Links zur Presse Vol. 4

Falschdarstellungen und Vorurteile
amegas
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Re: Links zur Presse Vol. 4

Beitragvon amegas » Do 23. Apr 2015, 08:45

http://www.ksta.de/freizeit/technik--sp ... 07680.html
"Petra Meier ist stellvertretende Leiterin der Prüfstelle, die über Indizierungen entscheidet. Im Interview spricht sie darüber, warum Indizierung keine Zensur ist und wie Eltern mit diesen Spielen umgehen können."

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buzzti
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Re: Links zur Presse Vol. 4

Beitragvon buzzti » Sa 25. Apr 2015, 09:30

amegas hat geschrieben:http://www.ksta.de/freizeit/technik--spiele-werden-gewalttaetiger-weil-die-grafik-immer-detaillierter-ist-,15190120,30407680.html
"Petra Meier ist stellvertretende Leiterin der Prüfstelle, die über Indizierungen entscheidet. Im Interview spricht sie darüber, warum Indizierung keine Zensur ist und wie Eltern mit diesen Spielen umgehen können."


"Was entgegnen Sie Kritikern, die Ihnen Zensur vorwerfen?

In Deutschland darf alles veröffentlicht werden, aber im Nachgang darf eine Jugendschutzmaßnahme einsetzen. Mit Zensur ist oft gemeint, dass in Deutschland veröffentlichte Spielefassungen bestimmte Elemente nicht enthalten. Das liegt aber in der Verantwortung der Spielefirmen selber. Sie legen das Spiel der USK vor, weil sie ein Kennzeichen bekommen möchten. Wird das abgelehnt, kann die Spielefirma überlegen, ob sie etwas am Inhalt ändert oder aus dem Spiel rausnimmt. Die Bundesprüfstelle betreibt keine Zensur, sondern Jugendschutz."


Sie zwingt aber die Entwickler zur Selbstzensur. Also darf man ja eben nicht "alles veröffentlichen"?

"Warum dürfen in Filmen verfassungsfeindliche Symbole gezeigt werden, in Spielen aber nicht?

Bei der BPjM führt ein NS-Symbol nicht sofort zur Indizierung, sondern es muss eine Verherrlichung des Nationalsozialismus vorliegen, zum Beispiel wenn das Nazi-Regime als die Guten dargestellt würde. Wenn Nazis aber bekämpft werden müssen, liegt in der Regel keine NS-Verherrlichung vor, auch wenn ein entsprechendes Symbol auftaucht. Es ist Aufgabe der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der Gerichte, zu prüfen, ob die Verwendung eines NS-Symbols strafbar ist."


Also hatten die alten Indiana Jones Spiele oder das aktuelle Wolfenstein den Nationalsozialismus verherrlicht?

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Re: Links zur Presse Vol. 4

Beitragvon Rey Alp » Sa 25. Apr 2015, 11:19

@buzzti
Ist kompliziert:

- Bei Spielen darf die BPjM nach dem § 15 Abs. 2 Nr.1 JuSchG nur darauf prüfen, ob die Voraussetzungen des § 86a StGB vorliegen, bei der es eine Verherrlichung des Nationalsozialismus braucht.

- Der § 86a StGB, der das bloße Verwenden verbieten, ist da nicht genannt. Wegen des bloßen Verwendens kann die BPjM daher nicht indizieren, sondern allein ein Gericht die Beschlagnahme anordnen. Deswegen sind die ganzen Videospiele wie Wolfenstein wegen der verfassungsfeindlichen Symbole auch nicht von der BPjM indiziert, sondern "nur" von Gerichten beschlagnahmt.

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Pyri
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Re: Links zur Presse Vol. 4

Beitragvon Pyri » Sa 25. Apr 2015, 23:29

Rey Alp hat geschrieben:(...)

- Bei Spielen darf die BPjM nach dem § 15 Abs. 2 Nr.1 JuSchG nur darauf prüfen, ob die Voraussetzungen des § 86a StGB vorliegen, bei der es eine Verherrlichung des Nationalsozialismus braucht.


Da ist aber ein "a" zuviel im Text, wenn schon richtig zum "86"er verlinkt wurde...

Rey Alp hat geschrieben:(...) Wegen des bloßen Verwendens kann die BPjM daher nicht indizieren, sondern allein ein Gericht die Beschlagnahme anordnen. Deswegen sind die ganzen Videospiele wie Wolfenstein wegen der verfassungsfeindlichen Symbole auch nicht von der BPjM indiziert, sondern "nur" von Gerichten beschlagnahmt.


Der zweite Satz ist arg missverständlich, denn Du wirst ja wohl nicht gemeint haben dass kein "Wolfenstein" indiziert ist. Oder auch zumindest vor Beschlagnahme nicht indiziert wurde.
Denn beides ist in jedem Fall falsch: stimmen tut lediglich, dass die BPjM selber keine "Kennzeichen" prüft, sondern etwa eben nur die genannten "Propagandamittel". Siehe im (Online-)Bundesanzeiger etwa die BPjM-"Bekanntmachung Nr. 10/2013" - mit dem Verweis auf die "Entscheidung Nr. 8939 (V) vom 7. Oktober 2009, bekannt gemacht im Bundesanzeiger Nr. 164 vom 30. Oktober 2009 (Listenteil B)" bei "Wolfenstein": beschlagnahmt war dieses "Wolfenstein" da afaik noch lange nicht (geschah in meiner Erinnerung erst Anfang 2010).

Die Äußerung, zu der sich die Meier da hinreißen hat lassen, ist jedoch in jedem Fall eine Spitzfindigkeit sondergleichen: taucht NS-Propaganda in Videospielen auf, etwa in Form von historischen Plakaten, Liedern, Hitlerreden usw., wird immer noch ein Handlungsbedarf gesehen werden. Deshalb geht es da, bei den Propagandamitteln, auch nicht um Interpretation - wie ob etwas dafür gehalten wird, oder nicht. Wobei die BPjM mittels Dekontextalisierung wohl immer auch eine Affirmation feststellen kann... Und auch 2009 wird das mit den Propagandamitteln schon so gewesen sein, ungeachtet der Gewaltdarstellung (und deren Verbot), oder ob im damals vorhandenen Multiplayer - frei nach Schulze von Glaßer aka "Michi" - "für" oder "gegen" wen Gewalt ausgeübt wird und dadurch gerechtfertigt erscheint, oder nicht https://www.youtube.com/watch?v=GdzS3djpYlg . Mehr noch wird natürlich ebenfalls relevant sein, wie Gerichte bereits in der Vergangenheit entschieden haben und sich die BPjM auch daran orientieren (müssen)...
Das was die BPjM da nur tut, ist, halt wegen dem Auftrag im Jugendschutzgesetz, die Existenz von Runen, Swastikas usw. eher zu ignorieren, wenn sie zum Beispiel auf Propagandamittel (mit) dargestellt werden. An der Feststellung derselben wird das aber ebenso wenig ändern, wie an der Einschätzung eines Spielinhalts, oder ob ein ganzes Spiel (oder einzelne Facetten daraus - wie wenn im Multiplayer performativ mehr als eine Seite gespielt wird) gleich selber als "Propagandamittel" wahrgenommen wird.
Das macht im Übrigen die Explikation von Inhalten nicht ganz so einfach wie sich das hier vielleicht so vorgestellt wird viewtopic.php?f=79&t=1996&start=30 ich denke etwa an das Horst-Wessel-Lied, da gerade historisch bekannte Propgandamittel demnach auch explizit vorhanden sein können ohne dass ein diesen entsprechender, politischer Hintergrund vorliegt - als Sachverhalte, also “Fakten”: beim Theater oder in der Filmproduktion wäre das in etwa auch der Unterschied zwischen Props und Devotionalien - ein Unterschied der sich nicht nur darin erschöpft, ob etwas “authentisch” ist oder wirkt. Es geht nur immer wieder um das Bezeichnete und die Bezeichnenden.
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Re: Links zur Presse Vol. 4

Beitragvon Rey Alp » Sa 25. Apr 2015, 23:36

@Pyri

- "a" ist gestrichen.

- "Wolfenstein" ist indiziert, aber nicht - worauf es mir ankam - "wegen der verfassungsfeindlichen Symbole". Die Indizierung beschränkt sich afaik auf die Gewalt. Erst die Beschlagnahme erfolgte wowohl wegen der Gewalt als auch wegen der Symbole.

edit:

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