2. Auflage: Dissertation

Falschdarstellungen und Vorurteile
Rey Alp
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Re: 2. Auflage: Dissertation

Beitragvon Rey Alp » Mo 30. Jul 2018, 08:44

Ich denke schon, das es lohnt, kann zur Zeit aber leider nur wenig Hilfe anbieten.

Die neueren Forschungsergebnisse müssen trotzdem mit eingepflegt werden. Dabei wird es wohl darauf hinauslauen, dass statt x Nennungen von Beispielstudien in den Fußnoten nun x+n Nennungen erfolgen, methodisch hat sich ja bei den Studien nicht viel getan. Das wäre der nächste Schritt.


Ich hatte ja ursprünglich mal bei dem Versuch einen Bogeintrag zu deiner Diss zu veröffentlichen unter anderem das Problem, die Verbreitung der methodischen Mängel in Studien nachzuvollziehen. Wenn ich mich recht erinnere meintest du dann, dass meistens eben wirklich alle Studien mit Ausnahme bei ein paar Punkten von 1 bis 2 genannten diese aufweisen würden, wobei du die Unterlagen dafür nicht mehr parat hattest.

Bei einer Neuauflage würde ich mich freuen, wenn irgendwie über ein Anhang oder ähnlich erkennbar wäre, wieviele Studien du untersucht hast und welche von diesen welche Mängel aufweisen, so dass man das nachvollziehen und vielleicht auch in einer Prozentzahl ausdrücken und vielleicht auch eine Entwicklung nachvollziehen kann.

Vicarocha
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Re: 2. Auflage: Dissertation

Beitragvon Vicarocha » Do 9. Aug 2018, 22:37

marcymarc hat geschrieben:Insofern halte ich Jugendschutz nach wie vor für sinnvoll, aber eben gerade nicht auf Kosten der Erwachsenenunterhaltung oder der Kunstschaffenden mit erzwungener Selbstzensur.

Najaaa... ein System wie PEGI erfüllt schon eine gewisse orientierungsfunktion für Erziehungsberechtigte, da die Altereinstufungen da einerseits über ein automatisiertes, quasi objektiv nachvollziehbares (und von z.B. den Eltern einsehbares) System erfolgen und andererseits ein Piktrogrammkatalog mitgeliefert wird, der konkrete Inhalte präzisiert (d.h. Inhalte XYZ führen zur Einstufung ABC zzgl. einschlägiger Piktogramme); da kann der Erziehungsberechtigte dann selbst entscheiden, ob er seinen Sprößling mit z.B. mit der Thematisierung von Drogenkonsum, Kraftausdrücken oder sonstwas konfrontieren will. Die USK-Kennzeichen erfüllen diese Funktion nicht, da eine Alterskennzeichnung lediglich eine Zahl darstellt, deren Zustandekommen absolut arkan/opak resp. willkürlich und (u.a.) für die Erziehungsberechtigten nicht nachvollziehbar ist (die Frage, welche Inhalte zur jeweils konkreten Kennzeichnung führte, bleibt immer offen), ganz zu schweigen davon, dass die Wirkungsannahmen hinter diesen Altersfreigaben nach wie vor einer mehr als veralteten Bewahpädagogik und einem noch unzulänglicheren Medienwirkungsglauben entspringen.

tl:dr Man könnte die USK-Freigaben auch auswürfeln... würde keinen großen Unterschied machen.

@ Rey Alp:
Ich glaube, diesem Desiderat werrde ich nicht nachkommen können... dafür müsste ich alle Studien nochmal lesen. :-/
Es ist tatsächlich viel einfacher zu konstatieren, dass alle Studien an Problem XYZ leiden und dann - falls es Ausnahmen gibt - diese hervorzuheben (so wie ich es getan habe). Ich habe jetzt auch die Studien seit 2013 soweit auf- und in die Diss. eingearbeitet... da sind die gleichen Probleme evident, wie in den Studien davor (z.T. wurden sogar Fehler gemacht, die ich über 10 Jahre nicht mehr gesehen habe... da wird der Forschungskorpus gar nicht zur Kenntniss genommen).

@ All:
Ich habe die Diss. jetzt soweit auf alle Fehler (Syntax, Ortographie etc.) hin korrigiert, dioe Zitationsweise geändert, das ganze neu gelayoutet, viele Dinge umformuliert (u.a. um den Lesefluss zu vereinfachen) usw. usf., zudem habe ich schon einiges aktualisiert, sowohl was die neuere Forschungsliteratur betrifft, als auch diverse Statistiken etc. (den aktuellen Freiheitsindex z.B., die beschlagnahmungen seit 2013, evtl. Listenstreichungen usw. usf.).

Jetzt - wenn ich dem gannzen noch den letzten Feinschliff gegeben habe - fehlt es noch an einigen Details... vielleicht hat ja der ein oder andere entsprechendes Material oder Zugang dazu: Ich bräuchte z.B. den Erstbeschlagnahmebeschluss zu "Silent Hill: Homecoming" und den Entschlagnahmebeschluss zu "Dead Rising" bzw. auch die Entschlagnahmebeschlüsse für eine ganze Reihe von Filmen, die in den letzten Jahren aus der Strafrechthölle befreit wurden, d.h.:

Tanz der Teufel ( Details und Hintergründe)
Blutgericht in Texas aka Texas Chainsaw Massacre ( Details und Hintergründe)
Das letzte Haus links aka Mondo Brutale aka The Last House on the Left ( Details und Hintergründe)
Battle Royale ( Details und Hintergründe)
Freitag der 13. - Das letzte Kapitel ( Details und Hintergründe)
The Texas Chainsaw Massacre 2 ( Details und Hintergründe)
Das Böse ( Details und Hintergründe)
Und wieder ist Freitag der 13. ( Details und Hintergründe)
Hexen bis aufs Blut gequält ( Details und Hintergründe)
Saw VII - Vollendung ( Details und Hintergründe)
Die Horde ( Details und Hintergründe)

Mich würde da nämlich interessieren, ob da eine Argumentation vorgenommen wurde, wie in meiner Diss.; würde dann eingepflegt.

Zudem werde ich selbst wohl auch noch das ein oder andere Dokument von der BPjM anfordern und im Schlusswort der Diss. noch kurz meine Einschätzung zur vermeintlichen Liberalisierung der Jugendmedienschutzes abgeben (ob wir uns z.B. freuen können, dass es seit 2014 so viel Erstindizierungen gab, wie alleine im Jahr 2013).

Was außerdem noch fehlt ist das ein oder andere Bildmaterial.... an ein paar Stellen habe ich jetzt Lücken in die Diss eingefügt, damit dort Bilder zur Veranschaulichung eingearbeitet werden können.... da wäre es u.U. gut, wenn sich jemand das Ding durchliest und vielleicht auch Ideen hätte, wo man noch etwas illustrieren könnte. Wenn die BPjS z.B. behauptete, dass bei "Doom" die "Tötungsakte und ihre Folgen werden weitgehend realistisch in Szene gesetzt" worden wären und ich das dementiere, wollte ich eine Collage mit den einzelnen Animationsstufen eines Standard-kills eines Imps o.ä. einbauen (wer da hochauflösendes MAterial bieten kann, bitte sehr!).

problematisch ist für mich im Moment der Umstand, dass einige Indizierungen (frühzeitig) aufgehoben wurden, auf deren Indizierungsentscheide ich aber speziell eingegangen bin, um die Unsinnigkeit von Indizierungen zu demonstrieren, z.B. "Doom" oder "Fallout 3"... ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll.... einfach nach der Diskussion kurz anmekren, dass die Indizerung aufgehoben wurde (müsste mir dann die Begründungen mal angucken.... hab die für die Titel, die bis 2013 von der Liste kamen auch, danach aber nicht mehr). Die Spruchpraxis haben diese Aufhebungen m.E. nicht direkt geändert, denn was in Fall A Beachtung findet, wird eigtl. schon immer in Fall B ignoriert (das "Fantasy"-Setting rettete ja auch das letzte "Mortal Kombat", wird aber bei anderen Titeln schlichtweg ignoriert - das habe ich in der Diss. zum Glück schon am Bsp. der Vorgängertitel durchexerziert). oder reicht da die Erwähung in einer Fußnote? Hmmm...
"In the beginning there was violence. Cain slew his own brother Abel according to Genesis and he didn't even have a video tape recorder."
~ Gunnel ARRBÄCK

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Re: 2. Auflage: Dissertation

Beitragvon Rigolax » So 26. Aug 2018, 20:50

Du hast vermutlich auch vor, die Indizierungsentscheidung von Dying Light zu besorgen. Vielleicht weiß es aber einer auch jetzt schon sicher: Waren die Kinderzombies die einzigen (wirklichen) Indizierungsgründe? Das meinte nämlich mal ein GameStar-Redakteur in einem Kommentar unter einem Artikel (Link hab ich nicht mehr) und man liest das gerne mal. Aber ich kann's nicht verifizieren. Vielleicht auch nur in der Bestätigung der Indizierung, nicht in der vorläufigen so.

Das ist auch interessant für Dying Light Bad Blood. Ob es in DE erscheint, ist noch etwas unklar. Auf Steam hat es zumindest (noch) Geolocks für DE. Auf der Gamescom war eine anspielbare Demo. Allerdings sah es danach aus, dass die kein Kennzeichen der USK hatte. Auf dem Stand war jedenfalls kein rotes USK-Logo, sondern ein inoffiziell wirkendes schwarzes "18+". Die USK prüft zwar alle Demos auf der Gamescom, aber vielleicht ist es möglich, dass einfach jugendgefährdende Inhalte auch durchkommen? (analog ähnlich FSK für Kinoauswertung). Vgl auch zum Teil hier: http://www.usk.de/extramenue/login/publ ... ussteller/ [EDIT: okay, DL: BB lief im geschlossenen Bereich und wurde wohl nicht geprüft. Ich hätte das jetzt auch durchaus als "öffentlich präsentierte Plattformversion" gesehen, weil man ja regulär einfach anstehen konnte AFAIK. Jedenfalls lief es wohl schlicht ohne Prüfung]

Am Rande: In der Diss steht dazu glaub nichts. Hatte EA wirklich mal die USK (bzw. OLJB) wegen der Nicht-Kennzeichnung von Medal of Honor (2010) verklagt? Offenbar wollten sie das mal, haben es so klar verlauten lassen. https://www.schnittberichte.com/news.php?ID=2370 Wäre aber vermutlich bekannt sonst. Zumindest hatten sie sich gegen die Indizierung erfolglos gerichtlich versucht zu wehren. (Erfolgreich war Square Enix bei Sleeping Dogs, die Streichung aus Listenteil B wurde bewirkt, was in der Folge eine A-Indizierung bewirkte. Aber das ist sicherlich bekannt.)

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Re: 2. Auflage: Dissertation

Beitragvon Pyri » Mo 29. Okt 2018, 17:47

Vicarocha hat geschrieben:... ein System wie PEGI erfüllt schon eine gewisse orientierungsfunktion für Erziehungsberechtigte, da die Altereinstufungen da einerseits über ein automatisiertes, quasi objektiv nachvollziehbares (und von z.B. den Eltern einsehbares) System erfolgen und andererseits ein Piktrogrammkatalog mitgeliefert wird, der konkrete Inhalte präzisiert (d.h. Inhalte XYZ führen zur Einstufung ABC zzgl. einschlägiger Piktogramme); da kann der Erziehungsberechtigte dann selbst entscheiden, ob er seinen Sprößling mit z.B. mit der Thematisierung von Drogenkonsum, Kraftausdrücken oder sonstwas konfrontieren will. Die USK-Kennzeichen erfüllen diese Funktion nicht, da eine Alterskennzeichnung lediglich eine Zahl darstellt, deren Zustandekommen absolut arkan/opak resp. willkürlich und (u.a.) für die Erziehungsberechtigten nicht nachvollziehbar ist (die Frage, welche Inhalte zur jeweils konkreten Kennzeichnung führte, bleibt immer offen)

Ein (weiterer) Nachteil der Zahlen (allein) ist, dass sie wohl noch immer häufig als "Empfehlungen" gesehen werden, und nicht als das was sie sind, nämlich Beschränkungen. Nicht nur im Einzelhandel kann so (noch leichter) beobachtet werden, dass es dann heißt ein Spiel sei etwa "für" ab 6/12 (eben ohne "freigegeben"). Und ein Journalismus übernimmt das dann und weist den einen oder anderen Titel darüber etwa gleich als "Kinderspiel" aus - sogar beim Deutschen Computerspielpreis konnte die Einstufung einer Komödie wie "Deponia" als "Jugendspiel" darüber hergeleitet werden, als sogar pädagogischer Nimbus eines Mediums das ansonsten ja so häufig (zumindest vor dem Engagement der Politik mit u. a. dem Preis) mit Mord und Totschlag landläufig assoziiert worden war.
Ich finde an den PEGI-Piktogrammen besonders charmant, dass sie keine Stigmata darstellen. So wird etwa auch bei niedriger eingestuften Spielen schonmal auf "Sex" hingewiesen, wo das ein Vorurteil nicht vermuten würde.
Apropos Vorurteil: gefühlt vergibt die PEGI im Core-Bereich meiner Meinung nach wesentlich häufiger höhere Freigaben. Die Statistiken widersprechen dem jedoch, so lag der Anteil an PEGI-18-Titel 2017 noch immer unter 10% https://pegi.info/de/node/44 Und damit relativ nahe am (noch niedrigeren) USK-Wert http://www.usk.de/pruefverfahren/statis ... stik-2017/ Die Anteile sind sich überhaupt verblüffend ähnlich, sodass die Behauptungen der deutsche Jugendschutz sei trotzdem "strenger", oder die Selbsteinschätzung führe zu niedrigeren Freigaben, kaum nachvollziehbar sind. Darüber hinaus sehe ich die Selbsteinschätzung eher vom Geist einer "Freiwilligen Selbstkontrolle" geprägt als die deutsche Verwaltungsmixtur in diesem Bereich, mit den OLJB als Entscheidungsträger bei gleichzeitiger ökonomischer Kontrolle der Industrie über den Entscheidungsfindungsprozess.
Ich halte die Selbsteinschätzung auch für nicht nur wesentlich transparenter als die pauschalisierenden USK-Beschreibungen http://www.usk.de/pruefverfahren/alterskennzeichen/ , sondern ebenfalls tendenziell für objektiver. Der empirische Rahmen des Verfahrens bedingt eigentlich Gleichbehandlung und verhindert so ja gerade Willkür.
Wobei mitunter problematische Spiele mit potentiell niedrigeren Freigaben in Deutschland dadurch trotzdem halt "strenger" bewertet werden können als dies im individuell "differenzierteren" USK-System (mit seinen Abwägungen in Bezug auf frühere Kennzeichenvergaben und/oder mit Bezug auf die Wirklichkeitsnähe im Setting eines Spiels) überhaupt (noch) möglich wäre, zumal USK-16-Titel wie "Skyrim" oder "Assassin's Creed" bei der PEGI ja schon immer ab 18 waren.
Im Zweifelsfall könnte Deutschland ja das britische System einführen - mit einer zwischengeschalteten Behörde welche über die Rechtmäßigkeit/potentielle Jugendgefährdung wacht, ähnlich dem Video Standards Council. Mit USK, BPjM, Gerichten und "Rechtssicherheit" ist die Möglichkeit eines nachträglichen Entzugs von Kennzeichen ja leider nicht einmal vorgesehen, in keinem wirtschaftlichen Interesse der Branche und (2003) praktisch ausgeschlossen (worden).
Dazu müsste aber halt auch der Filmbereich erstmal reformiert werden und es etwa dort zu einer einheitlichen, europäischen Lösung (wie bei den Games der PEGI) kommen, vll. analog zu einer Reform des Urheberrechts. Aber da im Zeitalter des Populismus die europäische Integration zugunsten einer Re-Nationalisierung ja schon insgesamt eher nur mehr schleppend vorankommt, oder sogar bereits rückläufig ist, sind diese Gedanken bis auf weiteres sowieso nur Spinnereien.
Gamertag: Pyri80 PSN: Pyri Steam: pyri "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." Thomas Bernhard


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