Focus zur neuen Killerspiel-Debatte

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Patrik
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Focus zur neuen Killerspiel-Debatte

Beitragvon Patrik » Sa 30. Jul 2016, 08:33

Der Focus hat mich im Sinn völlig entstellt:
Gleich, wie die Antwort aussieht, extreme Beispiele wie ein im letzten Jahr erschienener „Amoklauf-Simulator“ stoßen unter Computerspielern auf breite Ablehnung. Dieser wurde – wie 35 weitere Titel – wegen exzessiver Gewaltdarstellung indiziert. Dabei sollten wir uns einig sein, dass es keine strengeren Verbote geben sollte. Und selbst die vorhandene USK-Beschränkung kann allenfalls als nutzlose Symbolpolitik bezeichnet werden.


(Nochmal ganz deutlich: Das habe ich NICHT gesagt, wurde aber trotzdem gedruckt.)
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marcymarc
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Beitragvon marcymarc » Sa 30. Jul 2016, 08:38

Die haben wirklich den kompletten Sinn entstellt indem sie die Verbote in USK freigaben geändert haben. Können die einfach einem so die Worte im Mund umdrehen? Das ist unerhört! Hast Deinen Kontakt erreicht, was das soll?

Und haben sie vorher kein Proof-Exemplar des Beitrages geschickt?

Die Methode ist ja auch ganz perfide. Sinn entstellen, um den VDVC in Miskredit zu bringen. Dann auf Beschwerde hin evtl. eine kleine Richtigstellung drucken, die keinen mehr interessiert. Kann man rechtlich dagegen vorgehen? Zumindest der USK sollten wir bescheid sagen, dass wir das nicht so sehen mit den Freigaben! Und ne Richtigstellung ins Blog....
Zuletzt geändert von marcymarc am Sa 30. Jul 2016, 09:12, insgesamt 2-mal geändert.

Rey Alp
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Re: Links zur Presse (Stigma) Vol. 5

Beitragvon Rey Alp » Sa 30. Jul 2016, 11:10

@Patrik:
Gesprochen hast du mit dem Focus nicht noch weiter, die haben einfach deine schriftlichen Ausführungen so umgebaut? Bin gerade am Rechner ohne E-Mail Client, da muss ich mir gleich mal die Texte nebeneinander legen.

Die Frage ist, was du da machen möchtest -

- Nix.
- Darauf hinweisen, dass du dich möglicherweise missverständlich ausgedrückt hast, und um eine Änderung der Passage bittest.
- bissl Stress machen und mit einer Gegendarstellung oder Richtigstellung drohen.
- (ggf. erst danach) Gegendarstellung oder Richtigstellung erwirken.

FOCUS Magazin Verlag GmbH (Hoffe, dass ist die richtige) - Sitz ist München. Es gilt also das beyerische Landespressegesetz:
- Gegendarstellung: Artikel 10.

(1) 1Der verantwortliche Redakteur und der Verleger einer Zeitung oder Zeitschrift sind verpflichtet, zu Tatsachen, die darin mitgeteilt wurden, auf Verlangen einer unmittelbar betroffenen Person oder Behörde deren Gegendarstellung abzudrucken.2Sie muß die beanstandeten Stellen bezeichnen, sich auf tatsächliche Angaben beschränken und vom Einsender unterzeichnet sein.3Ergeben sich begründete Zweifel an der Echtheit der Unterschrift einer Gegendarstellung, so kann die Beglaubigung der Unterschrift verlangt werden.
(2) 1Der Abdruck muß unverzüglich, und zwar in demselben Teil des Druckwerks und mit derselben Schrift wie der Abdruck des beanstandeten Textes ohne Einschaltungen und Weglassungen erfolgen.2Der Abdruck darf nur mit der Begründung verweigert werden, daß die Gegendarstellung einen strafbaren Inhalt habe.3Die Gegendarstellung soll den Umfang des beanstandeten Textes nicht wesentlich überschreiten.4Die Aufnahme erfolgt insoweit kostenfrei.
(3) Der Anspruch auf Aufnahme der Gegendarstellung kann auch im Zivilrechtsweg verfolgt werden.


Bayern ist übrigens das einzige Bundesland, in dem es für die Presse eine Ordnungswidrigkeit ist, falsche Informationen zu verbreiten - wurde meines Wissens aber noch nie angewendet (Wahrscheinlich kennt kaum einer die Norm).

Art. 12:

"Mit Geldbuße kann belegt werden, soweit die Tat nicht nach anderen Vorschriften mit Strafe bedroht ist:
[...] 4. wer wider besseres Wissen den Abdruck einer in wesentlichen Punkten unwahren Darstellung [...] erwirkt. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag des Betroffenen [...]. Die Zurücknahme des Antrags ist zulässig [...]."


Du könntest also auch einen schriftlichen Strafantrag bei der Polzei stellen (Anzeige allein genügt nicht).

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Re: Focus zur neuen Killerspiel-Debatte

Beitragvon Patrik » Sa 30. Jul 2016, 11:53

Sie hatten eine Nachfrage zum Cheaten/Betrügen. Das habe ich erklärt, es kam kein Hinweis, dass sie es ändern würden – es wurde aber (Sinn-erhaltend) gemacht. Später (um 22:40) gab es dann noch einen Anruf, den ich aber nicht mehr annehmen konnte, weil ich schon im Bett war. Mein Rückruf am nächsten Morgen lief dann ins leere.

Was ich bereits getan habe:
  1. Gegenüber dem Focus (per E-Mail, telefonisch geht da heute wohl nichts) deutlicher ausgeführt, was ich gesagt habe.
  2. Darauf hingewiesen, dass ich das in keinem Fall so stehen lassen kann und eine Richtigstellung verlangt. (Wer mich kennt merkt am Stil, dass ich mich ziemlich aufgeregt habe. Ich habe aber versucht, mich zurückzuhalten.)
  3. Felix Falk von der USK geschrieben, dass ich nicht die im Focus verbreitete Position vertrete.

Meine Einschätzung: Vermutlich glauben sie sehr fest daran, dass es kein echtes Verbot gibt. Ich möchte ihnen daher auch die Möglichkeit geben, eine Lösung anzubieten, ehe ich das öffentlich mache. Sobald ich aber öffentlich über “meine” unmögliche Position lese, werde ich mich auch (einseitig) öffentlich distanzieren (müssen).

PS: Hier noch mein originaler Wortlaut:
Gleich, wie die Antwort aussieht, extreme Beispiele wie ein im letzten Jahr erschienener „Amoklauf-Simulator“ stoßen unter Computerspielern auf breite Ablehnung. Dieser wurde – wie 35 weitere Titel – wegen exzessiver Gewaltdarstellung bereits als verboten eingestuft. Es darf als Konsens gelten, dass kein Verbot über das bestehende hinausgehen sollte. Und selbst das bestehende Verbot kann durchaus als nutzlose Symbolpolitik bezeichnet werden.
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Re: Focus zur neuen Killerspiel-Debatte

Beitragvon marcymarc » Sa 30. Jul 2016, 12:16

Ich kann mir gut vorstellen, wie sauer du gerade bist, vor allem wo wir bei der Vorbereitung des Artikels selbst jedes Wort auf die Waagschale gelegt haben.
Auch wenn man nur unterstellt, dass sie den Wortlaut geändert haben, um die Lesbarkeit für den allgemeinen Leser zu verbessern, wünschte ich mir doch eine Rückfrage, ob das ok ist. Sonst könnte ich auch einfach behaupten der BMI hätte gesagt "Ihr n00bs habt keine Politik-Skills, daher weiß ich besser was für euch gut ist. Ich verbiete Euch jetzt erstmal eure Freizeitgestaltung, weil ihr absolute l00ser seid und Ahnung habt ihr eh von nix." (Aussage von Bundesinnenminister De Maiziére, leicht abgewandelt für die Lesbarkeit für Jugendliche). Mal sehen, was der Verleger sagt. Wenn keine Richtigstellung oder Entschuldigung kommt, bleibt uns ja noch die Strafanzeige.

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Re: Focus zur neuen Killerspiel-Debatte

Beitragvon Pyri » Sa 30. Jul 2016, 14:37

Der vorletzte Satz aus dem veränderten Zitat bleibt zumindest sinngemäß doch erhalten, also

"Es darf als Konsens gelten, dass kein Verbot über das bestehende hinausgehen sollte." Zu ändern in
"Dabei sollten wir uns einig sein, dass es keine strengeren Verbote geben sollte."

Bleibt also die Änderung von "verboten" in "indiziert", sowie "Verbot" zu "vorhandene USK-Beschränkung" - mit dem Geschmäckle, dass daraufhin ein USK-Kennzeichen indirekt "allenfalls als nutzlose Symbolpolitik bezeichnet" wird.
Ich habe hier im Forum wohl schon öfters darauf hingewiesen, dass - vor allem im internationalen Vergleich - die Arbeit der USK (OLJB) schon sehr wohl in Richtung "Jugendverbote" gesehen werden kann, so verwendete ich in meiner Dissertation auch ganz bewusst genau diesen Sprachgebrauch. Ich bezweifle, dass dahingehend etwa überhaupt kommuniziert werden kann, dass die USK nicht für Verbote zuständig ist und fürchte, das würde gleich gar nicht verstanden werden.
Zumal dann, wenn in Politik und Presse die bestehenden Gesetze scheinbar so wenig bekannt zu sein scheinen. Es zeigt wie unklar die Reden über Verbote eigentlich sind.
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Re: Focus zur neuen Killerspiel-Debatte

Beitragvon Patrik » Sa 30. Jul 2016, 17:53

Die Aussage, dass es überhaupt Verbote (für Erwachsene) gibt, wurde definitiv entfernt. Und eben dieses Verbot ist es, das ich kritisiere. Da die Anzahl der verbotenen Spiele jetzt als Zahl der Indizierungen dort steht, wirkt es außerdem so, als wäre kaum etwas von der Indizierung betroffen.

Die "Jugendverbote" – um deinen Sprachgebrauch zu verwenden – der USK betreffen ja auch nur den Eigenerwerb. Sie dienen also dazu, im Zweifelsfall den Eltern die Entscheidungsgewalt zu übertragen. Und dass Minderjährige manchmal die Zustimmung ihrer Eltern brauchen, das will ich wirklich nicht kritisieren.

PS: Ich fand die Formulierung recht gut, weil sie die strafrechtliche Relevanz (durch die textliche Nähe explizit auch von Hatred) kritisiert hat, obwohl ich anerkenne dass man das Spiel nicht gut finden muss.
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Re: Focus zur neuen Killerspiel-Debatte

Beitragvon Rey Alp » Sa 30. Jul 2016, 22:03

Ich habe den Focus nicht und werde ihn mir auch nicht kaufen.

Nur so ist der Kontext noch schwer nachzuvollziehen: Wurde neben der von dir zitierten Stelle auch der Rest abgedruckt? In welchen Kontext? Wurde das umformuliert und in indirekter Rede wiedergegeben. Oder steht da wirklich ein Text und dabei, dass er von dir stammen würde? Nen Scan wäre da hilfreich - un in diesem Kontext für eine Gegendarstellung im Blog vielleicht sogar erlaubt.

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Re: Focus zur neuen Killerspiel-Debatte

Beitragvon Patrik » Sa 30. Jul 2016, 22:15

Felix Falk hat sich übrigens für den Hinweis bedankt und mir sehr dazu geraten, eine Gegendarstellung einzufordern. Angeblich passiert so etwas beim Focus des öfteren…

Zum Kontext habe ich noch etwas in Links zur Presse und per Mail an dich geschrieben.
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Re: Focus zur neuen Killerspiel-Debatte

Beitragvon Rey Alp » Sa 30. Jul 2016, 22:26

Also daran, dass Texte von Redakteuren redigiert werden, muss man sich wohl irgendwie gewöhnen - das ist üblich. Die Verlage sehen das als ziemlich selbstverständlich an und ich weiß gar nicht, ob du vielleicht auch irgendetwas unterschrieben hast, wo du denen das Recht dazu einräumst. Da gab es ja mal den Fall bei der GEO, bei dem ein Autor geklagt hatte, weil er nicht wollte, dass seine Texte bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden. Auch habe ich bei Krautreporter erfahren, dass es wohl üblich ist, dass die einleitende Sätze/Teaser sowie Überschriften üblicherweise von den Redakteuren und nicht von den Autoren stammen.

Und ansonsten hast du Recht, die haben einfach nicht verstanden, worüber du geschrieben hast und es so verändert wie sie glaubten, dass es gemeint war - war es aber nicht. Und die inhaltlichen Änderungen sind da jetzt wirklich gravierend.

Hast du den den Willen, das in einem Blogeintrag publik zu machen? Nach so einer Aktion wird sich vielleicht künftig ein Journalist 2 mal fragen, bevor er den VDVC um eine Stellungnahme bittet.

Vom rechtlichen Mechanismus her finde ich es übrigens auch verfehlt, "USK Kennzeichnungen" als "Verbot" zu bezeichnen. Ohne USK-Kennzeichungen dürfen (offline) Spiele nur an Volljährige verkauft werden. Mit der Kennzeichnung wird der Verkauf an die jeweilige Altersstufe freigegeben. Die USK-Kennzeichnung an sich verringert also nicht die Möglichkeiten, sondern erweitert sie. Mit der gleichen Logik könnte man den Erwerb einer Fahrerlaubnis Klasse B als "Verbot" bezeichnen, da man damit nicht alle Fahrzeuge lenken darf. Jedoch ohne dürfte man noch weniger lenken. "Runder" wäre die Behauptung, wenn man nicht die Kennzeichnung an sich sondern das System an sich meint, dass eben bei Spielen ohne Kennzeichnung eine Abgabe an Minderjährige untersagt. Aber diese Diskussion ist für mich hier zweitrangig.

edit:

Danke für die E-Mail, nach der Aufmachung wirkt das auch für mich so, als ob der Text von dir stammen würde, was ja auch - mit Abstrichen - zutrifft.

Für eine Gegendarstellung (oder Richtigstellung) könnte man noch Zahlen wegen indizierter Spiele etc. raussuchen. Ist dir der Unterschied zwischen Gegendarstellung und Richtigstellung klar? Gegendarstellung räumt dir nur das Recht zur Gegenrede ein: Also wenn die das abdrucken können die auch gerne - zutreffend - runterschreiben, dass sie unabhängig vom Wahrheitsgehalt zum Abdruck der Gegendarstellung verpflichtet sind und im übrigen bei ihrer Darstellung bleiben. Bei einer Richtigstellung müssen sie einräumen, dass sie etwas falsches geschrieben haben.

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