Links zur Presse (Stigma) #6

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Pyri
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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon Pyri » Do 19. Jan 2017, 18:05

amegas hat geschrieben:https://www.op-online.de/region/frankfurt/gewalthaltige-computerspiele-muss-sein-7247989.html
"Welten, Wunder, Waffen (...) Der Kassenschlager „Grand Theft Auto 5“ (2013) belohnt fürs Morden. "

Diese Logik einer affirmativen Interpretation von Belohnungen verläuft jedes Mal so als würde in einer Wirtschaftssimulation die Reduktion von Löhnen bei gleichzeitiger Steigerung des Profits mit einer Ausbeutung der Belegschaft (antikapitalistisch) gleichgesetzt werden. In letzter Konsequenz würde das wirklich bedeuten, dass sämtliche negativen Inhalte ausgespart werden müssten (weil sie in der Folge als positiv gemeint interpretiert werden sollen). Leider betrifft das haargenau auch das Sendungsbewusstsein Grimme-Nominierter: die "Gewalt", "Killerspiele", bleiben praktisch immer nur als "Gewalt" bestehen und im schlimmsten Fall wird damit noch per Clickbaiting Geld gemacht, vermutlich schon bei diesem Artikel.

Patrik hat geschrieben:Laut GameStar ist es ein Kriegsverbreichen, ein rotes Kreuz in Videospielen darzustellen: http://www.gamestar.de/spiele/prison-architect/news/streit_um_rotes_kreuz,47602,3308135.html (Es geht um die Krankenwagen in Prison Architect.)


http://www.gamepro.de/artikel/genfer-ko ... 08118.html Auch dieser Artikel ist ein besonders krasses Beispiel für die jüngste Neigung der MKW Videospiele als "Spiele" zu betonen und sich auf deren sozialem Aspekt zu fokussieren. Der Ausdruck bleibt da völlig unberücksichtigt - übrig nur ein "Produkt" das "konsumiert" wird, sowie in der Folge "Realität" gegenüber gestellt.
Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass sich die Organisation um spezifische Inhalte, wie dass in dem "Spiel" elektrische Stühle fabriziert werden sollen, erst gar nicht kümmern braucht: so umfassend ist diese in der Sache unwidersprochen bleibende Diskriminierung der Form. Sicher wird das Rote Kreuz als Organisation keine Lizenzen ausstellen, ihre Marke also nicht monetarisieren. Aber genauso wenig wird eine Filmgesellschaft wie allein etwa Degeto da jedes Mal gesondert um Erlaubnis fragen... Der Elefant im Raum die Tatssache, dass Videospiele Kompositmedien sind - sich zu einem nicht unerheblichen Teil aus anderen Medien (in digitaler Form) bloß zusammensetzen. Sämtliche audiovisuellen Assets (gesprochene Sprache, Bilder, Videos, Musik). Dann der literarische Anteil, das heißt sämtliche Texte usw. usf.
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marcymarc
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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon marcymarc » Do 19. Jan 2017, 18:24

Gleichzeitig wird die Verwendung der Symbole in literarischer Beschreibung oder Film nicht kritisiert. Ist also wieder nur selektives Bashing. So sehr ich den Versuch des Schutzes des Schutzzeichens auch nachvollziehen kann und inhaltlich richtig finde, unterstütze ich dennoch nicht die Pauschalisierung, dass es grundsätzlich in Spielen nichts zu suchen hat. Klar hat man damit nur Einrichtungen und Ressourcen zu Kennzeichen, die im Krieg zu schützen sind. Wenn man aber jede Nutzung in Fiktion unterbindet, kann man die "Marke" auch in die Vergessenheit schieben.
Zuletzt geändert von marcymarc am Fr 20. Jan 2017, 16:32, insgesamt 1-mal geändert.

Rigolax
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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon Rigolax » Fr 20. Jan 2017, 16:31

http://steamcommunity.com/groups/forunc ... 6578974139

"Gal*Gun: Double Peace aus neuseeländischen Store entfernt"

Ganz witzig im Vergleich zu Deutschland. Hier gab's USK 16. Aber dafür hatte die USK Probleme mit Criminal Girls 2 und Valkyrie Drive: Bhikkhuni. Die Argumentation mit der niedrigen Spielschwierigkeit kommt mir auch arg von der BPjM bekannt vor, mir fiel aber kein Beispiel mehr ein.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon Rigolax » So 22. Jan 2017, 15:10

http://www.polygon.com/2017/1/21/143458 ... ideo-games

"The flawed report that made erroneous claims about violent video games
Research that claimed link between shooting games and improved marksmanship retracted"

"Boom, Headshot!" was published in 2012 and claimed to demonstrate that people who played first-person shooting games extensively also became better at shooting real guns. It was headed up by Professor Brad Bushman at The Ohio State University[...]

Publisher Communications Research posted a notice that the report is being retracted following an Ohio State University committee of inquiry into the matter. The notice stated that data inconsistencies highlighted by Markey and Elson could not be verified because the data is now missing."

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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon marcymarc » Mo 23. Jan 2017, 15:31

http://spon.de/aeUr2 der Autor dieses Artikels ruft dazu auf, als Antwort auf Importzölle für deutsche Autos in Amerika über eine Indizierung von Facebook & Co. nachzudenken und spinnt den Gedanken mit "Netzsperren" weiter (gemeint ist wohl das BPjM Modul), lässt dabei jedoch unbeachtet, dass es keine Netzsperren gibt, sondern nur ein De-listing von Suchergebnissen.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon ShaneFenton » Mo 23. Jan 2017, 16:16

Rigolax hat geschrieben:http://www.polygon.com/2017/1/21/14345864/flawed-report-violent-video-games

"The flawed report that made erroneous claims about violent video games
Research that claimed link between shooting games and improved marksmanship retracted"


How interesting. How funny, too.

The notion of violent video games increasing real-life shooting accuracy is the focal point of Dave Grossman's theory about "murder simulators". A theory that he's been disseminating since 1995-1996, and has never been scientifically validated since (see Steven Kirsch's book, "Children Adolescents and Media Violence", in which the author explicitly says twice that Grossman's theory has not been proved). The only study that seemed to confirm a small part of this theory was, indeed, the Bushman study, published in 2012.

So not only did we have to wait for more than 15 years to have a partial pseudo-validation of a theory that was largely spreaded in the mainstream media and academic circles without any scientific proof : this pseudo-validation itself was actually flawed and retracted. So much for the "killology experts".

By the way, I finally wrote my article about Dave Grossman's controversial seminars and the militarization of police : http://merlanfrit.net/Dave-Grossman-Tel-est-pris-qui (the subtitle says : "Stop teaching our cops to kill us" ;) )

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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon Rigolax » Fr 27. Jan 2017, 17:15

Dead Rising 4 uncut mit USK-Freigabe (keine Jugendfreigabe). Tja, nichts ist wohl unmöglich. Dritter Versuch in der Appellation (Bayern?).

http://www.giga.de/spiele/dead-rising-4 ... utschland/

http://steamcommunity.com/groups/forunc ... 3183140771

Was mich etwas wundert, ist der fehlende Ragdoll und andere Details. Könnte man globale Vorabzensur vermuten, da Msoft ja auch nach DE wollte. Aber ich bezweifel, dass das Freigaberelevant gewesen wäre?

Siehe hier bei ca. 0:25: https://www.youtube.com/watch?v=UUxJpDtg0Bs (ich habe die Reihe nie gespielt, daher keine Ahnung).

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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon Pyri » Fr 27. Jan 2017, 22:24

Die Frage bleibt ob jetzt wieder Jahre (so wie letzten Endes bei "Gears of War" 1+2) gewartet werden braucht, bis auch die vier Vorgänger ("Off the Record" dazugezählt) freikommen. Und was das für die beiden verbliebenen, indizierten AAA-Franchises ("Dead Island" und "Dying Light") bedeutet.
Damit hat sich die Institution jedoch zweiffellos selbst abgeschafft: AAA-Titel die noch indiziert werden könnten, werden demnach keine mehr entwickelt werden - zumal auch Spiele mit Nazi-Thematik in Deutschland dementsprechend perfekt angeglichen erscheinen. Die (erwünschte) Anpassung an die Filmindustrie ist damit weitestgehend vollzogen.
Rigolax hat geschrieben:Siehe hier bei ca. 0:25: https://www.youtube.com/watch?v=UUxJpDtg0Bs (ich habe die Reihe nie gespielt, daher keine Ahnung).

Fehlendes Ragdoll-Verhalten kann ich da zwar nicht erkennen, aber dass verletzte Körper die am Boden liegen nicht weiter zerstört werden können ist mittlerweile industrieweit üblich. Und das war über die Jahre ja offenbar eines der zentralsten No-Gos aus Deutschland - scheinbar vor allem auf Leichenschändung und die Menschenwürde bezogen.
Zuletzt fiel es mir bei "Mafia III" auf: das Gameplay ist dort eigentlich recht dynamisch und selbst spontane Tötungen scheinen kein Problem mehr darzustellen, nebst einer zynischen Bemerkung des Protagonisten/Antihelden wonach Drogen nur deshalb nicht an Kinder verkauft werden weil diese sich keine leisten könnten, aber sobald jemand am Boden liegend sich nicht mehr bewegt hört das alles auf. Die Figur bleibt dann zwar noch bewegbar, kann in ihrer Konsistenz aber nicht mehr verändert werden - was etwa auf "Dead Space" zurückzuführen ist und zumindest dort wie bei Schaufensterpuppen wirkte. Vergleichbar auch mit dementsprechenden Darstellungen in "Red Dead Redemption" und "GTA V".
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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon Rey Alp » So 29. Jan 2017, 12:34

Also ein paar relevante Änderungen für die hiesige Kennzeichnungspraxis werden im Video ja angesprochen:

- "In Brand gesetzte" Zombies fallen fast sofort verkohlt um und es kann nicht wie im Vorgänger passieren, dass die noch schreiend umherlaufen (schreiende Zombies finde ich da allgemein auch etwas verstörend).

- (lebend) abgetrennte Körperteile werden recht schnell ausgeblendet.

Darüber hinaus gibt es noch offene Punkte:

- Wie Pyri konnte ich im Video auch nicht sicher sehen, dass auf tote Unote gar nicht mehr eingewirkt werden könnte (Kein "postmortales" Ragdoll) - es wurde allein allgemein demonstriert, dass Schüsse keine Schusswunden an Körpern hinterlassen, während es z. B. Schilden durchaus Dellen gibt.

- Und an menschlichen Gegnern sowie dem Protagonisten selbst gibt es überhaupt keine Schadenseffekte!? (Außer höchstens wegspritzendes Blut?).

Anders als Pyri, kann ich nicht beurteilen was da inzwischen "Industriestandard" ist (und warum). Aber das "Brennen" von Gegnern war wie das Einwirken können auf tote Gegner sowie bei lebenden Menschen das Abtrennen können von Gliedmaßen (bzw. dort allgemein die Verursachung von sichtbarne Schäden) immer äußerst kritisch und neben der Indizierung auch schon für ein Verbot nach § 131 StGB gut. Auch wenn ich bei den letzten beiden Punkten nicht weiß, wie das bei den Vorgängern war, hört sich das für mich nicht mehr für eine so gravierende Änderung der Spruchpraxis an, wie man auf den ersten Blick vermuten würde. Vielmehr nach einer "globalen" Selbstzensur in Hinblick auf die deutschen Bestimmungen. Ich hätte wirklich nicht geglaubt, dass die Spielekiller recht haben und man mit deutschen Gesetzen sogar nicht nur die hierzulande erscheinenden Spiele, sondern sogar die Originalversionen beeinflussen kann. Krass.

Wobei mich da jetzt brennend interessiert, ob die "USK 18" mit oder ohne postmortalem Ragdoll erreicht wurde.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #6

Beitragvon Rigolax » Mo 30. Jan 2017, 21:24

Habe mich mit "Ragdoll" unglücklich ausgedrückt, ja.

Diesen Monat sind die Indzierungen/Beschlagnahmungen auch interessant.

Zunächst wurde ja Duke Nukem 3D auf Antrag gestrichen. Gears of War 2 war ja schon bekannt. Dann noch nach Zeitablauf: Wings of Fury und Blazing Thunder. Aber auch:
Hatred
Walkthrough Full Part 1-7
Videoclips
AG Tiergarten, Beschlagnahmebeschluss vom 07.12.2016,
Az.: (353 Gs) 284 AR 55/16 (5820/16)


http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=11646

Einen Beschlagnahmebeschluss von Videoclips eines Spieles kannte ich auch noch nicht. Ist Hatred als Telemedium an sich schon mal beschlagnahmt worden? Steht ja afaik nur auf Listenteil D. Aber wenn (unkommentierte?) Videoclips reichen, erfüllt das Spiel wohl ohnehin § 131 StGB.

edit: müssten die Videos von diesem Kanal sein: https://www.youtube.com/user/dsR07mm


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