Schema über Rechtslage

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Patrik » Do 8. Sep 2016, 15:48

Die USK hält unsere Formulierung "Anderen als Händlern ist es mit Zustimmung der Eltern erlaubt" für "sehr vage formuliert und in vielen Fällen eben gerade nicht so". Und empfiehlt, den Satz zu löschen.

Da die Aussage in ihrer Allgemeinheit so offenbar nicht stimmt schlage ich vor, den offensichtlich korrekten Fall "Eltern dürfen im Rahmen des Erziehungsprivilegs hiervon abweichen." zu nennen und die Ausnahmen nicht weiter aufzudröseln. (Faktisch sind es ja die Erziehungsberechtigten, die das letzte Wort haben.)

Ansonsten sprach seitens USK nichts gegen die Veröffentlichung.
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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Rey Alp » Sa 10. Sep 2016, 20:23

Ich habe mal versucht die Konstellationen zu erfassen (Siehe Anhang).

Demnach wäre man mit dem Satz auf der sicheren Seite:

1. Für 0-16:

    Dürfen Minderjährigen durch Erwachsene nicht in der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

2. Für 18/KF:

    Dürfen Minderjährigen durch Erwachsene in der Öffentlichkeit nicht, nichtöffentlich durch diese als Privatperson mit dem Einverständnis der Eltern nur dann zugänglich gemacht werden, wenn dies die elterliche Erziehungspflicht nicht gröblich verletzt.
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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Rey Alp » Sa 10. Sep 2016, 20:38

Das sprengt etwas die Ausmaße der Textbox, aber so würde das dann ausschauen:
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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Patrik » Sa 10. Sep 2016, 20:48

Die USK18-Formulierung halte ich für zu kompliziert.

Ansonsten: Darf ich einem Kind ein USK16-Spiel geben?
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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Rey Alp » Sa 10. Sep 2016, 20:53

Patrik hat geschrieben:Die USK18-Formulierung halte ich für zu kompliziert.

Ansonsten: Darf ich einem Kind ein USK16-Spiel geben?


So wie ich das verstanden habe:

Nicht öffentlich:

- jeder immer (Wobei ich nicht weiß, wie bei Gewerbetreibenden eine nicht öffentliche Weitergabe aussieht. Reicht es nach dem Ladenschluss oder "unter dem Tresen" auf Nachfrage?).

In der Öffentlichkeit:

- immer, wenn du unter 18 bist
- sonst niemals.

(Ich habe in der Formulierung im Schema zur Vereinfachung nicht zwischen ordnungswidrig und strafbar unterschieden sowie das folgenlose unzulässig sein dem zulässig sein zugeschlagen.

Für einfachere Formulierungsvorschläge bin ich offen.)

edit:

Hatte, als du deien Antwort geschrieben hast, gerade die usk-Grafik in meinem ersten Beitrag als Anhang gefehlt? Hatte die nachträglich aktualisiert und ausgetauscht.

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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Rey Alp » So 11. Sep 2016, 20:21

Jetzt auch mit Erwähnung des Erziehungsprivilegs bei der Indizierung.
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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Rigolax » So 11. Sep 2016, 22:55

Mal naiv gefragt, verstehe ich das richtig, dass ein Titel, der schwer jugendgefährdend ist, weil er den Krieg verherrlicht, zunächst absolut unzulässig ist nach JMStV und nachdem er auf Liste A indiziert wurde, nur noch bedingt unzulässig? Oder bleibt der dann absolut unzulässig; wenn ja, wie sollen die Vertreiber das wissen? Müsste es dann nicht noch extra Listen für schwer jugendgefährdend, aber nicht strafrechtlich relevant geben?

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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Rey Alp » Mo 12. Sep 2016, 00:01

Rigolax hat geschrieben:Mal naiv gefragt, verstehe ich das richtig, dass ein Titel, der schwer jugendgefährdend ist, weil er den Krieg verherrlicht, zunächst absolut unzulässig ist nach JMStV und nachdem er auf Liste A indiziert wurde, nur noch bedingt unzulässig? Oder bleibt der dann absolut unzulässig; wenn ja, wie sollen die Vertreiber das wissen? Müsste es dann nicht noch extra Listen für schwer jugendgefährdend, aber nicht strafrechtlich relevant geben?


Ich meine Letzteres: Die Zugänglichmachung des Titel bleibt unzulässig (lila), durch die Indizierung kommt - neben einem weniger weitgehenden (und damit hier folgenlosen) Verbot des Zugänglichmachens außerhalb von geschlossenen Benutzergruppen (rosa) - noch das Werbeverbot (mint) hinzu.

Ich habe mit der einseitigen Einfärbung der schweren Jugendgefährdung (Orange) eben dies anzudeuten versucht: Die Unterteilung in Listenteil A/C und B/D "passt" - wie auch das mit der schweren Jugendgefährdung - eigentlich nur auf den Offlinebereich. Online wäre es sinnvoller über "absolut unzulässige Angebote nach § 4 Abs. 1 JMStV" und "relativ unzulässige Angebote nach § 4 JMStV" zu unterscheiden (Formulierungen von mir). In den Listenteilen findet sich das aber wie gesagt nicht wieder.

Anbieter haben das zu wissen, weil sie ja gesetzlich dazu verpflichtet sind, einen Jugendschutzbeauftragten mit der Fachkunde anzustellen (§ 7 JMStV):

§ 7
Jugendschutzbeauftragte

(1) Wer länderübergreifendes Fernsehen veranstaltet, hat einen Jugendschutzbeauftragten zu bestellen. Gleiches gilt für geschäftsmäßige Anbieter von allgemein zugänglichen Telemedien, die entwicklungsbeeinträchtigende oder jugendgefährdende Inhalte enthalten, sowie für Anbieter von Suchmaschinen.

(2) Anbieter von Telemedien mit weniger als 50 Mitarbeitern oder nachweislich weniger als zehn Millionen Zugriffen im Monatsdurchschnitt eines Jahres sowie Veranstalter, die nicht bundesweit verbreitetes Fernsehen veranstalten, können auf die Bestellung verzichten, wenn sie sich einer Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle anschließen und diese zur Wahrnehmung der Aufgaben des Jugendschutzbeauftragten verpflichten sowie entsprechend Absatz 3 beteiligen und informieren.

(3) Der Jugendschutzbeauftragte ist Ansprechpartner für die Nutzer und berät den Anbieter in Fragen des Jugendschutzes. Er ist vom Anbieter bei Fragen der Herstellung, des Erwerbs, der Planung und der Gestaltung von Angeboten und bei allen Entscheidungen zur Wahrung des Jugendschutzes angemessen und rechtzeitig zu beteiligen und über das jeweilige Angebot vollständig zu informieren. Er kann dem Anbieter eine Beschränkung oder Änderung von Angeboten vorschlagen.

(4) Der Jugendschutzbeauftragte muss die zur Erfüllung seiner Aufgaben erforderliche Fachkunde besitzen. Er ist in seiner Tätigkeit weisungsfrei. Er darf wegen der Erfüllung seiner Aufgaben nicht benachteiligt werden. Ihm sind die zur Erfüllung seiner Aufgaben notwendigen Sachmittel zur Verfügung zu stellen. Er ist unter Fortzahlung seiner Bezüge soweit für seine Aufgaben erforderlich von der Arbeitsleistung freizustellen.

(5) Die Jugendschutzbeauftragten der Anbieter sollen in einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch eintreten.

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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Rigolax » Mo 12. Sep 2016, 02:08

Wird damit noch klarer, warum die Anbieter sich so weigern, geschlossene Nutzergruppen einzubauen IMHO.

Ich habe das im Schema auch so verstanden und eigentlich auch vermutet (geht aus meiner Frage nicht hervor, falschrum formuliert), bin trotzdem etwas verwundert, dass das tatsächlich so ist. Wäre mal interessant zu erfahren, welche Titel alle relevant sind. Würde die BPjM so eine Liste übermitteln, wenn man anfragt?

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Re: Schema über Rechtslage

Beitragvon Rey Alp » Mo 12. Sep 2016, 19:25

Es ist eigentlich nicht deren Aufgabe, aber wenn man nett fragt, würde ich das nicht ausschließen.

Dabei würde ich nicht unbedingt direkt nach einer Liste fragen, sondern danach, ob es Videospiele gibt, die wegen kriegsverherrlichender Inhalte oder die Menschenwürde verletzende Realdarstellungen indiziert waren oder sind.

Ich würde das als recht übersichtlich einschätzen. Wegen Kriegsverherrlichung käme bei den neuen Titeln vielleicht allenfalls C&C Generals in Betracht. Ggf. auch ältere wie "River raid", wenn da die Indizierung nicht schon aufgehoben ist. Für die Kategorie der Realdarstellungen würde mir auf Anhieb nichts einfallen.

Dabei muss man aber auch hier Bedenken, dass die Indizierung nicht Voraussetzung für das Verbot ist. Wenn es ein kriegsverherrlichendes Spiel gibt ist dessen Angebot unabhängiog davon zulässig, ob die BPjM schon dazu gekommen ist es zu indizieren.


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