Links zur Presse #3

Falschdarstellungen und Vorurteile
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marcymarc
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Re: Links zur Presse #3

Post by marcymarc »

Es gab doch irgendwo einen Bericht einer Behörde einer Landespolizei, dass virtuelles Schießtraining am computer lediglich die Hand-zeigefinger Koordination trainiert und überhaupt keinen Umgang mit Schusswaffen trainiert...
amegas
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Re: Links zur Presse #3

Post by amegas »

http://mobil.stern.de/panorama/amoklauf ... 95781.html
"Wie sich zeigte, war er süchtig nach Computer-Ballerspielen und ein Waffennarr."
... Süchtig? Wieder was neues, oder?

Der selbe Satz hier:
http://m.stuttgarter-zeitung.de/inhalt. ... ae02a.html
Dante
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Re: Links zur Presse #3

Post by Dante »

Rainer Fromm durfte anlässlich des fünften Jahrestages des Amoklaufs in Winnenden mal wieder seinen Übertreibungen zum Thema Computerspielsucht unters Volk bringen im heute journal. :roll:

Der Amokläufer von Winnenden wurde während der Sendung von der Nachrichtensprecherin als computerspielsüchtig bezeichnet.

www.heute.de
Porphyrius
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Re: Links zur Presse #3

Post by Porphyrius »

...klar, böse Computerspiele waren ja auch schon jahrelang kein großes Thema, es mag sein, daß man das wieder hochzubringen versucht, indem man ein bißchen sehr verkürzt.


(1) Ich habe heute mal wieder Radio gehört. Zum Jahrestag von Winnenden wurde im Rahmen einer Wissenschaftssendung im Deutschlandfunk auch einmal wieder über "Amokläufer aus Sicht der Psychologen" erklärt (Link):
Amokläufer haben gewisse Gemeinsamkeiten, sagt Britta Bannenberg. Sie sind in der Regel eher stille Zeitgenossen, und sehr Ich-bezogen. Sie haben Schwierigkeiten damit, Kontakte zu knüpfen, fühlen sich oft gemobbt und gedemütigt und entwickeln im Laufe der Zeit einen tiefen Hass – auf andere, und auf sich selbst. Die meisten Täter leiden an psychischen Störungen. Irgendwann sehen sie keinen anderen Ausweg mehr als Mord und Suizid. Egoshooter oder Gewaltfilme können diese Entwicklung noch verstärken.
Was zumindest der Zusammenfassung von Bannenbergs Position unter Link widerspricht.

(Wie gesagt, wird ja mit schöner Regelmäßigkeit die Secret-Service-Studie aus den frühen 2000er Jahren verwiesen, wonach nur ein geringer Anteil der Amokläufer überhaupt ein Interesse an Computerspielen mit Gewaltdarstellungen hatte, oder es werden auch einige Fälle genannt, in denen die Täter nicht einmal die Möglichkeit dazu hatten. Andererseits finde ich es ein bißchen schwierig, auf die Position zu kommen*, weil ja 80-90% der männlichen Jugendlichen in dem Alter Shooter-Spiele oder ähnliches spielen dürften: Wenn man dann sagen würde, "die Mehrheit der Amokläufer" hätte so etwas gespielt, dann wäre die Aussage ziemlich unbedeutend. (Und es wäre bei der geringen Fallzahl vielleicht nicht einmal unwahrscheinlich, wenn es bei dieser "zufällig herausgegriffenen Versuchsgruppe" von Jugendlichen Unterschiede zum Durchschnitt gäbe, ohne daß es einen Zusammenhang gäbe.))


(2) Im Programmhinweis auf eine Servicesendung zum Thema "Kinder- und Jugendschutz im Netz", die am 13.03. gesendet wird, gibt es außerdem ein neues Symbolbild - Bildunterschrift: "Eltern wissen nicht immer, wann ihre Kinder online sind und auf welchen Seiten sie surfen." - in dem der Junge bestimmt nirgendwo surft - sondern sich einfach nur den Windows-Desktop ansieht. Gut, dann ist er natürlich auch nicht gefährdet...


(3) Hier noch ein Bericht darüber, wie die Angehörigen der Amokopfer von Winnenden zum Teil heute leben und damit umgehen - oder eben auch, wie es heute um ihre Zielsetzungen von damals steht. Nach dem Amoklauf wurden zwar Regelungen für die Aufbewahrung von Waffen erlassen, aber anläßlich behördlicher Stichproben wurde festgestellt, daß 13,2% der überprüften Waffenbesitzer ihre Waffen nicht gemäß den Vorschriften aufbewahrten. Das könnten allein in BaWü, wo 150.000 Personen etwa 760.000 Waffen legal besäßen, mehr als 100.000 Waffen sein (Link).


(4) Andererseits zeigen natürlich auch Attentate mit anderen Waffen, etwa der Terroranschlag in China, der neulich stattgefunden hat, daß es grundsätzlich möglich wäre, auch viele Menschen mit dem Küchenmesser zu verletzen oder umzubringen. Genauso sind natürlich Notruftasten und Türriegel et cetera nur ein ganz schwacher Baustein - auch eine "bessere Erkennung", Betreuung und Therapieangebote für Jugendliche mit psychischen Problemen (siehe Link unter (1)) nur ein Bestandteil.

Dazu gehört aber auch, Umfelder zu schaffen, in denen es unwahrscheinlicher wird, daß Jugendliche psychische Probleme erst entwickeln -- beispielsweise, was den immer wieder (Link, Link) und auch in der letzten Zeit wieder beklagten (z.B. Link) Leistungsdruck in der Schule betrifft.

_____________
* = Es lassen sich ja auch noch "eher wenig lustige" bzw. unsinnige "Operationalisierungen" denken, etwa: "Wahrscheinlichkeit Amok gegeben Computerspiele vorhanden/nicht vorhanden", "Anzahl der Opfer beim Amoklauf gegeben Computerspiele vorhanden/nicht vorhanden", oder gar die Benutzung des Konjunktivs: "wäre ... hätte ...", weil es - nicht möglich sein dürfte, Aussagen über ein und dieselbe Person zu einem Zeitpunkt zu machen, hätte sie vorher gezockt oder nicht gezockt.
amegas
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Re: Links zur Presse #3

Post by amegas »

So, das finde ich z.B. dazu(Das Selbe auch noch an anderen Stelllen zu der Zeit 09.2010). Gibt es dazu noch offizielle Aussagen in den abschließenden Berichten?
http://www.recklinghaeuser-zeitung.de/n ... 814,297562

"Der 17-Jährige war Zeugenaussagen zufolge geradezu süchtig nach Computer-Ballerspielen"

Und hier die Suchergebnisse in google:
"war er süchtig nach computer ballerspielen"
https://www.google.de/#q=war+er+s%C3%BC ... lerspielen
Ich mache mir nicht die Mühe in der Masse zu suchen.
Rey Alp
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Re: Links zur Presse #3

Post by Rey Alp »

Hat wer eine Quelle dafür gefunden, dass er süchtig war?

Das hier hört sich anders an:

- http://www.zvw.de/media.pdffile.c394a83 ... inal.media
In der Freizeit betrieb der Täter aktiv
Sport und errang als Tischtennisspieler in
der Jugend beachtliche Erfolge. Am Ver-
einsleben nahm er aber kaum teil. Er war
ausweislich der kriminalpolizeilichen Er-
mittlungen mehrmals mit seinem Vater im
örtlichen Schützenverein aufhältlich. Dort
schoss er auch mit der späteren Tatwaffe.
Der Vater war aktives Mitglied, der Täter
dagegen nur passives Mitglied des Vereins
seit 2000.
Darüber hinaus war der Täter aktives
Mitglied in einem Verein aus dem Raum
Pforzheim und übte dort den Sport
„Armwrestling“ aus, bei dem er auch an
Vergleichswettkämpfen teilnahm.
Einen großen Teil seiner Freizeit ver-
brachte er mit Pokerspielen im Internet und
im privaten Bereich, bei denen um geringe
Geldbeträge gespielt wurde. Zu Hause ver-
brachte er viel Zeit am Computer. Dort
spielte er unter anderem Ego-Shooter-
Spiele, aber auch ein Wirtschaftssimulati-
onsspiel. Aufgrund der Computerauswer-
tung gehen die Kriminalisten davon aus,
dass er zuletzt am 08.03.2009 ein Ego-Shoo-
ter-Spiel zu Hause gespielt hat.
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marcymarc
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Re: Links zur Presse #3

Post by marcymarc »

Die Wirkung von Filmen und Spielen wird von vielen überschätzt (wie wir es jetzt wieder sehen) und von vielen unterschätzt (sie haben bei labilen Persönlichkeiten evtl. andere Auswirkungen als bei Menschen mit mehr Medienkompetenz).

Eine Gute Poistion gab es schon vor etwa 20 Jahren dazu (zu sehen in der Dokumentation "Mama, Papa, Zombie"). Seitdem hat sich an der Diskussion kaum etwas geändert und wir stagnieren auf der Stelle.

Computerspielsuch ist zwar auch ein Problem, wie jede Realitätsflucht, aber hat mit der Thematik um Wirkung von Gewaltdarstellung nichts zu tun.
Es sollte eigentlich egal sein, ob er süchtig war, oder nicht. Nach der Theorie von Spitzer und Co. reichte ja auch ein einmaliges Spielen eines Spiels aus um Leute zu Mördern zu machen (schade dass man durch FIFA2014 nicht sofort Fussballprofi wird).
amegas
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Re: Links zur Presse #3

Post by amegas »

http://www.spiegel.de/unispiegel/wunder ... 57862.html
Bericht auf Spiegel über Cosplay.
Nichts negatives mal ;)
Rey Alp
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Re: Links zur Presse #3

Post by Rey Alp »

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Pyri
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Re: Links zur Presse #3

Post by Pyri »

ORF: "Augenmerk auf Flugsimulator" http://orf.at/stories/2222254/2222259/
'Privater Flugsimulator wird untersucht
(...) Das Augenmerk der Ermittler richtet sich dabei auch auf einen Flugsimulator, den sich der Pilot daheim selbst eingerichtet hatte.
(...)
Der Eigenbau-Simulator mit seinen drei großen Bildschirmen wurde am Samstag aus dem Haus des Piloten abtransportiert. „Wir haben das Gerät in unseren Büros wieder aufgebaut und Experten untersuchen es jetzt“, sagte der Polizeichef. Warum die Durchsuchung erst eine Woche nach dem Verschwinden des Flugzeuges stattfand, wollte der Polizeichef nicht erklären. Die Ermittler wollen offenbar nicht ausschließen, dass der Pilot auf dem Simulator Manöver trainierte, die er mit gutem Grund auf den offiziellen Simulatoren nicht übte.'
Guter Artikel. Hätte ich der Zeitung gar nicht zugetraut :!:
Gamertag: Pyri80 PSN: Pyri Steam: pyri "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." Thomas Bernhard
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