Links zur Presse #3

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Aginor
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Re: Links zur Presse #3

Post by Aginor »

Also IIRC sinkt die Jugendgewalt stetig weiter, lediglich die Anzahl der angezeigten Taten schwankt stark, von Jahr zu Jahr.
Wenn man dem KFN glauben möchte, dann ist der Forschungsbericht fb107 von 2009 eine interessante Quelle.
Ich wüsste nicht dass da seit 2009 irgendetwas wesentliches passiert wäre.

Gruß
Aginor
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buzzti
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Re: Links zur Presse #3

Post by buzzti »

Patrik wrote:
buzzti wrote:Etwas erstaunt hat mich der Einspieler zum Thema Statistik. Jugendgewalt sei erst sei 2007 leicht rückläufig aber noch deutlich höher als vor 20 Jahren - hatten wir nicht mal andere Statistiken wonach die Gewalt schon länger zurückginge?
Was wurde untersucht? Zahl der Anzeigen? Wenn ja, ist zu berücksichtigen, dass sich „Jungs nun mal prügeln“ (früher) bzw. Gewalt in keinster Weise toleriert werden kann (heute).
Die Talkrunde ist übrigends nun in der Mediathek: http://www.ardmediathek.de/das-erste/gu ... d=16968540 (Friedrich redet ab 14:28, war afaik auch das einzige mal, bei dem Medien erwähnt wurden). Jauch gibt auch ne gute Vorlage, da er meint die Brutalität würde steigen - Friedrich geht dem umstrittenen "früher hat man aufgehört als der Gegner am Boden lag" darauf ein. Der Blick auf die Statistiken ab 15:55.

Ich kann die zitierte Statistik nicht finden, es ist aber wahrscheinlich eine Variante von dieser hier: http://commons.wikimedia.org/wiki/File% ... A4lle).png

Andere Statistiken zu Gewalttaten finden sich zB hier (ab Seite 19) http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downl ... cationFile

Ich denke ein entscheidender Faktor ist auch die heute höhere Bereitschaft eine Anzeige zu erstatten.
Rey Alp
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Re: Links zur Presse #3

Post by Rey Alp »

Dazu Notizen, bin leider nicht fertig geworden
Jauch und die "objektiven Zahlen"

Günther Jauch hat - u.a. mit den Innenminister Friedrich - über die Hintergründe von Jugendgewalt diskutiert, wobei sich beide durch Aussagen mit fragwürdigen Wahrheitsgehalt überbieten. Auf diesem Gebiet gibt es wenig "sicheres" Wissen, so dass viele Ansätze nicht falsch sein müssen. Doch sie als gewiss darzustellen, ist ebenfalls problematisch.

Es beginnt mit der Frage von Jauch, in der bereits eine Aussage versteckt ist: Es habe hinsichtlich der Jugendgewalt "die Brutalität in den letzten Jahren so massiv zugenommen". Friedrich nimmt dies dankbar auf: "Aber der Kommissar sagt ja in diesen Film auch: Früher war es so, dass man aufgehört hat zu schlagen oder zu treten, wenn der andere am Boden lag". Es "scheint sich qualitativ etwas verändert" zu haben. Nun steigt Jauch wieder ein und verweist auf die "Statistik der Jugendgewalt und die objektiven Zahlen". Die Aussage des Sprechers über die Zahlen der PKS:

"Die Zahl aller Gewalttaten von Jugendlichen ist in den vergangenen zwanzig Jahren zunächst massiv gestiegen, zuletzt aber zurückgegangen."

Die "objektiven Zahlen" sind für sich genommen nämlich recht wenig wert: Eine gleichbleibende Anzahl von Tatverdächtigen könnte beispielsweise auch Folge einer tatsächlichen Zunahme entsprechen, weil infolge der demographischen Entwicklung immer weniger Kinder immer mehr Straftaten begehen müssen, um das Niveau der vorherigen - geburtenstärkeren - Jahrgänge zu "halten". Auch wird vermutet, dass wegen manchen Ereignisse - beispielsweise der Wirtschaftskrise - sich die Anzahl der Straftaten insgesamt ändert. Hier könnte es für die Beurteilung der Entwicklung der Jugendgewalt erhellender sein, nicht auf die Taten selbst, sondern auf deren Änderung gegenüber der ebenfalls variablen "Grundkriminalität" abzustellen. Tatsächlich zeigt die PKS auch nicht "die Zahl aller Gewalttaten von Jugendlichen". Das, was sie zeigt, ist vielmehr die Anzahl der jugendlichen Tatverdächtigen, das sogenannte "Hellfeld". Die Kriminalität besteht jedoch auch aus dem "Dunkelfeld", den Straftaten, von denen die Polizei nichts mitkommt.

Von daher ist auf Basis dieser Zahlen auch die Aussage, dass Gewalttaten "massiv gestiegen" oder (seit 2008) "zurückgegangen" seien, mit Vorsicht zu genießen. So berichtete bereits 2006 der zweite periodische Sicherheitsbericht, dass die tatsächliche Jugendgewalt - entgegen dem Anstieg in der PKS - rückläufig sei bzw. zumindest nicht zunehme:

"Mehrere unabhängig voneinander durchgeführte Dunkelfeldstudien aus verschiedenen Städten und Landkreisen bieten jedoch deutliche Hinweise darauf, dass die Anstiege im Hellfeld das Ergebnis veränderter Bewertungen und einer gestiegenen Anzeigebereitschaft bzw. erhöhter Aufmerksamkeit sind. Weder für die Gewalt an Schulen noch für die Gewalt junger Menschen im öffentlichen Raum sind Zuwächse zu erkennen. Dies wird bestätigt durch Daten der Versicherungswirtschaft."

"Mehr als zwei Drittel der zwischen 1975 und 1998 erfolgten Zunahme polizeilich registrierter Körperverletzungsdelikte in Bochum beruhten danach, werden diese Ergebnisse zugrunde gelegt, auf einer bloßen Veränderung der Anzeigebereitschaft."

http://www.uni-konstanz.de/rtf/kis/Hein ... _he310.pdf

Interessanterweise kommt auch das KFN in einem vom Inneministerium in Auftrag gegebenen Studie zu diesem Ergebnis. Friedrich hält es offenbar aber nicht für nötig, diesen Umstand zu erwähnen. Pfeiffer wird offenbar nur zitiert, wenn es ihm in den Kram passt.

Zusammenfassend führen hier also Politik und Presse Hand und Hand eine abenteurliche Interpretation der PKS vor, die aller Voraussicht nach wenig mit der Realität gemein hat. Es dürfte wahrscheinlich jedoch schlicht lukrativer und qoutenträchtiger sein eine Sendung über eine Zunahme der Brutalität, als über deren Abnahme auszustrahlen.

In diesem Punkt spricht Pfeiffer Friedrich sogar höchst persönlich. 2011 schrieb er:

"Würde es stimmen, dass es heute häufiger als früher zu solchen Gewaltexzessen kommt, müssten insbesondere die polizeilich registrierten Tötungsdelikte Jugendlicher und Heranwachsender zugenommen haben. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Die Zahl der 14- bis 21-Jährigen, die im Jahr 2010 als Tatverdächtige eines Mordes oder Totschlags erfasst worden sind, hat im Vergleich zu 2009 pro 100.000 der Altersgruppe um fast 14,1 Prozent abgenommen. Zur insgesamt registrierten Gewaltkriminalität dieser Altersgruppe zeigt sich im Vergleich der beiden Jahre ein Rückgang um 6,5 Prozent. Bezogen auf die Jahre seit 2007 sind es sogar minus 10,7 Prozent."

Zu diesem Heraufbeschworenen Problem der Jugendgewalt findet man schließlich auch Ursachen. Hierbei darf Friedrich endlilich auch auf "Killerspiele" zu sprechen kommen. Er betont zwar, dass es auch andere Ursachen geben könnte, einfallen tut ihn hierzu aber nur wenig.

"Und viele Experten sagen, das liegt auch an der Gewaltgewöhnung, die durch Gewaltdarstellungen in ganz vielen Medien und in ganz vielerlei Spielen zum Ausdruck kommt. Das ist sicherlich eine Erklärung. Eine andere - mag sein, dass wir heute viele junge Menschen haben, die ein unterwentwickeltes Selbstwertgefühl haben. Auch daraus ergibt sich etwas Macht auszuüben. Wir haben es bei dem einen jungen Mann, der erzählt hat, in der JVA, dass er in der untersten Stufe stand - in seiner Hierachie - gehört dass das ein Grudn war, warum er aggressiv wurde. Also das sind alles Dinge, die heute ineinanderspielen. Es gibt keine alleinggültige Erklärung."

Friedrich hat für den aufmerksamen Zuschauer vielleicht sogar durchscheinen lassen, dass seine Ausführungen gar nicht der Wahrheit entsprechen. Er sagte "es scheint sich qualitativ etwas verändert" zu haben. Mit anderen Worten - die Zahlen erwecken den Eindruck, dass es so sei. Zutreffen muss dass aber noch lange nicht.

http://www.checkpointsystems.com/~/medi ... _endg.ashx
http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downl ... cationFile
http://www.sueddeutsche.de/wissen/jugen ... -1.1100429
http://www.ardmediathek.de/das-erste/gu ... d=16968540
http://www.uni-konstanz.de/rtf/kis/Hein ... _he310.pdf

Jauch:
Herr Friedrich, haben Sie als zuständiger Minister eine Erklärung dafür, dass nicht unbedingt die Zahl der Übergriffe, aber - zu guten Teilen - doch die Brutalität in den letzten Jahren so massiv zugenommen hat?

Friedrich:
Naja, die Psychologen streiten sich und suchen natürlich Antworten und da gibt es wahrscheinlich nicht eine letztgültige Antwort, sondern ganz unterschiedliche Gründe, warum es zu solchen Gewaltexzessen kommt. Aber der Kommissar sagt ja in diesen Film auch: Früher war es so, dass man aufgehört hat zu schlagen oder zu treten, wenn der andere am Boden lag. Also es scheint sich qualitativ etwas verändert zu haben. Und viele Experten sagen, das liegt auch an der Gewaltgewöhnung, die durch Gewaltdarstellungen in ganz vielen Medien und in ganz vielerlei Spielen zum Ausdruck kommt. Das ist sicherlich eine Erklärung. Eine andere - mag sein, dass wir heute viele junge Menschen haben, die ein unterwentwickeltes Selbstwertgefühl haben. Auch daraus ergibt sich etwas Macht auszuüben. Wir haben es bei dem einen jungen Mann, der erzählt hat, in der JVA, dass er in der untersten Stufe stand - in seiner Hierachie - gehört dass das ein Grudn war, warum er aggressiv wurde. Also das sind alles Dinge, die heute ineinanderspielen. Es gibt keine alleinggültige Erklärung.

Jauch:
Weil die einen sagen: Hüa das ist ja insgesamt weniger geworden, andere sagen, naj schlag ja mal die Zeitung auf, es ist alles viel schlimmer geworden, werfen wir mal einen Blick auf die Statistik der Jugendgewalt und die objektiven Zahlen.

Sprecher:
Die Zahl aller Gewalttaten von Jugendlichen ist in den vergangenen zwanzig Jahren zunächst massiv gestiegen, zuletzt aber zurückgegangen.

14:27
Quelle PKS.
:
Rey Alp
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Re: Links zur Presse #3

Post by Rey Alp »

Material:
Von einer Ausnahme abgesehen, hat sich in
den acht Städten das Anzeigeverhalten der Ge-
waltopfer im Vergleich der beiden Messzeit
punkte bei Körperverletzungsdelikten um 20 bis
50 % erhöht. Bei Raubdelikten ist teilweise eine
noch höhere Zunahme zu verzeichnen. Diese
zunehmende Verlagerung der Fä
lle vom Dunkelfeld ins polizeistatistisch erfasste Hellfeld
spricht dafür, dass der seit 1998 registrierte
Anstieg der Jugendgewalt (+ 28,4 %) in beachtli-
chem Maß auf eine geändertes Anzeigeverhalte
n der Opfer zurückzuführen ist. B
Rey Alp
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Re: Links zur Presse #3

Post by Rey Alp »

Dante
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Joined: Mon 9. Aug 2010, 00:17

Re: Links zur Presse #3

Post by Dante »

"Do you believe violent video games are to blame for inciting mass murderers, as some researchers say?"

http://nation.foxnews.com/poll/2013/09/ ... s-as-some/

41% Yes
44% No
14% Not sure
Rey Alp
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Joined: Mon 1. Jun 2009, 15:58

Re: Links zur Presse #3

Post by Rey Alp »

http://diepresse.com/home/spectrum/spie ... ie-Spieler
Demgegenüber steht die US-Innenpolitik: Während Überlegungen, gewalttätige Computerspiele zu verbieten bzw. ihren Einkauf zumindest auf Volljährigen zu beschränken, hierzulande allenfalls als Skurrilität der einen oder anderen Kleinpartei auftauchen, sind solche Erwägungen in mehreren US-Staaten regelmäßig an der politischen Tagesordnung.
(at)
Rey Alp
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Re: Links zur Presse #3

Post by Rey Alp »

http://spielkultur.ea.de/
Wahlprüfsteine von EA.
amegas
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Re: Links zur Presse #3

Post by amegas »

http://www.pcgames.de/Spiele-Thema-2391 ... e-1087572/
"Heute mag man es kaum glauben, aber fast schon harmlose Spiele waren früher mal verboten oder Gegenstand großer gesellschaftlicher Empörung. Politiker haben sich über den abscheulichen Inhalt aufgeregt und haben schon das Ende der Zivilisation vorhergesagt - von wegen früher war alles besser! "
amegas
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Joined: Sun 3. Jan 2010, 09:06

Re: Links zur Presse #3

Post by amegas »

http://www.spiegel.de/netzwelt/games/te ... 22457.html
"20 Stunden mit "Grand Theft Auto V": Yoga, Tennis, Massenmord"
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