Der Sexismus der Gamer bzw. Games... Hmm...
Für mich ist die Sache einigermaßen klar gelagert:
Spiele bilden das Rollenbild der realen Gesellschaft ab, nicht umgekehrt.
Beispiele brauchen wir schon gar nicht mehr suchen denn egal wo man hinschaut findet man sie. In vielen Spielen hat man nichtmal die Wahl, NICHT gut auszusehen als weiblicher Charakter oder NICHT aufreizende Klamotten zu tragen.
Besonders negativ aufgefallen ist mir selbst dabei mein geliebtes Guild Wars. Dort werden die Rüstungen für die Damen immer knapper je besser die Werte werden. Bei meiner Derischin ist es nicht so schlimm, aber die weiblichen Paragone und Krieger (ja, Nahkämpfer!) können kaum vermeiden halbnackt herumzulaufen, es gibt gar keine Vollrüstungen für Damen. Für männliche Charaktere gibt es dagegen fast keine offeneren Rüstungen.
Eine Spielerin aus meiner alten Gilde hat immer bemängelt dass die gutgebauten Krieger nie ihre schönen Körper zeigen in Rüstung, und sie hat Recht wie ich finde.
Ich finde es super dass man z.B. in Skyrim auch hässliche Frauen spielen kann. Was mir noch fehlt sind dicke hässliche Frauen, das geht nicht.
Ich gebe es zu, mich stören hübsche Frauen die fast nackt herumlaufen nicht. Ich finde das ok, nein, sogar gut. Aber ich finde es nicht gut dass man keine Wahl hat.
Und natürlich ist es in Ordnung wenn sich jemand auf die Games stürzt in dieser Sache, es ist jedem selbst überlassen an welcher Front er dieses allgegenwärtige Problem zuerst bekämpfen will. Dass die Games nicht unbedingend die vielversprechendste Front sind sollte aber klar sein.
Hostessen:
Wer hat schonmal eine Messe ohne Hostessen gesehen? Irgendwer? Ich meine nicht nur Games-Messen.
Ich war schon auf vielen Messen, auch auf welchen die sich an gemischtes Publikum oder Fachpublikum richten, und da waren immer Hostessen.
IAA Nutzfahrzeuge: Hostessen an jedem Stand.
InterGEO (Kartographen- und Vermessermesse): Hostessen an weniger Ständen - aus Geldnot denke ich
TransportLogistik: Hostessen en masse.
Selbst auf der VeggieWorld (Veganermesse!! Und nein da war ich nicht persönlich) gab es Hostessen.
Das ist so schlimm mit den Hostessen dass es die Firmenkontakte beeinträchtigt. Man muss sich ja fast durch einen Wald an herausgepressten Brüsten und Schlauchbootlippen durchdrücken um mal zu jemandem zu kommen mit dem man wirklich reden kann.
Ich finde sogar das führt zu einem stärkeren, angeeigneten Sexismus: Ich tendiere dazu, halbwegs gutaussehende Frauen unter 40 generell zu ignorieren auf diesen Messen. Frauen über 40 oder grauhaarige Männer sind die einzigen Ansprechpartner bei denen man eine Chance hat dass sie auch Ahnung haben. Der Rest verschwendet nur kostbare Messezeit.
Natürlich gibt es dann auch mal die eine oder andere peinliche Ausnahmesituation aufgrund dieser Regel (sorry nochmal an die wirklich sehr attraktive junge Frau am Renault-Messestand letztes Jahr, die wie es schien tatsächlich eine Ingenieurin mit viel Ahnung war und die ich zunächst ignorierte weil ich sie für eine Hostess hielt), aber es passiert sehr sehr selten und die Regel spart irre viel Zeit.
Aber sex sells. Und wenn die Zielgruppe hauptsächlich Männer sind wird sich in Games und auf realen Veranstaltungen daran genausowenig ändern wie am Aussehen der Bondgirls. Bei James Bond gibt es nur eine Frau die nicht ins Muster passt und das ist M. Sie ist der Angela Merkel-typ. Mächtig und schon ein wenig älter. Nicht so super attraktiv. Wenigstens etwas.
Und natürlich ist das auch nicht das Frauenbild von vor Jahrhunderten, wie die Süddeutsche schreibt, sondern das aktuelle. Wieder mal hat die Presse die rosa Brille auf und glaubt tatsächlich, dass sich am Frauenbild in den letzten Jahrhunderten etwas wesentliches geändert hat.
Und die arme Frau sollte eigentlich wenn sie schon eine Weile im Netz unerwegs ist wissen, dass YouTube-Kommentare zu 90% vom Bodensatz der Gesellschaft stammen. Ist so.
Außerdem sollte man mal das ganze ins Verhältnis setzen: Wie viele Mord/Vergewaltigungsdrohungen hat sie denn erhalten und wie viele Attacken gab es? Und wie viele Leute haben sich im Vergleich dazu positiv geäußert? Wie viele neutrale gibt es, die sie kennen aber weder positiv noch negativ in Erscheinung getreten sind?
Die "Internetgesellschaft" oder auch die "Gamer-Szene" sind ein Abbild der Gesellschaft. 90% der Leute sind völlig normal. 5% sind tolle nette Leute, das Idealbild, und 5% sind Arschlöcher. Exakt wie überall sonst. Und exakt wie überall sonst sind auch hier diese 10% die lautesten. Denn der Rest sieht es einfach größtenteils neutral und will sich nicht äußern.
Das Problem ist auch nicht neu oder so, Blogs wie
http://fatuglyorslutty.com/ kennen das zur Genüge, und zwar schon lange.
Und jeder der - egal was - ins Netz stellt wird von irgendwelchen Arschlöchern geflamed. Macht mal den Test: Stellt Euch das positivste vor das Ihr kennt, wo man nichts kritisieren kann. Sucht ein Youtube-Video zu dem Thema und lest die Kommentare.
Ich habe da schon gesehen wie ein sechsjähriges Mädchen das besser als ich Gitarre spielt von Leuten geflamed wurde, was sie sich da überhaupt an die Öffentlichkeit traut, und wie sie das Stück vergewaltigt, und dass sie sich sowieso erstmal ficken lassen soll bevor sie sich auf Youtube zeigt. Das gibt es. Aber auch 98% positive Kommentare! Warum erwähnt die niemand?
Von Koordinierten Attacken der Gamer-Szene zu reden ist natürlich Schwachsinn. Wie immer.
Der größte Feind des Menschen ist der Mensch selbst.
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You don't use science to show that you are right, you use science to become right.
-XKCD mouseover text, strip 701