Modgamers hat geschrieben:http://www.welt.de/vermischtes/article106306191/Wenn-Muetter-versuchen-zu-Moerdern-zu-werden.html
Wenn Mütter versuchen, zu Mördern zu werden
http://www.amazon.de/Weibersachen-Trost ... 629&sr=8-1
Vorhin beim Lesen der Zeitung ...
(gescannt und OCR drübergejagt, fehlende Buchstaben bitte ich zu entschuldigen)
Für Computerspieler verschwimmen die Grenzen
zwischen der Wirklichkeit und dem Scheinleben in der virtuellen Welt. Das hat gefährliche Folgen, nicht nur in Norwegen.
VON RALF GÜNTHER
Ist Anders Behring Breivik geisteskrank? juristisch mag diese Frage von Bedeutung sein. Eindeutig zu beantworten ist sie vermutlich nicht. Die analytischen Fähigkeiten, mit denen Breivik seine Motivationen, seine Vorgehensweise, seine Pläne darlegt, lassen zumindest aufhorchen. Mag sein, dass es die Ergüsse eines geistig verwirrten Eigenbrötlers sind. Beunruhigenderweise stimmen sie aber mit den Erkenntnissen renoinmierter Medienforscher überein.
Um sich auf seine Aufgabe vorzubereiten, spielte Breivik tage- und wochenlang ein Computerspiel: World ofWarcraft, Welt des Kriegshandwerks. Dieses Spiel ist nicht etwa eine perverse Beschäftigung für krankhaft veranlagte Außenseiter, sondern ein Welt-Bestseller. Tagtäglich sitzen zig Millionen - meist männlicher - User am Computer und spielen es. Alles potenzielle Breiviks?
World ofWarcraft ist ein First Person Shooter, das heißt, der Spieler folgt nicht einem virtuellen Kämpfer durch das computergenerierte Szenario, sondern er ist es selbst. Alles geschieht, als sei er Teil und Motor der Handlung. Der schwer bewaffnete Spieler-Kämpfer geht durch computersimulierte Städte (Hamburg, Berlin, London). Die Simulationen sind extrem realistisch, die Macher werben mit täuschend "echten" Umgebungen - bis hin zu den Auslagen in den Ladenpassagen. Man drückt auf eine Taste oder einen Knopf am joystick, und der Feind - auf dem Alex, am jungfernstieg - wird von einer Hand- granate zerfetzt. Blutspritzer landen auf dem Sichtfeld des Spielers. Erschieß alle, oder du wirst selbst erschossen, lautet die Mission. Im Internet gibt es Walkthroughs ("Durchläufe"), man kann einem Spieler bei seinem "Kriegszug" folgen. Es entstehen überaus drastische, brutale
Bilderzählungen, wahre Gemetzel. Die virtuell getöteten Wesen bleiben gesichtslos. Manchmal sind es nur Schatten am Rande des Blickfelds.
Wir wissen nichts über sie. Töten wird in/den .Shooter Games" zu einem rein technischen Vorgang. Knopf drücken - bam - Nächster.
Breivik sagte aus, er habe anhand dieses Computerspiels "trainiert". Das Training bestand für ihn darin, Emotionen auszuschalten. Anders Behring Breivik tat dabei nichts anderes, als die Situation und den Ablauf des Computerspiels in die wirkliche Welt zu übertragen. Dabei sah er. sich selbst als Teil der Simulation, die Grenze zwischen virtueller Welt und realer Welt wurde aus seiner Sicht ausgelöscht. Fast alle Opfer Breiviks wurden von hinten erschossen. Gesichtslose Schatten - wie im Spiel. .
In den Steuerungszentralen der Drohnen, die in Afghanistan oder Pakistan Jagd auf Menschen machen, wird Krieg - echter Krieg! - auf exakt
dieselbe Weise geführt. Zwischen den Steuerungsmodulen der Drohnen und einem Shooter- > Game besteht technisch kaum ein Unterschied. Die Monitore, die Fadenkreuze, die Joysticks. Auf den wenigen Fotos, die im Netz von diesen Steuerungszentralen kursieren, sieht man Visierhelme, wie sie in Computerspielen benutzt werden. Auch Breivik trug so einen Helm. Alles mutet an wie ein Spiel- und das ist gewiss kein Zufall. Der Mechanismus funktioniert auch hier:
Die Opfer werden nicht mehr als Menschen wahrgenommen, sondern als virtuelle Repräsentanten. Auf dem Monitor erscheinen sie grob gerastert, unscharf Keine Chance, Gesichtszüge zu erkennen, oder etwa Angst, keinen flehen- den Blick, keine Bitte um Erbarmen. Da wird es kinderleicht, auf den Knopf zu drücken und einen vermeintlichen Schein-Menschen mithilfe einer Hellfire-Rakete auszulöschen. Und anschließend, das belegen die einschlägigen Mitschnitte auf Wiki-Leaks, werden die Leichen als squirters ("Spritzer") verhöhnt und herzhaft verlacht. Dann schalten die "Kämpfer" den Monitor lUS und fahren nach Hause zu Frau und Kindern.
Das ist Töten ä la Breivik :- ohne Gefühle, aber
im staatlichen Auftrag. Krieg als Computerspiel.
.....
Den Rest erspare ich euch ...
Quelle: Sächsische Zeitung vom 18.05.2012, Seite 5 "Perspektiven", Autor Ralf Günther (lebt als Schriftsteller in Dresden, er schreibt Historienromane ("Der Leibarzt", "Die Pestburg", "Der Gartenkünstler"), Satiren, Drehbücher.
http://www.vanion.eu/news/2208/saechs-z ... wechslung/