verbreitete, antiamerikanistische Ressentiments (wie gegen US-Militär), aber sie schaffen es nicht die Situation im Nachbarland Polen ihrem Publikum beizubringen - falls es doch einen entsprechenden Bericht gab, bitte ich meine Unkenntnis zu entschuldigen, aber ich glaube eben nicht.
Eine ARD-Journalistin muss mir das, völlig spielefern, im Fernsehen erklären - ein unerträgliches Armutszeugnis für die hiesige Games-Presse.
Mein Vorschlag, meine Stoßrichtung geht deshalb in eine ganz andere Richtung - abgesehen davon, dass Steam besser wenigstens ansatzweise kuratiert werden sollte - nicht mehr Hinz und Kunz dort ihre Elaborate veröffentlichen können sollten: es wird endlich an der Zeit, dass das Service nicht mehr völlig kostenlos ist - an dieser zentralisierten Führung (samt US-"Meinungsfreiheit") wird sich ohne Börsengang sowieso nichts ändern können. Was kann so anders auch erwartet werden? Auf Xbox LIVE, und bei Sony, sind die Homophobien und Rassismen, ist die Misogynität in der offenen In-Game-Kommunikation manchmal schon schlimm genug, sind einfache Namen bereits schwierig zu regulieren, während sich Valve in ihren Foren demnach mit regelrecht vielfältig ausformulierter Propaganda herumschlagen müsste.

Sowie: Steam ist doch nicht mit Facebook vergleichbar. Steam ist eigentlich ein Marktplatz, eine DRM-Plattform für Spiele. Ja, sie könnten (und sollten auch!) Spiele in Hinblick auf exzessive Nutzung (Suchtverhalten) regulieren - doch für die Sozialität drumherum gäbe es eigentlich andere Schauplätze.
Mit einer eigenen Verantwortung - von der sich Valve dann nicht einmal distanzieren bräuchte. So werden jedoch, aus sozialromantischen Gründen oder warum auch immer, alle Leute in einen Topf geworfen.
Gamertag: Pyri80 PSN: Pyri Steam: pyri "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." Thomas Bernhard


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