Nein, es ist nicht so, dass es (auch) einen tatsächlichen Konsens gibt was vermeintlich etablierte Darstellungen wie "Schindlers Liste" zum Beispiel betrifft: was für die einen pädagogisch wertvoll, ist für die Anderen mit einiger Begründung obszön.
Zum Beispiel bei Fritz Göttler über Claude Lanzmann's Zugang seinerzeit in der SZ:
http://www.geschichte-projekte-hannover ... ttler.htmlNach der Spielberg-Bio von Joseph McBride reagierte Spielberg wütend auf Lanzmann
Und teilweise stimme ich Lanzmann sogar zu. "Schindlers Liste" ist an einigen Stellen wohl schon vorzuwerfen, dass er spekulativ mit vorhandenem Wissen über die Shoah umgeht, dieses Wissen filmisch auch exploitativ ausnützt um bestimmte Reaktionen im Publikum zu erzeugen. Widerlicher Weise.
Der andere genannte Spielberg-Film wird meinem Eindruck nach auch von einer relativ breiten öffentlichen Meinung in Deutschland abgelehnt. Die Gewaltdarstellungen darin, vor allem zu Beginn, erregten von Anfang an die Gemüter und wurden mitunter als Obszönität begriffen. Zwei Jahre später war es bei "Gladiator" nicht anders - auch dieser Film wurde wohl häufig unter dem Diktum der "Gewaltpornografie" wahrgenommen. Ich erinnere mich noch gut als der Österreichische Rundfunk über diese altrömische Gewalt-Seifenoper berichtete. Dessen bald darauf verstorbener Anchorman Robert Hochner tat das damals mit einiger Abfälligkeit glaub ich noch, in der Sendung "Zeit im Bild 2": seine Witwe hetzte Jahre später dann im "Treffpunkt Kultur" gegen Videospiele. Auch wenn die Rechtslage in Österreich eine andere als in Deutschland ist und Österreich sicher relativ medienliberal ist, kann man sich über negative Gefühle gegenüber Gewaltdarstellungen und ein diese goutierendes Publikum hier im Land von Michael Haneke auch immer einigermaßen sicher sein.
So auch als der hiesige Führer der RechtspopulistInnen, Strache, vor einiger Zeit von Hochners Nachfolger im Geiste, Armin Wolf, im Fernsehen gefragt wurde wie man sich mit "Braveheart" nur einen so gewalttätigen Film als seinen Lieblingsfilm aussuchen könne, oder so ähnlich.
Auch "Der Herr der Ringe" wurde im darauffolgenden Jahr als Gewaltspektakel mitunter schlicht und ergreifend verachtet. Also Ressentiments gegen Gewaltdarstellungen, Unpassendes, sind doch überall Gang und Gäbe. Bei Videospielen kommt bloß noch hinzu, dass sie praktisch ausschließlich als kommerzielle Ausschlachtungen verstanden werden - diese oft nicht einmal annähernd im Verdacht stehen "Kunst" oder "Kultur" zu sein. Sondern schonmal eher mit Sucht oder Alienation (Entfremdung) in Verbindung gebracht werden.
Als der Spielberg-Film in die Kinos kam wurde ich gerade volljährig, und wahrscheinlich hat mich im Leben kein anderer Film so geprägt wie "Saving Private Ryan".
"Saving Private Ryan" würde die deutsche Seite zudem entmenschlichen, gilt für diese Leute demnach als germanophob, und die allermeisten Militär-Shooter welche es in Deutschland nicht leicht haben basieren immer noch auf dessen Ästhetik: das braucht meiner Ansicht nach bloß zusammengezählt werden.
Und Tarantino wurde in meiner Lokalzeitung, wegen der "Gewalt", sogar mit Leni Riefenstahl verbunden - obwohl oder gerade weil die eigentlich (auch) keine besonders expliziten Gewaltdarstellungen je inszeniert hat, sondern zunächst eher nur an Fantasien und Träume (ebenfalls) interessiert gewesen schien. Man denke bloß an ihr meiner Meinung nach quintessentielles Debut "Das blaue Licht" (1932), und nicht zuletzt wird Fantasy, werden Fantasien und FantastInnen auch deshalb im deutschsprachigen Raum weiterhin so einen schweren Stand haben. Konstant diskriminiert, diffamiert, denunziert, ausgegrenzt und verfolgt werden.
Walter Titz, Quentin Riefenstahl. In: Kleine Zeitung 23.8.2009 (Graz 2009) 63.
"Gewalt" bleibt dabei wohl häufig Gewalt, wobei es schon in der Lanzmann-Kontroverse um das ging worum es auch bei Videospielen eigentlich doch gehen sollte, nämlich um die Frage was Fiktion darf und was nicht, sofern sie konsensual entstanden ist, das heißt einen Konsens - wenn auch nur - zwischen Kreativen zum Ausdruck bringt und (dabei, in der Herstellung) keine Persönlichkeitsrechte verletzt hat.
"Gewalt" in Fiktionen wird so oder so auch immer wieder vorgeworfen werden, in der einen oder anderen Form (politisch) extremistisch zu sein. Verbrechen anzuregen, etc.