Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Rey Alp
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by Rey Alp »

Christian Füller recycelt aus aktuellem Anlass seinen Artikel über die Stiftung Digitale Spielkultur weiter zugespitzt:
- http://www.cicero.de/kapital/amoklauf-d ... sregierung
amegas
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by amegas »

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fes ... -1.3094078

Die Relevanz von Counter Strike ist schon erstaunlich.

"Der Amok-Schütze vom Olympia-Einkaufszentrum hatte einen 16-jährigen Freund. Sie spielten nicht nur Counter Strike zusammen, sie tauschten sich auch über Massenmorde aus. Und zwei Stunden vor der Tat trafen sie sich am OEZ"

"Beide fühlten sich als Außenseiter - und sie teilten eine Leidenschaft (die Ermittler sprachen von "Sucht") für das Ego-Shooter-Spiel Counter Strike. Offenbar beschäftigten sie sich auch während ihrer Zeit in der Psychiatrie bereits zusammen mit dem als besonders gewalttätig bekannten Computerspiel."

Es gibt auch eine Erklärung zu Counter Strike.
"Counter Strike: Töten als Spiel"

Update 1
https://www.tagesschau.de/inland/forder ... e-101.html

Auf Tagesschau:
Killerspiele, Bundeswehr, Waffenrecht
Einmal alles anders, bitte!"

Doch ist es anders?

"Sollten Killerspiele verboten werden?"

"Das Problem:
Der Amokläufer von München hat "Counter Strike" gespielt - ein bekanntes Killerspiel, bei dem der Spieler virtuelle Gegner umbringen mus"

"
Die Forderung:
Wegen der genannten Auffälligkeit sehen inzwischen viele in den Killerspielen die Ursache für die tödliche Aggression der Täter und fordern ein Verbot."

"Aufgrund dieser Erkenntnisse glaubt Greitemeyer nicht, dass Amokläufe mit einem Verbot von Killerspielen verhindert werden könnten. Dennoch plädiere er für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Spielen, da diese sich nicht positiv auf die Spieler auswirkten"

Update 2
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inh ... 2d403.html

"AZ-Meinung
Killerspiel-Debatte: "Wichtige Fragen""

"Sind die Killerspiele schuld am Münchner Amoklauf? Die Meinung von AZ-Vizeredakteur Thomas Müller."

"Nach den Todesschüssen sind schnelle Erklärungen gefragt. Klar, der Amokschütze spielte Gewaltvideos, er konnte nur zum Massenmörder werden, heißt’s jetzt sehr oft. Aber ist es wirklich so einfach? Diese Diskussion über Gewaltvideospiele wird nach jedem Amoklauf geführt. Und sie ist auch richtig."

"Nein, nicht jeder, der gerne Ego-Shooter spielt, wird automatisch zum Amokläufer. Wahr ist aber auch: Jeder Amokläufer hat gerne Ego-Shooter gespielt."

Update 3
http://mobil.saarbruecker-zeitung.de/po ... 25,6207576

"Der Amokläufer von München hat Counter-Strike gespielt und sich laut Polizei „wie in einem Computerspiel bewegt“. Der IS nutzt gewaltverherrlichende Games als Teil seiner Propaganda. Wie gefährlich sind sogenannte Killerspiele? Dazu Fragen und Antworten."

" Die Eltern sollten sich darum kümmern, was ihre Kinder vor dem Computer machen, und wie lange“, sagt der Museumschef. Und Weiß meint: „Die Videos sind in der Welt, die bekommen Sie nicht mehr weg. Aber die Eltern müssen dafür sensibilisiert werden, was in den Kinderzimmern passiert.“"

Update 4
http://www.abendblatt.de/region/article ... ndern.html

"Flohmarktpolizei soll Handel mit Killerspielen verhindern"

"Pinneberg. Der Kreis Pinneberg geht künftig verstärkt gegen den illegalen Handel mit gewaltverherrlichenden Filmen und Computerspielen vor. Das bestätigte Jugendschützer Jörn Folster am Montag. So sei geplant, ab September verstärkt Flohmärkte in der Region zu kontrollieren. Anbietern, die versuchen, dort blutrünstige Streifen oder sogenannte Killerspiele unter die Leute zu bringen, drohen empfindliche Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro. Die während ihrer Einsätze stets uniformierten Jugendschützer arbeiten vor Ort eng mit den Ordnungsämtern der Kommunen zusammen."

"Frustration, Vereinsamung, seelische Probleme könnten für Jugendliche Beweggründe sein, sich vor den Bildschirm zu setzen und virtuell um sich zu schießen."

Update 5
http://www.zvw.de/inhalt.winnenden-winn ... 7746f.html

"Und dann gibt es da noch den Komplex der Killerspiele. Bekannt ist längst, dass auch der Attentäter von München sich eine neuere Version von „Counterstrike“ heruntergeladen hatte. Dem Ballerspiel, bei dem der Gamer die Perspektive dessen einnimmt, der über andere wahllos brutal richtet."

Update 5
http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 55795.html
"Schon jene Schüler hatten zuvor Killerspiele am Computer angeschaut. "

Update 6
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inh ... 4d65d.html

"Er habe mehrere Opfer durch Kopfschüsse regelrecht hingerichtet und sich dabei vermutlich an Killerspielen orientiert, sagt Kriminaldirektor Hermann Utz. „Mein Eindruck war, der hat sich wie in einem Computerspiel bewegt.“ "

Update 7
Und nochmal die Flohmarktpolizei
https://www.google.de/amp/s/amp.welt.de ... ent=safari#

"Flohmarkt-Polizei sucht jetzt nach „Killerspielen“"
In diesem Artikel sind Personen in Unformen zu sehen die entfernt an Polizei Uniformen erinnern. Haben diese Personen irgendwelche hoheitlichen Rechte?

Update 8
http://www.zeit.de/digital/games/2016-0 ... re-debatte
"Wieder ein Amoklauf, wieder der Griff nach einfachen Erklärungen. Aber vielleicht könnte die Auseinandersetzung mit "Killerspielen" ja doch die Gesellschaft verändern."

"Leider macht die Videospielbranche beim ewigen Anführen von Statistiken, Studien und Gegenstudien zur Wirkung von Games einfach nur mit. Aber nach all den Jahren der Diskussion um den äußerst eindimensionalen Begriff "Killerspiel" hat sie noch immer nicht gelernt, den Diskurs selbst anzuführen"
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marcymarc
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by marcymarc »

Haben diese Personen irgendwelche hoheitlichen Rechte?
Ich denke das läuft unter den Ordnungsämtern, ähnlich wie bei Knöllchen, nur mit Anzeige hinterher.
Rey Alp
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by Rey Alp »

Was haltet ihr hiervon? Anregungen, Kritik?
Wird "Counter-Strike" seinem Ruf gerecht?

Obwohl der Vorstoß de Maizières derzeit in vielen Presseberichten kritisch betrachtet wird, verwundert es dennoch, wie "fixiert" die Diskussion auf den Titel "Counter-Strike" bzw. dessen Nachfolger "Counter-Strike: Source" und "Counter-Strike: Global Offensive" ist. Weder bei der Spielmechanik noch bei Gewaltdarstellung sticht der Titel durch eine besondere "Grausamkeit" hervor. Im Gegenteil: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) - gehört zum Bundesfamilienministerium - stellte 2002 in der Entscheidung über die Nichtindizierung des Titels fest (BPjS-Aktuell 3/2002, S. 13.):
  • "Eine verrohende Wirkung ist nicht gegeben, weil die Umsetzung der Actionszenerien weitgehend auf Effekthascherei verzichtet. Auf akustische Animation in Form etwa von Schreien wird vollständig verzichtet."
Weiter wird ausgeführt, dass die Darstellung des Spielinhalts im Rahmen der Medienberichterstattung "häufig einseitig und zum Teil auch nicht immer zutreffend" erfolgte.

Auch später phantastierte beispielsweise "hart aber fair "von zerfetzten Leichen und die FAS vom Erschießen von Schulmädchen als Spielziel.

Aktuell heißt es bei SpiegelTV zum Ziel von "Counter-Strike" , dass "je mehr Personen der Spieler ausschalte [...], umso höher das Level" sei, in der Süddeutschen ist "Counter-Strike" betreffend von dem "als besonders gewalttätig bekannten Computerspiel" die Rede und in der Winnender Zeitung ist "Counter-Strike" das Spiel, in dem der "Gamer die Perspektive dessen einnimmt, der über andere wahllos brutal richtet". Schließlich wird in der Münchener Abendzeitung vor dem Hintergrund der "Counter-Strike"-Nutzung des Täters behauptet, dass "jeder Amokläufer [...] gerne Ego-Shooter gespielt" habe.

Auch diese Aussagen sind wiederum allesamt unzutreffend:

- Anders, als beispielsweise in "World of Warcraft", hat die vom Nutzer gelenkte "Spielfigur" kein "Level", das aufsteigen könnte. Bei "Counter-Strike" sind bzgl. der Fähigkeiten der Spielfigur alle Spieler gleich.
- Das Spiel ist - wie dargestellt - auch nicht besonders gewalttätig. Es war im Jahr 2000 - verglichen mit den Konkurrenten "Unreal Tournament" (1999) und "Quake 3" (1999) - bei der Gewaltdarstellung besonders zurückhaltend, da beispielsweise die Gliedmaßen der Spielfiguren nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden.
- Weiter wird kein Spieler darauf kommen, dass "Counter-Strike" ein Spiel sei, in dem der er "wahllos brutal richtet" - es handelt sich im Gegenteil um einen "Taktikshooter" zwischen zwei Mannschaften, bei dem kein Schuss und keine Blendgranate verschwendet werden darf.
- Schlussendlich wurden weder von jedem Amokläufer "Ego-Shooter" im Allgemeinen noch Titel der "Counter-Strike"-Reihe im besonderen genutzt. So war Adam Lanza - Amoklauf in Newton - bei Bekannten allein für die Nutzung von Spielen wie "Super Mario" und "Dance Dance Revolution" bekannt. Bei Seung-Hui Cho - Amoklauf an der Virginia Tech - wurde im offiziellen Bericht festgestellt, dass der Täter keine gewalthaltigen Videospiele, sondern allein harmlose wie "Sonic the Hedgehog" spielte.

Die "Killerspieldebatte" hat hier Parallelen zu politischen Kniffen, die jüngst John Oliver in "LastWeekTonight" präsentierte: Manche Politiker setzten nicht darauf, ob eine (tatsächlich schon rückläufige) Kriminalitätsrate durch sie sinken würde, sondern ob sie es schaffen der Bevölkerung - unabhängig von der tatsächlichen Kriminalität - ein Gefühl der Sicherheit zu verschaffen.

Manche Journalisten suggerieren bloß, dass "Counter-Strike" ein Spiel sei, in dem "brutal" getötet werde. Andere formulieren geschickter, dass es "als besonders gewalttätig bekannt" sei - hier wird bereits nur noch auf den Ruf abgestellt, ob es tatsächlich "gewalttätig" ist, tritt in den Hintergrund.

Als Orientierung, welche Gefährdung die deutschen Behörden dem Titel "Counter-Strike: Source" (USK-Kennzeichnung "ab 16") beimessen und wieviel Raum hier noch nach oben ist, haben wir eine kleine Grafik gebastelt:
ratings.jpg
  • (Dank an CidNay und amegas.)
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by Rigolax »

Rey Alp wrote: - Anders, als beispielsweise in "World of Warcraft", hat die vom Nutzer gelenkte "Spielfigur" kein "Level", das aufsteigen könnte. Bei "Counter-Strike" sind bzgl. der Fähigkeiten der Spielfigur alle Spieler gleich.
Ich habe das bei SpiegelTV auch gesehen und mich gewundert. Dann habe ich aber festgestellt, dass das vielleicht sogar korrekt ist. Bei dem neuesten Ableger Counter-Strike GO steigt man ja im Level/Rang auf, ähnlich wie bei Call of Duty. Alle 5000 XP bekommt man einen zufälligen Gegenstand (rein kosmetisch). Ein nicht geringer Anteil der XP für den Aufstieg kommt durchs Töten von Gegnern zustande. Aber ich vermute fast, dass man bei SpiegelTV gar nicht so weit gedacht hat.

Der Rest kontert die momentanen (Falsch-)Aussagen in der Presse aber sehr gut.

edit:
Rey Alp wrote: - Weiter wird kein Spieler darauf kommen, dass "Counter-Strike" ein Spiel sei, in dem der er "wahllos brutal richtet" - es handelt sich im Gegenteil um einen "Taktikshooter" zwischen zwei Mannschaften, bei dem kein Schuss und keine Blendgranate verschwendet werden darf.
Kommt zugegebenerweise auf den Spiel-Modus an (z.B. Gungame). Wobei der klassisch-kompetitive mit Abstand am populärsten sein dürfte.
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by Patrik »

In CS:GO gibt es mit Gungame und Armsrace gleich zwei Modi, in denen geballert werden kann. Bei letzterem gibt es sogar „Level“ in Form von Waffen, die man nacheinander freischaltet. Nur werden die immer schlechter bis man zum Schluss mit einem Messer da steht. Wer es trotz unterlegener Bewaffung weiter schafft, gewinnt am Ende. Aber auch das wird SpiegelTV nicht meinen – aufsteigen passt in dem Fall auch gar nicht.
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by amegas »

http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 04800.html

"In Deutschland konzentriert man sich traditionell mehr auf die Frage, wer der Täter war. Auch das hat bestimmte Konsequenzen: Die Antworten findet man hier leichter im Sicherheitsapparat, in verschärften Gesetzen oder der Frage, ob Ego-Shooter-Spiele Ego-Shooter produzieren."
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by amegas »

http://www.heise.de/newsticker/meldung/ ... 79169.html

"Familienministerin Manuela Schwesig glaubt nicht, dass ein Verbot von "Killerspielen" dazu führen würde, dass es keine Taten wie den Amoklauf von München mehr geben würde."
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by Pyri »

"Da kommen die Forderungen nach einem Verbot von Waffen und Gewaltspielen (...). Alles richtig, alles wichtig. Was in beiden Reaktionsketten fehlt: eine grundlegende Kritik einer Ästhetisierung der Gewalt, die auch Medien betreiben. Es fehlt eine Kritik jener autoritären Männlichkeit, die sich selbst und anderen mit gröbster Härte begegnet, "unmännliche" Triebe abwehrt, auf andere projiziert und an diesen bekämpft. Und es fehlt eine gründliche Analyse jenes nihilistischen Hasses (...)" http://derstandard.at/2000041861479/Ter ... -Begreifen
Auffallend ist mittlerweile auch die Unterscheidung zwischen einer Rede über "Killer-" oder "Gewaltspiele" und "Medien". "Medienkritik" die dann, in gedruckten Zeitungen, Internet-Publikationen oder dem Fernsehen, auch immer "Selbstkritik" meint. Zwischen "Medien" und "Spielen" (als Handlung) wird somit eigentlich strikt getrennt.
Last edited by Pyri on Wed 27. Jul 2016, 15:36, edited 1 time in total.
Gamertag: Pyri80 PSN: Pyri Steam: pyri "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." Thomas Bernhard
amegas
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Post by amegas »

Die Bild geht in diesem Artikel an das Thema Counter Strike bedachter ran als andere Blätter.
http://www.bild.de/byou/2016/verbot-von ... .bild.html

"Sind "Killerspiele" wirklich schuld?"

Auch sehr interessant hier, dass der Hinweis kommt, dass es Regeln in Counter Strike gibt:
"Amoktäter brach mit Regeln des Videospiels
Nun soll das Ballerspiel Counterstrike daran Schuld sein. Dabei haben die Handlungen des Amokläufers von München mit dem Spiel weniger zu tun, als viele denken. Keuneke: "Ali David Sonboly schoss auf unschuldige Menschen. Es war wohl auch von Anfang an sein Plan, sich selbst umzubringen. Das sind wesentliche Unterschiede zu den Regeln des Videospiels.""
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