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Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Falschdarstellungen und Vorurteile

Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Beitragvon gordon-creAtive.com » Mi 18. Apr 2012, 13:26

Das habe ich gerade getwittert. Darafhin wurde ich dafür (eher konstruktiv) kritisiert, wobei ich das Gefühl habe, das Tweets grundsätzlich ironisch, sarkastisch oder lustig sein müssen.

Da Assassins Creed in jedem Spiel historische Begebenheiten aufgreift (allerdings keine historische Dokumentation sein soll, sondern mit diesen Geschehnisse in gewisser Weise spielt), hat sich mir die Frage gestellt, wie ein AC wohl in der Gegenwart aussehen könnte. Wie dieser Artikel zeigt, wäre der Fall Breivik prädestiniert dafür und würde auch gut in das in AC meist transportierte Schwarz-Weiß-Schema passen.

Wo wir wieder beim Punkt wären: Dürfen Spiele aktuelle Ereignisse verarbeiten? Ich bin natürlich der Meinung, sie dürfen. An Spiele wird anscheinend immer die Anforderung gestellt, die gesellschaftlich etablierte Moral und die Werte padagogisch wertvoll dem Konsument übermitteln müssen und 'ernste' Themen nicht als Unterhaltung aufgefasst werden dürfen. Das wird bei Filmen wohl nicht so eng gesehen. Warum kritisiert keiner Schindlers Liste, Der Soldat James Ryan oder Inglourious Basterds?
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Re: Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Beitragvon Pyri » Mi 18. Apr 2012, 16:01

Nein, es ist nicht so, dass es (auch) einen tatsächlichen Konsens gibt was vermeintlich etablierte Darstellungen wie "Schindlers Liste" zum Beispiel betrifft: was für die einen pädagogisch wertvoll, ist für die Anderen mit einiger Begründung obszön.
Zum Beispiel bei Fritz Göttler über Claude Lanzmann's Zugang seinerzeit in der SZ: http://www.geschichte-projekte-hannover ... ttler.html
Nach der Spielberg-Bio von Joseph McBride reagierte Spielberg wütend auf Lanzmann

Und teilweise stimme ich Lanzmann sogar zu. "Schindlers Liste" ist an einigen Stellen wohl schon vorzuwerfen, dass er spekulativ mit vorhandenem Wissen über die Shoah umgeht, dieses Wissen filmisch auch exploitativ ausnützt um bestimmte Reaktionen im Publikum zu erzeugen. Widerlicher Weise.

Der andere genannte Spielberg-Film wird meinem Eindruck nach auch von einer relativ breiten öffentlichen Meinung in Deutschland abgelehnt. Die Gewaltdarstellungen darin, vor allem zu Beginn, erregten von Anfang an die Gemüter und wurden mitunter als Obszönität begriffen. Zwei Jahre später war es bei "Gladiator" nicht anders - auch dieser Film wurde wohl häufig unter dem Diktum der "Gewaltpornografie" wahrgenommen. Ich erinnere mich noch gut als der Österreichische Rundfunk über diese altrömische Gewalt-Seifenoper berichtete. Dessen bald darauf verstorbener Anchorman Robert Hochner tat das damals mit einiger Abfälligkeit glaub ich noch, in der Sendung "Zeit im Bild 2": seine Witwe hetzte Jahre später dann im "Treffpunkt Kultur" gegen Videospiele. Auch wenn die Rechtslage in Österreich eine andere als in Deutschland ist und Österreich sicher relativ medienliberal ist, kann man sich über negative Gefühle gegenüber Gewaltdarstellungen und ein diese goutierendes Publikum hier im Land von Michael Haneke auch immer einigermaßen sicher sein.
So auch als der hiesige Führer der RechtspopulistInnen, Strache, vor einiger Zeit von Hochners Nachfolger im Geiste, Armin Wolf, im Fernsehen gefragt wurde wie man sich mit "Braveheart" nur einen so gewalttätigen Film als seinen Lieblingsfilm aussuchen könne, oder so ähnlich.
Auch "Der Herr der Ringe" wurde im darauffolgenden Jahr als Gewaltspektakel mitunter schlicht und ergreifend verachtet. Also Ressentiments gegen Gewaltdarstellungen, Unpassendes, sind doch überall Gang und Gäbe. Bei Videospielen kommt bloß noch hinzu, dass sie praktisch ausschließlich als kommerzielle Ausschlachtungen verstanden werden - diese oft nicht einmal annähernd im Verdacht stehen "Kunst" oder "Kultur" zu sein. Sondern schonmal eher mit Sucht oder Alienation (Entfremdung) in Verbindung gebracht werden.
Als der Spielberg-Film in die Kinos kam wurde ich gerade volljährig, und wahrscheinlich hat mich im Leben kein anderer Film so geprägt wie "Saving Private Ryan".

"Saving Private Ryan" würde die deutsche Seite zudem entmenschlichen, gilt für diese Leute demnach als germanophob, und die allermeisten Militär-Shooter welche es in Deutschland nicht leicht haben basieren immer noch auf dessen Ästhetik: das braucht meiner Ansicht nach bloß zusammengezählt werden.
Und Tarantino wurde in meiner Lokalzeitung, wegen der "Gewalt", sogar mit Leni Riefenstahl verbunden - obwohl oder gerade weil die eigentlich (auch) keine besonders expliziten Gewaltdarstellungen je inszeniert hat, sondern zunächst eher nur an Fantasien und Träume (ebenfalls) interessiert gewesen schien. Man denke bloß an ihr meiner Meinung nach quintessentielles Debut "Das blaue Licht" (1932), und nicht zuletzt wird Fantasy, werden Fantasien und FantastInnen auch deshalb im deutschsprachigen Raum weiterhin so einen schweren Stand haben. Konstant diskriminiert, diffamiert, denunziert, ausgegrenzt und verfolgt werden.

Walter Titz, Quentin Riefenstahl. In: Kleine Zeitung 23.8.2009 (Graz 2009) 63.

"Gewalt" bleibt dabei wohl häufig Gewalt, wobei es schon in der Lanzmann-Kontroverse um das ging worum es auch bei Videospielen eigentlich doch gehen sollte, nämlich um die Frage was Fiktion darf und was nicht, sofern sie konsensual entstanden ist, das heißt einen Konsens - wenn auch nur - zwischen Kreativen zum Ausdruck bringt und (dabei, in der Herstellung) keine Persönlichkeitsrechte verletzt hat.
"Gewalt" in Fiktionen wird so oder so auch immer wieder vorgeworfen werden, in der einen oder anderen Form (politisch) extremistisch zu sein. Verbrechen anzuregen, etc.
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Re: Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Beitragvon gordon-creAtive.com » Mi 18. Apr 2012, 17:03

Der Unterschied zwischen Herr der Ringe, Gladiator, Braveheart und Filmen wie Der Soldat James Ryan, Schinders Liste und Inglourious Basterds (das waren unabsichtlich alles Filme, die das Dritte Reich aufgreifen) besteht darin, dass letztere sich mit Themen befassen, welches Ereignisse betrifft, welche unmittelbar ein Teil unserer aktuellen Gesellschaft sind (nun, der Holocaust ist in Deutschland ein Thema für sich). Während bei ersten nur die Gewaltdarstellung an sich kritisiert werden kann und wird, könnte man der zweiten Gruppe vorwerfen, dass die Verarbeitung in Filmen zum Zweck der Unterhaltung pietätlos, unmoralisch, wertefremd, was auch immer, ist.

Ich nehme ein besseres Beispiel: Der Film "Baader Meinhof Komplex", dessen zugrundeliegende Ereignisse durchaus zu einem gewissen Grad mit den Geschehnissen in Norwegen verglichen werden kann, wurde im Großen und Ganzen kritiklos als Kinofilm akzeptiert - während beispielsweise Jens Stober durch 1387km Entsprechendes vorgeworfen wurde. Ich habe nicht behauptet, das solche Filme immer anstandslos akzeptiert werden, aber bei Videospielen sieht man das eben besonders eng.

Leider beschäftigte sich deine Antwort nur Filmen, Pyri. Ich frage deshalb ganz plakativ! Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy - Ja oder Nein?
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Re: Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Beitragvon Pyri » Mi 18. Apr 2012, 18:34

gordon-creAtive.com hat geschrieben:Leider beschäftigte sich deine Antwort nur Filmen, Pyri. Ich frage deshalb ganz plakativ! Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy - Ja oder Nein?


Vielleicht hab ich diese Frage eingangs schon nicht verstanden und bezog mich deshalb nur auf (mir bekannte) Filme: ein geschichtlicher Hintergrund ist schön und gut, doch auch dieser wird irgendwie eingeordnet werden müssen. Gerade in Fiktionen.
Also wer wäre in dieser Frage schonmal am Verschwören: ganz kapier ich das nicht. Der Täter sieht sich doch als Rächer der Enterbten und die von ihm ermordeten Jugendlichen als Konspirateure und Profiteure einer von ihm verhassten Gesellschaft(sordnung)?

Im Übrigen wird sich eine solche Frage auch Ubisoft beim aktuellen dritten Teil schon gestellt haben - wer kämpft gegen wen und warum? Was ist politisch korrekt(er)? Was können wir (als Kreative) machen? Womit kommen wir (international) durch? Wenn man da genauer hineinschaut und sich etwas mit der Geschichte der Freimaurerei und deren Verfolgungen zum Beispiel beschäftigt hat gibt es da schon ganz amüsante Entdeckungen bei der Auswahl des Szenarios zu machen. Die "Templer" geben ein wohl besseres Feindbild ab, wobei das Nazi-Thema sicher eine Ausnahme darstellt. Eine Ausnahe die durchaus auch international mit einer Gegenfrage beantwortet werden kann:

2010 erschien "Napoleon: Total War". 2013/14 wird Creative Assembly dem jedoch kaum ein "Hitler: Total War" folgen lassen, obwohl es gerade bei den Abläufen europäischer Geschichte eine eigentlich nur logische Konsequenz wäre...
Manches geht einfach nicht, etwa auch "Slavery - The Game" http://www.youtube.com/watch?v=WCgsXRyYXW0

Nachtrag: vielleicht sollte sich so bereits grundsätzlich mal schon überlegt werden, weshalb es anders als in der Literatur oder im Filmbereich wie bei "Henry: Portrait of a Serial Killer" eigentlich kaum Videospiele gibt in denen Täterrollen übernommen werden, MörderInnen gemimt. Höchstens irgendwie verklausulierte Auftragskiller wie bei den Werken der IO Studios aus Dänemark - das war es dann aber auch schon.
Es gibt kein "American Psycho" als Videospiel - selbst bei der "Saw"-Versoftung, zumindest bei der Ersten, konnten afaik nur Opfer gespielt werden. Videospiele mit Slasher-Thematik gibt es überhaupt kaum -
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Re: Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Beitragvon gordon-creAtive.com » Mi 18. Apr 2012, 18:54

Gut, ich glaube die Wahl des Untertitels war etwas kurz gedacht. In Assassin's Creed (habe bisher allerdings nur Teil 1 & 2 gespielt) werden historische Fakten aufgenommen, "interpoliert" und zu einer Art Verschwörungstheorie zusammengemanscht, daher der Untertitel. Während ich nicht sagen will, dass ich ein solches Spiel gut finden würde (das kann ich erst, wenn ich es gespielt habe), wurde auf Twitter -so habe ich das zumindest interpretiert- kritisiert, dass solche Inhalte in einem Spiel nichts zu suchen haben.

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich habe das Thema hier angesprochen, weil ich es diskutieren will. Ich bin zwar der Meinung, das für Videospiele auch eine Art Kunstfreiheit herrscht, bin mir aber auch nicht vollständig sicher. Einerseits weiß ich nicht, was dagegen spricht, aktuelle Geschehnisse zu verarbeiten, andererseits muss ich dann auch Spiele wie den KZ Manager akzeptieren.

Hitler: Total War wird wohl deshalb gar nicht erst angedacht, weil die Angst vor Kritik zu groß ist. Anderseits gabs mal eine Zeit, in der wir uns vor Zweiten-Weltkriegs-Shootern nicht mehr retten konnten.

Ich glaube, weiß ich auch wo der Knackpunkt der Diskussion liegt:
Manches geht einfach nicht, etwa auch "Slavery - The Game"

Warum denn nicht? (<- bitte wörtlich nehmen)

Nachtrag zu deinem Nachtrag, Pyri: Das ist wohl genau der Knackpunkt. Es mag daran liegen, dass der Spieler entsprechende Handlungen aktiv ausführt. Er ist kein Zuschauer. Er ist der Täter, obwohl das Ganze nur ein Spiel ist, wird wohl eine derartige virtuelle Handlung mit einer realen gleichgesetzt, es wird von der Gesellschaft sozusagen gefordert, dass auch in virtuellen Welten die etablierten Werte beachtet werden müssen - was man dann aber auch beim Räuber-und-Gendarme-Spielen aufrecht erhalten werden sollte.
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Re: Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Beitragvon hecterspecter » Mi 18. Apr 2012, 19:35

Nicht zu vernachlässigen ist auch dabei, dass sich Spieler mit der Figur identifizieren müssen, um auch einigermaßen gut durch das Spiel zu kommen. Bei einem solchen Spiel stelle ich mir dann auch die Frage, wo der Reiz liegen soll, einen Massenmörder oder Serienkiller zu spielen, der unschuldige und wehrlose Opfer niederzumetzeln oder zu Tode zu foltern hat. Ich könnte mir derartige Spielsituationen nur als kurzfristige Schockmomente in emotional anspruchsvollen Titeln vorstellen, wo dem Spieler "vorgespielt" wird, das vermeintlich Richtige zu tun, dann aber im letzten Moment ihm jeglicher moralischer Halt genommen wird. Das Ende eines solchen Spieles wäre aus meiner Sicht schwer zu verdauen.
Was die Einbindung aktueller Ereignisse in Videospiele angeht, bin ich ebenso der Meinung wie Gordon. Aber vermutlich müssen wir auch dabei die Gefühle der Opfer und Hinterbliebenden bei aktuellen Themen immer mitberücksichtigen. Alles eine Frage des angemessenen Tons, nehme ich an. Bei historischen Ereignissen ist es wohl eine Frage der vergangen Zeit. Während die Zeit 1933 - 1945 (bisher noch) in Deutschland eher kritisch in Videospielen zu sehen ist, scheint es z.B. bei den Zeiträumen des Altertums, der Renaissance oder der Restauration keinen all zu großen Nachhall zu geben.
Im Namen aller extraterrestrischen Wesen verlange ich, auf die Darstellung von grünem Alienblut in Videospielen zu verzichten. Ebenso wünsche ich die Jagd auf Postmonster einzustellen.
hecterspecter, Alien und Postmonsterfreund.
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Re: Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Beitragvon buzzti » Mi 18. Apr 2012, 22:00

hecterspecter hat geschrieben:Nicht zu vernachlässigen ist auch dabei, dass sich Spieler mit der Figur identifizieren müssen, um auch einigermaßen gut durch das Spiel zu kommen. Bei einem solchen Spiel stelle ich mir dann auch die Frage, wo der Reiz liegen soll, einen Massenmörder oder Serienkiller zu spielen, der unschuldige und wehrlose Opfer niederzumetzeln oder zu Tode zu foltern hat.


Das wird aber durchaus in populären Spielen so gemacht. Man denke nur an Warcraft III - Prinz Arthas ist in einigen der Kampagnen der Protagonist und Unschuldige und Wehrlose niedermetzlen ist ein zentrales Element auf seinem Streifzug. Ansonsten nennen könnte man z.B. Kratos aus God of War, der auch auf brutalste Weise unbewaffnete Leute umbringt...
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Re: Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Beitragvon TheRealBlack » Mi 18. Apr 2012, 22:40

Manches geht einfach nicht, etwa auch "Slavery - The Game"
Warum denn nicht? (<- bitte wörtlich nehmen)

Es ist die Intolleranz der Gamer und der Presse sowie deren angelernter Beisreflex. Es gibt viele Beispiele von Spielen welche die "Grenzen des Geschmackes" (angeblich) überschritten haben immer wurde ein Shitstorm ausgelöst anstelle das Spiel mal objektiv zu betrachten bzw für was es steht...

Ich frag mich immer bei den "Rail"Games (die "Story" führt einen durch Schlauchlevel) ist man dort nicht genau so aktiv als würde man einen Film Starten oder Stoppen?`
Happy Coding.
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Re: Assassin's Creed IV: The Breivik Conspiracy

Beitragvon Pyri » Mi 18. Apr 2012, 23:41

gordon-creAtive.com hat geschrieben:(...)
Versteht mich bitte nicht falsch: Ich habe das Thema hier angesprochen, weil ich es diskutieren will. Ich bin zwar der Meinung, das für Videospiele auch eine Art Kunstfreiheit herrscht, bin mir aber auch nicht vollständig sicher. Einerseits weiß ich nicht, was dagegen spricht, aktuelle Geschehnisse zu verarbeiten, andererseits muss ich dann auch Spiele wie den KZ Manager akzeptieren.

(...)
Warum denn nicht? (<- bitte wörtlich nehmen)



Nun, "The Turner Diaries" sind etwa ein Roman bei dem sich die Frage schon stellt inwieweit das noch relevant ist, ob etwas ein Roman ist oder nicht. Sie sind auch eine Schrift von einem führenden US-Rechtsextremisten die "Rassenkampf" propagiert und damit wohl in erster Linie politischer Ausdruck. Sie werden für diesen Terroranschlag verantwortlich gemacht, usw. http://de.wikipedia.org/wiki/Bombenansc ... ahoma_City : so gibt es tatsächlich auch ein Videospiel das "Ethnic Cleansing" heißt, und in der wissenschaftlichen Literatur - hier etwa von Helga Tawil Souri http://steinhardt.nyu.edu/scmsAdmin/upl ... oGames.pdf international häufig genannt wird. Um Videospiele als kreativer Ausdrucksform, "Kunst" oder "Kultur", geht es dabei jedoch nicht, sondern um Politik.
Um politischen Ausdruck. Um politischen Extremismus. Insofern: wieso sollte es nötig sein so ein Videospiel zu "akzeptieren", wenn dieser politische Ausdruck sonst (etwa bei Demonstrationen, in Parteiprogrammen) doch nicht (gern) angehört wird? Programme die Massenmord haben wollen?
Insofern sind die tatsächlich existierenden (kommerziellen) Videospiele doch sehr zahm - auch im Vergleich zur Filmindustrie. Sie sind ja regelrecht brav und irgendwo auch zurückhaltend, politisch bisweilen überkorrekt. Selbst ein "Call of Duty" teilweise
Und teilweise steigert sich ein deutscher Journalismus ja wohl auch so sehr in fieberhaften Fantasien hinein, die ja eigentlich tatsächlich weit eher die wirkliche(re)n Gewaltfantasien sind, wenn da etwa über "Foltern und Morden als Freizeitspaß" mal schwadroniert wurde. Oder in welchen Videospielen wird gefoltert?

Was ich vorhin (noch) nicht schreiben wollte war, dass da gerade bei "Assassin's Creed" etwas Entscheidendes scheinbar übersehen wird: vor jedem "Assassin's Creed" steht ein Disclaimer der darauf hinweist, dass das Spiel von einem multikulturellen Team entworfen oder entwickelt wurde.
Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass "Assassin's Creed" gelebter Multikulturalismus IST - was immer "Multikultur" dabei auch heißen soll. Jedenfalls ist gerade diese "Ideologie", von der ich ja glaube dass sie eher eine Erfindung ist und dass praktisch alle Menschen einen Migrationshintergrund haben, es praktisch nur Multikulturalismus geben kann auf der Welt und sich davon auch kaum jemand wirklich ausnehmen, das erklärte Feindbild dieses "christlichen" Verbrechers aus Norwegen. Insofern würde das doch schonmal überhaupt keinen Sinn machen.
Eigentlich sollte das mein Hinweis auf das Feindbild der Templer sein: die Templer sind ein schönes Feindbild für die populäre Kultur - in "Assassin's Creed" wird jeder eindeutig negative oder positive Bezug zu Religion klar vermieden. Außer bei den "Templern", nicht nur bei Dan Brown, weil die Templer halt (dort und anderswo) sowas sind wie eine Vorstufe der Spanischen Inquistion. Also letztlich Leute, Katholiken, die Menschen verbrennen - um Religion geht es auch dabei nur am Rande.
Und ein besseres Feindbild haben wohl wirklich bloß die Nazis noch abgegeben.
Religion ist überhaupt ein Thema das in Mainstream-Videospielen (auch) kaum einen Platz hat - weshalb ich letztes Jahr auch so sehr für "The Binding of Isaac" dankbar gewesen bin.

@buzzti
Der Prinz ist glaub ich eine klassisch tragische Gestalt wie sie auch in manchen Schulbüchern noch etabliert vorkommt. Also der hatte doch auch ein Vorleben, und bei Kratos kann ich mich ehrlich gesagt nicht entsinnen - obwohl ich alle "God of War"-Spiele zumindest angespielt habe -, dass er jemals Unschuldige umgebracht hätte und das dann nicht noch als ganz besondere Tragik ausgewiesen worden wäre.
Eine Tragik die sogar der gesamte Ausgangspunkt für die "God of War"-Franchise (gewesen) sein dürfte, zusammen mit der Vergangenheit in seiner Heimat Sparta, wo er noch gezwungen wurde sich an Schwachen zu vergehen oder deren Leid zumindest mitansehen. Kratos ist ein völlig gestörter und von Schuldkomplexen beladener, tief in einer Moderne verwurzelter Charakter - wo Leid an Unschuldigen oder Schwachen darin positiv dargestellt werden würde kann ich beim besten Willen nicht erkennen.
Zuletzt geändert von Pyri am Do 19. Apr 2012, 14:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Täterverehrung geht gar nicht

Beitragvon Patrik » Do 19. Apr 2012, 14:16

Erst dachte ich, es könnte irgendwelche Kriterien geben, unter denen so ein Spiel ethisch OK wäre. In deiner Stoßrichtung sehe ich da aber keine Möglichkeit. Um genau zu sein, würde ich jeden missbilligen, der etwas derartiges anstrengt.

Hintergrund ist, dass mMn einem Täter, der ganz offensichtlich auf Öffentlichkeit aus ist, eine solche eben nicht geboten werden sollte. Keine Form von persönlichem „Ruhm“ sollte durch eine solche Tat erlangt werdne können. Ich halte es auch für richtig – wie z.B. vom AAW gefordert – den Namen des Täters nicht zu nennen. Dementsprechend wäre selbst ein Spiel, dass jeden Spieler mit absoluter Sicherheit davon überzeugen kann, dass das Handeln des Täters grundfalsch war, nicht akzeptabel. Solange es nur wenige spielen, hätte es den Effekt, einen Personenkult zu schaffen. Und einen solchen sollte man um Einzeltätern nicht entstehen lassen. Aus dieser Perspektive wären selbst ein KZ-Manager oder „Hilter: Total War“ deutlich besser als das hier vorgeschlagene Spiel.

Denkbarer wäre ein Spiel, in dem man einen namenlosen Neonazi oder Terroristen steuert. Hier besteht die Möglichkeit, das Thema weniger vorbelastet aufzugreifen. Auch muss ich hecterspecter widersprechen: Man muss sich nicht mit der Spielfigur identifizieren können. Erstens gibt es gar nicht immer Protagonisten, zweitens wählt man sogar aktiv im Spiel zuweilen Optionen, mit denen man (als Person außerhalb des Spielrahmens) sich nicht identifiziern könnte. Als Beispiel für eine unsmpathische Hauptfigur fällt mir momentan zwar nur Rufus (aus Deponia) ein, aber als Gegenbeispiel sollte der reichen.
Raubkodierer sind Verbrecher.
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