hartaberfair

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Patrik
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Re: hartaberfair

Beitrag von Patrik » Sa 11. Mai 2013, 09:31

Ich habe es übrigens bisher leider verpasst, den aktuellen Status mitzuteilen: Aktuell wird geprüft, ob die Anrufung den formalen Kriterien entspricht. Wenn ja, „wird die Programmbeschwerde zuerst im Programmausschuss beraten. […] Außerdem hat der Programmausschuss die Möglichkeit, sich den beanstandeten Beitrag anzusehen.“ Dieses Ergebnis geht dann an den Rundfunkrat und der entscheidet, „in der Regel in der darauffolgenden Sitzung, ob die Programmbeschwerde begründet ist“.

Rey Alp
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Re: hartaberfair

Beitrag von Rey Alp » Sa 11. Mai 2013, 13:00

Vielen Dank. Bin mal gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

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Re: hartaberfair

Beitrag von Patrik » Fr 13. Dez 2013, 15:24

Der Rundfunkrat hatte seine Sitzung und geantwortet. Der wichtigste Teil als Zitat:
Dabei kam der Programmausschuss nach eingehender Beratung einstimmig zu dem Ergebnis, der Programmbeschwerde nicht stattzugeben, da keine Anhaltspunkt für einen Verstoß gegen die vom WDR-Gesetz vorgeschriebenen Programmgrundsätze vorliegen. […]

Auch in der Beratung des Rundfunkrats wurde der Beitrag intensiv und kritisch diskutiert. So bestand auch dort in der Sache Einigkeit darüber, der Beschwerde nicht beizutreten. Allerdings wurde […] angemerkt, dass der vom Beschwerdeführer kritisierte Einspieler mit der aussage von Prinz Harry an dieser Stelle der Sendung verfehlt gewesen sei. Man könne den Prinzen weder richtig verstehen noch sei es nachvollziehbar, dass nicht das gesamte Zitat von Prinz Harry eingespielt worden sei. Dieser ausgesparte Teil hätte deutlich gemacht, dass sich seine Äußerungen auf das Fußballspiel „FIFA“ bezögen. Art und Auswahl des Filmeinspielers seien insgesamt ungeschickt gewesen, dennoch gebe es keinen Grund für den Beitritt zu einer Programmbeschwerde.
Dateianhänge
2013-12-05_Rundfunkrat_Beschluss.pdf
Beschluss des Rundfunkrats (nichts tun)
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Rey Alp
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Re: hartaberfair

Beitrag von Rey Alp » Fr 13. Dez 2013, 20:32

Vielen Dank!

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Re: hartaberfair

Beitrag von Rey Alp » Sa 14. Dez 2013, 01:52

Entwurf:
Kampfpilot mit FIFA desensibilisiert – Sendeauftrag erfüllt!

(vdvc) Anfang 2013 setzte sich “hart aber fair” mit der Aussage Prinz Harrys auseinander, sein “Erfolg” als Kampfhubschrauberpilot in Afghanistan sei auf das Zocken des Videospiels “FIFA 13″ zurückzuführen. Dies war den Verantwortlichen offenbar nicht reißerisch genug, weshalb das Interview nur in veränderter Form ausgestrahlt wurde.

Die “hart aber fair”-Redaktion hat die Äußerung kurzerhand ihres Kontexts entkleidet, verkürzt und neu zusammengesetzt: Konsequent wurden Bezüge zur Art des genutzten Videospiels – Namen, Genre und Inhalt – vermieden oder rigeros weggekürzt, so dass den Zuschauern schon der Gedanke, dass es “bloß” um ein Fußballspiel geht, gar nicht kommen konnte.

Thrashing the guys at Fifa

Im Original verweist Harry ausdrücklich auf “FIFA (13)”:
  • “You can ask the guys: I thrash them at Fifa the whole time.”

Entgegen dem auch bei englischsprachigen Formaten bestehenden Verständnis, dass sich das “You can ask the guys” auf den folgenden Satzteil bezieht, hat “hart aber fair” den Verweis auf “FIFA (13)” weggelassen und dem restlichen Satzfragment als Bestätigung des vorher Gesagten eine neue Bedeutung gegeben:
  • “Und ich liebe den Gedanken, dass ich mit meinen schnellen Daumen ziemlich nützlich bin. Da können Sie die Jungs fragen.”

Verändert sich durch das Daddeln auch das Wesen eines Menschens?

Weiter präsentierte der Moderator Frank Plasberg das Statement als Antwort auf eine ganz andere Frage, in dem er das Daddeln explizit nicht als Beleg dafür anführte, dass sich nur “nur die Virtuosität des Daumens” verändere, sondern mit dem Einspieler zeigen möchte, dass Videospiele auch Auswirkungen auf “das Wesen eines Menschens” haben könnten:
  • “Sie sagen, “Wenn es denn nur der Daumen wäre”. Da möchte ich Ihnen etwas zu zeigen. Da werden sie jetzt gleich sagen, das ist platt. Ich zeig’s trotzdem. Die Frage ist doch, verändert sich durch’s Daddeln nur die Virtuosität des Daumens, verändert sich der Hirnbereich, der den Daumen steuert, oder verändert sich durch das Daddeln auch das Wesen eines Menschens? Die Frage stellt sich nach einem prominenten Beispiel.”

Kurz: Plasberg wollte den Bogen zu den üblichen Vorwürfen an “Killerspiele”, der Senkung der Tötungshemmung sowie der geistigen Militarisierung der Nutzer, schlagen.

Möglich war dies natürlich nur wegen der Neukomposition des Zitats – selbst das WDR-Publikum hätte dem Format die Behauptung nicht abgenommen, dass (virtuelles) Fußballspielen geistig auf die Tötung von Menschen vorbereite. Im Ergebnis hat “hart aber fair” aber genau dies getan.

Der Verband für Deutschland Video- und Computerspiele (VDVC) fand dies nicht witzig und beschwerte sich beim Rundfunkrat des WDR. Schließlich ist es kein besonders erhebendes Gefühl, über den Rundfunkbeitrag seine eigene Diffamierung finanzieren zu müssen. Nebenbei sind die Medien im Allgemeinen und der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Besonderen durch Gesetz eigentlich zu einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung verpflichtet.

Keine Anhaltspunkt für einen Verstoß

Uneigentlich aber wohl nicht – der Rundfunkrat des WDR als zuständiges Aufsichtsgremium konnte eine Verletzung der einschlägigen Regelungen nicht feststellen:
  • “Dabei kam der Programmausschuss nach eingehender Beratung einstimmig zu dem Ergebnis, der Programmbeschwerde nicht stattzugeben, da keine Anhaltspunkt für einen Verstoß gegen die vom WDR-Gesetz vorgeschriebenen Programmgrundsätze vorliegen. […]“
Dies halte ich [...] für nachvollziehbar

Am Ergebnis der Umgestaltung des Zitats, dass ernstlich eine Senkung der Tötungshemmung durch “FIFA 13″ als wahrhaftige und damit leitlinienkonforme Berichterstattung angesehen wird, nimmt man keinen Anstoß.

Einerseits könnte der Rundfunkrat der Auffassung der Intendantin gefolgt sein, die in einer Stellungnahme die Kritik des VDVC uminterpretierte. Diesem wurde unterstellt, sich an der Behauptung gestört zu haben, dass Prinz Harry “durch seine jahrelange Praxis mit Videospielen “nützliche Daumen” für seinen Afghanistan-Einsatz bekommen habe”, obwohl die Kritik allein der Behauptung von “hart aber fair” galt, dass sich durch “FIFA 13″ das “Wesen” von Prinz Harry verändert habe.
Andererseits hatte die Intendantin in einer Stellungnahme die Frage, ob durch “FIFA 13″ das Wesen eines Menschens verändert werden könne, tatsächlich verteidigt und diesen abstrusen Zusammenhang allen ernstes – festhalten! – für “nachvollziehbar” erklärt:
  • “Wörtlich sagt Frank Plasberg: ‘Die Frage ist doch: Verändert sich durchs Daddeln nur die Virtuosität des Daumens, verändert sich der Hirnbereich, der den Daumen steuert oder verändert sich durch das Daddeln auch das Wesen eines Menschen? Die Frage stellt sich nach einem prominenten Beispiel.’ Indem der Moderator zweimal das Wort ‘Frage’ benutzt, macht er deutlich, dass dies nicht erwiesen ist. Er stellt also keine Tatsachenbehauptung auf, sondern wirft eine Frage auf und spricht Aspekte an, die dann von der Runde diskutiert wurden. Dies halte ich angesichts der Tatsache, dass Prinz Harry [...] klar zum Ausdruck bringt, ihm habe das Computerspielen bei seinen Kriegseinsätzen geholfen, für nachvollziehbar.”

Insgesamt ungeschickt gewesen

In der Art und Weise, wie “hart aber fair” das Zitat Prinz Harrys umgestaltet, kann der Rundfunkrat ebenfalls keinen Verstoß erkennen, obwohl er an dieser Stelle sogar Kritik übt. Im Vorfeld hatten Redaktion und Intendantin die Darstellung noch verteidigt. Der Verweis auf “FIFA (13)” sei aus Gründen der Verständlichkeit gekürzt worden:
  • “Es stimmt zwar, dass wir den O-Ton am Ende um einen Halbsatz (FIFA) gekürzt haben. Damit haben wir aber in keiner Weise den Sinn der Aussagen des Prinzen entstellt. Die Kürzung geschah nur aus Gründen einer besseren Verständlichkeit.”

Sowie um nicht von der Debatte abzulenken:
  • “Hintergrund der Kürzung war, die Verständlichkeit für jene Zuschauerinnen und Zuschauer zu erhöhen, die die Anspielung auf ‘FIFA’ auf ein bestimmtes Videospiel nicht verstanden hätten. Der Moderator hätte zunächst erklären müssen, was ‘FIFA’ ist, was wiederum von der eigentlichen Debatte abgelenkt hätte.”

Der Rundfunkrat nimmt hier Abstand von der bisherigen Begründung:
  • “Allerdings wurde [...] angemerkt, dass der vom Beschwerdeführer kritisierte Einspieler mit der aussage von Prinz Harry an dieser Stelle der Sendung verfehlt gewesen sei. Man könne den Prinzen weder richtig verstehen noch sei es nachvollziehbar, dass nicht das gesamte Zitat von Prinz Harry eingespielt worden sei. Dieser ausgesparte Teil hätte deutlich gemacht, dass sich seine Äußerungen auf das Fußballspiel „FIFA“ bezögen.”

Doch um einen Verstoß gegen die Programmgrundsätze anzunehmen, habe auch dies nicht genügt:
  • “Art und Auswahl des Filmeinspielers seien insgesamt ungeschickt gewesen, dennoch gebe es keinen Grund für den Beitritt zu einer Programmbeschwerde.”

Auch darin, dass absurde Behauptungen der Gäste – “Viele dieser Shooter-Spiele sind ja für militärische Übungszwecke entwickelt worden.” sowie “Alle Amoktäter, die wir hatten in Deutschland und Amerika, waren exzessive Shooter-Spieler.” – im sogenannten “Faktencheck” unberücksichtigt blieben, sieht der Rundfunkrat keine Verletzung der Programmgrundsätze. Es genüge, dass andere Talkgäste – Christopher Lauer von der Piratenpartei – diese Aussagen unverzüglich relativiert hätten.

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Re: hartaberfair

Beitrag von Patrik » Sa 14. Dez 2013, 10:15

Auf den Faktencheck ist der Rundfunkrat ja leider gar nicht wirklich eingegangen. In meinen Augen stimmt nämlich die Argumentation des WDR, dass eine Talkshow sich Aussagen der Gäste nicht zu eigen macht, grundsätzlich. Wenn aber einige Behauptungen überprüft und widerlegt werden, kann der Eindruck erweckt werden, eine nicht widerlegte Aussage sei wahr. Und zwar so unumstritten, dass gar nicht geprüft werden müsse.

Zu deinem Text: Die Überschrift „Dies halte ich [...] für nachvollziehbar“ würde ich in Anführungszeichen setzen.

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Re: hartaberfair

Beitrag von Rey Alp » Sa 14. Dez 2013, 10:51

@Patrik
Sehe ich ähnlich.

Alle dieser Zwischenüberschriften sidn 1:1-Zitate. Mit Anführunsgstrichen sehen sie aber eher als Textbestandteil aus, weshalb ich aus optischen Gründen darauf verzichtet habe. Insbesondere kommen die Satzteile "korrekt" ausgewiesen auch jeweils in den folgenden Absätzen vor.

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