[abgetrennte Diskussion] Piraten und Gaming

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[abgetrennte Diskussion] Piraten und Gaming

Beitrag von Modgamers » So 21. Jul 2013, 10:36

[edit: Zur besseren Übersicht herausgetrennt - Rey]

... und Piraten sind da auch nicht (hier übrigens nochmal das Link zum Pad wo das ganze erarbeitet wurde https://btw13-wahlpruefsteine.piratenpad.de/30)

EDIT: Auch taucht womöglich das Wort "Computerspiele" nicht im Wahlprogramm auf, dafür aber im Grundsatzprogramm und auch in etlichen Landes(-wahl-)programmen.

Rey Alp
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Re: Artikel: Wahlprüfsteine

Beitrag von Rey Alp » So 21. Jul 2013, 10:49

@Patrik
Die FDP hat jetzt doch geantwortet? Ich dachte, die fehlt.

@Modgamers
das mit dem Wahlprogramm ist trotzdem bezeichnend.

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Re: Artikel: Wahlprüfsteine

Beitrag von Modgamers » So 21. Jul 2013, 11:15

Was soll daran bezeichnend sein? Zum einen weißt du ja inzwischen, dass Piraten nicht sonderlich viel Zeit auf Parteitagen haben, zum anderen steht das Grundsatzprogramm über dem Wahlprogramm (und wird von den meisten Piraten auch als maßgeblicher betrachtet). Und ich bezweifel, dass andere Parteien etwas zum Thema Jugendschutz, Computerspiele etc. im Grundsatzprogramm stehen haben.

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Re: Artikel: Wahlprüfsteine

Beitrag von Rey Alp » So 21. Jul 2013, 14:06

Mit kommt es als Außenstehender so vor, als ob die von mir als "Kernbereiche" vermuteten Themen von den Piraten nicht immer unbedingt die größte Priorität genießen. Auch wenn es Zeitmangel gab, wurde bei den Diskussionen auf Dinge wie das BGE und dei Drogenpolitik abgestellt. Natürlich freut es mich, dass das Grundsatzprogramm da ganz anders aussieht, doch auf den ersten Blick wirkt es eben seltsam, wenn bei den Piraten das Wort Computerspiel nicht mal im Wahlprogramm auftaucht. Insbesondere eben vor dem Hintergrund, dass es bei fast allen anderen Parteien der Fall ist. Darüber, inwieweit es nötig ist Computerspiele zu thematisieren, kann man sicher trefflich streiten, doch für jemanden - der wie ich mit der Schwerpunktsetzung allgemein Probleme hat - wirkt sowas "auf den ersten Blick" bestätigend.

Ich denke auch drübner nach, noch in der Einleitung auf das Grundsatzprogramm hinzuweisen, weiß dann aber nicht, ob ich mir dann auch noch die der anderen Parteien antun sollte.

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Re: Artikel: Wahlprüfsteine

Beitrag von Modgamers » So 21. Jul 2013, 16:39

Auch wenn das oft kolportierte Narrativ, dass die Piratenpartei eine "Internetpartei" sei, sind wir eine Bürgerrechtspartei. Dementsprechend findet man vieles zum Thema Innenpolitik. Natürlich nimmt auch der technologische und gesellschaftliche Wandel Teil des Programms ein. Es gab auch einen Antrag zum Thema JMStV, der aber leider nicht behandelt werden konnte, weil die Zeit auf dem letzten BPT für andere Dinge (Ständige Mitgliederversammlung) drauf ging.

Du solltest inzwischen Wissen, dass Piratenparteitage keine Abnickveranstalltungen sind, wie bei den anderen Parteien, wo mehr Show als politische Debatte dabei ist. Und weil dort eben viele verschiedene Interessen zusammenkommen werden einige Themen mehr behandelt, andere weniger. Und ganz ehrlich: Computerspiele sind nunmal eher ein Nischenthema und die Teile die in den Wahlprogrammen der anderen Parteien stehen sind idR. Kompromisse aus den Reaktionen auf die Amokläufe plus die entsprechenden Gegenreaktionen plus wirtschaftliche Interessen.

Zudem haben wir als kleine Partei, die noch auf kein Jahrzehnte lange Tradition von Wahlprogrammen zurückblicken kann mehrere Nachteile, zumal wir unser altes Wahlprogramm gekickt haben um ein komplett neues zu schrieben. Auch schreibt bei uns das Wahlprogramm eben der Parteitag und kein kleines Gremium, was zusätzlich Zeit kostet.

Lange Rede, kurzer Sinn. Wenn der Text auf der anderen Seite dein Entwurf zur News ist, dann sollten Piraten und das Pad darin verlinkt werden (worin ja alle Antworten nochmal mit Quellenangaben aus dem Programm überprüfbar sind, was wie ich so sehe keine andere Partei gemacht hat und was zudem schade ist, dass du/ihr sie entfernt habt). Ob du/ihr den Verweis aufs Grundsatzprogramm noch machen wollt ist natürlich die/euch überlassen. Aber explizit zu sagen "die Piraten haben dazu nichts im Wahlprogramm" suggeriert, das wir überhaupt nichts dazu im Programm hätten, was ja nicht den Tatsachen entspricht und mE. unsaubere Berichterstattung ist, die wir hier sonst immer auch (zu recht) bemängeln.

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Re: Artikel: Wahlprüfsteine

Beitrag von Rey Alp » So 21. Jul 2013, 17:10

Afaik wird Patrik beim VDVC die Antwort ungekürzt - mit Quellen - veröffentlichem, auf die ich ohnehin verlinken werde. Ob ich die selbst auf stigma übernehme hängt davon ab, ob ich die in Wordpress (mit meinen Fähigkeiten) vernünftigt dargestellt bekomme.

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Re: Artikel: Wahlprüfsteine

Beitrag von Pyri » So 21. Jul 2013, 18:09

Modgamers hat geschrieben:(...) die Teile die in den Wahlprogrammen der anderen Parteien stehen sind idR. Kompromisse aus den Reaktionen auf die Amokläufe plus die entsprechenden Gegenreaktionen plus wirtschaftliche Interessen. (...)
Das sollte überhaupt immer im Hinterkopf behalten werden wenn über das Thema Computerspiele parteipolitisch nachgedacht wird.

Als Außenstehender gebe ich zudem zu bedenken wie zum Beispiel das "Internet" bei den Piraten eigentlich verwendet wird: das Narrativ "Internet" ist als Thema sowieso etwas, das aus meiner Sicht an die europäischen Piratenparteien weit eher fremdbestimmt von außen herangetragen wird. Und sogar zu einem Gutteil dafür aufgewendet um diese als einseitig zu diskreditieren (versuchen)
Phänomenologisch sehe ich die Piraten vor allem dort wo die anderen Parteien eben nicht sind. Für die ist das "Internet" oft nur ein weiteres Medium gewesen.

Und gerade in Deutschland kann das eine unheimliche Brisanz gewinnen, siehe etwa wie im Jugendmedienschutzstaatsvertrag von 2003 Prinzipien traditioneller elektronischer Medien, wie des Rundfunks, auf die neuen Telemedien angewendet wurden. Da wurden Ideen einfach übertragen, weil scheinbar gar kein Unteschied gesehen wurde und wird.
Während das Auftreten der Piraten in Europa für mich in erster Linie mit abstrakten Dingen zu tun hat, welche sich aus den neuen Formen der Telekommunikation und des (demokratisiert vervielfältigten und/oder quantitativ explodierten) Ausdrucks erst ergeben haben. Wie Veränderungen in den Bereichen von Eigentum, Grundrechte und deren Schutz, Freiheit, Sicherheit etc.

Das sind Veränderungen wie sie auch der Strom oder der Buchdruck mit sich gebracht haben, also deren (Aus-)Wirkungen. Und um Lampen oder Bücher als konkrete Dinge ging es da eigentlich doch auch nicht, sondern Entwicklungen wie Elektrifizierung und Alphabetisierung.
Ich finde die Piraten sollen deshalb wirklich vor allem über ihr Selbstverständnis als Bürgerrechtsparteien beurteilt werden. Nur das empfände ich dabei auch als gerecht.
Und ebenfalls: auch wenn es bei den unbeweglichen Kolossen von Volksparteien kaum mehr nachvollziehbar erscheint, aber sämtliche demokratischen Parteien formierten sich einmal um diese Rechte. Auch die Christlichsoziale hat sich ursprünglich etwa vielfach über Landreformen konstituiert. Und gerade die Grünen hatten ihren ökologischen Fokus einmal ähnlich zentriert wie die Piraten heutzutage (angeblich) neuere Medien, vermeintliche Nebensächlichkeiten wie die Drogenpolitik. Bevor sich "Umwelttechnik" mitsamt einer entsprechenden Wirtschaft etabliert hat. In konservativen Kreisen war die Drogenpolitik sogar bei den Grünen (auch) einmal ein ganz ähnliches Stereotyp - und ist es zum Teil heute wohl noch immer, selbst bei denen die heute sonst auch "grün" unterwegs sind.
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Re: [abgetrennte Diskussion] Piraten und Gaming

Beitrag von Rey Alp » Mo 22. Jul 2013, 18:08

@Modgamers

Bei 26 Millionen Deutschen, die Videospiele spielen, und anderen Leuten, die einen Bezug zum Netz haben, wäre es gar nicht mal so falsch eine "Internetpartei" zu sein. Auch ist für mich der Unterschied zwischen Internet- und Bürgerrechtspartei nicht sehr groß: Es gibt schließlich Schnittmengen. Verbraucherschutz, Datenschutz und Schutz vor staatlicher Überwachung wie Zensur sind Themen, die Teil der Lebenswirklichkeit der Leute sind, die sich im Internet bewegen. Die Interessen dieser Leute wahrzunehmen heißt Bürgerrechte zu vertreten. Und das ist nicht irgendeine Minderheit: 75 % der deutschen sind online. Eine "Internetpartei" würde also die Mehrheit darstellen. Nur abgesehen von dieser Wortklauberei. Ja, ich sehe es ein, dass bei den Piraten, bei denen Parteitage noch nicht zu inhaltslosen Ritualen verkommen sind, länger dauern können, und sich das warten, wie bei dem Grundsatzprogramm lohnen kann.

Ich meine aber nicht, dass es allzu falsch sein muss die Piraten darauf hinzuweisen, dass es in der Öffentlichkeit komisch rüberkommen kann - insbesondere bei denen, die als Gamer etc. vielleicht damit liebäugeln sie zu wählen - wenn zu Computerspielen nichts auftaucht. Wie ich schon angedeutet habe, kann das gute Gründe haben. Eben weil man nicht mein den Jugendschutz verstärken oder Medienkompetenz verordnen zu müssen. Doch auch auf der anderen Seite: Kultur, Daten- und verbraucherschutz gibt es Aspekte, die man im Interesse der Gamer nicht bekämpfen, sondern einfordern sollte. Auch wäre es nett die "Jugendschutz" zu überdenken. Man hat sich offenbar dagegen entschieden, vielleicht weil man damit öffnetlich nicht in Verbindung gebracht werdne möchte, weil es dazu aktuell keine Diskussion gibt oder weil man schlicht auf andere Themen setzen möchte - ich weiß es nicht. Ich wollte nur anmerken, dass ich auf den ersten Blick etwas verblüfft bin, was nicht heißt, dass die Entscheidung falsch sein muss. Ich muss nur erst mal drüber nachdenken. Ebeen gerade vor dem Hintergrund, dass andere Parteien tatsächlich Videospiele positiv erwähnen.

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Re: [abgetrennte Diskussion] Piraten und Gaming

Beitrag von AndiPopp » Mi 24. Jul 2013, 12:28

Wenn ich mich da einfach mal ganz kurz einklinken darf, auch wenn ich gerade erst auf die Diskussion aufmerksam geworden bin. Mein Name ist Andi Popp und ich bin Bundestagskandidat der Piraten in Bayern ("aussichtsreich", würde man wohl in der Presse sagen). Ich selbst bin bei den Piraten eingetreten, weil sie sich damals mit Killerschach und anderen Aktionen gegen diese unsägliche Killerspieldebatte gestellt haben. Politik rund um Games ist eine meiner ureigensten Motivationen Politik zu machen. Die Kritik kann ich deshalb durchaus nachvollziehen und frage mich gerade selbst, wie uns so ein wichtiges Thema im Wahlprogramm durch die Lappen gehen konnte. Wahrscheinlich legen wir manchmal zu viele Fokus auf streitbare Themen und bei Games sind wir uns alle ziemlich einig (ich selbst habe dass auf dem vorletzten Bundesparteitag gesehen, als ich den Jugendschutz-Antrag der JuPis vorgestellt hatte).

Ich kann euch aber versichern, dass das Thema Games bei den Piraten im Bundestag ganz sicher nicht hinten runterfallen wird. Ich bin nicht der einzige, dem es ein persönliches Anliegen ist und wenn sich eine Möglichkeit bietet das Thema zu platzieren (ich rechne jetzt nicht mit einer absoluten Mehrheit ;) ) werden wir sie ergreifen. Und auch im Landtag wird das Thema Kulturförderung für Games eine gewichtige Rolle spielen (Kulturförderung ist ja primär Ländersache). Für die Leute, die das Thema hier in Bayern beackern, leg ich meine Hand ins Feuer.

Das klingt jetzt alles vielleicht ein bisschen nach Wahlwerbung und wahrscheinlich hab ich schon wieder viel zu dick mit Politikersprech aufgetragen, aber mein Herz hängt hier einfach bei der Sache.

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Re: [abgetrennte Diskussion] Piraten und Gaming

Beitrag von Patrik » Mi 24. Jul 2013, 13:46

Das glaube ich dir aufs Wort. Ich kenne auch Pirate Gaming und weiß, dass dort viel Leidenschaft drin steckt. Auf der anderen Seite gibt in meinen Augen das Grundsatzprogramm die grobe Richtung vor, in die eine Partei gehen will, im Wahlprogramm sollte sich dann die Wegbeschreibung finden. (Das GP ist allgemein, das WP spezieller.) Zur Wahl lese ich als Wähler lieber das (konkrete) Wahlprogramm als das Weltbild der Partei. Ich würde vielleicht sogar soweit gehen, dass sich das Grundsatzprogramm nach innen richtet, um für die politische Agende (und das Wahprogramm) eine gemeinsame Orientierung zu haben.

Zum Politikersprech: Bei den Piraten finde ich es immer wieder amüsant, dass direkt die ganz großen Keulen rausgeholt werden. Als Politiker muss nicht immer mit Menschenrechten argumentieren. Im Gegenteil: Es ist ebenso wichtig, die feste eigene Überzeugung zu vermitteln. Der reine Verweis auf einen Verstoß gegen das Grundgesetz lässt sich auch so auslegen, dass man selber damit leben könnte – wenn das Grundgesetz denn anders lauten würde. (Eindeutiger, dennoch ohne direkten Ich-Bezug: „Eigentlich sollte einem schon der gesunde Menschenverstand sagen, dass $Foo eine total schlechte Idee ist. Doch selbst, wer nicht über einen solchen verfügt, sollte mit Blick auf das Grundgesetz nicht auf die Idee kommen, so etwas zu fordern.“)

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