Spielraum des Gesetzgebers

Falschdarstellungen und Vorurteile
Rey Alp
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Re: Links zur Presse (17)

Beitrag von Rey Alp » Mi 23. Mai 2012, 19:07

Vicarocha hat geschrieben:... könnte man ja so mit allen Dingen der Welt machen. Der Punkt ist aber, dass der Forschungsstand selbst eigentlich überhaupt nicht kontrovers ist, der läßt eigentlich an Eindeutigkeit bzgl. der (Nicht-)Wirkung nichts vermissen. Aber das sprengt jetzt den Rahmen.
Deswegen bin ich gespannt, wie akzeptiert die Grundlage dieser Studie sein wird:
- http://www.viscom-projekt.de/

Vicarocha
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Re: Links zur Presse (17)

Beitrag von Vicarocha » Do 24. Mai 2012, 01:42

Rey Alp hat geschrieben:
Vicarocha hat geschrieben:... könnte man ja so mit allen Dingen der Welt machen. Der Punkt ist aber, dass der Forschungsstand selbst eigentlich überhaupt nicht kontrovers ist, der läßt eigentlich an Eindeutigkeit bzgl. der (Nicht-)Wirkung nichts vermissen. Aber das sprengt jetzt den Rahmen.
Deswegen bin ich gespannt, wie akzeptiert die Grundlage dieser Studie sein wird:
- http://www.viscom-projekt.de/
Wenn ich da sehe, wie arglos da im bereits auf der Hauptseite verlinkten Artikel von Gollwitzer/Sjöström/Rothmund 2010 die Forschung resümiert wird, also von der Hälfte des Teams, eben genau so unkritisch-affirmativ, wie ich es bereits bemängelt habe, schwant mir ja übles (alleine schon die Darstellung des grauenhaften "Competitive Reaction Time Task"-Paradigmas)... Der Rest des Teams besteht aus Klimmt, der eigentlich bislang einen ganz integren Eindruck machte (iirc), Sowka, vond er man (wenig überaschend nie was gehört hat) und - omg - Bushman, den ich nicht nur für einen hysterischen Dilettanten, sondern gar einen pseudowissenschaftlichen Scharlatan halte, um es mal ganz unverblümt auszudrücken. Man darf gespannt sein.

Aber ungeachtet dessen ist das Projekt für unsere kleine Diskussion ja eigentlich komplett uninteressant, hier geht es ja nicht etwa um ein Literaturreview (wäre auch das 5834263792396te) o.ä.. ;-)
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Re: Links zur Presse (17)

Beitrag von Pyri » Do 24. Mai 2012, 17:14

@Vicarocha
Hast Du jetzt schon Gelegenheit gehabt Dir diese "Headshot"-Studie bezüglich unterschiedlicher Controller anzusehen, wovon Bushman Co-Autor ist. Ich hatte noch keine Zeit: was hältst denn davon? Könnte das in Hinkunft bei den Leuten vielleicht noch mehr Berücksichtigung finden oder war diese Arbeit eine Eintagsfliege?
http://crx.sagepub.com/content/early/20 ... 2.full.pdf
Die USK hat Wii-Spiele meinem Eindruck nach ja schon früher strenger beurteilt - Light-Gun-Shooter hatten wie ich meine in Deutschland überhaupt oft einen schweren Stand. Und bei der ZEIT stoße ich immer wieder auf einen Artikel zum Kinect-Titel "Blackwater"...

Über Freigaben in Deutschland bin ich ja immer wieder mal auch baff erstaunt: so soll "Deep Black" von Biart eine Jugendfreigabe erhalten haben... In zumindest der hier in Österreich vertriebenen Version ist das ein Titel wo die Leute mit ihrem eigenen Blut gurgeln nachdem man ihnen in die Kehle geschossen hat.

Und ohne mich (noch weiter) unbeliebt machen zu wollen, aber ich glaube ja immer noch dass es in diesem Bereich kaum bessere oder schlechtere Forschung überhaupt geben kann - bloß unterschiedliche Zugänge über entsprechende politische oder gesellschaftliche Ideen: was eben schon bei der Auswahl von "Gewaltspielen" beginnt, zum Beispiel auch ob da jetzt konkrete, also real existierende, Spiele genommen werden, oder überhaupt zumindest zum Teil dekontextualisiert etwa vermeintlich übliche Szenen aus Spielen bloß nachgestellt werden - was es in dieser Forschung dem Vernehmen nach auch häufig gibt: experimentell wird dann die Reaktion von PartizipientInnen einfach darüber abgelesen. Eine Narration, ein Setting, gibt es da schonmal praktisch gar nicht: nur ein fiktives Bedrohungsszenario - die Fiktion ist so bereits auf ein Minimum reduziert worden.
Sie spielt in der Forschung, wenn es um Wirkungen geht, ja für gewöhnlich so oder so auch kaum eine Rolle meinem Eindruck nach: zum Teil erhält die entsprechende Wissenschaft dann auch noch Schützenhilfe von Leuten wie Francis Ford Coppola, der eine Videospiel-Umsetzung seines Films womöglich auch nur auf die darin vorkommende "Gewalt" reduzieren mag. Aber zum Beispiel, dass ein Stoff wie "Der Pate" über sein Setting in den USA eigentlich von Immigration aus Italien handelt, bleibt so völlig außen vor.
Das Einzige was es vielleicht "besser" gibt ist mehr Zurückhaltung in Hinblick auf Forderungen, mehr oder weniger Selbstkritik und ein Funken mehr Wissenschaftstheorie bei manchen ForscherInnen, dem einen oder anderen Akteur in diesem Wissenschaftszirkus/betrieb -
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Re: Spielraum des Gesetzgebers

Beitrag von Vicarocha » Fr 25. Mai 2012, 01:52

@ Pyri:
Ja, diese "Headshot"-Studie habe ich mir jüngst angetan; ich hatte darauf auch via facebook.de hingewiesen, woraufhin mir Malte Elson mir diese hat zukommen lassen, weil das über meine Uni leider nicht möglich war, diese zu beziehen. Ein grausiges Werk, mit einem noch grausigeren Resümee, das eigentlich keinerlei Informationsgehalt hat und die altbekannten Forschungsdefizite reproduziert. Das Moralunternehmer die Studie aber künftig rezitieren werden, um damit bspw. die Behauptung zu untermauern, man lerne mit (violenten) Computerspielen das Schiessen (ein Ergebnis, das dort eben nicht erbracht werden konnte) o.ä.; aber da kommt ja eh jedes negativum irgendwie recht, ist ein Grossman nach wie vor honorige Referenz.

Das mit der USK kann durchaus sein, ginge z.B. auch mit der BPjM konform, geht diese doch davon aus, dasss die jugendgefährdende Wirkung der Darstellungen durch realitätsimitierende Steuerungs- und Bedienungselemente verstärkt werde ([url]http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/Ju ... 32992.html[/i]); mutatis mutandis gilt das dann wohl auch für das Konstrukt der Jugendbeeinträchtigung; wieder so ein lerntheoretischer Laienquatsch... abgesehen davon, dass die Studien, die explizit die WIrkung von Bewegungssteuerungen u.ä. untersucht haben nicht nur an den üblichen Defiziten leiden, sondern auch extrem rar sind und darüber hinaus zu den unterschiedlichsten (ja divergierenden, wie das so üblich ist) Ergebnissen kommen. Aber das fällt dann ja leider in die Einschätzungsprärogative der BPjM selbst (resp. der USK), hier stärkere Wirkungen anzunehmen (ohne wieder darauf zurückkommen zu wollen, wie irrig die Wirkungsvermutung per se ist).
Über Freigaben in Deutschland bin ich ja immer wieder mal auch baff erstaunt: so soll "Deep Black" von Biart eine Jugendfreigabe erhalten haben...
Kollektive Willkür halt, mal so, mal so... Entscheidungen, die einzig vom Konsens der gerade anwesenden Gremienmitglieder abhängig sind. Überascht hat mich jetzt doch irgendwie, nachdem ich die Demo gespielt habe, dass Spec Ops: The Line es unbeschadet geschafft haben soll (und auch noch die Produktion eines dt. Entwickler ist).
Eine Narration, ein Setting, gibt es da schonmal praktisch gar nicht: nur ein fiktives Bedrohungsszenario - die Fiktion ist so bereits auf ein Minimum reduziert worden.
Richtig. Die Studien gehen quasi ausnahmslos i.S.e. übersimplifizierten Dichotomierung in violentes und nicht violentes Stimulusmaterial vor, natürlich ganz nach Art des Stimulus-Objekt-Reaktion-Modells i.V.m. einem Wahrnehmungspositivismus, der schon a priori davon ausgeht, dass alle Rezipienten gleich rezipieren etc.. Mithin wird ja auch wegen solchen Punkten die Realitätsferne der Laborexoperimente kritisiert.
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