Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Falschdarstellungen und Vorurteile
Dante
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Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von Dante » Mo 4. Jun 2012, 23:58

Ich habe gerade die diesjährige Microsoft E3-PK gesehen. Abgesehen von Halo 4, dem der Studio-Wechsel sichtbar gut tat, und Xbox Smart Glass, war die Pressekonferenz eher enttäuschend.

Es ist schon traurig, eine Konferenz eines großen Videospielherstellers und im Grunde ist es eine einzige Meuchel- und Killorgie, die kurz durch Social-Mist und Kinect-Hampeleien unterbrochen wird. Ich weiß, ich bin jetzt der doofe Jesusfreak, der den anderen Kindern aufm Spielplatz die Steinschleuder madig macht, aber ich vermisse irgendwie die Goldigkeit, die Spaßseite der Branche, die ich einmal vor langer Zeit genauso kennen und lieben gelernt habe. Inzwischen fängt jeder Trailer mit bombastischen Bässen an und wenn es dann ans Abschlachten geht (egal ob in einem Kriegszenario, in einer Fantasiewelt etc.) wird dann noch mal in Slowmo geschaltet. Das Gameplay läuft dabei fast von selbst ab, Spiele wie Half-Life 1+2 sind wohl endgültig Geschichte. Und das Argument, dass genau so etwas die Massen wollen und kaufen, lasse ich nicht gelten. Wenn man schon immer so gedacht hätte, würde es immer noch Jump'n Runs en Masse geben, wir alle mit einem Joystisck spielen etc. pp.

Oder seh ich das alles zu kritisch? Zumindest im Indiebereich gibt es ja immer noch Perlen wie Botanicula.

maSu
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Re: Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von maSu » Di 5. Jun 2012, 00:41

Schau doch mal Kinotrailer.

Das ist aktuell so im Trend, die Masse lässt sich davon begeistern, also wird es gemacht. Bald ist ein neuer Trend da und dann sieht das wieder anders aus. Kampfszenen mit epischer Musik (hey, immerhin wird so den Leuten nicht selten mal klassische Musik vermittelt), dabei aufwändige Kamerafahrten während die Zeit still steht (hast du nie Matrix gesehen?!) sind eben aktuell beliebt.

Und zu Kampf- und Meuchelszenen: Kriegsshooter bzw das Setting ist seit diesem "och machen wir mal Call of Duty 17, die 16 Teile davor wurden ja auch von irgendwem gekauft!"-Scheiß eben auch verdammt beliebt, bzw. viele Anbieter versuchen teils auch in Fantasie Settings eine ähnliche Atmosphäre einzufangen.

wenn ich aber mal an div. Final Fantasy Teile (wohl die einzige Videospiel-Serie außerhalb vom Sportsektor, die noch mehr teile als CoD vorweisen kann...omg) und die Trailer und Zwischensequenzen anschaue, dann ist dort auch seit langer Zeit der gleiche Trend zu sehen, dort sind die Schwerter noch größer, die Kamerfahren noch wilder und alles ist etwas bunter, aber im prinzip ist das aktuell eine Vermischung von typischen Anime-Szenen mit einem westlich martialischen Stil. Die Choreographien sind teils sehr ähnlich. Lediglich das Setting wurde an westliche (Anmerkung: meist amerikanische) Anforderungen angepasst. Die USA sehen Gewalt nicht so eng, dort ist sexualität eher ein Tabu. D.h. du bekommst quasi Chroeos aus Animes mit brutalen westlichen Kriegsszenen gemischt. Nahezu alle Zwischensequenzen von DMC4 zB sind Kampfszenen in denen Gegner gleich im großen Doppelpack abgemetzelt werden, während die kamera versucht, möglichst effektvoll an den Brüsten und am Hintern der Kämpferin (naja zumindest in einem Video ist eine Fra sehr aktiv) vorbeizufahren, während die Gegner im leichten Comicstil zerfleddert werden. Tausche nun die nur bedingt angezogene Dame gegen einen stemmigen Marine, der wild um sich ballernd 50 Gegner tötet. Die Kamerafahrten sind die gleichen. Okay, der Fokus ist weniger auf Brüste und Hintern ausgelegt, aber sonst... Rambo meets Choreographie und Kamerafahrten von Animes - moderne Technik macht es möglich.

Ich denke, dass diese Vermischung sich auch noch weiter steigern wird, bis eine gewisse Sättigung bei den Konsumenten eintreten wird und diese Szenen unter "alles schonmal gesehen" laufen werden. Bis dahin muss ich aber gestehen, dass ich bei div. Filmen und Videospielen staunend vor dem Fernseher sitze, die Zeitlupe, den bombastischen Klang und die Gänsehaut erzeugende Optik genießen werde und einfach Spaß habe ;)

Dante
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Re: Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von Dante » Di 5. Jun 2012, 01:06

maSu hat geschrieben:Schau doch mal Kinotrailer.

Das ist aktuell so im Trend, die Masse lässt sich davon begeistern, also wird es gemacht. Bald ist ein neuer Trend da und dann sieht das wieder anders aus. Kampfszenen mit epischer Musik (hey, immerhin wird so den Leuten nicht selten mal klassische Musik vermittelt), dabei aufwändige Kamerafahrten während die Zeit still steht (hast du nie Matrix gesehen?!) sind eben aktuell beliebt.
Bei Matrix war es aber noch neu und machte auch innerhalb der Handlung Sinn. Heute ist es nur noch langweilig.

Das Video zum neuen Splinter Cell ist nichts als ein Hohn für Splinter-Cell-Fans. Da gibt's ja in der einen Szene schon mehr Tote als in den ersten vier Teilen zusammen (bei ordentlicher Spielweise ;-) ). So mag ich Sam Fisher gar nicht. Während Sam in den Teilen 1-4 nur im äußersten Notfall töten mußte, ist er seit Conviction zu einem rücksichtslosen Killer geworden. Das hier ist kein Splinter Cell mehr, das ist ein gewöhnlicher 3rd-Person-Action-Shooter, dessen Protagonist zufällig Sam Fisher heißt. :roll:

Die Publisher sind einfach nur noch feige, sowas wie der "Hot Coffee" Mod wär heute undenkbar. Bei Far Cry 3 sieht man zwar nackte Brüste, aber sexuelle Handlungen wird es sicher nicht zu sehen geben. Was ist das für eine Welt in der Sex als schmutzig und Drohnenangriffe als sauber gelten?

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Re: Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von Pyri » Di 5. Jun 2012, 01:52

Bei der Ubi-Soft-Pressekonferenz schien vorhin der Wertungspegel erst kurz in die Höhe geschnellt zu sein als bei der Präsentation der neuen Hacker-IP die erste Gewaltszene vorkam ^^

Ja das Publikum scheint, so gesehen, "Gewalt" zu lieben ;-) Aus meiner Sicht gibt es aber trotzdem tendenziell eher immer noch zu wenig davon: die meiste Gewalt ist weiterhin eher funktional, als dass sie ausdrücklich thematisiert werden würde. Sie wird mitunter explizit gezeigt - das war es dann aber auch schon.
Nur: wo wäre ein "Half-Life" auch weniger "gewalttätig" gewesen als viele der aktuellen Shooter-Spiele? Ich denke da trügt eine eigene Wahrnehmung doch sehr - auch kann aus meiner Sicht beispielsweise nicht stichhaltig begründet werden, dass das erste "Fallout" weniger auf Gewalt gesetzt hätte als "Fallout 3". Nein, nur die Geschwindigkeiten haben sich geändert, die Steuerungen vereinfacht, die Gesundheit regeneriert sich in den allermeisten Titeln, auch Rollenspielen, mittlerweile automatisch. Videospiele sind einfacher geworden - und Zeitlupe ist ein Stilelement, dass auf simple Weise die teilweise enormen Details welche in Entwicklungen von heute gehen deutlicher machen kann. Neben Fokus-Shifting etc.: weshalb das überhaupt so interpretieren. Was soll daran wie sein?
Und was an Jump'n'Runs schlecht - eines meiner Lieblingsgenres: ein "Rayman" ziehe ich einem "Ghost Recon" im Zweifelsfall immer noch vor. Trotzdem gefällt mir die Ästhetik der allermeisten Spiele von heute.

Nachtrag: oder weshalb sollte auch keine Freude an Gewaltdarstellungen empfunden werden (dürfen)? Ich möchte mich nicht darüber heben. Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren -
Zuletzt geändert von Pyri am Di 5. Jun 2012, 02:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von Dante » Di 5. Jun 2012, 02:09

Pyri hat geschrieben:
Nachtrag: oder weshalb sollte auch keine Freude an Gewaltdarstellungen empfunden werden (dürfen)? Ich möchte mich nicht darüber heben. Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren -
Meiner Meinung nach muss es einfach zur Thematik passen. Ein Max Payne, der sich voller Zynismus seinem Schicksal stellt und nichts mehr zu verlieren hat, kann ruhig seine Gegner alle auf brutale Art und Weise umnieten, aber bei einem Sam Fisher erwarte ich mir eher, dass er sich vorbeischleicht und nur mal seine schallgedämpfte Pistole verwendet.

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Re: Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von Pyri » Di 5. Jun 2012, 02:21

Dante hat geschrieben:... Was ist das für eine Welt in der Sex als schmutzig und Drohnenangriffe als sauber gelten?
Weshalb sollten die "Drohnenangriffe als sauber gelten". Ich denke eher, dass sich populäre Kultur mit beidem Schmutz gerne beschäftigt - in abwiegender Weise. Und noch ausgiebiger beschäftigen sollte: über die Qualität eines Titels sagt seine Ästhetik auch nicht unbedingt etwas aus. Die Drohnen greifen beispielsweise ja auch keine Kinder an, ähnlich kommt es allgemein zu keinen sexuellen Handlungen.
Warum auch? Weil beides so affirmativ interpretiert werden würde?
Und dass das neue "Splinter Cell" gerade hier nicht gut ankommen wird, dafür brauchte ich etwa schonmal kein Hellseher sein: meine Freude hätte über diese Ankündigung gestern kaum größer sein können :-)

Ein viel stärkeres Line-Up von AAA-Titel kann ich mir für Microsoft übrigens gar nicht vorstellen, aber vermutlich ist "Tomb Raider" schon viel zu "gewalthaltig", weil vielleicht erstmals "jugendbeeinträchtigend": womöglich einerseits "normale" sexuelle Handlungen in Spielen fordern, vielleicht gesunden "Geschlechtsverkehr", aber sich andererseits schon "kritisch" über die Kleidung bestimmter Frauenfiguren äußern.
Nun, überraschen tut mich diese Bigotterie hier längst auch nicht mehr -
Dante hat geschrieben:Ein Max Payne, der sich voller Zynismus seinem Schicksal stellt und nichts mehr zu verlieren hat, kann ruhig seine Gegner alle auf brutale Art und Weise umnieten, aber bei einem Sam Fisher erwarte ich mir eher, dass er sich vorbeischleicht und nur mal seine schallgedämpfte Pistole verwendet.
Zumindest die ersten beiden "Max Payne"-Titel sind im Gegenteil meine liebsten Negativbeispiele, neben dem ersten "Deus Ex"
Genau das meine ich: ein arroganter Kerl wie dieser "Max Payne" der Selbstjustiz wegen seiner familiären "Werte" in einer konstruierten Story mit aufgesetzten Traumsequenzen übt, ermöglicht so wohl vor allem eines - sich wohl zu fühlen. Gewalt für sich "begründen" zu können, doch genau das diffamiert "Gewalt" für mich eben nicht. Und genau das wollen Videospiele heutzutage halt hoffentlich nicht mehr, sondern konfrontieren. Nicht rechtfertigen um sich weiterhin in eigener Überlegenheit sicher wiegen zu können.
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Re: Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von Dante » Di 5. Jun 2012, 02:31

Es ist nichtmal die Gewalt an sich, aber die Tatsache, dass sie komplett kalt, selbstzweckhaft und ohne den kleinsten Funken Selbstironie oder Sinn präsentiert wird.

Ganz ehrlich, diese PK hat mir (wieder mal) vor Augen geführt, wie wichtig es ist, noch eine Firma wie Nintendo in der Branche zu haben.

Tomb Raider ist optisch eine Wucht aber auch das scheint mir ein wenig zu stark gescriptet zu sein. Müsste man mal länger sehen, um sich einen Eindruck zu verschaffen.

Das Setting von Splinter Cell stört mich nicht (Pandora Tomorrow hat ja auch schon an der frischen Luft gespielt ;) ), aber das Mark-and-Execute Gameplay hat nicht mehr viel mit dem Stealth-Gameplay der ersten drei Teile gemeinsam.

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Re: Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von Pyri » Di 5. Jun 2012, 02:59

Dante hat geschrieben:Es ist nichtmal die Gewalt an sich, aber die Tatsache, dass sie komplett kalt, selbstzweckhaft und ohne den kleinsten Funken Selbstironie oder Sinn präsentiert wird.
Der Sinn von Gewalt so ist, dass andere Wesen leiden oder sterben. Wo ist da überhaupt ein Problem in der Darstellung: wer sollte das auch haben wollen? Oder welche kulturelle Sauberkeitsvorstellung gibt deren Ausblendung in Fiktionen vor, was für eine Idee von etwa Menschenwürde?
Was ist mit der Würde der Kreativen, beteiligten Actors/Actresses, etc.
Dabei denk ich doch, dass Spiele Schmerz schon darstellen: insofern ist auch nie die Gewalt der Zweck, sondern dass eine Situation sich ändert, sich etwas bewegt, los ist. Auch jenseits von dieser Gewalt gegen andere Wesen: ob nun ein Ball in ein Tor geschossen wird zum Beispiel.

Nein, lustig ist das neue "Tomb Raider" sicher nicht: es stellt Schmerzen dar, soll gleichzeitig sexuell anziehen und Gefühle der Empathie wecken, und das wohl ohne Spott oder Hohn. Ein lineares, filmähnlicheres Konzept wird das dabei auch besser können -
Spaß machen, positive Freuden vermitteln soll dafür zum Beispiel ein "Mario", aber es gibt eben auch dunkle Gefühle - mit denen Fiktionen eine auseinander setzen ermöglichen.

Dass Spiele brutaler werden würde ich des weiteren auch keineswegs unterschreiben, und schon gar nicht des Geldes wegen: Ed Boon macht jetzt für DC auch wieder einen Teen-Rated-Titel, trotz des Erfolges des letzten "Mortal Kombat" und des Aufschreis wegen der geminderten Gewaltdarstellung in der ersten DC-Kooperation von Netherrealm.
Die Gewaltdarstellung wird so sogar weniger explizit um mehr Exemplare verkaufen zu können.

So, aber jetzt freu ich mich erstmal auf Sony: David Cage, "The Last of Us" und "The Last Guardian", hoffentlich ;-)
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Re: Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von Patrik » Di 5. Jun 2012, 09:57

Es geht wohl eigentlich gar nicht um zu viel oder zu wenige Gewalt. In einigen Settings ist sie einfach unpassend. Was vielleicht auch Dante meint: Gewalt muss in ein Spiel passen, sollte nicht aufgesetzt sein, nur weil es sich gerade gut verkauft. Und momentan geht der Trend leider zu unpassender Gewaltdarstellung. Die Authentizität befindet sich dabei auf dem Niveau vieler Nacktpatches. Es ist, als würden die Wissenschaftlerinnen in Half-Life nackt umher laufen.

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Re: Zu viel Gewalt in aktuellen Spielen?

Beitrag von Vicarocha » Di 5. Jun 2012, 13:36

M.M.n. ist ja bereits der Ausgangsbeitrag inkohärent, dgl. Dantes Beiträge insg., wechseln vom Stöckchen auf ’s Steinchen und lassen gar nicht so genau erkennen, was ihn jetzt stört... trotzdem ein paar Kommentar:
Das Video zum neuen Splinter Cell ist nichts als ein Hohn für Splinter-Cell-Fans. Da gibt's ja in der einen Szene schon mehr Tote als in den ersten vier Teilen zusammen (bei ordentlicher Spielweise ). So mag ich Sam Fisher gar nicht. Während Sam in den Teilen 1-4 nur im äußersten Notfall töten mußte, ist er seit Conviction zu einem rücksichtslosen Killer geworden. Das hier ist kein Splinter Cell mehr, das ist ein gewöhnlicher 3rd-Person-Action-Shooter, dessen Protagonist zufällig Sam Fisher heißt.
Das ist so ein Punkt, der sich m.E. so liest, als ob du eher davon enttäuscht bist, wie sich die Serie entwickelt und das deshalb unter diesen Aufhänger stellst (dein Folgebeitrag bestätigt ja die enttäuschte Erwartungshaltung), denn tatsächlich war Gewalt immer ein zentrales Thema der Serie; Krieg, schwarze Operationen, "Fifth Freedom" etc.. Der Protagonist sollte nicht nur im "äußersten Notfall" töten, im Gegenteil: Er war auch ein Attentäter, ein rücksichtsoser Killer, wenn man so will. Und eine ordentliche Spielweise? Teil 3 (der m.M.n. beste Teil der Serie) und 4 erlaubten bereits individuellere Spielstile, diverse Lösungswege u.ä., vom Umgehen der Gegner (ungeachtet der Assassinationsziele), über das heimliche Betäuben oder Töten derselben, bis hin zu Feuergefechten (inkl. Handgranateneinsatz und Co.). Ob der Protagonist ein rücksichtsloser Killer ist oder nicht, lag so zu großen Teilen auch am Spieler selbst; das Wunder der Interaktivität. Ungeachtet dessen sieht Teil 6 m.E. durchaus nach einer Kombination aus Teil 3 und 5 aus, ich kann mich nicht beklagen, keine Spur von "Hohn für Splinter-Cell-Fans" (wobei ich mich als Fan von nichts und niemandem bezeichnen würde... der Begriff kommt nicht umsonst von Fanatiker), wobei ich mir ja auch die Möglichkeit der größtenteils nicht lethalen Lösungsmöglichkeiten erhoffe, ganz im Sinne von Teil 3. Auf meiner Kaufliste für 2012 steht der Titel seit Gestern jedenfalls bereits. Das eine Demo jetzt aber mit den Actionelement und den Neuerungen hausieren geht, sollte aber nicht überraschen...

Ganz generell bemerke ich bei Spielern aber insg. seit Jahren einen unglaublichen Unwillen zur Flexibilität, eine Art Spielekonservativismus, den Unwillen oder gar das Unvermögen, sich mit Weiterentwicklungen einer Serie abzufinden, sie zu akzeptieren und vielleicht auch wertzuschätzen, sei es damals bei den Änderungen an Resident Evil oder eben Tom Clancy’s Splinter Cell. Für mich persönlich ist dieses Gejammere unterträglich...
Die Publisher sind einfach nur noch feige, sowas wie der "Hot Coffee" Mod wär heute undenkbar. Bei Far Cry 3 sieht man zwar nackte Brüste, aber sexuelle Handlungen wird es sicher nicht zu sehen geben. Was ist das für eine Welt in der Sex als schmutzig und Drohnenangriffe als sauber gelten?
Die "'Hot Coffee' Mod" war übrigens, wie der Name es schon impliziert, eine Mod und hat mit dem Publisher relativ wenig zu tun... im fertigen Spiel gab es diese Optionen eben nicht, von daher waren die Publisher auch damals schon "feige", was auch immer das bedeuten soll.........
Es ist nichtmal die Gewalt an sich, aber die Tatsache, dass sie komplett kalt, selbstzweckhaft und ohne den kleinsten Funken Selbstironie oder Sinn präsentiert wird.
... diese Phrase von der Selbstzweckhaftigkeit: Meinst du die Darstellung selbstzweckhafter Gewalt oder selbstzweckhafte Gewaltdarstellungen? Bzgl. ersterem fällt mir kein Spiel ein, in dem die spielergesteuerten Protagonisten von ihrer intrinsischen, narrativ hergeleiteten Motivation her causa sui Gewalt ausüben würden, kein James Earl Cash und auch kein Sam Fisher; wenn, dann ist es höchstens der Spieler, der mit dem Gewaltdarstellungspotenzial z.B. experimentiert, was man aber kaum dem Spiel vorhalten kann. Bzgl. letzterem (und deine Formulierung läßt mich meinen, du meisnt eben dieses) muss man einfach ganz klar sagen, dass es etwas wie eine selbstzweckhafte Gewaltdarstellung in Spielen objektiv nicht gibt, es ist nicht mehr als ein Unwertsurteil: Gewaltdarstellungen finden immer in gewissen narrativen, ästhetischen, symbolischen, genrekonstitutiven u.ä. Kontexten statt. Mir würde kein aktueller Titel kommerzieller einfallen, bei dem ich überhaupt auf den Gedanken kommen könnte, Gewalt würde als Selbstzweck dargestellt, denn mithin ist zu behaupten, eine Gewaltdarstellung wäre selbstzweckhaft, eine Unterstellung an die Kreativen, die eigentlich niemand ruhigen Gewissens treffen kann.

Ganz insgesamt läßt sich eine Brutalisierung des Spieleangebots übrigens empirisch auch nicht nachweisen, nur so nebenbei. Ansonsten schließe ich mich übrigens (wie meistens) Pyri an.

@ Patrik:
Es geht wohl eigentlich gar nicht um zu viel oder zu wenige Gewalt. In einigen Settings ist sie einfach unpassend. Was vielleicht auch Dante meint: Gewalt muss in ein Spiel passen, sollte nicht aufgesetzt sein, nur weil es sich gerade gut verkauft. Und momentan geht der Trend leider zu unpassender Gewaltdarstellung. Die Authentizität befindet sich dabei auf dem Niveau vieler Nacktpatches. Es ist, als würden die Wissenschaftlerinnen in Half-Life nackt umher laufen.
... und auch dafür würde mir kein Beispiel einfallen. Ob etwas aufgesetzt wirkt ist eben eine subjektive Frage. Ich jedenfalls würde immer zu Gunsten der Kreativen argumentieren, dass man sich eben narrativ, ästhetisch, symbolisch u./o. genrekonstitutiv, wie auch spielmechanisch (denn Gewalt ist ja i.d.R. nicht nur nebenbei gegeben, sondern ein integraler Bestandteil des kompletten Werkes) bei der Gewaltimplementierung gedacht hat und ihnen eben nicht einfach so pro forma und ohne jeden Nachweis mehr oder weniger rein monetäre Interessen unterstellen, wie es ja leider so oft passiert. Wie könnte ich auch? Wie könnte ich z.B. einem Entwickler vorwerfen, er habe die Gewalt (resp. die spezielle Form der Visualisierung, Inszenierung) nur in das Spiel integriert, um mehr Exemplare zu verkaufen? Das wäre einfach eine ungeheuerliche Anmaßung.

Wie soll man denn auch einen "Trend [...] zu unpassender Gewaltdarstellung" feststellen können? Gleichermaßen seltsam finde ich da auch die Behauptung, Gewalt sei in einigen "Settings" unpassend... gewaltfreie "Settings", ein Normankatalog passender "Settings", in denen Gewalt passend sei? Absurd.
"In the beginning there was violence. Cain slew his own brother Abel according to Genesis and he didn't even have a video tape recorder."
~ Gunnel ARRBÄCK

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